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Musikproduzent
Die Aufgaben eines Musikproduzenten können stark variieren. Er koordiniert z. B. die Musikaufnahme im Tonstudio, das Engagement der Musiker und kümmert sich um …
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Definition und Bedeutung
Ein Musikproduzent ist in der Musikindustrie eine Person, die mit der Leitung und Durchführung einer Musikproduktion beauftragt ist. Seine Aufgaben können stark variieren: Er koordiniert zum Beispiel Musikaufnahmen im Tonstudio, organisiert Musikerinnen und Musiker und kümmert sich um Fragen der Vermarktung. Der Beruf ist besonders in Popmusik, Country-Musik, Hip-Hop, Jazz und elektronischer Musik verbreitet. In der klassischen Musik übernimmt diese Rolle meist eher ein künstlerischer Aufnahmeleiter, oft ein Tonmeister, der stärker auf das künstlerische Ergebnis einwirkt.
Die Arbeit eines Musikproduzenten verbindet künstlerische, technische und wirtschaftliche Aufgaben. Bei der Soundgestaltung ist sie teilweise mit der Arbeit eines Filmregisseurs vergleichbar, weil der Produzent das Endergebnis wesentlich prägen kann. Viele Musikproduzenten kommen aus dem Bereich der Tonstudios, etwa als Studioinhaber oder Toningenieure, oder sie sind Komponisten beziehungsweise Liedtexter, die ihre eigenen Werke im Studio überwachen.
Im Hip-Hop und in der elektronischen Musik kann der Begriff eine besondere Bedeutung haben: Dort ist der Musikproduzent oft selbst der musikschaffende Künstler. Die Bereiche Interpretation, Komposition, Tontechnik und Musikproduktion verschmelzen dabei häufig in einer Person.
Entwicklung des Berufs
Der Beruf des Musikproduzenten ist eng mit der Entwicklung der Tonstudios verbunden. Das erste Tonstudio wurde Anfang 1897 von dem Pianisten Fred Gaisberg in Philadelphia/Pennsylvania eröffnet. Gaisberg arbeitete für den aus Deutschland eingewanderten Schallplattenhersteller Emil Berliner. Während Berliner vor allem Wiedergabetechnik wie Grammophon und Schallplatte entwickelte, musste auch die industrielle Aufnahmetechnik verbessert werden. In dieser frühen Zeit waren Toningenieur, Musikproduzent und Artists-and-Repertoire-Manager oft noch eine einzige Person.
Am 1. Januar 1909 wurde Harry O. Sooy bei RCA Victor zum Leiter des Aufnahmeteams ernannt; damit entstand die Funktion des Musikproduzenten offiziell. Mit der technischen Entwicklung wurden Bedeutung und Aufgaben immer größer. Als John Hammond am 9. Dezember 1932 mit Fletcher Hendersons Band drei Jazzaufnahmen einspielte, begann faktisch die Karriere eines Musikproduzenten. Anfangs ging es vor allem darum, Interpreten zu kontaktieren, die Zahl der Aufnahmen abzustimmen und Musik möglichst natürlich aufzunehmen.
Ein wichtiger Einschnitt war die Einführung des Tonbandgeräts im Jahr 1948. Fehlerhafte Aufnahmen konnten nun ganz oder teilweise gelöscht und neu produziert werden. Durch Mehrspurtechnik wurde außerdem Overdub möglich, also das nachträgliche Hinzufügen weiterer Tonspuren. Dadurch erweiterte sich das Tätigkeitsfeld des Produzenten stark.
In der Popmusik gingen Jerry Leiber und Mike Stoller Mitte der 1950er Jahre neue Wege. Sie griffen stark in den Aufnahmeprozess ein und setzten ihre eigenen Kompositionen im Studio um. 1955 waren die technischen Möglichkeiten noch begrenzt: Man konnte verschiedene Takes zusammenfügen und Nachhalleffekte erzeugen. Der Begriff „record producer“ war noch nicht üblich; auf den ersten Drifters-LPs wurden sie als „supervisors“ bezeichnet. Ihnen wird zugeschrieben, dass Musikproduktion zugleich als Teil des Komponierens und als eigenständiger Beruf verstanden wurde.
