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Sklaverei in den Vereinigten Staaten
Die Kolonisierung Amerikas vom 16. bis 19. Jahrhundert ging mit einer Massenversklavung von Afrikanern einher, die in allen Teilen des dünn besiedelten …
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Grundzüge und Entwicklung
Die Sklaverei in den Vereinigten Staaten setzte die Sklaverei der 13 Kolonien fort, aus denen 1776 die USA entstanden. Afrikanischstämmige Menschen wurden als billige Arbeitskräfte verschleppt und eingesetzt. Auf dem nordamerikanischen Festland nahm das System besondere Formen an. Edmund S. Morgan beschrieb als zentrales Paradox, dass amerikanische Vorstellungen von Freiheit, Gleichheit und Klassenlosigkeit wesentlich auf Sklaverei und Rassismus beruhten.
Bei der Unabhängigkeitserklärung 1776 lebten mehr als 460.000 Sklaven in den USA. Im Norden begann die Abschaffung, langsam und teils erst 1865 abgeschlossen. Im Süden war Sklaverei eng mit der wachsenden Wirtschaft verbunden; die Zahl stieg bis 1865 auf mehr als vier Millionen. Die Plantagenwirtschaft entstand im 17. Jahrhundert in Virginia und breitete sich nach Süden und Westen aus. Arbeitskräfte kamen zunächst aus der Karibik, später über die „Mittelpassage“ direkt aus Westafrika.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts brach die Plantagenökonomie in Virginia und North Carolina teilweise zusammen, expandierte aber nach Westen. Hunderttausende Sklaven wurden aus dem Oberen Süden in den Tiefen Süden, besonders nach Alabama, Mississippi und Louisiana, verkauft und verschleppt. Diese „Zweite Mittelpassage“ war eine traumatische erzwungene Massenwanderung. Mit der Niederlage der Konföderation im Sezessionskrieg und dem 13. Zusatzartikel endete die Sklaverei 1865 offiziell. Danach hielt das Convict-Lease-System viele Afroamerikaner durch Zwangsarbeit weiter abhängig; in Alabama bis 1928.
Regionale Formen in der Kolonialzeit
Sklavenhaltung gab es bereits in einigen indianischen Kulturen, wurde aber mit den europäischen Kolonien im 17. Jahrhundert allgemein verbreitet. In Nieuw Nederland arbeiteten afrikanischstämmige Sklaven unter anderem beim Festungsbau, Transport, in Jagd und Landwirtschaft. Viele waren qualifiziert. Die Westindien-Kompanie ließ ihnen nach Erfüllung eines Arbeitspensums relativ große Freiräume: Sie konnten auf eigene Rechnung arbeiten, Handel treiben, Eigentum erwerben, Familien gründen, Gerichte anrufen und dem Militär beitreten. Ira Berlin nennt diese vergleichsweise integrierte, kreolische Gruppe „Charter-Generationen“. Freilassung bedeutete jedoch keine volle Gleichstellung.
In Neuengland und den Mittelkolonien gab es keine Plantagenwirtschaft. Sklaven arbeiteten in Häfen, Handwerk, Handel, Haushalten und Landwirtschaft, meist zusammen mit Schuldknechten sowie schwarzen und weißen Lohnarbeitern. Halter besaßen oft nur wenige Sklaven und förderten ihre Familiengründung nicht; schwangere Frauen wurden verkauft. Dies schwächte besonders Ehe- und Vaterrollen. Zugleich blieben afrikanische Traditionen wichtig, etwa beim jährlichen Pinkster. Im 18. Jahrhundert verschärften Gesetze die Herrschaft der Halter, erschwerten Freilassungen und nahmen teils auch freien Schwarzen Rechte.
Auch Louisiana hatte zunächst vor allem städtische Sklaverei: In New Orleans arbeiteten häufig kreolische Sklaven in vielfältigen, teils qualifizierten Berufen und verfügten über relativ große Mobilität. Florida war ein Sonderfall: Spanien bot 1693 geflohenen Sklaven, die zum Katholizismus übertraten, Freiheit an. Gracia Real de Santa Teresa de Mose war Fluchtziel und Befestigung zum Schutz von St. Augustine. Nach dem britischen Erwerb Floridas 1763 flohen viele Schwarze nach Kuba.
