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Taiwan (Insel)
Die Insel bildet seit 1949 den Hauptteil (99 %) der Republik China auf Taiwan. Gleichzeitig wird Taiwan von der Volksrepublik China beansprucht, was sich im …
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Überblick und politische Bedeutung
Taiwan ist eine 35.801 km² große Insel im Westpazifik vor dem chinesischen Festland. Die Formosastraße trennt sie vom Festland. Die Insel ist 394 km lang, höchstens 144 km breit und hat etwa 23 Millionen Einwohner; die Bevölkerungsdichte beträgt 642 Einwohner je km². Hauptort ist Taipeh.
Seit 1949 bildet Taiwan mit 99 % der Fläche den Hauptteil der Republik China auf Taiwan. Zugleich beansprucht die Volksrepublik China die Insel. Dieser Gegensatz ist Teil des Taiwan-Konflikts; der rechtliche Status Taiwans ist umstritten.
Die Insel wird auch Formosa genannt. Dieser vor allem früher gebräuchliche Name stammt von portugiesischen Seefahrern und bedeutet nach „Ilha formosa“ etwa „schöne Insel“. Der heutige Name Taiwan bezeichnete ursprünglich nur die Gegend um Tainan und wurde später auf die gesamte Insel übertragen.
Lage, Landschaft und Klima
Taiwan liegt zwischen mehreren Meeresräumen: Im Westen befindet sich die an ihrer engsten Stelle 130 km breite Taiwan-Straße, im Süden trennt die Straße von Luzon die Insel von den Philippinen. Im Osten liegen das Philippinenbecken und der offene Pazifik, südwestlich das Südchinesische Meer. Im Nordosten schließen sich die zu Japan gehörenden Ryūkyū-Inseln an.
Rund zwei Drittel Taiwans bestehen aus Gebirge. Fünf Gebirgsketten ziehen sich ungefähr 330 km weit durch die östliche Inselhälfte und sind zusammen durchschnittlich 80 km breit. Das Zentralgebirge besitzt mehr als 200 Gipfel über 3.000 m. Höchster Punkt ist der Yushan mit 3.952 m. Die Täler sind häufig schmal und von steilen Hängen umgeben; durch Terrassierung werden manche Flächen bis über 2.000 m Höhe für Tee- und Obstanbau genutzt.
Im Westen liegt eine flache, fruchtbare und dicht besiedelte Ebene, die von Flusstälern durchzogen wird. An der mittleren Ostküste verläuft das schmale, bis zu 1.682 m hohe Haian-Küstengebirge. Der erdbebengefährdete Huatung-Graben trennt es vom Zentralgebirge. An der nördlichen Ostküste reicht das Zentralgebirge unmittelbar an den Pazifik. Dort liegt die Tarokoschlucht, ein bis zu 600 m tief in Kalkfelsen eingeschnittenes Flusstal. Weitere Landschaftsräume sind das Xueshan-Gebirge, die dreieckige Yilan-Ebene und der auf 762 m Höhe gelegene Sonne-Mond-See. Dieser ist Taiwans größtes Binnengewässer und dient als Speicher zur Erzeugung von Wasserkraft.
Der Wendekreis des Krebses durchquert die Insel. Daher herrscht im Norden subtropisches, im Süden überwiegend tropisches Klima. In den Hochlagen gibt es auch im Süden gemäßigtes Klima. Im Winter weht ein kräftiger Nordostmonsun, im Sommer ein starker Südwestmonsun mit heftigen Regenfällen. Von Mai bis Oktober treten häufig Taifune auf, besonders von Juli bis September. Oberhalb von 3.000 m kann es im Winter schneien. Die Durchschnittstemperaturen liegen im Februar bei 12 °C und im Juli bei 25 °C.
Geologie und Naturgefahren
Taiwan liegt am Westrand des pazifischen Feuerrings. Dort stoßen die Philippinische Platte und die Jangtseplatte zusammen: Die Philippinische Platte bewegt sich jährlich 71 mm nach Nordwesten, die Jangtseplatte 15 mm nach Südosten. Der größte Teil Taiwans liegt auf der Philippinischen Platte; kleinere Bereiche im Norden befinden sich auf der Jangtseplatte beziehungsweise auf der Okinawa-Platte.
