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Cleveland
Cleveland ist County Seat des Cuyahoga County und geographischer, wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt des Cleveland-Elyria-Mentor Metropolitan …
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Überblick und Lage
Cleveland ist eine City im Nordosten des US-Bundesstaates Ohio. Sie liegt an der Mündung des Cuyahoga River in den Eriesee, ist 213,47 km² groß und hatte bei der Volkszählung 2020 372.624 Einwohner. Damit war sie nach Columbus die zweitgrößte Stadt Ohios. Cleveland ist County Seat des Cuyahoga County und Mittelpunkt der Metropolregion Cleveland-Elyria-Mentor mit rund zwei Millionen Einwohnern.
Die Stadt liegt verkehrsgünstig am Südufer des Eriesees und gehört wirtschaftsgeographisch zum Rust Belt, dem früheren Manufacturing Belt der USA. Ihr Hafen ist einer der wichtigsten an den Großen Seen und über den Sankt-Lorenz-Strom mit dem Atlantik verbunden. Das Stadtgebiet erstreckt sich etwa 22,5 Kilometer am Seeufer entlang und bis zu 14,5 Kilometer ins Landesinnere. Der Cuyahoga teilt Cleveland grob in East Side und West Side; die Flats, das breite Tal des Flusses, prägten lange die Stadtentwicklung.
Cleveland trägt den Spitznamen „Forest City“. Die Herkunft ist nicht vollständig geklärt, wahrscheinlich hängt sie mit William Case zusammen, der 1852 öffentlichkeitswirksam zahlreiche Bäume pflanzen ließ.
Naturraum und Stadtstruktur
Cleveland liegt am Schnittpunkt mehrerer Landschaften: der Ebene der Großen Seen, des Zentralen Tieflands des Mittelwestens und des Allegheny-Plateaus. Die Uferlinie des Eriesees knickt im Bereich der Flussmündung deutlich ab; das Gelände steigt vom See aus terrassenförmig an. Das Stadtzentrum liegt rund 750 Meter landeinwärts und bereits 25 Meter über dem Seespiegel.
Die Stadt gliedert sich in 36 Neighborhoods, verwaltungstechnisch Statistical Planning Areas. Diese Viertel haben heute kaum Verwaltungsfunktion, bleiben aber für soziale Identität, Wohnviertelbezeichnungen und Stadterneuerungsprogramme wichtig. Die dichte Bebauung konzentriert sich vor allem im Zentrum und in den Flats. Industrieanlagen lagen traditionell am Seeufer, am Cuyahoga und entlang der Bahnlinien; viele dieser Flächen wurden durch den Niedergang der Schwerindustrie zu Brachen.
Das Klima ist kaltgemäßigt mit warmen, feuchten Sommern und kalten, schneereichen Wintern. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 10,5 °C, die mittlere Jahresniederschlagsmenge etwa 932 mm. Besonders wichtig ist der Lake Effect Snow: Feuchte Luftmassen über dem Eriesee können im Winter vor allem östlich und nordöstlich der Innenstadt sehr starke Schneefälle verursachen. Die niedrigste gemessene Temperatur lag am 19. Januar 1994 bei −28,8 °C, die höchste am 25. Juni 1988 bei 40 °C.
Geschichte und Wandel
Die ältesten Siedlungsspuren im Gebiet von Cleveland stammen aus der Zeit zwischen 10500 und 7500 v. Chr. Spätere Kulturen wie Adena, Hopewell und Whittlesey betrieben Gartenbau, Landwirtschaft, Siedlungsbau und Fernhandel. Zwischen 1640 und 1740 ist keine Siedlungstätigkeit belegt; bei Ankunft der Europäer Ende des 18. Jahrhunderts war die Gegend nahezu unbewohnt.
1796 gründete General Moses Cleaveland an der Mündung des Cuyahoga einen Hafen, zunächst „Cleaveland“ genannt. 1831 wurde die Schreibweise offiziell zu „Cleveland“ verkürzt. Mit dem Eriekanal 1825, dem Ohio-Erie-Kanal 1832 und Eisenbahnverbindungen ab 1849 wurde Cleveland an wichtige Verkehrswege angeschlossen. Dadurch entwickelte es sich rasch zu einem Zentrum der Rohstoffverarbeitung, Stahlindustrie und Petrochemie. 1870 gründete John D. Rockefeller hier die erste Erdölraffinerie der Standard Oil Company. Später wurde Cleveland auch ein bedeutender Standort der Automobil- und Elektroindustrie.
