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Diminutiv

minus) ist die Verkleinerungsform eines Substantivs mit grammatischen Mitteln. Gegenteil ist das Augmentativ. Diminutive dienen der Verniedlichung, z. B. als …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Funktion
  2. 2. Bildung im Deutschen
  3. 3. Genus und Gebrauch
  4. 4. Diminutive in europäischen Sprachen
  5. 5. Weitere Sprachsysteme

Begriff und Funktion

Ein Diminutiv ist die grammatisch gebildete Verkleinerungsform eines Substantivs. Sein Gegenteil ist das Augmentativ, also eine Vergrößerungsform. Diminutive können tatsächliche Kleinheit oder Jugend ausdrücken, aber auch Zuneigung, Verniedlichung, Untertreibung oder Abwertung.

Im Hochdeutschen sind -chen und -lein die häufigsten Endungen. Beispiele sind Haus – Häuschen und Sack – Säcklein. Als Koseformen und Kosenamen, fachsprachlich Hypokoristika, begegnen außerdem Bildungen wie Hansi, Berti oder Dodo. Je nach Zusammenhang kann ein Diminutiv liebevoll wirken oder als Pejorativum beziehungsweise Dysphemismus das Ansehen einer Person oder den Wert einer Sache mindern: „Das ist kein Haus, das ist ein Häuschen!“ Auch verharmlosende Untertreibungen wie „wir haben ein Problemchen“ sind möglich.

Bildung im Deutschen

Diminutive gehören zur morphologischen Wortbildung, also zur Bildung neuer Wortformen mit sprachlichen Bausteinen. Sie entstehen je nach Sprache und Dialekt durch Kürzung, Silbenverdoppelung oder ein Diminutivaffix, meist eine angefügte Endung.

Bei deutschen Bildungen auf -chen und -lein wird der Stammvokal häufig zum Umlaut: Sack – Säcklein. Ein unbetonter Endvokal fällt oft weg: Hose – Höschen. Dies geschieht jedoch nicht immer, wie Paulchen und Blondchen zeigen. Bei einem doppelt geschriebenen Vokal wird der Umlaut nur einmal geschrieben: Boot – Bötchen.

Die Formen unterscheiden sich regional:

  • Im Mittelbairischen werden bevorzugt -erl oder -l verwendet: Sackerl, Hunderl, Hoserl, Stüberl und Gansl.
  • Im Südbairischen sind -ele und -ale üblich: Sackele/Sackale und Hundele/Hundale.
  • Im Alemannischen steht meist -li, etwa Platz – Plätzli; höchstalemannisch kommen auch -ji und -tschi vor.
  • Im Schwäbischen erscheinen -le im Singular und -la im Plural: Heisle und Heisla.
  • Ostfränkische, alemannische und bairische Dialekte verwenden Diminutive besonders häufig. Im Ostfriesischen stehen -je, -tje und -ke, etwa Kluntje, Antje und Happke.
  • Im Nordniedersächsischen wird Kleinheit eher mit einem vorangestellten Adjektiv ausgedrückt, zum Beispiel lütte Deern „kleines Mädchen“. Die Endung -ing ist dort kaum noch verbreitet.

Die Endung -chen stammt aus dem niederdeutschen und niederfränkischen Sprachraum und wurde ab dem 17. Jahrhundert in der Schriftsprache dominant. -lein war ursprünglich im mittel- und oberdeutschen Gebiet üblich. Das frühneuhochdeutsche Suffix -gen ist verschwunden beziehungsweise von -chen verdrängt worden.

Genus und Gebrauch

In der deutschen Standardsprache sind Wörter auf -chen und -lein stets sächlich. Deshalb verändert eine Verkleinerung männlicher oder weiblicher Substantive das grammatische Geschlecht, das Genus. Das gilt bei Lebewesen unabhängig vom natürlichen Geschlecht, dem Sexus: das Mädchen, das Weibchen und das Männchen. Mädchen geht auf Mägdchen, eine Verkleinerung von Magd, zurück.

Dialekte können davon abweichen. Verkleinerungen männlicher Personennamen sind teilweise männlich, etwa der Hansli, während es das Anneli heißt. Im österreichischen Dialektraum behalten Verkleinerungen weiblicher Personennamen meist das weibliche Genus, etwa die Annerl; dagegen heißt es beispielsweise das Hunderl.

Diminutive bezeichnen insbesondere:

  • kleine oder junge Menschen;
  • kleine Gegenstände innerhalb einer Gegenstandsklasse;
  • kleine oder junge Tiere und Pflanzen;
  • Koseformen und verniedlichende Anreden für Kinder oder geliebte Personen;
  • eine abwertende Beurteilung oder eine Untertreibung.

Manche formal verkleinerten Wörter sind lexikalisiert, also zu selbstständigen Begriffen geworden und werden nicht mehr als bloße Verkleinerungen verstanden. Dazu gehören bisschen, Mädchen, Brötchen, Märchen, Kaninchen, Eichhörnchen, Meerschweinchen, Seepferdchen, Rotkehlchen, Radieschen und Plätzchen. Männchen und Weibchen bezeichnen allgemein männliche und weibliche Tiere. Herrchen und Frauchen stehen für Hundehalter und Hundehalterin. Ohrläppchen ist eine Körperbezeichnung, Sternchen ein typografisches Symbol und Kätzchen kann den Blütenstand bestimmter Bäume oder Sträucher bezeichnen. Weitere feste Bedeutungen sind Wehwehchen oder Zipperlein für ein kleines Leiden sowie Sankt Nimmerlein für einen Tag, der niemals eintreten wird.

