Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Jan-Heiner Tück

Die Auseinandersetzung mit der Dichtung Paul Celans brachte den Anstoß, den Fragen einer Theologie nach Auschwitz nachzugehen. Weitere Arbeiten suchen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Profil und Bedeutung
  2. 2. Ausbildung und akademischer Weg
  3. 3. Theologische Forschung
  4. 4. Kultur, Literatur und interdisziplinärer Dialog
  5. 5. Ratzinger, Publizistik und kirchliche Aufgaben

Profil und Bedeutung

Jan-Heiner Tück (* 1967 in Emmerich, Niederrhein) ist ein deutscher römisch-katholischer Theologe, Hochschullehrer und Publizist. Er ist Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien und leitet dort das entsprechende Fachgebiet am Institut für Systematische Theologie und Ethik.

Dogmatik bezeichnet die wissenschaftliche Reflexion über verbindliche Glaubenslehren der Kirche; Dogmengeschichte untersucht deren geschichtliche Entwicklung. Tück gilt als profilierter katholischer Dogmatiker im deutschsprachigen Raum. Kennzeichnend für seine Arbeit sind die Verbindung systematisch-theologischer Fragen mit Literatur, Philosophie, moderner Kultur sowie dem Dialog zwischen Judentum und Christentum. Als Publizist bringt er theologische Perspektiven auch in gesellschaftliche und kulturelle Debatten ein.

Ausbildung und akademischer Weg

Nach dem Abitur am Collegium Augustinianum Gaesdonck studierte Tück von 1987 bis 1994 Katholische Theologie und Germanistik in Tübingen und München. 1998 promovierte er bei Peter Hünermann in Tübingen summa cum laude zum Dr. theol. 2007 habilitierte er sich an der Universität Freiburg i. Br.; 2009 erhielt er dort ein Heisenberg-Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Nach Tätigkeiten an den Universitäten Luzern, Osnabrück und Freiburg i. Br. wurde er 2010 an die Universität Wien berufen. Von 2012 bis 2018 war er Vizedekan. Tück ist verheiratet und Vater von vier Kindern.

Theologische Forschung

Zu Tücks Schwerpunkten gehören Christologie, Gotteslehre, Eschatologie und der jüdisch-christliche Dialog. Christologie fragt nach Person und Bedeutung Jesu Christi, Eschatologie nach den „letzten Dingen“ wie Tod, Auferstehung und Vollendung. Seine Dissertation Christologie und Theodizee bei Johann Baptist Metz führt neue politische Theologie und trinitarische Kreuzestheologie zusammen. Die Theodizee fragt dabei, wie Gottes Güte und Macht angesichts des Leidens gedacht werden können. Die Beschäftigung mit Paul Celans Dichtung gab ihm den Anstoß zu Arbeiten über eine Theologie nach Auschwitz.

Ein weiterer Schwerpunkt ist das Zweite Vatikanische Konzil. Der von ihm 2012 herausgegebene Band Erinnerung an die Zukunft plädiert für eine „Hermeneutik der Reform“: Kontinuität und Diskontinuität sollen bei der Auslegung des Konzils zusammengedacht werden. Im Streit um eine Aussöhnung mit der traditionalistischen Piusbruderschaft betonte Tück öffentlich, die Konzilsdokumente dürften nicht zur Disposition gestellt werden. Gemeinsam mit Roman Siebenrock würdigte er die Weltgebetstreffen in Assisi als kreative Fortschreibung der interreligiösen Öffnung des Konzils.

In seiner Habilitationsschrift Gabe der Gegenwart rekonstruierte Tück die Eucharistietheologie des Thomas von Aquin und bezog sie auf dessen Hymnen für das Fronleichnams-Offizium, die Thomas im Auftrag von Papst Urban IV. verfasste. Die Schrift wurde ins Englische und Kroatische übersetzt. Mit Christian Danz gab Tück 2016 Martin Luther im Widerstreit der Konfessionen heraus; 2025 erschien mit Uta Heil Nizäa – das erste Konzil über die arianische Kontroverse, das erste ökumenische Konzil und dessen Wirkungsgeschichte.

Kultur, Literatur und interdisziplinärer Dialog

Tück untersucht religiöse Motive in der Gegenwartsliteratur und sucht den Austausch zwischen Glauben und moderner Kultur. Dies zeigen Hintergrundgeräusche (2010) sowie Sammelbände zu Martin Walser, Peter Handke, Arnold Stadler und Thomas Hürlimann. 2016 initiierte er an der Universität Wien die Poetikdozentur Literatur und Religion. Dort treten Schriftstellerinnen und Schriftsteller, darunter Sibylle Lewitscharoff, Thomas Hürlimann, Felicitas Hoppe, Michael Köhlmeier, Christian Lehnert und Martin Mosebach, mit Theologinnen und Theologen ins Gespräch. Ziel ist, religiöse Motive in der Literatur sichtbar zu machen, theologische Sprachsensibilität zu fördern und das Verhältnis von religiöser Erfahrung und poetischer Imagination zu erkunden.