Aufgaben im Produktionsprozess
Das Aufgabenspektrum eines Musikproduzenten hängt stark von der Arbeitsteilung zwischen Musiklabel, Tonstudio und Produzent ab. Grundsätzlich vermittelt er zwischen künstlerischer Darbietung, Tontechnik und kommerziellem Potenzial. Seine Arbeit lässt sich in technische, künstlerische und wirtschaftliche Aufgaben gliedern, aber auch nach den Phasen vor, während und nach der Aufnahme. Er ist also nicht nur für Überwachung, Mixing und Mastering zuständig.
Vor der Aufnahme sucht und fördert der Produzent Talente und entscheidet zusammen mit dem Artists-and-Repertoire-Manager über das Repertoire. Er trifft endgültige Entscheidungen über das Arrangement, also die musikalische Ausgestaltung eines Stücks, und über den Einsatz von Sessionmusikern. Außerdem vermittelt er zwischen Plattenlabel und Interpreten, trägt zusammen mit dem Label kommerzielle Verantwortung und entscheidet über das Aufnahmebudget. Urheberrechtlich muss er die Rechte an den geplanten Musikwerken einholen, damit die spätere Verbreitung auf Tonträgern erlaubt ist. Das geschieht über sogenannte Künstler-Exklusivverträge.
Während der Aufnahme erstellt der Produzent den Aufnahmeplan, bucht und organisiert die Aufnahmesession im Tonstudio, entscheidet über neue Takes und wählt aus, welche Takes für Mixing und Mastering zugelassen werden. Ein Take ist eine einzelne Aufnahmeversion. Er bezahlt Toningenieure und Studiomusiker und überwacht oder organisiert technische Details wie Mikrofone, Mikrofonständer, Mikrofonverstärker, Notenständer oder die Isolierung einzelner Instrumente. Er arbeitet mit den Künstlern zusammen, um die Aufnahme zu verbessern, und kooperiert mit der Studiocrew.
Bei Aufnahme, Mixing und Mastering stehen viele Soundeffekte zur Verfügung, darunter Overdub, Kompression, Equalizer, Delay, Flanger, Phaser, Chorus, Filter, Pitch-Shifter und Verzerrer. Recording bezeichnet die eigentliche Tonaufnahme, Mixing die Abmischung aller Takes, Mastering die Zusammenstellung des finalen Sounds.
Nach der Aufnahme lässt sich der Produzent vom Künstler im Plattenvertrag Rechte an Musikaufnahme und Musikverwertung übertragen. Er kann sich auch Rechte sichern, bestimmte Titel im Rahmen der Titelexklusivität noch Jahre nach der Erstveröffentlichung zu verwerten. Er kann, muss aber nicht, Produktions- und Vermarktungskosten zunächst übernehmen. Wenn noch kein Label beteiligt ist, sucht er Plattenfirmen, die die fertige Aufnahme pressen und vermarkten. Interpreten und Plattenfirmen verlassen sich dabei auf den Produzenten als objektiven Hörer, besonders bei der Bestimmung des passenden Sounds.
Künstlerischer Einfluss und Produzententypen
Außerhalb der klassischen Musik spielt der Sound einer Aufnahme eine große Rolle. Toningenieure und besonders Musikproduzenten gestalten diesen Sound wesentlich mit. Der Produzent entscheidet zum Beispiel über Instrumentation, Background-Stimmen und Overdubs. Dadurch kann sein künstlerischer Einfluss so groß werden, dass ihm ein kreativer Anteil am Werk zugesprochen wird und er in die Rolle eines Mitkomponisten gerät. Urheberrechtlich kann das so weit gehen, dass ein Musikproduzent formal als Komponist genannt und registriert wird. Solche Ansprüche waren teilweise umstritten, unter anderem im Zusammenhang mit „Cut In“.
Als Beispiel für starken künstlerischen Einfluss nennt der Artikel Phil Spector. Er fand Talente, trug zu Text und Musik bei und überwachte die Studioarbeit sehr genau. Andere Produzenten wirkten als musikalische Katalysatoren, etwa Brian Eno, oder verfolgten ein bestimmtes Konzept von Popmusik und Vermarktung, wie Trevor Horn. Besonders im Hip-Hop und im Dance-Bereich sind Produzenten häufig zugleich Komponisten und/oder Texter der Stücke, die sie produzieren.