Während der Weltwirtschaftskrise waren 1933 fast ein Drittel der Einwohner arbeitslos. Trotzdem erholte sich die Stadt zeitweise: 1950 erreichte Cleveland mit rund 915.000 Einwohnern seinen Bevölkerungshöchststand und war die fünftgrößte Stadt der USA. Ein schweres Unglück ereignete sich am 20. Oktober 1944, als aus einem Tank der East Ohio Gas Flüssigerdgas austrat und Explosionen ein etwa 2,5 km² großes Stadtgebiet zerstörten. 131 Menschen starben, 225 wurden verletzt, 700 wurden obdachlos.
Nach dem Nachkriegsboom traf Cleveland der Strukturwandel schwer. Stahlindustrie und Autoindustrie litten unter internationaler Konkurrenz, Überkapazitäten, Ölkrise, veralteten Anlagen und Umweltauflagen. Der stark verschmutzte Cuyahoga brannte 1952 und 1969. Arbeitslosigkeit, Abwanderung, Armut und Rassenunruhen prägten die Stadt; 1967 wurde Carl B. Stokes der erste schwarze Bürgermeister einer amerikanischen Großstadt. Am 15. Dezember 1978 musste Cleveland als erste Stadt seit der Großen Depression Zahlungsunfähigkeit erklären; erst 1987 wurde dieser Zustand beendet. Heute liegt der wirtschaftliche Schwerpunkt stärker auf Dienstleistungen, Gesundheit, Banken, öffentlichem Dienst und Tourismus.
Bevölkerung, soziale Lage und Politik
Cleveland war lange von Einwanderung geprägt. Zunächst kamen viele Menschen von den Britischen Inseln und aus Mitteleuropa, ab 1870 stärker Osteuropäer und Deutsche. Um 1930 war Cleveland mit 43.000 Personen die größte ungarische Siedlung außerhalb Europas. Nach dem Ersten Weltkrieg nahm die europäische Zuwanderung stark ab. Gleichzeitig kamen im Rahmen der Great Migration viele Schwarze aus dem Südosten der USA in die Industriestädte des Nordens.
Bei der Volkszählung 2010 hatte Cleveland 396.815 Einwohner. Die Stadt war mit 51 % Afroamerikanern die einzige Großstadt Ohios mit schwarzer Bevölkerungsmehrheit. Weiße machten 41,5 % aus, Hispanics 7,3 %. Die Stadt ist stark segregiert: Weiße Bevölkerungsteile wohnen vor allem auf der West Side, an der South Side und am Seeufer, Schwarze fast ausschließlich auf der East Side, Hispanics an der inneren West Side und asiatischstämmige Gruppen auf der inneren East Side.
Seit 1950 ist die Einwohnerzahl um mehr als die Hälfte gesunken: von 914.808 auf 372.624 im Jahr 2020. Ursachen waren unter anderem Deindustrialisierung, Arbeitslosigkeit, white flight, Armut und schlechte Bildungschancen. Rund ein Drittel der Bevölkerung besitzt laut Artikel keinen Schulabschluss; 2007 gab es im County schätzungsweise rund 20.000 Personen ohne gesicherten Wohnsitz. Die Kriminalität ging zwar bis 2009 deutlich zurück, Cleveland galt aber weiterhin als vergleichsweise gefährliche Großstadt.
Politisch gilt Cleveland seit dem New Deal als Hochburg der Demokraten. Gewerkschaften spielten besonders während der Industrialisierung und bis zum Niedergang der Industrie eine wichtige Rolle. Die Stadtregierung folgt dem Mayor-Council-System mit Strong Mayor: Bürgermeister und Stadtrat werden direkt gewählt, der Bürgermeister leitet die Exekutive mit weitreichenden Befugnissen. Die Stadtverwaltung gliedert sich in acht Hauptabteilungen; wichtige Aufgaben wie Nahverkehr oder Abwasserbeseitigung werden teils gemeinsam mit Umlandgemeinden organisiert.
