Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Harvard University

Die Harvard University (kurz Harvard) ist eine amerikanische Privatuniversität in Cambridge im Großraum Boston in Massachusetts. Sie gilt als eine der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Profil und Bedeutung
  2. 2. Entstehung und Entwicklung
  3. 3. Aufbau, Studium und Einrichtungen
  4. 4. Finanzierung, Zulassung und Studierende
  5. 5. Konflikt mit der Trump-Regierung und Sport

Profil und Bedeutung

Die Harvard University ist eine private Universität in Cambridge im Großraum Boston, Massachusetts, mit dem Motto „Veritas“ („Wahrheit“). Sie wurde 1636 gegründet, ist damit die älteste Universität der Vereinigten Staaten und gilt als eine der angesehensten Hochschulen der Welt. Namensgeber ist der puritanische Geistliche John Harvard. Harvard ist überkonfessionell, hatte anfangs aber enge Beziehungen zu Kongregationalisten und Unitariern. Sie ist Gründungsmitglied der Association of American Universities und gehört im Hochschulsport zur Ivy League.

Im August 2022 hatte Harvard 35.276 Studierende, etwa 10.000 Mitarbeiter und ein Stiftungsvermögen von 49,4 Milliarden US-Dollar (2022). Präsident ist Alan Garber.

Entstehung und Entwicklung

Der Massachusetts General Court beschloss am 28. Oktober 1636, in Newtown, dem späteren Cambridge, ein College zur Ausbildung von Geistlichen zu errichten. Trotz knapper Mittel bewilligte er 400 Pfund. John Harvard vermachte dem College bei seinem Tod 1638 seine Bibliothek und die Hälfte seines Vermögens; das College erhielt ihm zu Ehren seinen Namen.

1661 erhielt Harvard durch Lady Mowlson Radcliffe einen Stipendienfonds für bedürftige Studierende, den ältesten seiner Art in Amerika. Das spätere Radcliffe College für Frauen erinnerte an sie. Im frühen 19. Jahrhundert zeigte sich der Einfluss des Unitarismus: 1805 erhielt Henry Ware eine Theologieprofessur. Es folgten wichtige Einrichtungen: 1811 das Massachusetts General Hospital als Lehrkrankenhaus, 1816 die Harvard Divinity School und 1817 die Harvard Law School.

Unter Präsident Charles William Eliot (1869–1909) wurde Harvard zu einer modernen Universität. Die Einschreibungen stiegen von 1.000 auf 3.000 jährlich; Medizin und Rechtswissenschaft wurden erneuert, außerdem entstanden Schulen unter anderem für Wirtschaft, Zahnmedizin und Kunst. 1879 wurde das Radcliffe College gegründet. Präsident Abbott Lawrence Lowell (1909–1933) führte Kernlehrgebiete und ein Wohnsystem ein: Studienanfänger wohnen zunächst nahe dem Harvard Yard und werden anschließend auf zwölf Gebäude verteilt. Spätere Reformen stärkten Allgemeinbildung, Forschungsfinanzierung und die Integration des Radcliffe College.

Aufbau, Studium und Einrichtungen

Harvard wird durch zwei Organe geführt. Die Harvard Corporation ist die Exekutive: Sie verwaltet die Finanzen und entscheidet über politische sowie administrative Fragen. Ihr gehören sieben Personen einschließlich des Universitätspräsidenten an. Das Board of Overseers ist das Aufsichts- und Beratungsgremium mit 30 Mitgliedern, die überwiegend von den Absolventen gewählt werden.

Die Universität bildet das Dach wirtschaftlich eigenständiger Einheiten. Neun Fakultäten verwalten zwölf Schools und Colleges; zusätzlich gibt es eine Fakultät für das Radcliffe Institute for Advanced Study. Jede Einheit leitet ein vom Präsidenten ernannter Dekan. Zu den Einrichtungen gehören unter anderem Harvard College (1636), Medical School (1782), Divinity School (1816), Law School (1817), Business School (1908), School of Public Health (1913), Graduate School of Education (1920), Graduate School of Design und Kennedy School of Government (beide 1936).