Nach dem Grad ihrer Unabhängigkeit unterscheidet man unabhängige Produzenten und meist bei einem Plattenlabel angestellte Musikproduzenten. Angestellte Produzenten erhalten ein Gehalt und zusätzlich erfolgsabhängige Tantiemen. Freie Produzenten arbeiten meist auf Basis einer Vorauszahlung, die mit künftigen Tantiemen verrechnet wird. Dadurch tragen sie ein unternehmerisches Risiko: Sie produzieren auf eigene Rechnung und eigenes Risiko, bieten das fertige Master Plattenfirmen an und schließen mit ihnen Produktionsverträge. Wenn die Einnahmen aus Verkäufen niedriger sind als ihre vorgelegten Kosten, können sie Verlust machen. Angestellte Produzenten sind diesem Risiko nicht ausgesetzt.
Eine weitere Unterscheidung betrifft die Rollen Executive Producer und Record Producer. Der Executive Producer ist für die Finanzierung eines Musikprojekts zuständig, während der einfache Record Producer den kreativen Teil übernimmt.
Beispiele und regionale Szenen
Musikproduzenten arbeiten in der Popmusik häufig eher im Hintergrund, ähnlich wie Komponisten und Studiomusiker. Einige erfolgreiche und ausgezeichnete Produzenten sind aber aus dieser Anonymität herausgetreten und genießen einen ähnlichen Status wie die Interpreten selbst.
In Deutschland werden unter anderem Christian Bruhn, Ralph Siegel, Hans Bertram, Nils Nobach, Heinz Gietz, Conny Plank, Dieter Dierks, Frank Farian, Reinhold Mack, The Cratez, Dieter Bohlen, Beatzarre, Jack White, Zedd, Cubeatz, Michael Cretu, Reinhold Heil und Uwe Baltrusch genannt. Im Jazz sind besonders Alfred Lion und Manfred Eicher Beispiele für Produzenten, die aus eigener Überzeugung Musiker aufnehmen und über eigene Plattenlabels vermarkten.
Für Großbritannien nennt der Artikel George Martin, Alan Parsons, Trevor Horn, Mike Batt, Norrie Paramor, Joe Meek, Mickie Most und Stock Aitken Waterman. Hervorgehoben wird Hugh Padgham wegen seiner Arbeit mit Genesis, Phil Collins, The Police und Mike and the Mechanics.
In den USA werden Sam Phillips, Phil Spector, Quincy Jones, Rick Rubin, Nile Rodgers, Bill Putnam, David Foster, T Bone Burnett, Metro Boomin, Jimmy Iovine, Phil Ramone im Popbereich, Kanye West und Chet Atkins im Country-Bereich genannt. Im Jazz werden Orrin Keepnews, Rudy Van Gelder und Creed Taylor hervorgehoben.
Jamaika brachte in den 1960er und 1970er Jahren viele bedeutende Produzenten hervor, die die Entwicklung vom Calypso über Ska und Rocksteady bis zu Reggae, Dub und Dancehall begleiteten. Genannt werden unter anderem Ken Khouri, Coxsone Dodd, Duke Reid, Vincent Chin, Leslie Kong, Sonia Pottinger, Clancy Eccles, Byron Lee, Joe Gibbs, Bunny Lee, Lee „Scratch“ Perry, Derrick Harriott, Lloyd Charmers und Niney the Observer.
Frauenanteil
Der geringe Anteil weiblicher Musikproduzenten ist auffällig und wurde in mehreren Studien untersucht. Die USC Annenberg Inclusion Initiative stellte für die Jahre 2012 bis 2018 einen durchschnittlichen Frauenanteil von etwa 2 % fest. Zwischen den einzelnen Jahren zeigte sich nahezu keine Veränderung.
In den USA lag der Anteil der Musikproduzentinnen im Jahr 2022 bei 4 % und im Jahr 2024 bei 7 %. In Deutschland war der Anteil im Jahr 2024 mit 2 % deutlich geringer.