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Rock ’n’ Roll

Typisch sind verhältnismäßig kurze Kompositionen im 12-taktigen Bluesschema und die „rollende“, ursprünglich aus dem Boogie-Woogie stammende Basslinie. Rock 'n' …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Definition und Merkmale
  2. 2. Entstehung und gesellschaftliche Bedeutung
  3. 3. Wurzeln im Rhythm and Blues
  4. 4. Wichtige Spielarten
  5. 5. Revival und spätere Verwendung

Definition und Merkmale

Rock ’n’ Roll ist ein nicht klar umrissener Sammelbegriff für eine US-amerikanische Musikrichtung der 1950er- und frühen 1960er-Jahre sowie für das damit verbundene Lebensgefühl einer Jugend-Protestkultur. Musikhistorisch bezeichnet der Begriff diverse Frühformen der Rockmusik, die Mitte der 1950er Jahre in den USA entstanden und in ihrer subkulturellen Funktion Mitte der 1960er Jahre von der Beatmusik abgelöst wurden. Rock ’n’ Roll gilt als Ursprungsform der Rockmusik.

Typisch ist eine Band mit einem als Frontmann auftretenden Sänger, Gitarre und/oder Klavier, Kontrabass oder E-Bass und Schlagzeug; gelegentlich kommen weitere Instrumente wie Saxophon hinzu. Der Gesang ist oft kehlig-rau. Ein ständig wiederholtes Riff wird mit einem harten Beat verbunden, meist im 4/4-Takt, seltener im 3/4-Takt, und mit deutlichem Backbeat beziehungsweise Offbeat gespielt. Häufig sind kurze Kompositionen im 12-taktigen Bluesschema sowie eine „rollende“ Basslinie, die ursprünglich aus dem Boogie-Woogie stammt.

Der gleichnamige Tanz ist ein mit dieser Musik verbundener Turniertanz. Er entwickelte sich aus dem Lindy Hop, einem Swing-Tanz der 1930er Jahre, und ist vor allem durch akrobatische Einlagen gekennzeichnet.

Der Begriff wurde vermutlich erstmals 1951 vom amerikanischen DJ Alan Freed als Bezeichnung für eine Musikrichtung geprägt. Freeds Radioshow Moondog Rock and Roll House Party spielte vor allem schwarzen Rhythm and Blues und erreichte Mitte der 1950er-Jahre weiße und schwarze Jugendliche. Dadurch konnten viele weiße Jugendliche in der Zeit der Rassentrennung afroamerikanische Unterhaltungsmusik intensiv hören. Freed veranstaltete außerdem Konzerte und förderte Künstler wie Chuck Berry, Bo Diddley, Gene Vincent und Frankie Lymon. Aus einem zunächst mit Rhythm and Blues gleichgesetzten Ausdruck wurde so ein eigenständiger Gattungsbegriff, der die damalige Trennung zwischen Schwarz und Weiß teilweise aufweichte.

Nach Dieter Moll werden fünf Grundspielarten unterschieden: Northern Band Rock ’n’ Roll, New Orleans Dance Blues, Memphis Country Rock (Rockabilly), Chicago Rhythm and Blues und Vocal Group Rock ’n’ Roll.

Entstehung und gesellschaftliche Bedeutung

Ende der 1940er-Jahre entstand in den USA eine Kultur des Aufbegehrens. Zu ihren Idealen gehörten das Underdog-Dasein, die Freiheit von bürgerlicher Moral, Drogen und rastlose Mobilität. Zunächst identifizierte sich diese Bewegung nicht über Rock ’n’ Roll, sondern über die Beat-Literatur, Filme und Bücher. Anhänger der Beat-Generation hörten Anfang der 1950er-Jahre vor allem schwarzen Bebop-Jazz. Später wurde das Hören von Rhythm and Blues populär, obwohl Eltern diese Musik häufig verboten.