2015 veranstaltete Tück mit dem Ägyptologen Jan Assmann ein Symposium zu Monotheismus unter Gewaltverdacht. Diskutiert wurden sowohl mögliche Ambivalenzen des Monotheismus als auch seine verständigungs- und friedensfördernden Möglichkeiten. Auch die Bände Sterben für Gott – Töten für Gott? und Lessings Ringparabel – ein Paradigma zur Verständigung der Religionen? behandeln Fragen von Wahrheit, Toleranz, religiöser Gewalt und interreligiösem Gespräch.

Ratzinger, Publizistik und kirchliche Aufgaben

Tück beschäftigt sich intensiv mit der Theologie Joseph Ratzingers, des späteren Papstes Benedikt XVI. Er gab Bände zu dessen theologischen Profil heraus, würdigte die Jesus-Trilogie kritisch und veröffentlichte nach Benedikts freiwilligem Amtsverzicht Der Theologenpapst. Eine kritische Würdigung Benedikts XVI. Darin werden Enzykliken und Reden, Impulse und Pannen behandelt. Mit Benedikt XVI. führte Tück einen Briefwechsel über die postmortale Versöhnung von Tätern und Opfern. Er gilt als wichtiger Vermittler von Benedikts theologischem Erbe im deutschsprachigen Raum.

Seit 2002 ist Tück Redaktionsmitglied, seit 2007 Schriftleiter der Internationalen Katholischen Zeitschrift Communio. Daneben publiziert er Essays und Kommentare unter anderem in der Neuen Zürcher Zeitung, Die Presse und der Furche sowie in Medien- und Podcastformaten. Im Konflikt um die österreichische Pfarrerinitiative von 2011 wirkte er an einer Versachlichung mit; daraus ging das kritisch diskutierende Buchprojekt Risse im Fundament? hervor.

Seit 2016 gehört Tück der Theologischen Kommission der Österreichischen Bischofskonferenz an, seit 2020 der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz. Seit 2025 arbeitet er in der VI. Phase des lutherisch-katholischen Dialogs im Auftrag des römischen Dikasteriums für die Einheit der Christen mit.

Weiterlesen

Deutsche Staatsangehörigkeit Die deutsche Staatsangehörigkeit ist die Zugehörigkeit einer natürlichen Person zum deutschen Staat, der Bundesrepublik Deutschland. Römisch-katholische Kirche Römisch-katholische Kirche. größte christliche Kirche, die sich aus 24 autonomen Kirchen zusammensetzt, die in Gemeinschaft mit dem römischen Papst stehen. Dogmatik Sie ist neben den Fachgebieten der Christlichen Ethik (Theologische Ethik und Moraltheologie) sowie Christliche Sozialethik (Christliche Soziallehre) und der … Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Wien Im Oktober 2022 wurden die Religionspädagogin Andrea Lehner-Hartmann zur Dekanin und der Sozialethiker Alexander Filipović zum Vizedekan der Fakultät ernannt. Forschungsfrage Als Forschungsfrage wird das ausformulierte Ziel eines Forschungsvorhabens bezeichnet. Ihre Formulierung ist Teil wissenschaftlichen Arbeitens. Christologie Die Christologie ist ein zentraler Teilbereich der systematischen Theologie. Sie will die Fragen nach seiner Person (Identität, „Natur“) und seinem Werk ( … Eschatologie Der ursprünglich christliche Begriff wurde im lutherischen Protestantismus geprägt und nach seiner Akzeptanz als Beschreibung für bestimmte Inhalte auch auf … Dialog Ein Dialog ist ein Gespräch zwischen zwei oder mehreren Personen; eine geführte Rede und Gegenrede. Zuhören als das auf sich wirken Lassen des Gehörten aus … Theologie Theologie in anderen Religionen · Judentum · Islam · Hinduismus · Wicca und Neopaganismus. Literatur Als Literatur bezeichnet man seit dem 19. Jahrhundert den Bereich aller mündlich (etwa durch Versformen und Rhythmus) oder schriftlich fixierten … Kultur Kultur bezeichnet im weitesten Sinne alle Erscheinungsformen menschlichen Daseins, die auf bestimmten Wertvorstellungen und erlernten Verhaltensweisen … Judentum Das jüdische Volk entstand ab etwa 1200 v. Chr. und entwickelte den JHWH-Monotheismus, aus dem später die weiteren abrahamitischen Religionen Christentum und …