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Chongqing

Die urbane Agglomeration wurde 2017 von den UN auf 14,3 Millionen Einwohner geschätzt. Die Fläche des Verwaltungsgebietes ist mit 82.403 km² annähernd so groß …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Verwaltungsstatus
  2. 2. Naturraum, Klima und Gliederung
  3. 3. Historische Entwicklung und Politik
  4. 4. Wirtschaft und Stadtentwicklung
  5. 5. Verkehr und Bildung
  6. 6. Kultur, Bauwerke und Naturziele

Bedeutung und Verwaltungsstatus

Chongqing ist eine Millionenstadt in Südwestchina am Zusammenfluss von Jangtsekiang und Jialing Jiang. Sie ist eine regierungsunmittelbare Stadt, also eine eigenständige Verwaltungseinheit auf derselben Ebene wie eine Provinz. Dadurch bezeichnet „Chongqing“ nicht nur die dicht bebaute Großstadt, sondern ein riesiges Verwaltungsgebiet mit Städten, Vororten und überwiegend ländlichen Räumen.

Das Verwaltungsgebiet umfasst 82.403 km² und ist damit annähernd so groß wie Österreich. Für 2020 werden 32.054.159 Einwohner und eine mittlere Dichte von 389 Einwohnern je km² angegeben. Chongqing gilt nach administrativen Grenzen als einwohnerstärkste Stadt der Welt. Dieser Vergleich ist jedoch nur eingeschränkt aussagekräftig, weil 98,21 % des Gebiets überwiegend ländlich geprägt sind. Zur Einwohnerzahl der eigentlichen Kernstadt enthält der Artikel unterschiedliche Angaben: In der Einleitung werden 6,9 Millionen Menschen genannt, im Abschnitt zur Bevölkerungsentwicklung dagegen 9.580.819 für 2020. Die UN schätzten die urbane Agglomeration, also das zusammenhängende städtische Siedlungsgebiet, 2017 auf 14,332 Millionen Einwohner; bis 2035 werden 20,5 Millionen erwartet.

Chongqing ist Industriezentrum, Verkehrsknoten und kultureller Mittelpunkt der Region. Seine heutige territoriale Form entstand am 14. März 1997, als der östliche Teil der Provinz Sichuan einschließlich der Großräume Wanxian und Fuling zu einer regierungsunmittelbaren Stadt zusammengefasst wurde.

Naturraum, Klima und Gliederung

Chongqing liegt am östlichen Rand des Roten Beckens, einer fruchtbaren Hügellandschaft aus überwiegend roten Sandsteinen und Tonen. Das Becken besitzt Vorkommen an Kohle, Erzen, Salz, Erdöl und Phosphor. Die Stadt ist vom Daba Shan im Norden, Wu Shan im Osten und Dalou Shan im Süden umgeben. Ihr stark hügeliges Gelände erklärt den Beinamen „Stadt der Berge“. Die durchschnittliche Höhe beträgt 243 m. Durch das Verwaltungsgebiet fließen rund 80 Flüsse, darunter Jangtse, Jialing, Wu Jiang, Fu Jiang, Qi Jiang und Daning He. Der Stausee des Drei-Schluchten-Damms reicht bis Chongqing und ermöglicht größeren Schiffen die Fahrt bis zur Stadt.

Das Gebiet erstreckt sich etwa 470 km von Osten nach Westen und 450 km von Norden nach Süden. Von insgesamt 82.402,95 km² entfallen 1.472,55 km² oder 1,79 % auf die dicht bebaute Kernstadt und 80.930,4 km² oder 98,21 % auf überwiegend ländliche Gebiete. Zur Innenstadt gehören Yuzhong, Dadukou, Nan’an, Jiulongpo, Shapingba und Jiangbei. Hinzu kommen Randbezirke, ländliche Bezirke sowie die weiter entfernten Regionen Fuling, Wanzhou und Qianjiang. Qianjiang umfasst auch vier Autonome Kreise ethnischer Gruppen der Miao und Tujia. Der 2010 gegründete Neue Stadtbezirk Liangjiang ist kein eigener administrativer Stadtbezirk, sondern ein über Teile von Jiangbei, Yubei und Beibei gelegtes Gebiet zur Wirtschaftsförderung.

Das subtropische Klima besitzt kurze, relativ milde Winter sowie feucht-heiße Sommer. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 19,0 °C, der mittlere Jahresniederschlag 1.138 mm; etwa 69 % fallen von Mai bis September. Von Oktober bis April treten hohe Luftfeuchtigkeit und dichter Nebel auf, weshalb Chongqing „Nebelhauptstadt“ heißt. Im August liegen die mittleren Tageswerte bei maximal 32,8 °C und minimal 24,5 °C, im Januar bei 9,5 °C und 5,6 °C. Extreme Wetterereignisse sind möglich: Am 15. August 2006 wurden in Qijiang während einer schweren Dürre 44,5 °C gemessen. Am 18. Juli 2007 fielen 266,6 mm Regen an einem Tag, der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen 1892.