Folk- und Blues-Schallplatten im Rundfunk bereiteten ein großes jugendliches Publikum auf die neue Musik vor. Als Bill Haley 1954/55 Rock Around the Clock veröffentlichte, wurde die Verschmelzung von Blues und Country-Musik in den USA zu einem Massenereignis. Die Musik füllte ein gesellschaftliches Vakuum: Sie gab dem vorhandenen, zunächst nur vagen Lebensgefühl der Jugend eine Ausdrucksform. Überwiegend weiße Musiker machten Rock ’n’ Roll für die amerikanische Öffentlichkeit leichter akzeptierbar, auch weil seine Verwandtschaft zum Swing an verbreitete Hör- und Harmoniegewohnheiten anknüpfte.

Der weltweite Durchbruch kam durch den Film Die Saat der Gewalt von 1955, in dem Rock Around the Clock zweimal eingesetzt wurde. Die Musik wurde nun auch vom Musik-Establishment als Rock ’n’ Roll bezeichnet. Ihr Erfolg beruhte wesentlich auf der Sehnsucht nach einer eigenen Jugendmusik, mit der sich die Rebellion gegen die Elterngeneration ausdrücken ließ. Rock ’n’ Roll wurde dadurch zu einem Ventil gesellschaftlicher Zwänge.

Ab 1956 traten Stars wie Chuck Berry, Little Richard, Jerry Lee Lewis und der frühe Elvis Presley hervor. Ihre Musik wurde wilder, lauter und aggressiver. Haartracht, Kleidung und sexuelle Gesten auf der Bühne verletzten gesellschaftliche Konventionen. In der noch von der McCarthy-Ära geprägten Gesellschaft wurde dieses Verhalten als Kontrollverlust und Bedrohung wahrgenommen. Die Bedrohung durch die Sowjetunion, Interkontinentalraketen und Atomwaffen verringerte zusätzlich die Toleranz für eine neue Jugendkultur.

Skandale in der boomenden Musikindustrie, darunter der Payola-Skandal, brachten Rock ’n’ Roll in Verbindung mit Kriminalität. Drogenkonsum und öffentlich bekannt gewordene Verhaftungen verstärkten diesen Eindruck. 1958 erschütterte außerdem die heimliche Ehe von Jerry Lee Lewis mit seiner damals erst 13-jährigen Cousine die Öffentlichkeit. Der Druck von Öffentlichkeit und religiösen Organisationen sowie staatliche Eingriffe verdrängte Rock ’n’ Roll Ende der 1950er-Jahre zunehmend aus den Medien und führte zu seiner allgemeinen Ächtung. Little Richard wandte sich der Theologie zu, Gene Vincent wanderte nach England aus. Der Tod von Big Bopper, Buddy Holly und Ritchie Valens bei einem Flugzeugabsturz 1959 sowie der Tod Eddie Cochrans 1960 leiteten das Ende des rebellischen Rock ’n’ Roll ein. Die Suche der Jugend nach neuen Ausdrucksformen setzte sich in der Anfang der 1960er-Jahre in England entstehenden Beatmusik fort.

Rock ’n’ Roll war nie ein homogener Stil. Die regionalen Rundfunksender, die regional organisierte Plattenindustrie, ethnische Subkulturen und die Rassentrennung in den Südstaaten begünstigten unterschiedliche regionale Musikformen. Gemeinsam war ihnen, dass sie Ausdruck gesellschaftlicher Rebellion waren und im Rhythm and Blues wurzelten.

Wurzeln im Rhythm and Blues

Der Begriff Rhythm and Blues wurde Anfang der 1940er Jahre von Jerry Wexler geprägt und wandelte seine Bedeutung mehrfach. Zunächst ersetzte er die Bezeichnung „Race Music“ und meinte in den 1940er Jahren sämtliche afroamerikanische Musik außer Jazz, also die Musik der schwarzen Unterschicht in den USA. In den 1960er Jahren wurde er durch den Markennamen Soul verdrängt. Heute bezeichnet (Contemporary) R&B eine Form zeitgenössischer schwarzer Popmusik. Rhythm and Blues ist daher keine einheitliche Musikrichtung.

Ende der 1940er-Jahre entwickelte sich durch die Urbanisierung der schwarzen Landbevölkerung ein großstädtischer Stil. Viele Combos waren verkleinerte schwarze Bigbands, häufig Sextette oder Quintette. Die kleinere Besetzung war für ärmere Clubs kostengünstiger. Die neue elektrische Gitarre konnte die geringere Lautstärke ausgleichen. Im Klavierstil spielte die linke Hand boogieartige Bassbegleitungen, während die rechte Hand schnelle, triolische Doppelgriffe ausführte.

