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Exzerpt

Ein Exzerpt enthält neben Paraphrasen oft auch Zitate. Der Vorgang der Erstellung eines Exzerpts als Methode wissenschaftlicher Textarbeit heißt Exzerption. Die …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Funktion
  2. 2. Wissenschaftliche Arbeitsweise
  3. 3. Besonderheiten in der Literaturwissenschaft
  4. 4. Inhaltszusammenfassung
  5. 5. Historische Entwicklung und digitale Verwaltung

Begriff und Funktion

Ein Exzerpt ist ein Auszug aus einem Text oder eine kurze Zusammenstellung der wichtigsten Gedanken eines Textes im Hinblick auf eine oder mehrere Fragestellungen. Es enthält häufig sowohl Paraphrasen als auch Zitate. Eine Paraphrase gibt den Inhalt sinngemäß mit eigenen Worten wieder; ein Zitat übernimmt eine Textstelle wörtlich.

Der Vorgang der Erstellung heißt Exzerption. Das Herausschreiben aus einem Buch wird als Exzerpieren bezeichnet. Die Person, die ein Exzerpt herstellt oder hergestellt hat, heißt Exzerptor. Ein Exzerpt dient dazu, zentrale Aussagen, Argumente, Ideen und wichtige Literaturverweise für eine spätere Arbeit festzuhalten.

Wissenschaftliche Arbeitsweise

Die Herstellung eines Exzerpts gilt als „Grundtechnik […] wissenschaftlichen Arbeitens“. Der Text wird dabei nicht nur allgemein gelesen, sondern unter einer bestimmten Frage ausgewertet. So kann ein Text über die globale Erwärmung gezielt danach untersucht werden, welche Faktoren die Erderwärmung beschleunigen.

Im Exzerpt werden relevante Textstellen und gegebenenfalls eigene Eindrücke aus der Lektüre festgehalten. Eigene Gedanken, Zweifel oder Hinweise sind zulässig, müssen aber eindeutig von den Gedanken des exzerpierten Autors getrennt werden. Auf diese Weise unterstützt das Exzerpt die vertiefte wissenschaftliche Weiterarbeit.

Wichtige Regeln sind:

  • Hinter jeder zitierten oder paraphrasierten Textstelle wird sofort die Quellenangabe notiert.
  • Für eine paraphrasierte Passage werden keine Anführungszeichen verwendet.
  • Bei einem wörtlichen Zitat sind Anführungszeichen obligatorisch. Ein wörtliches Zitat ohne Anführungszeichen gilt als Plagiat.

Besonderheiten in der Literaturwissenschaft

In der Literaturwissenschaft hat das Exzerpt zwei Funktionen. Es kann wie in anderen Wissenschaften Forschungsliteratur als wörtlichen oder zusammenfassenden Auszug dokumentieren. Zugleich können die eigentlichen Forschungsgegenstände, also literarische Texte, exzerpiert werden.

Bei literarischen Texten ist nicht nur der Inhalt, sondern auch die Form von Bedeutung. Deshalb enthalten solche Exzerpte häufig ausführliche wörtliche Zitate, genaue Beschreibungen, Notizen zu einzelnen Sinnabschnitten und besonders präzise Literaturangaben.

Eine Exzerptsammlung ist eine Zusammenstellung ausgewählter Stellen oder Passagen – etwa Verse, Abschnitte oder Kapitel – aus einem oder mehreren größeren schriftlichen Werken. Sie kann selbst literarischen Wert erlangen. Werden die Stellen unter einem bestimmten Gesichtspunkt als besonders wichtig und wertvoll ausgewählt, können solche Sammlungen beispielsweise als Anthologien, Florilegien („Blütenlesen“) oder Chrestomathien bezeichnet werden.

Inhaltszusammenfassung

Heute kann Exzerpt teilweise synonym zu „Abstract“ verwendet werden. In diesem Sinn bezeichnet es eine sehr freie Form einer kurzen, sinngemäßen Wiedergabe eines Textes. Im Mittelpunkt steht dann die knappe Darstellung des wesentlichen Inhalts, nicht die vollständige Dokumentation jeder einzelnen Argumentationsschritt oder Textstelle.

Historische Entwicklung und digitale Verwaltung

Das Exzerpieren ist eine alte literarische und wissenschaftliche Technik. Bereits Sokrates soll mit Exzerpten gearbeitet haben. Im Mittelalter diente es dazu, einzelne Themenbereiche oder die Kernaussagen umfangreicher Werke zu erschließen. Seit der Frühen Neuzeit gehört das Exzerpieren zu den kanonischen Praktiken wissenschaftlich gelehrten Arbeitens. Komplexere Aufzeichnungstechniken, etwa das Beschicken und Befragen von Zettelkästen, entwickelten sich daraus.

Im 18. Jahrhundert wurde das Exzerpieren besonders im Zusammenhang mit der Genieära kritisiert. Auch einige Lectio-Lehren, also Anweisungen zum richtigen Lesen, werteten die Methode polemisch ab. Praktiziert wurde sie dennoch weiterhin.

Heute lassen sich Exzerpte mit Literaturverwaltungsprogrammen wie Zotero oder Citavi sowie mit Zettelkastenprogrammen wie Obsidian sammeln und verwalten.

Lernvideos zu Exzerpt

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