Historische Entwicklung und Politik

Funde der Tongliang-Kultur sind etwa 25.000 Jahre alt. Um 1000 v. Chr. war Chongqing Hauptstadt des Staates Ba. Gegen Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. entwickelte sich der Osten Sichuans durch neue Anbaumethoden zu einer intensiv bewirtschafteten Region. Diese wirtschaftliche Grundlage unterstützte die Qin bei der Vereinigung Chinas 221 v. Chr. Von 1242 bis 1278 widerstanden Streitkräfte der Song-Dynastie bei Hechuan mongolischen Armeen.

1891 wurde Chongqing unter dem Druck Großbritanniens und Japans als erster chinesischer Inlandshafen für den Außenhandel zwangsweise zum Vertragshafen geöffnet. 1929 erhielt die Stadt den Status einer selbständigen Stadt auf Provinzebene. Während des Japanisch-Chinesischen Krieges zog sich die Regierung der Republik China unter Chiang Kai-shek nach Chongqing zurück. Die Stadt war bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Kriegshauptstadt Chinas. Zwischen dem 18. Februar 1938 und dem 23. August 1943 töteten zahlreiche japanische Luftangriffe mehr als 10.000 Zivilisten. 1945 trafen Mao Zedong und Chiang Kai-shek in Chongqing zusammen; der ausgehandelte Waffenstillstand zwischen Kommunisten und Kuomintang hielt nur kurz.

Am 2. September 1949 zerstörte ein Großbrand mehr als 10.000 Gebäude und tötete über 1.000 Menschen. Am 30. November 1949 nahmen kommunistische Truppen Chongqing ein. 1954 wurde die Stadt in Sichuan eingegliedert. Seit den Reformen der späten 1970er Jahre entwickelte sich die Region wirtschaftlich rasch. Chongqing erhielt 1983 Verwaltungsrechte für die Wirtschaft auf Provinzebene und wurde 1992 zur ersten offenen Stadt am Jangtse erklärt. 1997 folgte die Ausgliederung aus Sichuan. Viele der insgesamt 1,4 Millionen Menschen, die bis 2007 wegen des Drei-Schluchten-Damms umgesiedelt wurden, kamen nach Chongqing. Zwischen Mitte 2010 und Ende 2011 erhielten rund drei Millionen Migranten aus dem ländlichen Hinterland erweiterte Einwohnerrechte, ohne dass das Hukou-System der Wohnberechtigung abgeschafft wurde.

Der Volkskongress Chongqings ist die städtische Legislative. Unterhalb der Stadtverwaltung bestehen Stadtbezirke, Kreise und Autonome Kreise; sie gliedern sich weiter in Straßenviertel, Großgemeinden und Gemeinden. Auf der untersten Ebene stehen in Städten Einwohnergemeinschaften mit Einwohnerkomitees und auf dem Land Dörfer mit Dorfkomitees.

Wirtschaft und Stadtentwicklung

Chongqing liegt 2.400 km flussaufwärts von Shanghai am Schnittpunkt der Wasserwege Ostchinas und der Handelsrouten aus Tibet und Myanmar. Neben Gas- und Kohlevorkommen sind Eisenerz, Barium, Strontium und Quecksilber wirtschaftlich bedeutsam. Die moderne Industrialisierung beschleunigte sich 1938, als wegen des Krieges zahlreiche Betriebe von der Küste nach Chongqing verlegt wurden. Nach 1949 folgten weitere Investitionen, besonders in die Rüstungsindustrie. Heute gehören außerdem Automobil-, Motorrad-, Elektronik-, Aluminium-, Chemie-, Stahl-, Nahrungsmittel- und Textilindustrie zu den wichtigen Branchen.

2005 betrug das Bruttoinlandsprodukt 306,91 Milliarden Yuan. Davon entfielen 15,1 % auf den primären Sektor, also Rohstoffgewinnung und Landwirtschaft, 41,0 % auf den sekundären Sektor, vor allem Verarbeitung und Industrie, und 43,9 % auf Dienstleistungen. Eine Studie bezifferte das Bruttoinlandsprodukt 2014 in Kaufkraftparität auf 315,58 Milliarden US-Dollar und das BIP pro Kopf auf 10.516 US-Dollar. Trotz starken Wachstums bleiben verlustreiche, nicht privatisierte Staatsunternehmen ein Problem.

Seit Chongqing 1997 regierungsunmittelbar wurde und von der staatlichen Strategie zur Entwicklung Westchinas profitierte, flossen große Mittel in Infrastruktur und Neubauten. Steuernachlässe förderten Firmenansiedlungen, während viele Arbeitskräfte aus dem ländlichen Hinterland zuzogen. Gleichzeitig entstanden Belastungen durch Luftverschmutzung, dichte Bebauung sowie die Umwandlung land- und forstwirtschaftlicher Flächen in Bauland.

Die Innenstadt wird von Hochhäusern geprägt. Raffles City Chongqing wurde 2019 fertiggestellt und erreicht 354 m; seine mehr als 300 m lange Gebäudebrücke liegt in über 250 m Höhe. Das Chongqing World Financial Center ist 339 m hoch. In den Vororten ersetzten vielstöckige Neubauten zahlreiche ältere Gebäude. Neue Quartiere erhalten meist eigene Schul-, Sozial-, Einkaufs- und Freizeiteinrichtungen. Frühere Teiche und kleine Talsperren werden teilweise in die Neubaugebiete einbezogen; zugleich entstehen Villen- und Eigenheimanlagen für die wachsende Mittelschicht.