In Virginia, South Carolina und Georgia entstanden große Plantagen für Tabak, Reis und Indigo, später Baumwolle und Zuckerrohr. Die Arbeitsleistung von Sklaven verdrängte Familienarbeit, Schuldknechtschaft und Lohnarbeit. Pflanzer wurden wirtschaftlich und politisch einflussreich; bis zum Sezessionskrieg waren unter anderem George Washington, Thomas Jefferson, James Madison, James Monroe, Andrew Jackson, John Tyler, James K. Polk und Zachary Taylor Präsidenten und Sklavenhalter. Zur Rechtfertigung diente eine Ideologie der Unterordnung, die sich auf angebliche Natur- oder Gottesgesetze und Rassenideologien stützte.
Plantagensystem, Gewalt und Verlagerung
Mit dem direkten Import aus Afrika nahmen in Virginia und im Unteren Süden Gewalt und Kontrolle zu. Das Geschlechterverhältnis war oft unausgewogen, weil Halter besonders junge Männer kauften; Familiengründungen waren erschwert. In Virginia starb ein Viertel der aus Afrika importierten Sklaven innerhalb des ersten Jahres nach der Ankunft. Sklavenhalter nutzten Schläge, Brandzeichnung, Verstümmelung, Pranger, Auspeitschen und andere Strafen. Seit 1669 konnten Weiße in Virginia widersetzliche Sklaven ungestraft töten. Gesetze schränkten etwa Versammlungsfreiheit und das Verlassen einer Plantage ohne Pass ein.
In South Carolina wurde Charleston zum wichtigsten Zielhafen des atlantischen Sklavenhandels auf dem nordamerikanischen Festland. Die Arbeit in Reisfeldern war besonders hart, die Sterblichkeit hoch. Der Stono-Aufstand von 1739 wurde niedergeschlagen; das folgende Sklavengesetz gab Haltern fast unumschränkte Macht. In Georgia wurde das ursprüngliche Sklavereiverbot 1751 aufgehoben. Nach 1793 machte die Egreniermaschine, welche Baumwolle maschinell von Samen und Samenkapseln trennte, den Anbau kurzstapeliger Baumwolle rentabel. Die Plantagen weiteten sich stark aus. Das Kolonnensystem, bei dem Gruppen unter Aufsicht arbeiteten, verlängerte die Arbeitstage und verdrängte das Aufgabensystem mit vorgegebenen Aufgaben und eher eigenen Zeiträumen.
Im Tiefen Süden entstanden nach 1800 große Baumwoll- und Zuckerrohrplantagen. Der Bedarf an Arbeitskräften wurde durch regionale Käufe, Verkäufe aus dem Norden und teils Direktimporte gedeckt. Neu importierte Menschen starben oft an Krankheiten; die meist männliche Zusammensetzung verhinderte häufig Familien. Urbarmachung, Kolonnensystem und massiver Zwang führten zu sozialer Isolation. Die Ideologie der White Supremacy, also der behaupteten Überordnung weißer Menschen, wurde weiter ausgebaut und prägte auch Beziehungen innerhalb der schwarzen Bevölkerung.
Abschaffung, Krieg und rechtliche Folgen
Ideen der „demokratischen Revolution“ – die Unabhängigkeitserklärung von 1776, die französische Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 und die Republik Haiti von 1804 – setzten Sklaverei unter Rechtfertigungsdruck. In der Präambel der Unabhängigkeitserklärung nannte Thomas Jefferson Leben, Freiheit und das Streben nach Glück unveräußerliche Rechte, ohne Sklaverei ausdrücklich zu erwähnen. Der Evangelikalismus und protestantische Gruppen stärkten Kritik an der Sklaverei. Ab etwa 1820 forderte der Abolitionismus mit der Parole „Slavery is sin“ ihre Abschaffung. Harriet Beecher Stowes Roman Uncle Tom’s Cabin von 1852 hatte starke politische Wirkung.
In Staaten ohne Plantagenwirtschaft wurde Sklaverei zuerst abgeschafft: Vermont 1777, Massachusetts 1780 und New Hampshire 1783. Pennsylvania, Connecticut, Rhode Island, New York und New Jersey beschlossen zwischen 1780 und 1804 eine graduelle Abschaffung: Nach einem Stichtag geborene Kinder von Sklaven sollten bei Volljährigkeit frei werden. Dennoch lebten 1810 in den „freien Staaten“ noch 27.000 Sklaven; Freigelassene blieben oft wirtschaftlich abhängig und wurden diskriminiert. New York schaffte Sklaverei erst 1827 endgültig ab, Illinois 1848.
