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Big Band

Eine Big Band oder Bigband (früher häufig auch Jazz Orchestra genannt) ist eine große Jazz-Band mit mehrfach besetzten Blasinstrumenten und der sogenannten …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Grundbesetzung
  2. 2. Besondere Formen der Bigband
  3. 3. Klangtechniken, Dämpfer und hohe Trompetenlagen
  4. 4. Partitur und Improvisation
  5. 5. Entwicklung und wichtige Vertreter

Begriff und Grundbesetzung

Eine Big Band oder Bigband ist eine große Jazz-Band mit mehrfach besetzten Blasinstrumenten und einer Rhythmusgruppe. Sie entstand in den USA der 1920er Jahre und prägte die Swing-Ära. Im weiteren Sinn bezeichnet der Begriff auch große Tanzorchester unabhängig von ihrer Stilrichtung.

Die moderne Swing- oder Jazz-Bigband besteht grundsätzlich aus drei Bereichen:

  • Die Rhythmusgruppe umfasst Klavier oder Keyboard, Gitarre, Kontra- oder E-Bass, gegebenenfalls Tuba, Schlagzeug und weitere Perkussionsinstrumente.
  • Die Holzbläsersektion besteht vor allem aus Saxophonen. Sie kann durch Klarinetten, Bassklarinette, Querflöten oder Altflöten ergänzt oder ersetzt werden.
  • Die Blechbläsersektion besteht aus Trompeten und Posaunen.

Die Bläsersektionen haben normalerweise jeweils vier bis fünf Instrumente, die nach ihrer maximal spielbaren oder im Arrangement vorgesehenen Tonhöhe geordnet sind. Üblich sind fünf Saxophone: 1. und 2. Altsaxophon, 1. und 2. Tenorsaxophon sowie Baritonsaxophon. Als Nebeninstrumente kommen unter anderem Sopransaxophon, Quer- oder Altflöte, Klarinette und Bassklarinette hinzu. Die Trompetensektion umfasst meist Trompete 1 bis 4, gelegentlich eine fünfte Trompete; als Nebeninstrument dient etwa das Flügelhorn, für extrem hohe Partien auch die Piccolotrompete. Die Posaunensektion besteht meist aus vier Posaunen, wobei die 4. üblicherweise eine Bassposaune ist. Fünf Posaunen sind eher unüblich.

Die ersten Stimmen führen jeweils ihre Sektion an und übernehmen meist auch die Soli. In Tutti- oder Shout-Phrasen ist gewöhnlich die erste Trompete die höchste und durchdringendste Leadstimme. Der Arrangeur bestimmt den Gesamtklang wesentlich. Dafür muss er die mögliche Stimmführung sowie die technischen Möglichkeiten der Instrumente und Musiker genau kennen.

Bis in die 1960er Jahre wurden Bigband-Formationen teilweise mit Streichern kombiniert. Auch Harfe, Hörner, Oboe, Englischhorn, Pauken, Tuba oder Fagott können gelegentlich eingesetzt werden; diese Instrumente gehören jedoch nicht zur Standardbesetzung. Durch solche Ergänzungen kann der Übergang zu einem symphonisch angelegten Ensemble oder Orchester fließend sein.

Besondere Formen der Bigband

Eine Mambo-Bigband ist auf den Mambo spezialisiert. Ihre typische Besetzung umfasst eine Rhythmusgruppe aus Klavier, Bass und Schlagzeug, eventuell Gitarre, sowie die Perkussionsinstrumente Congas, Bongos und Timbales. Dazu kommen 2–4 Trompeten, 2–4 Posaunen und 2–5 Saxophone, meist Alt-, Tenor- und Baritonsaxophon; Flöten oder Klarinetten können ergänzt werden. Mit Ausnahme von Klavier, Gitarre, Bass und Schlagzeug sind die Instrumente stets mehrfach besetzt. Häufig wirken mehrere Sänger mit, meist ein Solist und eine Begleitgruppe; gelegentlich kommt etwa ein Vibraphon hinzu. Im Vergleich zur klassischen Jazz-Bigband ist die Rhythmusgruppe wichtiger, während die Holzbläser eine geringere Rolle spielen. Die Posaunen sind gegenüber den Trompeten ebenfalls untergeordnet.