Im Unterschied zum Swing trat der solistische Anteil der Bläser zurück. Das Altsaxofon wurde zunehmend als Rhythmusinstrument eingesetzt und spielte Shuffle-Grooves. Reine Instrumentalstücke waren selten. Sängerinnen und Sänger verwendeten häufig gospelartige Verzierungen; der Frauenanteil war im Rhythm and Blues deutlich höher als im Rock ’n’ Roll. Viele Texte enthielten sexuelle Anspielungen und Zweideutigkeiten.

Für das etablierte Amerika galt Rhythm and Blues als anzüglich, vulgär und inakzeptabel. Trotzdem entstand eine eigene Musikindustrie, zu der auch größere Labels wie Atlantic Records gehörten. Der Produzent Jerry Wexler förderte diese Musik besonders.

Rock ’n’ Roll übernahm aus dem Rhythm and Blues vor allem das Metrum, den Gesangsstil und textliche Grundlagen. Vorbilder waren unter anderem der frühe Ray Charles, Big Joe Turner, Louis Jordan, Bo Diddley, Chuck Berry, Fats Domino, Little Richard und LaVern Baker. In St. Louis, Chicago und New Orleans wurden beide Begriffe lange synonym verwendet. Auch Spielarten wie Rockabilly und Highschool-Rock-’n’-Roll wurden vom Rhythm and Blues beeinflusst.

Rock ’n’ Roll war damit eine Weiterentwicklung und häufig auch eine „Verweißung“ des Rhythm and Blues. Teile der schwarzen Jugend konnten sich damit nur begrenzt identifizieren. Besonders problematisch war, dass weiße Künstler mit dieser Musik Millionen verdienten, während schwarzen Musikern der Erfolg beim Massenpublikum vielfach versagt blieb.

Wichtige Spielarten

Die einzelnen Spielarten unterschieden sich nach Region, Bevölkerungsgruppe, Besetzung und musikalischem Schwerpunkt:

  • Northern Band Style: Ab 1952 entstand im Norden der USA eine weiße Musikrichtung, die swingenden Bigbandsound, markanten 4/4-Offbeat und Boogielinien in kleiner Besetzung verband. Typisch waren ein „geslappter“ Kontrabass, ein dominantes oder solistisches Schlagzeug, Bläser, schnelle E-Gitarrenläufe, synchrone Bewegungen, gemusterte Einheitsanzüge und Zwischenrufe wie „crazy man, crazy!“. Bill Haley erzielte 1952 mit Rock the Joint und 1953 mit Crazy Man, Crazy wichtige Erfolge. Von Mitte 1954 bis Mitte 1956 dominierte er die Popularisierung des Rock ’n’ Roll.

  • Rockabilly: Diese um 1953 in den Südstaaten entstandene Verbindung von Rhythm and Blues und Country-Musik wurde zunächst mit „geslapptem“ Kontrabass, E-Gitarre und Gesang gespielt. Später kamen Schlagzeug und Klavier hinzu. Von Memphis, Tennessee, aus verbreitete sich der Stil durch die Tourneen der Musiker von Sun Records. Jerry Lee Lewis, Gene Vincent und Buddy Holly entwickelten eigenständige Varianten. Ab 1957 ging Rockabilly teilweise in Mainstream-Rock-’n’-Roll über; andere Musiker kehrten zur Country-Musik zurück. Weitere Vertreter waren der frühe Elvis Presley, der frühe Johnny Cash, Carl Perkins, das Johnny Burnette Trio, Eddie Cochran und der frühe Roy Orbison.

  • Handjive beziehungsweise Chicago- oder Bo-Diddley-Sound: Diese ursprünglich schwarze Spielart entstand Ende der 1940er-Jahre in Chicago. Maracas erzeugen einen stark hervortretenden, tranceartigen und ostinaten Groove, der sich zeilenweise mit dem Gesang abwechselt. Die Gesangsmelodie folgt einem Frage-Antwort-Schema. Der Handjive ging aus Straßenmusik, Abzählreimen, Abklatschversen und der Körper-Perkussion des „Hambone“ hervor. Sammy McGier und die Hambone Kids nahmen Anfang der 1950er-Jahre Hambone auf. Bo Diddley erzielte 1955 mit Bo Diddley Platz eins der Rhythm-and-Blues-Charts. Sein leicht verzerrter E-Gitarrensound und der Bo-Diddley-Lick beeinflussten unter anderem Buddy Holly, Johnny Otis, die Rolling Stones und die Animals.

