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Jüdischer Name
Traditionelle jüdische Namen bestehen aus dem Vornamen und dem Vornamen des Vaters, wobei ein ben („Sohn von“) oder bat („Tochter von“) dazwischengeschoben wird …
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Grundprinzip
Jüdische Namen haben sich im Lauf der Geschichte unter besonderen religiösen, sozialen und rechtlichen Bedingungen entwickelt. Zugleich passten sich Juden häufig an die Namensgewohnheiten ihrer Umgebung an, und umgekehrt wurden jüdische Namen auch von Nichtjuden übernommen. Deshalb gibt es Namen, die typisch jüdisch wirken, aber nicht nur von Juden getragen werden, und viele Juden tragen Namen, die nicht als typisch jüdisch gelten.
Ursprünglich führten Juden wie viele andere Völker meist nur einen Eigennamen, also einen Vornamen. Bei aschkenasischen Juden waren feste Familiennamen bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts meist noch nicht üblich. Bei sephardischen Juden gab es solche Namen dagegen schon seit früher Zeit. Traditionelle jüdische Namen bestehen aus dem Vornamen und dem Vornamen des Vaters, verbunden durch ben („Sohn von“) oder bat („Tochter von“). Ein Beispiel ist „Jakob ben Nathan“, also „Jakob, Sohn des Nathan“. Solche Namen wurden besonders im religiösen Bereich verwendet, etwa bei Jungen erstmals bei der Beschneidung, später bei der Bar Mizwa beim Aufruf zur Toravorlesung, und oft auch auf Grabsteinen.
Familiennamen und Recht
Neben der Regel aus Vorname und Vatersname gab es viele Ausnahmen. Rabbinische Dynastien wurden oft mit einem Familiennamen bezeichnet, der meist vom Herkunftsort des Gründers abgeleitet war, etwa Meir Katzenellenbogen nach Katzenelnbogen oder Jacob Emden. Solche Namen konnten als Familiennamen oder als Erkennungszeichen dienen. Schwiegersöhne, die Rabbiner wurden, erbten manchmal den Namen, während andere Söhne ihn nicht unbedingt trugen.
Die Sippen- oder Stammnamen Kohen und Levi, mit vielen Varianten, wurden von Vater auf Sohn übertragen. Sie erschienen in fast allen jüdischen Urkunden und Grabsteinen, wenn der erwähnte Mann oder bei Frauen deren Vater oder Ehemann zu diesem Stamm gehörte. In manchen Orten mit großen jüdischen Gemeinden wurden Nachnamen schon vor der offiziellen Einführung regelmäßig verwendet, besonders in Prag.
In absolutistisch regierten Staaten Mitteleuropas wurden Juden seit dem Ende des 18. Jahrhunderts verpflichtet, feste und unveränderbare Familiennamen anzunehmen. Dies begann 1785 und 1787 in der Habsburgermonarchie. In Preußen folgten Regelungen unter anderem 1790 in Breslau, 1791 im Regierungsbezirk Breslau, 1794 in Liegnitz beziehungsweise Glogau, 1812 in mehreren Provinzen, 1833 in Posen, 1845 im Kulmerland und 1846–1848 in den restlichen Provinzen. Im übrigen Deutschland wurden solche Regelungen unter anderem 1813 in Bayern, Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz, 1828 in Hannover und Württemberg sowie 1834 in Sachsen eingeführt. Im Kaiserreich Frankreich verpflichtete Napoléons Erlass vom 20. Juli 1808 alle dortigen Juden zu festen Familiennamen; im Königreich Westphalen war dies bereits durch ein Dekret vom 31. März 1808 angeordnet worden.
Die neuen Namen konnten in der Regel frei gewählt werden. Behauptungen, Juden seien systematisch diskriminierende oder je nach Bezahlung herabsetzende Namen zugeteilt worden, gelten laut Artikel wissenschaftlich als nicht belegt. Es gab aber örtliche Einschränkungen: Österreichische und französische Gesetze ließen keine neuen Namen zu, die den jüdischen Hintergrund zu deutlich zeigten, etwa Namen aus dem Alten Testament oder alttestamentliche Städtenamen. Preußische Gesetze untersagten zunächst christliche Namen; später wurde dies auf Namen beschränkt, die mit der christlichen Religion verbunden waren, etwa Christian oder Christoph.
