Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Anagramm
Allgemein kann ein Anagramm durch Umstellen einzelner Buchstaben, Silben, Wörter oder Sätze eines gegebenen Textes gebildet werden. Lateinisches Anagramm am …
Inhalt4 Abschnitte
Begriff und verwandte Formen
Ein Anagramm ist eine Buchstabenfolge, die allein durch Umstellung, also Permutation, der Buchstaben aus einer anderen Buchstabenfolge entsteht. So ist „Erbgut“ ein Anagramm von „Betrug“. Das Bilden heißt Anagrammieren; in der Kryptographie heißt diese Art der Umstellung Transposition. Allgemein können nicht nur einzelne Buchstaben, sondern auch Silben, Wörter oder ganze Sätze umgestellt werden.
Die einfachste Form ist der Buchstabendreher: Dabei werden nur zwei Buchstaben vertauscht, unabhängig davon, ob sie nebeneinanderstehen. Als verwandte Form werden Palindrome genannt: Sie ergeben vorwärts und rückwärts gelesen sinnvolle Wörter, etwa „Lager“ und „Regal“. Daraus können auch „Lagerregal“ und „Regallager“ entstehen. Ein Pangramm unterscheidet sich davon: Es muss alle Buchstaben eines Alphabets enthalten.
Anagramme als Sprachspiel und Kunstform
Anagramme dienen häufig dazu, durch dieselben Buchstaben einen Satz mit verändertem Sinn zu bilden. Deshalb gelten sie als Buchstabenspiel, Rätsel und sprachliche Kunstform. In Gedichten, Rätseln und Literatur können Wörter, Zeilen oder ganze Sätze anagrammiert werden. Besonders kunstvoll ist es, wenn die Bedeutung des Ausgangswortes mit dem Sinn des neuen Anagramms zusammenhängt.
Ein Rätselgedicht von Friedrich Haug nennt „Erbgut“ und „Betrug“; gesucht ist „Geburt“, denn beide Wörter sind Anagramme davon. Auch Namen können für literarische Figuren anagrammiert werden. In den Harry-Potter-Romanen wird aus „Tom Marvolo Riddle“ im englischen Original „I am Lord Voldemort“. In der deutschen Übersetzung lautet der Name „Tom Vorlost Riddle“, damit „… ist Lord Voldemort“ gebildet werden kann.
Anagramme können auch szenisch getanzt werden: Tänzer tragen jeweils einen Buchstaben auf dem Trikot und bilden durch Platzwechsel Wörter oder Wendungen. Außerdem kommen Anagrammrätsel in Zeitungen vor, etwa Visitenkartenrätsel. Aus „Fr. Inge C. Sonst, Rheine“ lässt sich als Beruf „Schornsteinfegerin“ ermitteln.
Transposition zur Sicherung wissenschaftlicher Priorität
In der Wissenschaft wurden Anagramme verwendet, um wichtige Erkenntnisse zunächst geheim zu halten und zugleich nachzuweisen, dass man sie bereits kannte. Dazu wurde der Klartext durch beliebige Umstellung seiner Buchstaben, beispielsweise durch alphabetisches Sortieren, in einen Geheimtext überführt und veröffentlicht. Jahre später konnte der ursprüngliche Klartext bekannt gemacht werden. Jeder konnte dann prüfen, ob seine Buchstaben wieder genau den veröffentlichten Geheimtext ergaben.
Der Zweck war nicht die übliche geheime Übermittlung zwischen Sender und Empfänger: Es gab keinen Schlüsselaustausch und keinen vorgesehenen Empfänger, der entschlüsseln sollte. Stattdessen sollte die Priorität einer wissenschaftlichen Erkenntnis beweisbar gesichert werden, ohne ihren Inhalt frühzeitig preiszugeben. Moderne Kryptographie verwendet hierfür Commitment-Verfahren.
Eine eindeutige Rückgewinnung des ursprünglichen Textes ist grundsätzlich nicht möglich. Ein Text mit n Buchstaben besitzt n! Permutationen. Aus einem Buchstabensack können zwar sinnvolle Texte gebildet werden, aber nicht sicher der einzige ursprüngliche Text. Friedrich L. Bauer formulierte: „In der Tat zeigt die Erfahrung, bestätigt durch Shannons Theorie, daß es für ein Anagramm keine Unizitätslänge gibt.“ Das Anagramm „AELX“ könnte beispielsweise von „AXEL“, „LEXA“ oder „ALEX“ stammen.
Historische wissenschaftliche Beispiele sind Galilei, Christiaan Huygens, Robert Hooke und Isaac Newton. Hooke veröffentlichte sein später so genanntes Hookesches Gesetz zunächst als „CEIIINOSSSTTUV“ statt als „Ut tensio sic vis“ („Wie die Dehnung, so die Kraft“).
Weitere Fach- und Namensverwendungen
Ein Ananym ist ein anagrammierter Name. Schriftsteller und Dichter können Anagramme ihres Namens als Pseudonym verwenden. Beispiele sind François Rabelais mit „Alcofribas Nasier“ sowie Paul Celan, dessen bürgerlicher Name Paul Ancel war.
In Nachrichtentechnik und Spracherkennung bezeichnet Cepstrum eine besondere Signaltransformation. Der Name ist ein Anagramm von „Spectrum“. Die wichtige Variable „Quefrency“ wurde aus „Frequency“ gebildet; weitere Bezeichnungen sind etwa „Gamnitude“ aus „Magnitude“, „Saphe“ aus „Phase“ und „Liftering“ aus „Filtering“.
Die Anagramm-Methode der psychologischen Intelligenzdiagnostik verlangt, Regeln und Gesetzmäßigkeiten in Buchstabenfolgen zu erkennen oder aus zufällig angeordneten Buchstaben ein oder mehrere Wörter zu bilden. Sie dient dazu, Wortflüssigkeit und divergentes Denken zu testen.
Lernvideos zu Anagramm
5:25
Anagramme von Christoph Maria Herbst | 7. Klasse | LUKE! Die Schule und ich
LukeMockridgeTV · 32.679 Aufrufe
5:10
Anagramme | Schüttelwörter und Buchstabenrätsel
musstewissen Deutsch · 27.175 Aufrufe
4:44
Mathe LF / Kombinatorik kurz und schmerzlos (1): Anagramme
Der Matheflüsterer · 398 Aufrufe