Die dauernde Reibung der Platten verursacht die steilen Gebirge, Erdbeben und Vulkanismus. Die Vulkane sind heute erloschen, doch aktive Magmaherde speisen zahlreiche heiße Quellen. Die südöstlich vorgelagerten Inseln Lan Yu und Lü Dao waren ursprünglich Vulkane. Eine wichtige Bruchlinie verläuft entlang der Ostküste nach Süden.
Jährlich treten mehrere Erdbeben mit Stärken von 2 bis 3 bis hin zu 8 auf der Richterskala auf. Ein Beben der Stärke 7,6 verursachte am 21. September 1999 als Jiji-Erdbeben großflächige Schäden und mehr als 2.400 Todesopfer. Beim Erdbeben von Kaohsiung 2016 starben 116 Menschen. Erdbeben dieser Größenordnung können erneut auftreten, weshalb Gebäude und Infrastruktur besondere Sicherheitsstandards benötigen.
Pflanzen, Tiere und Ressourcen
Taiwans Pflanzenwelt umfasst 674 Farnarten, 4.596 Arten von Bedecktsamern und 34 Arten von Nacktsamern. Wegen des tropischen und subtropischen Klimas war Taiwan früher fast vollständig bewaldet. Besonders während der japanischen Herrschaft und des Zweiten Weltkriegs wurden die Wälder stark dezimiert. Durch Wiederaufforstung bestehen heute etwa 55 % der Insel aus Wald und Kulturwald. In den Bergen wachsen unter anderem Zypressen, Wacholder, Tannen, Kiefern, Fichten, Bambus, Azaleen und Laubbäume. Der Campherbaum wurde wegen der früher wirtschaftlich bedeutenden Camphergewinnung fast ausgerottet.
Beschrieben sind mindestens 120 Säugetier-, 670 Vogel-, 141 Reptilien-, 65 Amphibien-, 400 Schmetterlings- und 3.100 Fischarten. Industrie und Abholzung beeinträchtigten viele Lebensräume; besonders die Feuchtgebiete der Westküste wurden stark geschädigt. Rekultivierte Wälder an der Ostküste ließen die Tierbestände dort wieder wachsen.
Geschützte Säugetiere wie der Taiwanische Schwarzbär, der Sambar, der Chinesische Muntjak, der Sikahirsch und der Taiwan-Serau sind in freier Wildbahn selten. Der Formosa-Makak ist die einzige heimische Primatenart. Der Nebelparder dürfte auf Taiwan ausgestorben sein. Zu den endemischen, also nur in einem begrenzten Gebiet vorkommenden Vögeln zählen Swinhoefasan, Mikadofasan und Dickschnabelkitta. Mehrere Amphibien sind stark gefährdet; das angebliche Vorkommen des akut vom Aussterben bedrohten Chinesischen Riesensalamanders wird im Artikel nicht als sicher dargestellt. Ungefähr 20 Reptilienarten sind endemisch. Von 16 Giftschlangenarten können sechs für Menschen gefährlich werden, darunter Taiwan-Kobra, Chinesischer Krait und Chinesische Bambusotter.
24 % der Landfläche werden landwirtschaftlich genutzt, 5 % als Weideland und 1 % für Dauerkulturen. Kohle, Gold, Marmor und Wildtierbestände wurden während der Industrialisierung selten. Verbliebene Wälder stehen unter Naturschutz und wurden durch Aufforstung erweitert. Campheröl und Zucker waren vom 19. bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die wichtigsten landwirtschaftlichen Ausfuhrprodukte. Heute exportiert Taiwan vor allem Früchte, Reis, Fisch und Tee. Seit dem Beitritt zur Welthandelsorganisation 2001 werden viele Agrarerzeugnisse eingeführt; die heimische Landwirtschaft konzentriert sich deshalb auf Spezialprodukte wie Bananen, Guaven, Litschis und Javaäpfel. Die Wasserqualität gilt als durchschnittlich gut, doch empfiehlt die Regierung, Leitungswasser abzukochen. Der Energiebedarf wurde um die Jahrtausendwende überwiegend durch Importe gedeckt.