Bei einer Akkordeon-Bigband übernimmt das Akkordeon die Rolle der eigentlichen Blasinstrumente. Die Akkordeonsektion besteht aus drei bis vier Stimmen mit jeweils zwei bis vier Akkordeons. Hinzu kommen Klavier, Bass und Schlagzeug, eventuell Gitarre. Möglich sind außerdem solistische Blasinstrumente wie Saxophon, Posaune oder Trompete, Gesang, Percussion und Keyboards für Effekte oder die Nachahmung seltener Instrumente.

Diese Form entwickelte sich seit Ende der 1980er Jahre aus dem Akkordeonorchester. Sie unterscheidet sich davon durch Stil und Repertoire, vor allem aber durch die konsequente Verwendung einer klassischen Rhythmusgruppe: Anstelle eines Bassakkordeons und einer vorwiegend akkordisch begleitenden Stimme treten Kontra- oder E-Bass zusammen mit Klavier oder Gitarre. Vorhandene Arrangements aus der Akkordeon- oder Bigband-Literatur müssen deshalb meist angepasst werden. Wegen der durchschlagenden Zunge sind Akkordeons klanglich mit Blasinstrumenten verwandt. Durch individuelle Registrierung können Streicher, Blech- und Holzbläser nachgeahmt werden. Da ein Akkordeon mehrstimmig gespielt werden kann, beschränkt die Verwendung von drei Stimmgruppen die Musik nicht auf dreistimmige Sätze. Stilbildende Originalliteratur und Übertragungen prägten besonders Hans-Günter Kölz und Wolfgang Ruß-Plötz.

Klangtechniken, Dämpfer und hohe Trompetenlagen

Viele Bigband-Stücke beruhen auf der Jazzharmonik, die sich in der Swing-Ära entwickelte. Arrangements aus Popmusik oder lateinamerikanischer Musik können jedoch anderen harmonischen Regeln folgen oder die Jazzharmonik nur teilweise verwenden.

Typisch sind zahlreiche Spieltechniken der Bläser, die in klassisch-konservativer Musik seltener vorkommen:

  • Fall: eine nach unten glissandierende Figur, meist ohne feste Zielnote.
  • Doit: eine nach oben glissandierende Figur, meist ohne feste Zielnote.
  • Bend: Auf- und Abglissandieren auf einem gehaltenen Ton.
  • Scoop oder Slide-in: Hineingleiten, gewöhnlich von unten, in eine feste Zielnote.
  • Rip: meist forte gespieltes, weites Glissando von unten in eine vorgegebene Zielnote.
  • Glissando oder Portamento: längeres Gleiten von einer festen Ausgangs- zu einer festen Zielnote.
  • Shake: eine wildere Variante des klassischen Trillers.
  • Flatterzunge: ein Tremolo auf einem Blasinstrument, das durch Zungenrollen entsteht.
  • Growl: ein rauer, ungestümer Klang aus einer komplexen Kombination mehrerer Techniken.

Glissandotechniken werden häufig durch eine gerade oder wellenförmige auf- beziehungsweise absteigende Linie, teilweise auch durch einen Bindebogen notiert. Bei Shake, Flatterzunge und Growl steht oft zusätzlich die Bezeichnung der Spielart über den Noten. Eine weitere Technik ist das Subtone-Spiel der Saxophone.

Bei Trompeten wird der Tonumfang teilweise bis an äußerste Grenzen ausgereizt. Besonders die erste Trompete kann bis zum g′′′ oder, abhängig von der Erfahrung des Spielers, noch höher spielen. Bei sehr hohen Tönen entsteht, besonders im Fortissimo, ein durchdringender Klang, der sich gegen die gesamte Bigband behaupten kann. Für längere Passagen in sehr hoher Lage kann zur Piccolotrompete gewechselt werden. Als Beispiel nennt der Artikel das Arrangement von Michael Bubles Version des Jazzstandards „Feeling Good“, in dem die erste Trompete teilweise bis zum viergestrichenen c (c′′′′) reicht.

Bei Trompeten und Posaunen verändern Dämpfer die Klangfarbe und Wirkung. Genannt werden Straight-, Harmon-, Cup-, Plunger-, Bucket- und Pixiemute. Ein Harmon-Mute ohne Stem erzeugt auf der Trompete einen scharfen, nasalen „Miles-Davis-Sound“; mit Stem entsteht der typische „Wah-Wah“-Klang, der häufig humorvoll eingesetzt wird. Bucket- und Cup-Mutes schwächen Klang und Strahlkraft und erzeugen einen dumpfen, verschleierten Klang. Straight-Mutes ergeben einen scharfen, fokussierten Klang. Als Ersatz kann „in stand“ gespielt werden, wobei der Schalltrichter direkt vor das Notenpult gehalten wird, um die Strahlkraft zu vermindern.

