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Japanische Kolonien

Das Japanisches Kaiserreich bzw. Japan hatte im Laufe seiner Geschichte zwei Perioden, in denen es als Kolonialmacht auftrat. Allerdings war der Sinn und …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und frühe Bezüge
  2. 2. Aufstieg zur Kolonialmacht
  3. 3. Expansion bis 1918
  4. 4. Mandschurei und Militarisierung
  5. 5. Krieg, Niederlage und Gebietsverluste

Überblick und frühe Bezüge

Japan trat im Verlauf seiner Geschichte in zwei Perioden als Kolonialmacht auf; Zweck und Bedeutung der Kolonien unterschieden sich dabei. Die neuzeitliche Expansion von 1895 bis 1945 sollte Japans Wirtschaftskraft, politischen Einfluss und Stellung gegenüber den westlichen Großmächten stärken.

Für die Antike ist ein japanischer Außenposten der Yamato-Ära namens Mimana auf der Koreanischen Halbinsel für etwa 370 bis 562 n. Chr. überliefert, seine Existenz ist jedoch umstritten. Möglicherweise war damit der Staat Gaya gemeint, der stark unter japanischem Einfluss stand und Eisen exportierte. Auch die chinesische Chronik Song Shu erwähnt eine Kolonie der Wa, also Japans, im Süden der Halbinsel. Koreanische Historiker, insbesondere Gim Seokhyeong, weisen die Behauptung einer japanischen Kolonie auf koreanischem Gebiet strikt zurück; Gim vertrat umgekehrt die Auffassung, Japan sei eine koreanische Kolonie gewesen.

Bis ins 12. Jahrhundert herrschte das Tamna-Königreich, japanisch Tanimora, über Jejudo. Es wird angenommen, dass dort bis zum Jahr 700 Alt-Japanisch gesprochen wurde, das später durch koreanische Einwanderer aus Silla und Baekje verdrängt wurde. Japanische Lehnwörter sind noch vorhanden. Außerdem wird eine Verwandtschaft der Sprache Gayas mit dem Japanischen angenommen.

Aufstieg zur Kolonialmacht

Japan öffnete sich 1854 nach beinahe 250 Jahren selbstgewählter Isolation unter militärischem Druck der Vereinigten Staaten dem Westen. Danach wurde es rasch eine moderne Industrienation nach westlichem Vorbild und der erste asiatische Industriestaat.

Im 17. und 18. Jahrhundert erwarteten viele Europäer, Japan werde selbst Kolonie einer westlichen Großmacht. Japan wollte dies verhindern. Der Meiji-Oligarch Inoue Kaoru forderte ein „Reich gründen wie die europäischen Länder“ und Kolonien, damit Japan gleichrangig werde und nicht selbst abhängig werde. Deshalb weitete das Japanische Kaiserreich seinen Einfluss vor allem in Ostasien und im Pazifik aus.

1895 bis 1945 nahm Japan umfangreiche Kolonialgebiete in Besitz. 1940 gipfelten diese Ansprüche in der Propagierung einer Großostasiatischen Wohlstandssphäre: eines von Japan geführten Raums aus Kolonien und Satellitenstaaten. Nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg gab Japan mit der Ratifikation des Friedensvertrags von San Francisco alle Ansprüche auf Kolonialgebiete auf. Mit dessen Inkrafttreten endete die japanische Kolonialgeschichte am 28. April 1952.

Expansion bis 1918

Der Beginn der Kolonialpolitik lässt sich nicht eindeutig festlegen. Japan erwarb schon 1873 bis 1875 unbewohnte kleine Inseln wie die Bonin-Inseln, die Marcus-Insel und die Kurilen friedlich. Als erstes deutliches Zeichen einer Kolonialmacht gilt die Eroberung der Ryukyu-Inseln mit Okinawa 1876 bis 1879 auf Kosten Chinas. Das unabhängige Königreich Ryūkyū wurde aufgelöst und 1879 als Präfektur Okinawa eingegliedert.

1876 zwang Japan Korea mit drei Kanonenbooten zur Öffnung und zu ersten Handelsabkommen. Korea war wegen seiner Nähe sowie Rohstoffen wie Kohle wichtig. Im Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg erhielt Japan 1895 Formosa, das heutige Taiwan, und die Pescadores-Inseln als Kolonien von China. Korea wurde von China unabhängig und geriet in den japanischen Einflussbereich. Japan unterhielt zudem von 1895 bis 1945 Konzessionen, also besondere wirtschaftliche und verwaltungsmäßige Rechte, in chinesischen Städten: Shanghai, Tientsin, Hankou, Chongqing, Suzhou, Hangzhou und Shashi.

Der Konflikt mit Russland um die Mandschurei führte 1904 zum Russisch-Japanischen Krieg. Japan gewann nach einem überraschenden Angriff auf Port Arthur und setzte sich damit als asiatisches Land militärisch gegen eine europäische Großmacht durch. Es erhielt die Halbinsel Liaodong, die südliche Hälfte Sachalins, die Karafuto genannt wurde und 1907 zur Präfektur Karafuto wurde, sowie die Zuordnung Koreas zum japanischen Kaiserreich. Korea wurde 1905 Protektorat und 1910 als Kolonie Chōsen annektiert. Japan errichtete die Südmandschurische Eisenbahn, um Rohstoffe aus der Mandschurei über Korea nach Japan zu bringen; zu ihrem Schutz wurde die Kwantung-Armee gegründet.

Im Ersten Weltkrieg kämpfte Japan auf Seiten der Entente. Durch den Versailler Vertrag erhielt es die Marianen, Karolinen, Palau und Marshallinseln. Kiautschou, die frühere deutsche Kolonie, war bereits am 7. November 1914 besetzt worden, musste aber am 10. Dezember 1922 auf amerikanischen Druck an China zurückgegeben werden.