Biblische und religiöse Bezüge
Viele jüdische Namen gehen auf biblische Vornamen zurück. Beispiele sind Aron oder Aaron, Abraham beziehungsweise Avraham, Adam, Emmanuel, Ephraim, Ezra, Josua beziehungsweise Jehoschua, Noah, Salomon, Simon und Ismael. Daneben entstanden Namen als Anspielungen auf biblische Episoden oder Eigenschaften, etwa Nachtteiler für Abraham, Baum für Abraham als Stammvater, Leblang für Isaak, der nach der Bibel 180 Jahre alt wurde, Wurm für Jakob oder Adler für Mose. Auch Koseformen und Übernamen biblischer Namen wurden zu Familiennamen, etwa Mandel oder Mendel für Menahem, Moos für Mose oder Sigma für Azriel, Elieser und Zacharias.
Die zwölf Stämme Israels hatten in der jüdischen Gesellschaft einen hohen Stellenwert und wurden häufig bei der Namenswahl genutzt. Direkt verwendete Namen sind zum Beispiel Benjamin, Juda, Levi, Ruben und Simeon. Levi erscheint auch in Varianten wie Weil, Weill und Veil. Statt des Stammesnamens wurden oft Symbole aus 1. Mose 49,3–27 verwendet: Löwe, Leon, Loeb, Leibel oder Leibl für Juda; Drache oder Trachmann für Dan; Wolf für Benjamin; Hirsch, Hirschmann, Hirschfeld, Hirschl oder Hirschberg für Naftali; Bacharach oder Bacher für Bachar; Bär für Issachar, wobei der eigentlich genannte Esel durch Bär ersetzt wurde.
Auch Schmucksteine der Priestergewänder aus 2. Buch Mose 28,17–21 wurden als Namensgrundlage genutzt, etwa Rubin für Ruben, Saphir für Issachar, Smaragd für Juda sowie Bernstein, Diamand, Diamant und Krystall. Weitere Namen bezogen sich auf Fahnenfarben der Stämme: Roth für Ruben, Schwarz für Josef und Benjamin, Grün für Simeon, Weiß für Zebulon, Blau für Issachar und Juda beziehungsweise Jehuda, Gelb für Dan und Rosa für Naftali. Solche Namen wurden oft erweitert, etwa zu Grünspan, Bleiweiß, Weisrock, Rosenblatt, Rosenzweig oder Rosenthal.
Herkunft, Häuser und Berufe
Ein wichtiger Ursprung jüdischer Familiennamen waren Orte und Länder. Beispiele sind Breslauer, Danziger, Frankfurter, Feuchtwanger, Fürth, Ginzburg, Guggenheim oder Guggenheimer, Halpern oder Halperin für Heilbronn, Kissinger für Bad Kissingen, Mintz für Mainz, Oppenheimer, Schapiro beziehungsweise Shapiro oder Spiro nach Speyer, Schlesinger für Schlesien, Wertheimer und Wormser. Der Artikel warnt jedoch, dass ein Ortsname nur dann wirklich auf den Ort hinweisen kann, wenn dort zur Entstehungszeit des Namens Juden lebten. Berlin oder Berliner geht zum Beispiel nur selten auf die Stadt Berlin zurück, sondern kann ein Diminutiv von Bär sein.
In Judengassen, etwa in Frankfurt am Main, entstanden Hausnamen oder Wohnstättennamen, weil es keine Hausnummern gab und Häuser durch Symbole kenntlich gemacht wurden. Daraus wurden Namen wie Adler aus dem Haus zum Schwarzen Adler, Rothschild aus dem Haus mit dem roten Schild, außerdem Sichel, Einhorn, Elefant, Stern, Storch, Strauss und Pflug.
Auch Berufsbezeichnungen wurden zu Namen, wobei sie nicht immer den tatsächlichen Beruf meinen mussten. Goldschmied, Brauer oder Melzer konnten auch Wohlstandssymbole sein. Allgemeine Beispiele sind Biermann, Salzmann als Salzhändler, Schindler als Dachdecker, Melzer als Brauer und Mälzer, Millman als Müller, Bethmann, Cantor, Levi als Priester sowie Kohn, Cohn, Kuhn, Kahn oder Kaplan als Priesterbezeichnungen. Besondere jüdische Gemeindeämter lieferten ebenfalls Namen: Klemperer bezeichnete ursprünglich den „Klopfer“, also den Gemeindediener, der morgens an Türen klopfte, um an das Frühgebet zu erinnern; Schaechter oder Schechtman bezeichnete den rituellen Metzger, hebräisch Schochet; Saenger, Singer, Senger sowie latinisiert Cantor hängen mit dem Vorsänger zusammen.