Am Harvard College können Bachelor of Arts und Bachelor of Science erworben werden; traditionell verwendet Harvard dafür die lateinischen Kürzel A. B. (Artium Baccalaureus) und S. B. (Scientiae Baccalaureus). Studierende wohnen in universitätseigenen Wohnheimen, wählen Kurse teilweise selbst und nehmen an einem Pflichtprogramm zur Begabtenförderung teil.

Die Harvard University Library ist das älteste Bibliothekssystem der USA. Sie umfasst rund 80 Bibliotheken; 2013 enthielten sie mehr als 16,8 Millionen Bände, Manuskripte und Mikrofilme. Das Hauptgebäude ist die 1915 eröffnete Widener Library. Weitere Einrichtungen sind das Arnold-Arboretum, das Harvard-College-Observatorium als Teil des Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics sowie Villa I Tatti in Italien als Zentrum für Renaissancestudien. Seit 2006 besteht ein Austauschprogramm mit der Universität von Havanna; ein Vertrag von 2017 sollte Kooperation und Bildungsaustausch mit Kuba ausbauen.

Finanzierung, Zulassung und Studierende

Als private Stiftungsuniversität muss Harvard einen großen Teil ihrer Mittel selbst aufbringen. Regelstudiengebühren von rund 52.000 US-Dollar pro Jahr decken nur einen kleineren Teil der Kosten, da etwa 70 % aller Studierenden Stipendien oder Gebührenerlasse erhalten. 2010 machten Studiengebühren nach Stipendien 19 % der Gesamteinnahmen von rund 3,7 Milliarden US-Dollar aus. Die wichtigste Quelle waren Erträge aus dem Stiftungsvermögen mit 35 %, gefolgt von anderen Einkünften (18 %), staatlichen Zuwendungen (17 %), Schenkungen (7 %) und privaten Zuwendungen (4 %).

Der Vermögensfonds erreichte 2008 etwa 37 Milliarden US-Dollar, fiel infolge der Weltfinanzkrise 2007–2008 2009 um mehr als ein Viertel auf rund 26 Milliarden und stieg bis 2011 wieder auf 32 Milliarden. Er sank von 51,9 Milliarden US-Dollar 2021 auf 49,4 Milliarden 2022.

Die Zulassung richtet sich nach akademischen Fähigkeiten, außerschulischen Aktivitäten und persönlicher Beurteilung. Letztere wird kritisiert, weil sie nach Ansicht einiger Autoren subjektiv sei. Für die Abschlussklasse 2017 wurden 5,8 % der Bewerber angenommen, die niedrigste Quote in der Ivy League. Kritiker sahen insbesondere asiatisch-amerikanische Bewerber gegenüber anderen Gruppen benachteiligt. Eine interne Untersuchung von 2013 bestätigte laut Artikel eine systemische Benachteiligung. Am 29. Juni 2023 entschied der Oberste Gerichtshof der USA im Verfahren Students for Fair Admissions gegen Harvard, dass Affirmative Action bei der Studienzulassung gegen die Gleichbehandlungsklausel des 14. Zusatzartikels und das Diskriminierungsverbot des Civil Rights Act von 1964 verstößt.

Seit 2004 ist das Studium bis zu bestimmten Familieneinkommen kostenfrei. Ab 2025/2026 gilt dies einschließlich Reisekosten bis 100.000 US-Dollar Jahreseinkommen. Bei 100.000 bis 200.000 US-Dollar fallen keine Studiengebühren an, jedoch Kosten etwa für Unterkunft und Verpflegung; zusätzliche Hilfen können beantragt werden. 86 % der US-amerikanischen Familien kommen nach dieser Regelung für finanzielle Unterstützung infrage. 2024/2025 wurden Vergünstigungen unabhängig von der Staatsangehörigkeit gewährt.