Verkehr und Bildung

Chongqing ist über Autobahnen, Eisenbahnen, Fernbusse, Hafen, Fähren und den internationalen Flughafen Chongqing-Jiangbei angebunden. Der Flughafen liegt 21 km nordöstlich der Stadtmitte. Bahnverbindungen führen unter anderem nach Peking, Chengdu, Guangzhou, Guiyang, Shanghai, Wuhan, Xi’an und Zunyi. Vom Fährterminal an der Ostspitze der Halbinsel verkehren Schiffe auf dem Jangtse; ein Luftkissenboot fährt täglich über den Drei-Schluchten-Damm nach Yichang. Seit 2012 verkehren Güterzüge von Chongqing nach Deutschland.

Der öffentliche Nahverkehr umfasst Busse, Taxis, Seilbahnen, Schrägaufzüge, Standseilbahnen und den Chongqing Rail Transit. Dessen Schienennetz besteht laut Artikel aus den Einschienenbahnlinien 2 und 3 sowie den U-Bahn-Linien 1, 4, 5, 6 und 10 und einer Ringlinie. Die Einschienenbahn ist auf einem einzelnen Fahrbalken geführt. Seilbahnen über Flüsse und Schrägaufzüge überwinden die großen Höhenunterschiede zwischen Hafen und Innenstadt. Trolleybusse verkehrten vom 24. Dezember 1955 bis zum 23. Mai 2004.

Chongqing besitzt zahlreiche Universitäten, Fachhochschulen, Forschungsinstitute und Bibliotheken. Zu den bedeutendsten Hochschulen gehören die 1929 eröffnete Chongqing-Universität und die 1906 eröffnete Universität Südwestchinas. Weitere Einrichtungen sind unter anderem Hochschulen für Medizin, Verkehr, Pädagogik, Kunst, Fremdsprachen, Post und Telekommunikation, Wissenschaft und Technik sowie Politikwissenschaft und Recht.

Kultur, Bauwerke und Naturziele

Die Große Halle des Volkes wurde in den 1950er Jahren nach dem Vorbild des Himmelstempels in Peking errichtet und bietet in ihrem Hauptsaal mehr als 4.000 Menschen Platz. Das Chongqing Grand Theater wurde 2009 am Jangtse als Opernhaus mit zwei Sälen eröffnet. Wichtige Museen sind das Chongqing-Museum mit Kunst, Porzellan und Ba-Shu-Funden, das seit 2005 bestehende China-Drei-Schluchten-Museum sowie ehemalige Gefängnisse in Baigongguan und Zhazidong, die an politische Verfolgung während der Herrschaft der Kuomintang erinnern.

Der Luohan-Si-Tempel besitzt eine Arhat-Halle mit 500 bunt bemalten, lebensgroßen Statuen buddhistischer Heiliger. Im Haus Guijuan lebte Mao Zedong vom 12. August bis 10. Oktober 1945 während seiner Verhandlungen mit Chiang Kai-shek. Die Chaotianmen-Yangtse-Brücke war bis zum 28. Dezember 2021 die Bogenbrücke mit der weltweit größten Spannweite.

Besonders bedeutend sind die Felsskulpturen von Dazu, etwa 90 km westlich des Stadtzentrums. Rund 50.000 Bilder und Figuren befinden sich in Nischen, Grotten und Felsüberhängen des Bei Shan und Baoding Shan. Die Arbeiten begannen 892 und dauerten über 400 Jahre. Ein eingebautes Drainagesystem, die abgelegene Lage und strenge Gesetze trugen zu ihrer Erhaltung bei. Die Stätten stehen seit 1961 auf der chinesischen Denkmalliste und seit 1999 auf der UNESCO-Welterbeliste.

Zu den wichtigsten Naturzielen gehören die Drei Schluchten am Jangtse. Im Verwaltungsgebiet Chongqings liegen die acht Kilometer lange Qutang-Schlucht und die 45 km lange Wuxia- oder Hexenschlucht; die dritte, die Xiling-Schlucht, beginnt bei Zigui in der Provinz Hubei. Durch den Ausbau des Flusses können Schiffe die früher wegen Felsen, Stromschnellen und Sandbänken gefährliche Strecke heute leichter befahren.

Kulinarisch ist Chongqing besonders für den Feuertopf nach Sichuan-Art bekannt. Rohe Zutaten werden auf Tellern gereicht und in einem in mehrere Bereiche unterteilten Topf gegart. Garküchen bieten außerdem Teigtaschen, eingelegtes Gemüse, Fisch, Geflügel und Innereien an. Parks wie Pipa Shan und Eling Shan schaffen Grünflächen in der dicht bebauten Innenstadt, wobei vom Pipa-Shan-Park häufig die starke Luftverschmutzung sichtbar ist.

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