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Joachim Hoffmann

Er veröffentlichte viele Bücher und Aufsätze zur politischen, diplomatischen und militärischen Geschichte des 19. ... Vernichtungskrieg gegen die Wehrmacht …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Leben und wissenschaftliche Laufbahn
  3. 3. Ostlegionen und Wlassow-Armee
  4. 4. Präventivkriegsthese
  5. 5. Holocaust-Opferzahlen und Kritik
  6. 6. Wichtige Veröffentlichungen

Überblick

Joachim Hoffmann (* 1. Dezember 1930 in Königsberg/Preußen; † 8. Februar 2002 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Historiker. Er beschäftigte sich vor allem mit der Militärgeschichte des Zweiten Weltkriegs, besonders mit der Roten Armee und dem Deutsch-Sowjetischen Krieg. Er arbeitete viele Jahre am Militärgeschichtlichen Forschungsamt (MGFA) der Bundeswehr und veröffentlichte Bücher und Aufsätze zur politischen, diplomatischen und militärischen Geschichte.

Besonders bekannt wurde Hoffmann als Hauptvertreter der Präventivkriegsthese. Diese These behauptet, Adolf Hitler sei 1941 einem geplanten Angriff Josef Stalins auf Deutschland nur knapp zuvorgekommen. Die Geschichtswissenschaft hat diese These überprüft und als unzutreffend verworfen. Hoffmanns Arbeiten wurden deshalb stark diskutiert und kritisiert, vor allem nach seinem Buch „Stalins Vernichtungskrieg“ von 1995.

Leben und wissenschaftliche Laufbahn

Hoffmann wurde in Königsberg in Ostpreußen geboren. Sein Vater Paul Hoffmann war Jurist und Regierungspräsident, seine Mutter hieß Liselotte, geborene Stutz. Von 1937 an besuchte Hoffmann die Volksschule in Königsberg, ab 1941 die Oberschule auf der Königsberger Burg. Nach der Flucht aus Ostpreußen im Vorfeld der Schlacht um Königsberg ließ sich die Familie in Berlin nieder. Dort legte Hoffmann 1950 an der Schillerschule in Charlottenburg das Abitur ab.

Nach einer zehnmonatigen Tätigkeit bei der Berliner Bank A.-G. begann Hoffmann im Sommersemester 1951 zunächst ein naturwissenschaftliches Studium an der Universität Hamburg. Bald wechselte er zur Geschichte. Nach dem vierten Semester ging er an die Freie Universität Berlin. Dort studierte er Neuere Geschichte, Osteuropäische Geschichte und Völkerkunde. Im Mai 1959 promovierte er bei Richard Dietrich mit einer Studie über „Die Berliner Mission des Grafen Prokesch-Osten 1849–1852“.

Von 1960 bis 1995 arbeitete Hoffmann am Militärgeschichtlichen Forschungsamt der Bundeswehr, zuletzt als Wissenschaftlicher Direktor. Sein Forschungsgebiet dort war die Rote Armee. Er veröffentlichte unter anderem zur Geschichte des 19. Jahrhunderts und zur Geschichte des Deutsch-Sowjetischen Krieges.

Ostlegionen und Wlassow-Armee

Ein wichtiges Forschungsthema Hoffmanns waren die Ostlegionen im Zweiten Weltkrieg. Damit sind militärische Einheiten gemeint, die im deutschen Heer aus Angehörigen verschiedener Völker der Sowjetunion gebildet wurden, zum Beispiel Turkotataren, Kaukasier oder Wolgafinnen. Hoffmann untersuchte ihre Rolle und stellte sie in den Zusammenhang von Nationalitätenkonflikten innerhalb der Sowjetunion. Nach seiner Darstellung trugen solche Konflikte langfristig auch zum späteren Zusammenbruch der Sowjetunion bei.