Mandschurei und Militarisierung

Bereits vor der Weltwirtschaftskrise verlangten Expansionisten in der japanischen Führung neue Einfluss- und Absatzgebiete; 1927 wurde Tanaka Giichi Premierminister. Nach dem Schwarzen Donnerstag verschärfte die Weltwirtschaftskrise den Druck: Der Zusammenbruch amerikanischer Seidenmärkte traf Japan und viele Kleinbauern schwer. In militärischen Kreisen entstanden Geheimbünde und Verschwörungen wie der Kirschblütenbund. Sie wandten sich gegen die angebliche Schwäche demokratischer Parteien und des Parlaments.

Im September 1931 provozierten Angehörige der japanischen Armee durch einen inszenierten Sabotageakt an der Südmandschurischen Bahngesellschaft den Mukden-Zwischenfall und damit die Mandschurei-Krise. Eine in Guangdong stationierte Truppe nahm innerhalb eines halben Jahres die ganze Mandschurei ein, ohne Kriegserklärung und gegen einen durch den chinesischen Bürgerkrieg geschwächten Widerstand. Es entstand der japanisch kontrollierte Marionettenstaat Mandschukuo unter Puyi, dem letzten Kaiser der Qing-Dynastie. Der Völkerbund verurteilte das Vorgehen am 24. Oktober 1931 und verlangte Truppenabzug sowie Untersuchung. Die japanische Regierung erklärte, die Armee handle eigenmächtig; laut Artikel entsprach dies möglicherweise teilweise der Wirklichkeit.

Chinesische Handelsboykotte ließen Japans Exporte auf ein Sechstel des üblichen Niveaus sinken. Nach einem Zwischenfall in Shanghai bombardierten japanische Land- und Schiffsartillerie sowie trägergestützte Bomber am 29. Januar 1932 dort Zivilbevölkerung. Das erste Flächenbombardement dieser Art in der Geschichte forderte etwa 18.000 chinesische Zivilisten und machte etwa 240.000 Menschen obdachlos. Die Boykotte endeten, und um Shanghai entstand eine entmilitarisierte Zone. Im Mai 1933 erkannte die chinesische Führung in einem Waffenstillstand Japans Ansprüche auf die Mandschurei an. Nach dem Staatsstreich vom 15. Mai 1932 übernahm das Militär die politische Führung. 1933 trat Japan wegen der Kritik des Völkerbunds und der Hoover-Stimson-Doktrin aus dem Völkerbund aus und schloss später unter anderem den Antikominternpakt mit nationalsozialistischem Deutschland und faschistischem Italien.

Krieg, Niederlage und Gebietsverluste

Der Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke vom 7. Juli 1937 führte zum Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg, den vornehmlich chinesische Historiker auch als eigentlichen Beginn des Zweiten Weltkriegs ansehen. Japan eroberte die chinesische Küste mit Shanghai, Nanjing, Kanton, Suzhou, Tsingtau und Hainan. Dabei kam es zu zahlreichen Kriegsverbrechen, besonders zum Massaker von Nanking.

Im September 1940 schloss Japan den Dreimächtepakt mit NS-Deutschland und Mussolinis Italien. Mit Zustimmung des Vichy-Regimes übernahm es Französisch-Indochina mit Vietnam, Laos und Kambodscha und zielte auf Niederländisch-Indien. Die USA reagierten auf Japans Expansion mit Ölembargos und stärkerer Militärpräsenz im Pazifik. Am 7. Dezember 1941 begann unter Premierminister Tōjō Hideki der Angriff auf Pearl Harbor. Japan wollte die amerikanische Pazifikflotte ausschalten und weitere Kolonien erobern. Es zwang Thailand zur Allianz und besetzte Burma, Britisch-Malaya, Singapur, Borneo, Hongkong und Niederländisch-Indien. Bis Mai 1942 fielen auch die Philippinen, Salomonen und der Norden Neuguineas an Japan; besonders wichtig waren die Ölfelder Sumatras und Borneos.

Nach der Schlacht um Guadalcanal eroberten die USA mit der Taktik des „Island Hopping“ Territorien zurück und erreichten bis Kriegsende Okinawa. Die Beendigung japanischer Kolonialbestrebungen war ein alliiertes Kriegsziel der Kairoer Erklärung. Nach der Kapitulation am 15. August 1945 wurden die Gebiete neu verteilt; führende Personen aus Militär und Politik wurden in den Tokioter Prozessen angeklagt.

Korea wurde entlang des 38. Breitengrades in eine sowjetisch-kommunistische Nord- und eine US-verwaltete Südzone geteilt; die Spaltung besteht fort. Taiwan kam unter chinesische Verwaltung und wurde Rückzugsgebiet der Kuomintang. Mandschurei wurde 1946 an die Republik China übergeben und ist heute Teil der Volksrepublik China. Indochina fiel zunächst an Frankreich zurück, Kambodscha, Laos und Vietnam wurden 1954 unabhängig; Indonesien 1949, Malaysia 1957 und Papua-Neuguinea 1975. Hongkong fiel an Großbritannien zurück und wurde 1997 an China übergeben. Die Ryukyu- und Bonin-Inseln gingen zunächst an die USA und später an Japan zurück: Ryūkyū-Amami 1953, Bonin 1968 und die restlichen Ryūkyū-Inseln 1972. Karolinen, Marshallinseln und mit Ausnahme der Marianen weitere Inseln wurden in den 1980er und 1990er Jahren unabhängig. Antijapanische Demonstrationen 2005 wegen Schulbüchern, die Kolonialismus und Expansionismus beschönigen, zeigen laut Artikel fortbestehenden Klärungsbedarf und Konfliktpotenzial.

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