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Bayreuth

Bayreuth [ˈbaɪ̯rɔʏ̯t oder baɪ̯ˈrɔʏ̯t] (ostfränkisch Barreid) ist eine fränkische kreisfreie Stadt im bayerischen Regierungsbezirk Oberfranken.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Lage
  2. 2. Von der mittelalterlichen Stadt zur Residenz
  3. 3. Industrialisierung, Nationalsozialismus und Wiederaufbau
  4. 4. Bevölkerung, Politik und Bildung
  5. 5. Kultur, Bauwerke und Freizeit
  6. 6. Wirtschaft, Verkehr und Versorgung

Überblick und Lage

Bayreuth ist eine kreisfreie Stadt in Oberfranken (Bayern) und zugleich Sitz der Regierung von Oberfranken, des Bezirks Oberfranken und des Landkreises Bayreuth. Sie hat 72.919 Einwohner (31. Dezember 2025), umfasst 66,89 km² und liegt 340 m ü. NHN. Damit ist sie nach Bamberg die zweitgrößte Stadt Oberfrankens. Bayreuth gehört zur Metropolregion Nürnberg und ist besonders durch die jährlichen Richard-Wagner-Festspiele weltbekannt. Das Markgräfliche Opernhaus ist seit 2012 UNESCO-Weltkulturerbe.

Die Stadt liegt im Obermainischen Hügelland zwischen Fichtelgebirge und Fränkischer Schweiz, beiderseits des Roten Mains. Weitere Gewässer sind Warme Steinach, Mistelbach, Sendelbach und der vom Aubach gespeiste Röhrensee. Der höchste Punkt der Umgebung ist der Sophienberg mit 594 m ü. NHN, der niedrigste Punkt des Stadtgebiets liegt mit 325 m ü. NHN in der Rotmainaue. Bayreuth besteht offiziell aus 30 Stadtteilen und 39 Distrikten; insgesamt werden 74 Gemeindeteile angegeben. Die historische Innenstadt entstand auf einer Sandsteinterrasse zwischen Rotem Main und Sendelbach.

Die Stadt ist durch ihre lange Zugehörigkeit zum Fürstentum Bayreuth protestantisch geprägt und gehört erst seit 1810 zu Bayern.

Von der mittelalterlichen Stadt zur Residenz

Funde im Raum Bayreuth reichen bis in die Jungsteinzeit zurück; ein Grubenhaus am unteren Markt wird auf etwa 1200 v. Chr. datiert. Frühmittelalterliche Wehranlagen und Ortsnamen weisen auch auf slawische Siedlungen in Teilen Oberfrankens hin. Wahrscheinlich entstand die Siedlung Bayreuth im Zeitraum 1137 bis 1177. 1194 ist der Ort erstmals urkundlich erwähnt, 1231 erscheint er erstmals als civitas, also Stadt. Nach den Grafen von Andechs-Meranien übernahmen 1260 die Hohenzollern als Burggrafen von Nürnberg die Herrschaft.

Bayreuth war zunächst ein kleiner Handels- und Ackerbürgerort mit einem Straßenmarkt als Zentrum. 1430 zerstörten Hussiten die damals etwa 1.500 Einwohner zählende Stadt fast vollständig; Kirchen, Rathaus und viele Quellen zur Stadtgeschichte gingen verloren. Der Wiederaufbau folgte in den folgenden Jahrzehnten. Die Reformation wurde 1528 unter Markgraf Georg dem Frommen eingeführt; nach dem Grundsatz „Cuius regio, eius religio“ mussten die Bewohner den Glauben ihres Herrschers annehmen. Pest, Stadtbrände und der Dreißigjährige Krieg verursachten weitere schwere Verluste.

Den entscheidenden Wandel brachte 1603 die Verlegung der markgräflichen Residenz von Kulmbach nach Bayreuth. Hofhaltung, Verwaltung und neue Berufe förderten die Stadt. Unter Markgraf Friedrich und Markgräfin Wilhelmine erlebte Bayreuth von 1735 bis 1763 eine kulturelle Blüte: Das Markgräfliche Opernhaus entstand 1744 bis 1748, das Neue Schloss ab 1753, und die Eremitage wurde erweitert. Der Stil dieser Zeit heißt Bayreuther Rokoko. Die 1742 gegründete Friedrichs-Akademie wurde 1743 zur Universität erhoben, aber noch im selben Jahr nach Erlangen verlegt.

