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Jacob Taubes

Jacob Taubes (geboren am 25. Februar 1923 in Wien; gestorben am 21. März 1987 in Berlin) war ein Religionssoziologe, Philosoph und Judaist.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Leben und wissenschaftliche Laufbahn
  2. 2. Philosophische Grundgedanken
  3. 3. Wichtige Schriften
  4. 4. Herausgeberschaft und Briefwechsel
  5. 5. Interview

Leben und wissenschaftliche Laufbahn

Jacob Taubes (25. Februar 1923, Wien–21. März 1987, Berlin) war Religionssoziologe, Philosoph und Judaist. Er stammte aus einer rabbinischen Gelehrtenfamilie und zog 1936 mit seiner Familie nach Zürich, nachdem sein Vater Zwi Taubes Oberrabbiner der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich geworden war.

Taubes studierte ab 1941/42 Griechisch, Latein und Alte Geschichte, ab 1942/43 außerdem an der Jeschiwa Etz Chaim in Montreux Wissenschaft des Judentums. 1943 erhielt er die Semicha, die rabbinische Ordination. Danach studierte er bis zum Wintersemester 1946/47 Philosophie, Geschichte, Soziologie, deutsche und griechische Literatur sowie Mathematik in Basel und Zürich. 1947 wurde er mit einer Dissertation über die abendländische Eschatologie promoviert.

Ab 1949 lehrte Taubes Religionsphilosophie am Jewish Theological Seminary in New York. Von 1951 bis 1953 war er auf Einladung von Gershom Scholem Lehrstuhlassistent und Dozent für Religionssoziologie an der Hebräischen Universität Jerusalem. Anschließend lehrte er an der Harvard University und der Princeton University. 1956 wurde er Professor für Religionsgeschichte und Religionsphilosophie an der Columbia University in New York, wo er zehn Jahre blieb. Ab 1966 war er Ordinarius für Judaistik und Hermeneutik an der Freien Universität Berlin; Ende der 1970er Jahre übernahm er zusätzlich eine ständige Gastdozentur an der Maison des Sciences de l’Homme in Paris.

Taubes war in erster Ehe mit Susan Taubes und in zweiter Ehe mit Margherita von Brentano verheiratet. Er litt an einer bipolaren Störung, die häufige Klinikaufenthalte erforderlich machte. 1987 starb er an Krebs. Sein Grab befindet sich auf dem Israelitischen Friedhof Oberer Friesenberg in Zürich. 1983 wurde Peter Schäfer Nachfolger auf Taubes’ Lehrstuhl an der Freien Universität Berlin.

Philosophische Grundgedanken

Taubes bezeichnete sich zugleich als „Erzjude“ und „Pauliner“ beziehungsweise als „Judenchrist“. Sein Denken ist durch polemische Spannung und Antinomien, also durch das Austragen gegensätzlicher Positionen, geprägt.

Gemeinsam mit Carl Schmitt sah Taubes in der Apokalypse und im eschatologischen Ende der Geschichte die Möglichkeit einer neuen politischen Praxis. Israel galt ihm als „Ort der Revolution“ und als „unruhiges Element in der Weltgeschichte“. In Anschluss an Nietzsche und Max Weber betonte er Israels weltgeschichtliche Bedeutung als „axiologischen“ Anfang der abendländischen Eschatologie.

Gegen Carl Schmitt hielt Taubes jedoch die Möglichkeit einer Erlösung von der Bindung an diese Welt aufrecht. Deshalb müsse zwischen dem Weltlichen und dem Geistlichen unterschieden werden. Ohne diese Unterscheidung seien Menschen Herrschern und Gewalten ausgeliefert, die in einem „monistischen Kosmos“ kein Jenseits mehr anerkennen.

Den „Kern des Judentums“ fand Taubes nach dem Holocaust in einem „mit Hilfe von Paulus spiritualisierten Judentum“. Damit unterschied er sich etwa von Gershom Scholem, der diesen Kern in der Kabbala sah. Taubes rekonstruierte das Judentum vor allem aus der jüdisch-urchristlichen Apokalyptik, die den explosiven Gehalt der Gnosis aufnahm.

Wichtige Schriften

Taubes’ Dissertation erschien 1947 unter dem Titel Studien zur Geschichte und System der abendländischen Eschatologie. Ebenfalls 1947 veröffentlichte er Abendländische Eschatologie. Das Werk erschien 1991 in einer zweiten und 2007 in einer dritten Auflage, jeweils mit Anhang; die dritte Auflage enthält ein Nachwort von Martin Treml. Es wurde unter anderem ins Italienische, Ungarische, Kroatische, Französische, Englische, Spanische und Tschechische übersetzt.

Zu seinen weiteren zentralen Veröffentlichungen gehören Ad Carl Schmitt. Gegenstrebige Fügung (1987), Die politische Theologie des Paulus (1993, nach Vorträgen vom 23. bis 27. Februar 1987) und der Sammelband Vom Kult zur Kultur. Bausteine zu einer Kritik der historischen Vernunft (1996). Postum erschien 2017 Apokalypse und Politik: Aufsätze, Kritiken und kleinere Schriften.

Die politische Theologie des Paulus wurde aus Tonbandaufzeichnungen redigiert und von Aleida Assmann und Jan Assmann herausgegeben; die dritte, verbesserte Auflage erschien 2003. Die Schriften zeigen die Verbindung von Eschatologie, jüdisch-christlicher Tradition, politischer Theologie sowie Religions- und Geistesgeschichte.

Herausgeberschaft und Briefwechsel

Als Herausgeber verantwortete Taubes die dreibändige Reihe Religionstheorie und Politische Theologie. Die Bände behandeln Carl Schmitt und die Folgen (Der Fürst dieser Welt, 1983), Gnosis und Politik (1984) sowie Theokratie (1987).

Von 2008 bis 2012 wurde am Zentrum für Literaturforschung in Berlin unter Leitung von Martin Treml ein Projekt zur Edition von Taubes’ Briefwechsel durchgeführt. Im Januar 2012 erschien der Briefwechsel zwischen Taubes und Carl Schmitt. Weitere veröffentlichte Korrespondenzen betreffen unter anderem Aharon Agus, Gershom Scholem, Susan Taubes, Hans Blumenberg und Axel Rütters. Der Briefwechsel mit Hans Blumenberg umfasst die Jahre 1961–1981; der mit Susan Taubes dokumentiert unter anderem die Jahre 1950–1952. 2005 wurde postum ein Brief aus dem Jahr 1981 veröffentlicht, in dem ein längeres Liebesverhältnis mit Ingeborg Bachmann behauptet wird.

Interview

Ein Gespräch mit Taubes führte Florian Rötzer. Es erschien 1987 in dem von Rötzer herausgegebenen Band Denken, das an der Zeit ist.

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