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Jennifer V. Evans
Sie ist Mitherausgeberin mehrerer Bücher über gleichgeschlechtliches Begehren im Europa des zwanzigsten Jahrhunderts und forscht zur queeren und trans- …
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Profil und akademischer Werdegang
Jennifer V. Evans, geboren 1970, ist Professorin für moderne europäische Geschichte an der Carleton University in Ottawa, Kanada. Sie ist Mitherausgeberin mehrerer Bücher über gleichgeschlechtliches Begehren im Europa des 20. Jahrhunderts und Mitglied der Royal Society of Canada.
Evans studierte bis 1993 Geschichte und Russisch an der McGill University. 1995 schloss sie ein Studium der modernen europäischen Geschichte an der Simon Fraser University ab. 2001 promovierte sie an der SUNY-Binghamton (State University of New York). Anschließend war sie von 2001 bis 2007 Assistenzprofessorin an der Carleton University. Von 2007 bis 2016 hatte sie dort eine außerordentliche Professur mit Festanstellung inne; seit 2016 ist sie Professorin für moderne europäische Geschichte.
Forschung zu queerer und trans Geschichte
Evans untersucht die queere und Trans-Geschichte im Nationalsozialismus, im Holocaust und in der Nachkriegszeit. Queere Geschichte befasst sich mit Lebensweisen, Beziehungen und gesellschaftlichen Erfahrungen von Menschen, die von heterosexuellen und binären Normen abweichen. Ihre Forschung verbindet außerdem die Geschichte der Sexualität mit sozialer Erinnerung, sozialen Medien und visuellen Kulturen.
Ein wichtiges Thema ist die Frage, wie die LGBTQ+-Geschichte des Holocaust das Verständnis von Homophobie, Transphobie, Rassismus, Toleranz und Menschenrechten auch über die Zeit des Nationalsozialismus hinaus beeinflusst. Im Jack and Anita Hess Faculty Seminar 2021, das Evans gemeinsam mit Laurie Marhoefer konzipierte, wurde untersucht, wie der NS-Staat Männer verfolgte, inhaftierte und in Konzentrationslagern internierte, weil sie gegen § 175 des deutschen Strafgesetzbuches verstoßen hatten. Das Seminar behandelte zugleich die anhaltende Bedeutung dieser Geschichte für die Diskriminierung queerer und transsexueller Menschen in der Gegenwart.
In ihrem ersten Buch Life Among the Ruins: Cityscape and Sexuality in Cold War Berlin (2011) beschreibt Evans verschiedene Subkulturen Berlins nach dem Zweiten Weltkrieg und behandelt unter anderem gleichgeschlechtliche Sexualität in Deutschland nach 1945. Sie erhielt zahlreiche Stipendien des Social Sciences and Humanities Research Council of Canada, darunter einen Insight Grant für das Projekt Photography and the Sexual Revolution. Außerdem beteiligt sie sich am DFG-Netzwerk „Queere Zeitgeschichten im deutschsprachigen Europa“, das am Arbeitsbereich Didaktik der Geschichte der Freien Universität Berlin angesiedelt ist und wissenschaftlich von Benno Gammerl, Martin Lücke und Andrea Rottmann koordiniert wird.
Auszeichnungen und Mitgliedschaften
Zu den im Artikel genannten Auszeichnungen und akademischen Mitgliedschaften gehören:
- 2015 und 2023: University Research Achievement Award
- 2016: Wahl zum Mitglied des College of New Scholars der Royal Society of Canada
- 2018: Visiting Professorship der Fondation Maison de Sciences de l’Homme Paris
- 2019: Social Sciences and Humanities Research Council of Canada Insight Grant
- 2020: Social Science Research Council (US) Social Data Initiative Research Fellowship
- 2021: Embassy of the Federal Republic of Germany in Ottawa Fellowship sowie Department of Canadian Heritage Digital Citizen Grant
- 2023: Konrad Adenauer Preis der Humboldt-Stiftung
- 2025: Wahl zum Fellow der Royal Society of Canada
- 2026: Wahl zum Fellow der Royal Historical Society im Vereinigten Königreich
Fotografie und historische Erinnerung
In der Besprechung von Ethics of Seeing wird Evans’ Arbeit zur Fotografie als Quelle historischen Wissens erläutert. Der von Jennifer Evans, Paul Betts und Stefan-Ludwig Hoffmann herausgegebene Sammelband The Ethics Of Seeing: Photography and Twentieth-Century German History knüpft an Susan Sontags Überlegungen zur „Ethics of Seeing“ an. Die elf chronologisch geordneten Beiträge untersuchen die Bedeutung dokumentarischer Fotografie für die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts.
Fotografien können den Eindruck erzeugen, vergangene Ereignisse unmittelbar sichtbar zu machen. Evans betont jedoch, dass jede Aufnahme eine bestimmte Perspektive vermittelt. Fotografische Wahrnehmung ist demnach historisch geprägt, technisch bestimmt und ästhetisch gestaltet. Fotografien sind deshalb nicht nur Aufzeichnungen vergangener Ereignisse, sondern selbst Zeugnisse davon, wie Geschichte hergestellt und später neu gedeutet wird.
Ausgewählte Veröffentlichungen
Zu Evans’ Monografien gehören Life among the Ruins: Cityscape and Sexuality in Cold War Berlin (Palgrave Macmillan UK, 2011), The Queer Art of History: Queer Kinship after Fascism (Duke University Press, 2023) und Holocaust Memory in the Digital Mediascape (Bloomsbury, 2023), das sie gemeinsam mit Meghan Lundrigen und Erica Fagen verfasste. 2026 erschien die deutschsprachige Ausgabe Eine queere Art der Geschichte. Queeres Leben in Deutschland nach dem Faschismus, übersetzt von Elisa Barth.
Als Herausgeberin wirkte Evans unter anderem an Was ist Homosexualität? Forschungsgeschichte, gesellschaftliche Entwicklungen und Perspektiven (2014), Queer Cities, Queer Cultures Europe since 1945 (2014), The Ethics Of Seeing Photography and Twentieth-Century German History (2018) und Gender in German History and Beyond. Essays in Honour of Jean Quataert (2023) mit.
Zu ihren Beiträgen zählen „Introduction: Why German Queer History?“ (2016), „Sound, Listening and the Queer Art of History“ (2018), „Turning Points in the History of Gender and Sexuality“ (2019), „Entangled Gender Relations and Sexuality in the Historiography on the Two Post-1945 Germanys“ (2019) sowie der gemeinsam mit Elissa Mailänder verfasste Beitrag „Cross-dressing, Male Intimacy and the Violence of Transgression in Third Reich Photography“ (2021). Außerdem veröffentlichte sie Interviews und journalistische Beiträge zu Sexualität, Geschlechtsidentität und Filmkultur.