Eindeutschungen und Veränderungen
Viele Namen entstanden durch Eindeutschungen, also die Anpassung hebräischer oder jüdischer Namen an deutsche Formen. Baruch, „der Gesegnete“, wurde etwa zu Selig, Seeliger, Seliger oder Seligmann. Karmi, „Mein Weingarten“, wurde mit Baumgarten, Baumgart, Baumgartel oder Baumgartner verbunden. Weitere Beispiele sind Abel als Ebel, Evel oder Ebelman sowie Bachar als Bacher.
Einige Namen, die auf den ersten Blick deutsch wirken, können Verschleifungen oder Verballhornungen von Kose- oder Kurznamen sein. Apfel- oder Epl- kann von Ephraim stammen, Eisen- von Isaak, Frank, Fränkel oder Frenkel gelegentlich von Ephraim, Kahn, Kohn oder Kanal- von Cohen, Katz aus Cohen-Zedek („Priester der Gerechtigkeit“ oder „gerechter Priester“), Benda aus ben David („Sohn Davids“), Herrman oder Heim von Chaim, Kaufmann von Jaak(a)uf beziehungsweise Jakob, Mandel, Mandelbaum, Mandelbrot und Mendelssohn von Menachem, Meier vom Vornamen Meir beziehungsweise Meyer und nicht vom deutschen Meier als Gutsverwalter, Morgenstern oder Morgenthau von Mordechai, Müller von Shamuel/Samuel/Shemuel und Zucker- von Sacharja beziehungsweise Zacharias. Der Artikel betont, dass solche Deutungen oft auf Mutmaßungen und auf Kenntnis der Entstehungsregion angewiesen sind; die Beispiele sollen Vielfalt zeigen und sind nicht ausschließlich zu verstehen.
Daneben wurden landesübliche Namen übernommen, auch um das damalige Stigma, Jude zu sein, zu verbergen. Besonders beim Religionswechsel wurden stigmatisierende Namen abgelegt und Namen der Umgebung angenommen, darunter Herkunftsnamen, Eigenschaftsnamen wie Kurz, Krause, Klein und Lang sowie Berufsnamen wie Schmied und Müller.
Häufige Namen in Westfalen
Für Westfalen nennt der Artikel eine konkrete Quelle aus dem Jahr 1846. Im Zusammenhang mit der Eingliederung Westfalens in das Königreich Preußen wurden die selbstgewählten und danach festliegenden Familiennamen der Juden im Amtsblatt der Königlichen Regierung veröffentlicht. Unter 1.795 aufgeführten Personen machten die 29 häufigsten Familiennamen rund ein Drittel der Gesamtzahl aus.
Am häufigsten waren Stern mit 84 Personen beziehungsweise 4,7 %, Löwenstein mit 49 Personen beziehungsweise 2,7 %, Rosenberg mit 32 Personen beziehungsweise 1,8 %, Rosenthal mit 31 Personen beziehungsweise 1,7 %, Weinberg und Meyer mit je 28 Personen beziehungsweise 1,6 %, Rosenbaum mit 25 Personen beziehungsweise 1,4 %, Steinberg und Cohen mit je 23 Personen beziehungsweise 1,3 % sowie Herz mit 20 Personen beziehungsweise 1,1 %. Weitere häufige Namen waren Bendix, Rothschild, Blumenthal, Marcus, Wolff, Auerbach, Spiegel, Löwenberg, Cahn, Heymann, Wolf, Oppenheimer, Levy, Ostwald, Herzberg, Heimann, Sternberg, Grüneberg und Goldberg.
In denselben Listen wurden Vornamen bei Mehrfachnamen einzeln gezählt; insgesamt waren es 2.307. Die 19 häufigsten Vornamen machten rund zwei Drittel aus. Am häufigsten waren Abraham und Levi beziehungsweise Levy mit je 158 Nennungen und 6,8 %, Moses mit 143 Nennungen und 6,2 %, Isaac mit 127 Nennungen und 5,5 %, Salomon mit 120 Nennungen und 5,2 %, Jacob mit 117 Nennungen und 5,1 %, Joseph und Herz mit 88 beziehungsweise 87 Nennungen und je 3,8 %, Meyer beziehungsweise Meier mit 83 Nennungen und 3,6 %, Samuel und David mit je 79 Nennungen und 3,4 %, danach Simon, Philipp, Markus beziehungsweise Marcus, Nathan, Aron, Michel beziehungsweise Michael, Israel und Leser.