Der Kongress verbot 1807/08 den Import von Sklaven. Dennoch wurden Menschen weiterhin illegal, besonders über Florida und Texas, eingeführt; auch freie Afroamerikaner wurden entführt und rechtswidrig versklavt. Der inländische Sklavenhandel war nach der Plantagenproduktion der stärkste Wirtschaftszweig des Südens. In den Jahren vor dem Bürgerkrieg stiegen Sklavenpreise mit dem Baumwollpreis; diese Spekulationsblase hieß „the Negro fever“. Das Urteil Dred Scott v. Sandford von 1857 erhöhte die Preise um knapp 5 %, die Zurückweisung einer sklavenhaltenden Verfassung in Kansas Ende 1857 um etwa 5 % und Lincolns Nominierung um etwas über 5 %.
Die Sezession der Südstaaten und die Bildung der Konföderation führten 1861 zum Bürgerkrieg. Viele Sklaven flohen. Nach der Ersten Schlacht am Bull Run fielen Sklavenpreise um 17 %. Die Union eroberte im April 1862 New Orleans, den zentralen Sklavenmarkt; im selben Monat wurde Sklaverei in Washington, D.C. abgeschafft, wobei Halter dort durchschnittlich 300 Dollar Entschädigung erhielten. Am 18. Dezember 1865 trat der 13. Zusatzartikel in Kraft und schaffte Sklaverei endgültig ab. Der 14. Zusatzartikel sprach Afroamerikanern 1868 formell Bürgerrechte zu, doch Black Codes und andere Praktiken verhinderten tatsächliche Gleichrechte noch lange. Erst die Bürgerrechtsbewegung der 1950er- und 1960er-Jahre und Lyndon B. Johnsons Einsatz führten zu weitergehender faktischer Gleichberechtigung.
Kultur, Widerstand und Flucht
Unter der Sklaverei entstanden afroamerikanische Kulturtraditionen in Brauchtum, Musik, Architektur, Erzählungen und Religion. Kennzeichnend war die Verbindung afrikanischer Überlieferungen mit europäischen Traditionen der Sklavenhalter.
Halter sicherten ihre Macht durch Familientrennungen, lange harte Arbeit, Religion, Unterschiede zwischen Feld- und privilegierteren Haussklaven sowie sofortige harte Strafen. Der Virginia Code von 1705 regelte sogar die Zerstückelung von Sklaven als Strafe. Dennoch gab es Hunderte belegte Versuche zu Aufständen. Sie wurden ausnahmslos in der Vorbereitung entdeckt oder gewaltsam niedergeschlagen. Selbst der Stono-Aufstand 1739 und der Aufstand von Nat Turner 1831 führten nicht zur Freiheit von Sklaven.
Alltäglicher Widerstand umfasste Gewalt gegen Halter oder Aufseher, Arbeitsverweigerung, vorgetäuschte Krankheit, Dummheit oder Ungeschicklichkeit, Sabotage von Geräten und Verstümmelung von Arbeitstieren. Tausende flohen; während des Unabhängigkeitskriegs war dies wegen der Unordnung und der Aufnahme in militärischen Lagern besonders möglich. Im 19. Jahrhundert half die Underground Railroad, ein Netzwerk weißer und schwarzer Abolitionisten, vor allem Sklaven aus dem Norden der Südstaaten bei der Flucht nach Kanada.
Nachwirkungen und Erinnerung
Die Sklaverei gilt als eine Ursache kultureller und politischer Unterschiede zwischen Nord- und Südstaaten. Laut Artikel wählen weiße Menschen im Süden eher die rechte Republikanische Partei, lehnen Affirmative Action häufiger ab und zeigen mehr rassistische Ressentiments gegenüber Schwarzen. Einige Autoren erklären dies damit, dass weiße Südstaatler nach dem Bürgerkrieg Anreize hatten, rassistische Normen und Institutionen zu verstärken, um die Kontrolle über die befreite afroamerikanische Bevölkerung zu behalten.
Nachfahren ehemaliger Sklaven sind in den USA häufiger arm, während Nachfahren von Sklavenhaltern überdurchschnittlich oft Führungspositionen innehaben. Eine Reuters-Recherche vom Juni 2023 ergab, dass mindestens 8 % der Demokraten und 28 % der Republikaner im Kongress Sklavenhalter als Vorfahren hatten; das Übergewicht bei den Republikanern spiegele die Stärke der Partei im Süden wider.
Einige Historiker, Bürgerrechtler und Politiker betrachten den 20. August 1619 als Beginn der Sklaverei in Nordamerika; 2019 gab es dazu Gedenkveranstaltungen. An diesem Tag wurden in Old Point Comfort, heute Teil von Hampton in Virginia, mehr als 20 aus dem Königreich Ndongo, dem heutigen Angola, verschleppte Menschen an einen weißen Kolonisten verkauft. Der Artikel weist jedoch darauf hin, dass es in Nordamerika schon zuvor Sklaverei gegeben hatte.