Historische Entwicklung
Die ältesten Siedlungsspuren stammen aus der Jungsteinzeit um 4000 v. Chr. Eine weitere Einwanderungswelle vom chinesischen Festland ist für etwa 2500 v. Chr. nachweisbar. Diese Zeit war durch Ackerbau, aufgerichtete Großsteine und Steinkistengräber geprägt. Bis ins 17. Jahrhundert bestanden nur wenige kulturelle Verbindungen zu China; die indigenen Völker trieben jedoch Handel mit China und südlichen Gebieten wie den Philippinen. Eine chinesische Expedition im Jahr 608 und eine Reise Zheng Hes nach Taiwan im 15. Jahrhundert werden erwähnt, sind aber nicht zweifelsfrei belegt.
1583 erreichten Portugiesen als erste Europäer die Insel. 1624 besetzten Niederländer den Süden; 1626 gründeten Spanier Niederlassungen bei Keelung und Tanshui. Die niederländische Kolonialverwaltung warb chinesische Siedler an, missionierte indigene Gruppen und richtete die ersten öffentlichen Schulen ein. Mehrere Einwanderungswellen vom Festland führten dazu, dass die Nachfahren chinesischer Siedler heute die Bevölkerungsmehrheit bilden. Viele indigene Bewohner der westlichen Ebenen gingen in der Han-Bevölkerung auf; in abgelegenen Bergregionen bewahrten einige Völker länger ihre Eigenständigkeit.
Zheng Chenggong, auch Koxinga genannt, vertrieb die Niederländer und gründete das Königreich Tungning. 1683 annektierte die Qing-Dynastie Taiwan. Danach gehörte die Insel etwa 200 Jahre zu China.
Nach Chinas Niederlage im Krieg von 1894/95 wurden Taiwan und die Pescadoren im Frieden von Shimonoseki an Japan abgetreten. Die ausgerufene Republik Formosa widersetzte sich erfolglos; Japan eroberte die Insel und behielt sie bis 1945 als Kolonie. Die Kolonialverwaltung brachte auch indigene Gruppen unter ihre Kontrolle, errichtete Schulen und Polizeistationen und unterband die bei einigen Stämmen übliche Kopfjagd. Gegen Ende der Kolonialzeit sollte der Shintoismus als Staatsreligion und Ideologie eingeführt werden. 1919 lebten ungefähr 3 Millionen Han-Taiwaner, 100.000 Japaner und 120.000 Angehörige indigener Völker auf der Insel.
Nach Japans Niederlage wurde Taiwan 1945 gemäß der Kairoer Erklärung in die Republik China unter Chiang Kai-shek eingegliedert. Korruption, Inflation und wirtschaftlicher Niedergang erzeugten schwere Spannungen. Der Volksaufstand beim Zwischenfall vom 28. Februar 1947 wurde blutig niedergeschlagen. Nach ihrer Niederlage im chinesischen Bürgerkrieg floh die Kuomintang-Regierung 1949 nach Taiwan und machte Taipeh zum Regierungssitz. Etwa 1,5 Millionen Flüchtlinge vom Festland kamen mit ihr; sie und ihre Nachkommen stellen ungefähr 14 % der Bevölkerung und werden als Waishengren bezeichnet.
Die Kuomintang regierte Taiwan mehr als vier Jahrzehnte als autoritärer Einparteienstaat. 1987 wurde das Kriegsrecht aufgehoben und die Demokratische Fortschrittspartei als erste Oppositionspartei gegründet. Zuvor verdrängte Lokalsprachen, besonders das Taiwanische, erlebten danach eine Wiederbelebung. Seit Mitte der 1990er Jahre bestehen außerdem verstärkte Bemühungen, die Kulturen und Sprachen der indigenen Bevölkerung zu bewahren.