Hoffmann schrieb auch über die Wlassow-Armee, also die sogenannte Russische Befreiungsarmee unter Andrei Wlassow. In seiner „Geschichte der Wlassow-Armee“ deutete er diese nicht nur als Maßnahme des Deutschen Reiches gegen die drohende Kriegsniederlage, sondern als Befreiungsarmee aus der russischen Geschichte heraus. Das Buch erschien 1990 in russischer Übersetzung und wurde in Russland von einigen Autoren aufgegriffen, unter anderem von Imanuil Levin und Boris Sokolow. Alexander Solschenizyn empfahl das Buch.

1992 erhielt Hoffmann für diese Arbeit den Kulturpreis „General Andrei Andrejewitsch Wlassow“ einer „Deutsch-Russländischen Gesellschaft“. Diese Gesellschaft war 1957 von ehemaligen deutschen und sowjetischen Soldaten gegründet worden, gehörte zur Paneuropa-Union, pflegte auch Kontakte zu Rechtsextremisten und bestand bis 1996.

Präventivkriegsthese

Ab 1983 näherte sich Hoffmann der Präventivkriegsthese an. In zwei Aufsätzen der Reihe „Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg“ vertrat er die Auffassung, Josef Stalin habe vor dem 22. Juni 1941 eine offensive Militärpolitik der Roten Armee nach Westen geplant. Außerdem habe Stalin nach dem deutschen Einmarsch selbst einen Vernichtungskrieg gegen die Wehrmacht geführt. Der 22. Juni 1941 war der Beginn des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion.

Diese Position führte zu Konflikten am Militärgeschichtlichen Forschungsamt. Hoffmann warf dem wissenschaftlichen Direktor Wilhelm Deist 1983 vor, ihn aus ideologischen Gründen zur Unterdrückung historischer Wahrheit veranlassen zu wollen. Deist klagte auf Widerruf und Unterlassung. Das Landgericht Freiburg urteilte 1984, Deist habe als Teamleiter Änderungswünsche äußern und Kürzungen anregen dürfen. Zugleich stellte das Gericht fest, dass die Frage historischer Wahrheit Aufgabe der Geschichtswissenschaft sei und nicht durch ein Gerichtsurteil geklärt werde. Hoffmann habe bei seiner Eingabe an den Dienstvorgesetzten in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt.

Ab 1986 beteiligte sich Hoffmann an der Debatte, die der sowjetische Überläufer Viktor Suworow 1985 ausgelöst hatte. Suworow hatte behauptet, Hitler sei einem Angriff der Roten Armee auf Deutschland zuvorgekommen. Hoffmann unterstützte diese These in Leserbriefen und Aufsätzen. Er argumentierte, die Aufstellung der Roten Armee im Sommer 1941 deute nicht auf Verteidigung, sondern auf Bedrohung hin.

Nach seiner Pensionierung versuchte Hoffmann 1995 in „Stalins Vernichtungskrieg“, die Präventivkriegsthese weiter zu stützen. Er schrieb jedoch auch, Stalins damaliger Angriffsplan sei weder Grund noch Anlass für Hitlers Entschluss zum Überfall auf die Sowjetunion gewesen. Beide Diktatoren hätten unabhängig voneinander Krieg vorbereitet; Hitler sei Stalin nur zuvorgekommen. Als Beleg nannte er unter anderem eine Stalinrede vom 5. Mai 1941 im Kreml vor Absolventen sowjetischer Militärakademien. Die Echtheit dieser Rede ist wegen uneinheitlicher Quellen umstritten.

Fachhistoriker wiesen die Präventivkriegsthese bereits 1987 zurück und ordneten die Debatte in den westdeutschen Historikerstreit ein. 1997 überprüften deutsche, russische, angelsächsische und israelische Fachhistoriker die These auf einem internationalen Historikertag in Moskau erneut und verwarfen sie einhellig als unzutreffend. Rechtsextreme Geschichtsrevisionisten begrüßten Hoffmanns Buch dagegen und nutzten sein Ansehen als früherer Militärhistoriker, um die Präventivkriegsthese weiter zu vertreten.