Kultur, Bildung und Wirtschaft
Cleveland ist ein bedeutender Kulturstandort. Das Cleveland Orchestra gehört zu den Großen Fünf klassischen Symphonieorchestern der USA. Wichtige Einrichtungen sind die Rock and Roll Hall of Fame, das Cleveland Museum of Art, das Cleveland Museum of Natural History, das Great Lakes Science Center, das Playhouse Square und das Karamu House als bedeutendes afroamerikanisches Kulturzentrum. Im Stadtzentrum stehen prägende Bauten wie der Terminal Tower von 1930, der lange das höchste Gebäude der Stadt war, der Key Tower mit 289 Metern und „The Arcade“ von 1890.
Der University Circle liegt rund sieben Kilometer östlich der Innenstadt und bündelt viele Bildungs-, Kultur- und Forschungseinrichtungen. Dort befinden sich unter anderem die Case Western Reserve University, Universitätskliniken, Museen, Botanischer Garten und Severance Hall. Cleveland hat außerdem öffentliche Parks, den Cleveland Lakefront State Park und außerhalb der Stadt die Cleveland Metroparks als Grüngürtel.
Im Bildungsbereich hat Cleveland große Probleme erlebt. Der Cleveland Metropolitan School District hatte rund 50.000 Schüler an 114 öffentlichen Schulen. Seit 1998 unterstehen die öffentlichen Schulen dem Bürgermeister. Die Reform folgte auf jahrzehntelange Konflikte, Finanzprobleme, Segregation und schlechte Abschlüsse. 1998 lag die Quote der High-School-Absolventen bei 28 %, später stieg sie auf über 60 %, blieb aber unter anderen Großstädten Ohios. Wichtige Hochschulen sind die Case Western Reserve University, die Cleveland State University, die John Carroll University sowie mehrere kleinere Kunst-, Musik- und Managementhochschulen.
Wirtschaftlich ist heute besonders der Gesundheitssektor wichtig. Die Cleveland Clinic ist mit 10.000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber der Region; zusammen mit anderen medizinischen Einrichtungen arbeiten über 30.000 Personen in diesem Bereich. Weitere Schwerpunkte sind Banken, Versicherungen, öffentlicher Dienst, Tourismus und verbliebene Industrie. Die Metropolregion erwirtschaftete 2016 ein Bruttoinlandsprodukt von 129,4 Milliarden US-Dollar. Zugleich blieb Cleveland von Armut und Strukturproblemen betroffen: 2007 betrug das durchschnittliche Haushaltseinkommen 27.007 US-Dollar, die Armutsquote lag bei rund 30 %.
Verkehr und Sport
Cleveland ist ein wichtiger Verkehrsknoten. Mehrere Interstate Highways verbinden die Stadt mit anderen Regionen, darunter die I-90 entlang des Eriesees sowie die I-71 und I-77 aus dem Süden. Der Cleveland Hopkins International Airport wurde 1925 eröffnet, liegt etwa 16,7 Kilometer vom Zentrum entfernt und war mit rund elf Millionen Flugreisenden der wichtigste Flughafen Ohios. 1968 war er der erste Flughafen der USA mit direktem Schnellbahnanschluss.
Der Port of Cleveland liegt an der Mündung des Cuyahoga in den Eriesee und ist gemessen am durchschnittlichen Umschlag von 12,5 Millionen Tonnen jährlich der viertgrößte Hafen im Bereich der Großen Seen. Über 95 % der Fracht sind Schüttgüter wie Kalkstein, Eisenerz und Getreide. Cleveland ist außerdem ein Eisenbahnknoten für den Güterverkehr. Im öffentlichen Nahverkehr betreibt die Greater Cleveland Regional Transit Authority Busse, die Red Line als Schnellbahnlinie sowie Light-Rail-Linien nach Shaker Heights.
Sportlich ist Cleveland durch mehrere Profiteams bekannt. Die Cleveland Browns spielen in der National Football League, die Cleveland Cavaliers in der NBA und die Cleveland Guardians in der Major League Baseball; bis 2021 hießen sie Cleveland Indians. Die Cavaliers beendeten am 20. Juni 2016 eine 52-jährige Titel-Durststrecke der Stadt in einer Major-Sportart, als sie die Golden State Warriors nach 1:3-Rückstand noch 4:3 besiegten. Weitere Traditionen bestehen unter anderem im Eishockey, etwa durch die früheren Cleveland Barons, die zwischen 1937 und 1973 neunmal den Calder Cup gewannen.