Konflikt mit der Trump-Regierung und Sport

Zu Beginn der zweiten Präsidentschaft Donald Trumps entstand ein schwerer Konflikt. Die Regierung warf Harvard vor, antisemitische Proteste nach dem Hamas-Terroranschlag vom 7. Oktober 2023 unzureichend zu bekämpfen, und verlangte weitergehenden Einfluss auf Zulassung, Lehrpläne, Einstellungen und Diversitätsmaßnahmen. Harvard berief eine Arbeitsgruppe gegen Antisemitismus ein und wies weitere Forderungen, etwa ideologische Überprüfungen und Berichte, als Eingriff in die akademische Freiheit zurück.

Im April 2025 fror die Regierung 2,2 Milliarden US-Dollar an Fördergeldern sowie 60 Millionen Dollar an mehrjährigen Verträgen ein. Ein Bundesgericht in Boston erklärte Anfang September 2025 die seit dem 14. April vorgenommenen Einfrierungen und Kündigungen für rechtswidrig. Trump drohte außerdem mit dem Entzug der Steuerbefreiung. Harvard klagte unter Berufung auf das First Amendment und seine institutionelle Autonomie.

Am 22. Mai 2025 entzog Heimatschutzministerin Kristi Noem Harvard die Akkreditierung für die Einschreibung internationaler Studierender. Fast 7.000 Studierende wären betroffen gewesen; am 23. Mai stoppte ein Bundesgericht die Maßnahme vorläufig. Die Regierung begründete sie unter anderem mit geforderten Daten über ausländische Studierende, Diversitätsrichtlinien und dem Umgang mit pro-palästinensischen Protesten.

Die Sportteams heißen Harvard Crimson. Harvard stellt 43 Mannschaften in der NCAA Division I und verfügt damit laut Artikel über mehr College-Mannschaften als jede andere Universität dieser Division. Im Harvard-Stadion mit 30.898 Sitzplätzen wird American Football gespielt. Anders als viele große Universitäten vergibt Harvard keine Leistungssportstipendien.

Weiterlesen

Massachusetts Massachusetts (offiziell Commonwealth of Massachusetts) ist ein Bundesstaat im Nordosten der Vereinigten Staaten von Amerika und Teil der Region Neuengland. Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten ; Amtssprache · Englisch ; Hauptstadt · Washington, D.C. ; Staats- und Regierungsform · föderale präsidentielle konstitutionelle Republik. Universität Rudolf Stichweh: Der frühmoderne Staat und die europäische Universität – Zur Interaktion von Politik und Erziehungssystem im Prozeß ihrer Ausdifferenzierung. Boston Boston [[ˈbɔstən]] ist die größte Stadt Neuenglands, eines Gebiets im Nordosten der Vereinigten Staaten, und Hauptstadt des Bundesstaates Massachusetts an … Britische Kolonisierung Amerikas Die Besiedlung und Kolonisierung des amerikanischen Doppelkontinents durch das Königreich England, hernach Königreich Großbritannien, Vereinigtes Königreich … Konfession Als Konfession (lateinisch confessio ‚Geständnis', ‚Bekenntnis', ‚Beichte') wird im heutigen Sprachgebrauch eine Untergruppe innerhalb einer Religion … Pilgerväter Die Pilgerväter waren Calvinisten und sogenannte Separatisten, die der radikalen Strömung im englischen Puritanismus angehörten. Sie sagten sich vollständig von … Nordamerika Für die Kordillerenregion ist in weiten Teilen ein Hochgebirgsklima charakteristisch. Sie hat einen entscheidenden Einfluss auf die klimatische … Neuengland Die Region Neuengland umfasst die heutigen sechs Bundesstaaten Connecticut, New Hampshire, Maine, Massachusetts, Rhode Island und Vermont. Südwestlich schließen … Zweite Präsidentschaft von Donald Trump Die zweite Präsidentschaft von Donald Trump ist die Amtszeit des 47. Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump (* 1946). Sie begann am 20. Antisemitismus Als Antisemitismus werden heute alle pauschalen Formen von Judenhass, Judenfeindlichkeit oder Judenfeindschaft bezeichnet. Der Ausdruck entstand 1879 als … Diversität (Soziologie) Diversität (über englisch diversity von lateinisch diversitas „Verschiedenheit, Unterschied; Gegensatz, Widerspruch“) bezeichnet ein Konzept der Soziologie …