  • Car-Sound: Der Car-Sound bezeichnete in den 1950er-Jahren vor allem Chuck Berrys Musik. Maybellene von 1955 thematisierte ein Autorennen und den amerikanischen Autokult. Berrys fast weiß klingender Gesang, die leicht röhrenverzerrte E-Gitarre, zweisaitige Bendings und abgedämpfte Basssaiten prägten den Chicago-Rock-’n’-Roll. Seine Licks wurden zu einem Standardrepertoire vieler Gitarristen und Schülerbands und beeinflussten die Beatmusik. Bo Diddley und die Surf-/Hotrod-Musiker griffen den Stil auf.

  • Schwarzer Doo Wop: Diese ab 1948 entwickelte Rhythm-and-Blues-Unterart stellte mehrstimmige Gesangsarrangements in den Mittelpunkt. Sie wurde in öffentlichen Räumen wie unter Brücken, in U-Bahnhöfen und Greyhound-Wartehallen gesungen. Balladen wechselten mit schnellen Nummern. Ab 1956 kamen mehr Doo-Wop-Aufnahmen in die Billboard-Charts; meist wurde der A-cappella-Gesang durch Saxophon, Klavier und gelegentliche Gimmicks wie Glockenspiele ergänzt.

  • Weißer Doo Wop: Ende der 1950er-Jahre kopierten junge weiße Amerikaner, besonders Nachkommen italienischer Einwanderer in der New Yorker Bronx, den schwarzen Doo Wop. Sexuelle Anspielungen wurden durch harmlosere Themen aus dem Teenageralltag ersetzt. Charakteristisch war die hohe Falsettstimme des Leadsängers. Der Stil wurde zur Identifikationsmusik einer italo-amerikanischen Jugendgeneration und zum Vorläufer von Surf- und Highschool-Rock-’n’-Roll.

  • New Orleans Sound: Diese schwarze Spielart von Rock ’n’ Roll beziehungsweise Rhythm and Blues ist durch ein in hohen Lagen triolisch gespieltes Klavier gekennzeichnet. Sie reicht in die frühen 1950er-Jahre zurück und wurde um 1955 mit Fats Domino und dem aggressiveren Little Richard als Rock ’n’ Roll bekannt. Die Tradition wird bis in die Gegenwart gepflegt.

  • Instrumental: Im Westen der USA entstand 1957 eine Gitarren-Instrumentaltradition. In Lee Hazlewoods Studio in Phoenix, Arizona, und später in Los Angeles wurden leicht verzerrte Gitarren, einfache Saxofonsoli und ein durch die natürliche Akustik eines metallenen Getreidespeichers erzeugter Hall verbunden. Duane Eddys „Twang Sound“ beeinflusste auch europäische Musiker, etwa die Shadows. Johnny and the Hurricanes entwickelten ab 1959 einen schwereren Sound mit growlendem Saxofon, einfachem Keyboard und angezerrter Gitarre.

  • Surf/Hotrod: Der instrumentale Surf Rock übernahm Twang-Sound und Saxofon, verwendete häufig Stratocaster, Tremolohebel und Bandecho und setzte Glissando-Riffs ein. The Belairs veröffentlichten 1961 Mr. Moto, Dick Dale Let’s Go Trippin’. Die mehrstimmige Popform wurde durch die Beach Boys und Jan and Dean bekannt; Surfin’ der Beach Boys erschien 1961 und erreichte Platz 75 der Charts. Ihre Texte verherrlichten Kalifornien, Surfen und frisierte Autos (Hotrods). Beide Formen begründeten die Westcoast-Rocktradition; der instrumentale Stil beeinflusste später auch Punk. In der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre entwickelte sich Surfmusik teilweise ins Psychedelische.