Diminutive in europäischen Sprachen

In den romanischen Sprachen sind Diminutive unterschiedlich produktiv. Im Französischen kommt die ursprüngliche Endung -ette heute hauptsächlich in lexikalisierten Wörtern vor, etwa sandalette „leichte Sandale“. Fremdwörter wie Voiturette und Zigarette gelangten auch ins Deutsche. Im Quebecer Französisch entstehen Diminutive durch ein Präfix oder Silbenverdoppelung, beispielsweise ti-chat „Kätzchen“, Ti-Louise oder Dédé für André.

Im Italienischen sind Diminutive besonders als liebevolle, scherzhafte oder ironische Formen verbreitet. Typische Endungen sind -ina/-ino, -etta/-etto und gelegentlich -ella/-ello: Annina, Raffaellino, Peppino oder Giulietta. Lexikalisierte Formen sind unter anderem spaghettini, violoncello und piazzetta. Das Augmentativ endet auf -one.

Im Portugiesischen sind -inho, -sinho und -zinho im Maskulinum sowie -inha, -sinha und -zinha im Femininum gebräuchlich: bola – bolinha, bolo – bolinho und peixe – peixinho. -ito und -ita wirken etwas kecker oder frecher. Diminutive können auch von Adjektiven und Adverbien gebildet werden, etwa pequeno – pequeninho und devagar – devagarinho.

Im Spanischen stehen besonders -ito/-ita, beispielsweise Manolo – Manolito und flor – florecita, sowie gelegentlich -illo/-illa. Die Diminutivsuffixe -ito, -cito, -ico, -cico, -illo und -cillo tragen die Betonung auf einem Vorderzungenvokal. Die Augmentativsuffixe -ón, -azo und -ote besitzen dagegen einen hinteren beziehungsweise offenen betonten Vokal.

In den skandinavischen Sprachen sind Diminutive nicht mehr produktiv. Es bleiben lexikalisierte Formen auf -ing, etwa dänisch ælling „Entchen“. Kleinheit oder Größe wird gewöhnlich durch vorangestellte Wörter für „klein“ oder „groß“ bezeichnet, zum Beispiel dänisch lillebror „kleiner beziehungsweise jüngerer Bruder“.

Weitere Sprachsysteme

Im Litauischen und Lettischen sind Diminutive sehr verbreitet. Litauisch besitzt zahlreiche Endungen, darunter -elis/-elė, -ėlis/-ėlė, -ulis/-ulė, -(i)ukas/-(i)ukė und -ytis/-ytė. Beispiele sind namelis „Häuschen“, gėlelė „Blümchen“, berniukas „Knäbchen“ und paukštytis „Vögelchen“. Mehrere Endungen können eine verstärkte Verkleinerung ausdrücken: ereliukas bedeutet „ganz ganz kleiner Adler“, mažučiukas „winzig kleiner Junge“. Auch Vornamen wie Laimutė, Sigutė und Birutė besitzen Diminutivformen. Die starke Verbreitung im Lettischen zeigt ein angeführtes Volkslied, das in zwei kurzen Zeilen fünf Diminutive enthält, darunter nied­rīte zu niedre „Schilf“ und kalniņš zu kalns „Berg“.

Slawische Sprachen kennen ebenfalls gestufte Verkleinerungen. Tschechisch bildet etwa strom „Baum“ → stromek „Bäumchen“ → stromeček „kleines Bäumchen“. Im Russischen gibt es mehrere Suffixe: цветок „Blume“ → цветочек „Blümelein“, нога „Bein“ → ножка „Beinchen“ und дом „Haus“ → домик „Häuslein“. Das besonders bei Adjektiven verwendete -оньк-/-еньк- ergibt beispielsweise красный „rot“ → красненький „rötlich“, kann aber auch Substantive verkleinern.

Das Neugriechische besitzt zahlreiche Suffixe für verschiedene Genera, unter anderem -άκης, -άκος und -ούλης bei Maskulina, -ούλα, -ούδα und -ίτσα bei Feminina sowie -άκι, -ούλι und -ούδι bei Neutra. So wird aus το σπίτι „das Haus“ το σπιτάκι „das Häuschen“. Griechische Diminutive drücken außer Kleinheit häufig Zärtlichkeit, eine höfliche Bitte, eine ungefähre Berechnung oder eine negative, verharmlosende Beurteilung aus. Daneben existieren Augmentative.

Esperanto bildet das Diminutiv regelmäßig mit -et- und das Augmentativ mit -eg-. Danach folgt die Endung der Wortklasse: pordo „Tür“ – pordeto „Türchen“ – pordego „Tor“; varma „warm“ – varmeta „lauwarm“ – varmega „heiß“; salti „springen“ – salteti „hüpfen“ – saltegi „Riesensprünge machen“. Die Elemente können selbstständige Wortstämme sein: eta bedeutet „klein, gering“, ege als Adverb „sehr“.

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