Partitur und Improvisation

Das Partiturbild einer Bigband unterscheidet sich von dem klassischer Musik. Jede einzelne Instrumentenstimme erhält ein eigenes Notensystem: Trompete 1, Trompete 2 usw. werden also nicht wie in vielen klassischen Partituren zu Gruppen wie Trompete 1–2 oder Trompete 3–4 zusammengefasst.

Die Instrumente sind in einer Bigband-Partitur standardisiert von oben nach unten angeordnet: zuerst die Saxophone, danach die Trompeten, die Posaunen und schließlich die Rhythmusgruppe. In kleineren Jazzensembles wird die Reihenfolge dagegen häufig nach der Stimmlage gewählt, etwa Trompete, Tenorsaxophon, Posaune, Klavier, Bass und Schlagzeug.

Bigband-Arrangements bieten normalerweise Raum für Soloimprovisationen. Dabei improvisiert ein Musiker aus einer der Sektionen, während die Rhythmusgruppe ihn begleitet. Gegebenenfalls unterstützen zusätzlich Begleitstimmen aus den Bläsersektionen das Solo. Kollektivimprovisationen, wie sie etwa in Dixieland-Ensembles vorkommen, sind in Bigband-Arrangements hingegen sehr selten vorgesehen.

Entwicklung und wichtige Vertreter

Frühe Swing-Arrangements in Bigband-Besetzung sind mit dem Fletcher Henderson Orchestra verbunden. Henderson entwickelte diesen Arrangierstil für die Bigband von Benny Goodman weiter. Für einen charakteristischen Bigband-Klang stehen außerdem die Kompositionen und Arrangements des Duke Ellington Orchestra. Die Count-Basie-Bigband setzte modernere Standards und war besonders für den Groove ihrer Rhythmusgruppe bekannt. Earl Hines and His Orchestra gilt 1943 als Keimzelle des Bebop; das daraus hervorgegangene Billy Eckstine Orchestra nahm Bebop-Harmonien auf. Stan Kenton führte symphonische Klangfarben in die Bigband-Musik ein.

In den frühen 1930er Jahren waren in den USA sogenannte Sweet Bands beliebt. Sie legten den Schwerpunkt auf Sentimentalität und langsamere Lieder. In den 1940er Jahren übertrugen amerikanische Akkordeonisten populäre Kompositionen für Akkordeonbands. Die kurzlebige Quincy Jones Big Band erregte mit ihrer „Free-and-Easy“-Tour 1959/60 in Europa Aufmerksamkeit. Die Kenny Clarke/Francy Boland Big Band war in den 1960er Jahren ungewöhnlich, weil sie zwei Bandleader und zwei Schlagzeuger hatte. Im Free Jazz bezogen unter anderem Sun Ra and his Arkestra, das Globe Unity Orchestra, Jef Gilson und Chris McGregor mit der Brotherhood of Breath freie Spielweisen in die Bigband-Arbeit ein.

In den 1970er Jahren entstanden Bigband-Projekte von Charles Mingus, Charles Tolliver und der George Gruntz Concert Jazz Band. Gil Evans verband Bigband-Klang unter anderem mit der Musik Jimi Hendrix’. Ein bedeutender Vertreter der Mambo-Bigband war Pérez Prado, der 1949 erfolgreich „Mambo No. 5“ veröffentlichte. Das Palladium Night Orchestra steht in der Tradition von Machito, Tito Puente und Tito Rodríguez.

Neben Tanz- und Unterhaltungsmusik übernahmen Bigbands bis in die 1980er Jahre häufig Rundfunk- und Fernsehmusik. Dabei entfernte sich die Musik teilweise von den Jazzwurzeln; freie und „wilde“ Improvisation verschwand beinahe vollständig. Wegen Unwirtschaftlichkeit wurden in den 1980er Jahren mehrere Bands aufgelöst, darunter das Thad Jones/Mel Lewis Orchestra. Das heutige Repertoire reicht vom alten Jazz über anspruchsvolle Unterhaltungs- und Tanzmusik bis zu neuen, umfassenden Interpretationen und abendfüllenden Konzertwerken. Die NDR Bigband, die WDR Big Band und das Jazz at Lincoln Center Orchestra verbinden ältere Traditionen mit neueren Entwicklungen; letzteres pflegt besonders das klassische Repertoire und frühe Jazztechniken.

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