  • Teenage Rock ’n’ Roll/Highschool: Ende der 1950er-Jahre wurde eine gezähmte, „elternkompatible“ Version für ein junges weißes Mittelklassepublikum geschaffen. Strickwesten, Polohemden und Krawatten ersetzten Jeans und Lederjacken. Viele Teen-Idole wurden nach ihrem Aussehen ausgewählt; Studioarbeit glich teilweise geringe Gesangsfähigkeiten aus. Die Dick Clark Show American Bandstand war für ihre Vermarktung wichtig. Ob diese Musik echter Rock ’n’ Roll war, ist umstritten.

  • Twist: Diese späte Spielart und der dazugehörige Tanz waren etwa zwei Jahre in den USA und Europa populär. Der Tanz wurde allein statt paarweise ausgeführt und leitete damit die bis heute übliche Tanzweise in Diskotheken ein. Musikalisch griff der Twist in der Zeit des seichten Highschool-Rock-’n’-Roll wieder stärker auf Rhythm and Blues zurück. Hank Ballard nahm The Twist 1958 erstmals auf; Chubby Checker veröffentlichte den Titel 1959. 1960 erreichte er Platz eins der Charts, im Januar 1962 erneut. 1961 begann der weltweite Erfolg.

Weitere regionale Formen waren der von Ritchie Valens vertretene Chicano Rock, der Cajun-Rock beziehungsweise Swamp Rock in Louisiana sowie Mischungen aus New-Orleans-Rhythm-and-Blues und jamaikanischer Folklore, aus denen Anfang der 1960er-Jahre Ska und später Reggae hervorgingen. Ab etwa 1957 verwischten durch die massenmediale Verbreitung die Grenzen zwischen den regionalen Stilen. Die Mainstreamform verband Elemente mehrerer Spielarten, etwa Rockabilly und Doo Wop bei Gene Vincent oder Texas-Rockabilly, Doo-Wop- und Chicago-Grooves bei Buddy Holly.

Revival und spätere Verwendung

Anfang der 1960er-Jahre verlor Rock ’n’ Roll an Beliebtheit. Elvis Presley und viele andere Musiker wandten sich von ihm ab oder kehrten zur Country-Musik zurück. Die Beatles machten die britische Beatmusik bekannt; bis Mitte der 1960er-Jahre spielten nur noch wenige Clubs und Bars Rock ’n’ Roll. Gleichzeitig belebten weiße Musiker wie die Rolling Stones, die Yardbirds, Alexis Korner und Dave Edmunds den Rhythm and Blues wieder.

Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre kam Bill Haleys Shake, Rattle And Roll erneut in die britischen Charts. Teddy-Boy-Kleidung wurde wieder populär, und Bands aus dem Umfeld des Glamrock, darunter Mud, Rubettes und Showaddywaddy, ahmten die Vorbilder der 1950er-Jahre nach. Seit 1969 trat Shakin’ Stevens & The Sunsets hervor; diese Entwicklung wird als Rock-’n’-Roll-Revival bezeichnet. Mitte der 1970er-Jahre beschleunigten Gruppen wie Crazy Cavan und Matchbox den Rhythmus, stellten die Gitarre stärker in den Vordergrund und bezogen sich häufig inhaltlich auf die englische Teddy-Boy-Szene. Dieser Stil heißt auch Teddy Boy Rock ’n’ Roll. In Deutschland gab es unter anderem Comebacks von Ted Herold und Peter Kraus, Rock ’n’ Roll der Spider Murphy Gang in bairischer Mundart und Erfolge der Ace Cats.

Seit den 1970er Jahren bezeichnet „Rock ’n’ Roll“ außerdem eine Spielart von Rockmusik beziehungsweise Hard Rock, die sich durch bewusst einfache Kompositionen, die Besetzung mit Gesang, Gitarre, E-Bass und Schlagzeug sowie eine einfache Bühnenerscheinung auszeichnet. Der Begriff dient dabei auch zur Abgrenzung von Progressive Rock und Glam Rock. Beispiele für diese spätere Verwendung sind Motörheads Auftrittssatz „We are Motörhead and we play Rock ’n’ Roll!“, das Album Rock ’n’ Roll von 1987, das Rolling-Stones-Album It’s Only Rock ’n Roll von 1974 und verschiedene Songtitel von AC/DC.

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