Holocaust-Opferzahlen und Kritik

In „Stalins Vernichtungskrieg“ schrieb Hoffmann zu den Opferzahlen des Konzentrationslagers Auschwitz. Er führte an, dass freigegebene Sterbebücher sowjetischer Archive zunächst nur 74.000 Opfer unter den „arbeitsfähigen Deportierten“ bestätigten, also unter denen, die die Selektion auf der Rampe von Auschwitz zunächst überlebten. Die frühere Gesamtzahl von vier Millionen Opfern sei falsch gewesen. Außerdem verwies er auf Jean-Claude Pressac, nach dem die Gesamtopferzahl 1990 „zwischen 631.000 und 711.000“ betragen habe. Neuere Forschungen ergaben dagegen eine wahrscheinliche Zahl von mindestens 1,1 Millionen Opfern in Auschwitz.

Einige Historiker stufen Hoffmann wegen seiner Aussagen zu diesen Zahlen als dem rechtsextremen Geschichtsrevisionismus nahestehend ein. Geschichtsrevisionismus bedeutet hier eine politische Umdeutung oder Verharmlosung historischer Verbrechen, besonders der nationalsozialistischen Verbrechen.

1991 erhielt Hoffmann von der Zeitgeschichtlichen Forschungsstelle Ingolstadt die „Dr. Walter-Eckhardt-Ehrengabe für Zeitgeschichtsforschung“. Diese Einrichtung vertritt Holocaustleugnung und Holocaustrelativierung. 1995 erstellte Hoffmann außerdem ein Gutachten für einen Prozess gegen den rechtsextremen Verleger Wigbert Grabert. Es ging um den Sammelband „Grundlagen der Zeitgeschichte“ von Germar Rudolf, einem wegen Volksverhetzung verurteilten Holocaustleugner, der unter dem Pseudonym „Ernst Gauss“ veröffentlicht hatte. Hoffmann gab an, „Gauss“ nicht zu kennen, billigte dem Sammelband wissenschaftliche Qualität zu, kritisierte aber, der Autor habe die Massenvernichtung der Juden in Auschwitz nicht deutlich genug hervorgehoben.

Das Amtsgericht Tübingen ließ den Sammelband wegen Holocaustleugnung einziehen und verurteilte Grabert zu einer Geldstrafe. Rudolf veröffentlichte Hoffmanns Gutachten 1997 in der holocaustleugnenden Zeitschrift „Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung“. Der Verfassungsschutzbericht Baden-Württembergs von 1998 erwähnte Hoffmann in diesem Zusammenhang.

Wichtige Veröffentlichungen

Zu Hoffmanns Veröffentlichungen gehören seine Dissertation „Die Berliner Mission des Grafen Prokesch-Osten 1849–1852“ von 1959 sowie mehrere Arbeiten zu den Ostlegionen und zur Wlassow-Armee. Dazu zählen „Die Ostlegionen 1941–1943. Turkotataren, Kaukasier, Wolgafinnen im deutschen Heer“ von 1976, „Deutsche und Kalmyken 1942–1945“ von 1977 und „Die Tragödie der ‚Russischen Befreiungsarmee‘ 1944/45. Wlassow gegen Stalin“.

Für die Reihe „Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg“ schrieb Hoffmann Beiträge über die Sowjetunion vor dem deutschen Angriff und über die Kriegführung aus sowjetischer Sicht. Weitere wichtige Titel sind „Kaukasien 1942/43 – Das deutsche Heer und die Orientvölker der Sowjetunion“ von 1991, „Die Angriffsvorbereitungen der Sowjetunion 1941“ von 1991 und „Stalins Vernichtungskrieg 1941–1945“, dessen 8. Auflage 2001 erschien.

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