Nach dem Verzicht Markgraf Karl Alexanders wurde Bayreuth 1791 preußisch. Nach der französischen Besetzung von 1806 bis 1810 kaufte das Königreich Bayern das ehemalige Fürstentum am 30. Juni 1810 für 15 Millionen Franc.

Industrialisierung, Nationalsozialismus und Wiederaufbau

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Bayreuth durch Eisenbahnanschluss, Textilindustrie, Brauereien und öffentliche Versorgung weiter. Die Bahn erreichte die Stadt 1853. Richard Wagner besuchte Bayreuth 1870, ließ auf dem Grünen Hügel ein eigenes Festspielhaus errichten und eröffnete es am 13. August 1876. Die Festspiele machten Bayreuth zur ersten Festspielstadt Europas.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahmen Industrie, Gewerkschaften und Sozialdemokratie an Bedeutung zu. Nach dem Ersten Weltkrieg verstärkten sich Antisemitismus und Nationalsozialismus. Die NSDAP erreichte bei der Reichstagswahl 1932 in Bayreuth 46,7 Prozent der Stimmen. Ab 1933 war Bayreuth Gauhauptstadt des NS-Gaus Bayerische Ostmark, später Gau Bayreuth. Politische Gegner wurden verfolgt, jüdische Geschäfte boykottiert und „arisiert“. In der Pogromnacht vom 9. November 1938 wurde die Synagoge geplündert und geschändet; sie wurde wegen ihrer Nähe zum Opernhaus nicht angezündet. Mindestens 145 jüdische Bürger wurden im Holocaust ermordet. Auch Zwangsarbeiter und Häftlinge eines Außenkommandos des KZ Flossenbürg wurden eingesetzt.

Am 5., 8. und 11. April 1945 bombardierten alliierte Flugzeuge Bayreuth. Nach offiziellen Angaben starben 875 Menschen, andere Angaben nennen über 1.000 Todesopfer. 36,8 Prozent des Wohnraums wurden völlig zerstört. Am 14. April 1945 nahmen US-Truppen die Stadt ein; die Kapitulation verhinderte eine weitere Zerstörung.

Nach 1945 gehörte Bayreuth zur amerikanischen Besatzungszone. Flüchtlinge und Vertriebene ließen die Einwohnerzahl bis Oktober 1946 auf 55.612 steigen, während Wohnraum knapp war. Wiederaufbau, Entnazifizierung und kommunaler Neubeginn prägten die Nachkriegszeit. 1951 begannen die Richard-Wagner-Festspiele erneut. Seit den 1970er Jahren wuchs Bayreuth unter anderem durch Eingemeindungen und die 1975 eröffnete Universität. Zugleich gingen beim Ausbau zur autogerechten Stadt viele historische Gebäude und Teile des offenen Roten Mains verloren.

Bevölkerung, Politik und Bildung

Die Bevölkerung wuchs langfristig von 10.000 Einwohnern im Jahr 1818 auf rund 30.000 im Jahr 1900. Nach Kriegsende und Zuzug von Flüchtlingen lag sie 1950 bei 58.800. Am 31. Dezember 2024 wurden 72.940 Einwohner gezählt; der aktuelle Grunddatensatz nennt 72.919 Einwohner zum 31. Dezember 2025. Die Zahlen der Stadtverwaltung fallen teilweise höher aus als die des Bayerischen Landesamts für Statistik. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte beträgt 1.090 Einwohner je km². Nach dem Zensus 2022 waren 41,0 % evangelisch, 22,2 % katholisch und 36,8 % konfessionslos, Angehörige anderer Glaubensgemeinschaften oder ohne Angabe.

Der Stadtrat besteht aus 44 Stadträten und dem Oberbürgermeister. Bei der Wahl vom 8. März 2026 entfielen 12 Sitze auf CSU/Die Unabhängigen, 9 auf SPD, 8 auf Grüne/Linke, 5 auf die Bayreuther Gemeinschaft, 5 auf die AfD, 4 auf Junges Bayreuth/FDP und 1 auf PRO. Andreas Zippel (SPD) ist seit 1. Mai 2026 Oberbürgermeister.

Bayreuth ist ein Bildungsstandort. Die Universität Bayreuth nahm am 3. November 1975 ihren Betrieb auf und zählt rund 13.500 Studierende. Historische Vorläufer sind die Lateinschule sowie die kurzzeitig in Bayreuth bestehende Friedrichs-Akademie. Zu den weiteren Einrichtungen gehören Schulen, Volkshochschule, Stadtbibliothek und Hochschulen. Das durchschnittliche, regional preisbereinigte Einkommen lag 2023 bei 23.853 Euro und damit unter dem Bundesdurchschnitt von 25.790 Euro.

Kultur, Bauwerke und Freizeit

Bayreuths kulturelle Bedeutung beruht vor allem auf Musik und der Markgrafenzeit. Das Markgräfliche Opernhaus wurde 1744 bis 1748 nach Entwürfen von Joseph Saint-Pierre gebaut und ist eine der wenigen original erhaltenen Theater- und Opernanlagen des 18. Jahrhunderts in Europa. Das Richard-Wagner-Festspielhaus wurde 1872 bis 1875 von Otto Brückwald nach Entwürfen Richard Wagners errichtet. Dort werden bei den Bayreuther Festspielen ausschließlich Werke Wagners aufgeführt.

Wichtige Bauwerke und Anlagen sind außerdem Haus Wahnfried, das Neue Schloss mit Hofgarten, das Alte Schloss, die Eremitage, das Ordensschloss St. Georgen sowie die Stadtkirche Heilig Dreifaltigkeit. Die Eremitage ist mit fast 50 Hektar der größte Park der Stadt. Weitere Grünanlagen sind Hofgarten, Röhrenseepark, Festspielpark, Ökologisch-Botanischer Garten der Universität und die 2016 entstandene Wilhelminenaue.

Museen vermitteln unter anderem Stadt-, Kunst-, Musik-, Archäologie-, Natur- und jüdische Geschichte. Das Richard-Wagner-Museum befindet sich in Haus Wahnfried, das Historische Museum in der Alten Lateinschule. Zu den regelmäßigen Veranstaltungen zählen neben den Festspielen im Juli und August das Bayreuth Baroque im Markgräflichen Opernhaus, Bürgerfest, Volksfest, Jazz-November und weitere Konzert- und Kulturreihen. Sportlich prägen unter anderem SpVgg Bayreuth, Basketball, Eishockey, Segelflug und zahlreiche Vereine das Stadtleben.

Wirtschaft, Verkehr und Versorgung

Bayreuth ist vor allem ein Dienstleistungs-, Verwaltungs-, Bildungs- und Gesundheitsstandort. 2007 gab es 57.600 Erwerbstätige; rund drei Viertel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiteten im Dienstleistungsbereich. Das Bruttoinlandsprodukt betrug 2016 4,527 Milliarden Euro, entsprechend 62.352 Euro pro Kopf. Bedeutende Arbeitgeber sind unter anderem Klinikum Bayreuth, Universität Bayreuth sowie Unternehmen aus Brauerei-, Tabak-, Kunststoff-, Medizinprodukte-, Maschinenbau- und Automobilzulieferbranche. Zu den bekannten Betrieben gehören Brauerei Gebr. Maisel, British American Tobacco, medi, Cybex, Stäubli, Steiner-Optik und Steingraeber.

Straßenseitig ist Bayreuth über die A 9 und die nahe A 70 sowie über die Bundesstraßen B 2, B 22 und B 85 angebunden. Der Hauptbahnhof verbindet die Stadt regional mit Nürnberg, Hof, Bamberg, Lichtenfels, Kulmbach, Marktredwitz, Weiden und Weidenberg. Alle Bahnstrecken rund um Bayreuth sind eingleisig und nicht elektrifiziert; seit 2006/2007 besteht kein Anschluss mehr an den Fernverkehr der Deutschen Bahn.

Der Stadtbusverkehr wird von den Stadtwerken betrieben und ist seit 2010 Teil des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg. Zentrale Umsteigestelle ist die ZOH am Hohenzollernplatz. Der Verkehrslandeplatz Bayreuth dient Geschäftsreisen, allgemeiner Luftfahrt und Luftsport. Die Stadtwerke versorgen Bayreuth mit Strom, Erdgas, Fernwärme und Trinkwasser. Das Trinkwassernetz ist 340 km lang; jährlich werden etwa 5 bis 5,5 Millionen Kubikmeter Wasser verbraucht.

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