Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Italiener in Deutschland
Geschichte. Bearbeiten. Eine große Zahl von Italienern, vor allem Handwerker ... Arbeitsmigration aus Italien in die BRD ab 1961 (Einreisen über die …
Inhalt3 Abschnitte
Gemeinschaft und Verbreitung
Die Italiener in Deutschland, auch Italo-Deutsche oder Deutschitaliener genannt, sind italienische Migranten sowie ihre Nachkommen. Sie zählen zu den größten und ältesten Zuwanderergemeinden Deutschlands. Viele Menschen wanderten vor allem auf der Suche nach Arbeit ein.
2020 lebten 587.167 italienische Staatsangehörige in Deutschland. Damit war Deutschland nach Argentinien das Land mit den meisten italienischen Staatsangehörigen außerhalb Italiens. Besonders große Bevölkerungsanteile gab es 2021 in den Zuständigkeitsbereichen der Konsulate Stuttgart (145.467), Köln (131.739) und Frankfurt am Main (116.404). Die größte italienische Gemeinde Deutschlands befindet sich in Berlin.
Migration und Arbeitskräfteanwerbung
Italienische Handwerker und Kaufleute ließen sich bereits seit dem frühen Mittelalter in Deutschland nieder. Die Beziehungen waren auch politisch eng, weil das Heilige Römische Reich vom südlichen Italien bis zum nördlichen Deutschland reichte. Im späten Mittelalter, in der frühen Neuzeit und während der Renaissance kamen unter anderem Bankiers, Architekten und Künstler. Im 19. Jahrhundert folgten beispielsweise Steinmetze und Bauhandwerker.
Zu Beginn der italienischen Massenauswanderung im 20. Jahrhundert kamen zunächst nur wenige Menschen in das Deutsche Reich und später in die Weimarer Republik. Viele reisten jedoch saisonal zur Arbeit an. Bei einer Berufszählung im Juni 1907 wurden 147.000 Erwerbstätige aus Italien gezählt; Schätzungen lagen bei 170.000. Sie arbeiteten besonders in Bayern, Württemberg, Baden, Elsaß-Lothringen, Rheinland und Westfalen. In Ulm waren italienische Männer meist Tagelöhner, Maurer oder Ziegler, Frauen vor allem Köchinnen oder Mägde.
Die große Einwanderungswelle begann mit dem Wirtschaftswunder im Nachkriegsdeutschland. Viele Italiener arbeiteten im Ruhrgebiet in der Kohle- und Stahlindustrie. Italien und Deutschland gehörten 1951 zu den Gründungsmitgliedern der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl. Das deutsch-italienische Anwerbeabkommen von 1955 war das erste einer Serie von Anwerbeabkommen der BRD und regelte die Anwerbung italienischer Arbeitskräfte.
Mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft änderte sich die Zuwanderung: Die Römischen Verträge von 1957 sahen Arbeitnehmerfreizügigkeit vor, die von 1961 bis 1968 schrittweise galt. Ab 1. Januar 1962 genügte EWG-Arbeitnehmern für die Einreise ein Personalausweis statt eines Sichtvermerks. 1964 entfiel der Vorrang inländischer Arbeitnehmer, 1968 die Arbeitserlaubnis innerhalb der EWG. Deshalb verlor die Anwerbung über die Deutsche Kommission an Bedeutung; freie Einreisen wurden wichtiger.
Von 1956 bis 1972 kamen laut Bundesagentur für Arbeit zwei Millionen Italiener als Arbeiter in die BRD. Den Höchstwert erreichte die Arbeitsmigration 1965 mit 204.288 Einreisen insgesamt. Im Saarland sind Italiener noch vor Türken die größte ausländische Bevölkerungsgruppe. Beim Zensus 2011 hatte Wolfsburg mit 6 % den höchsten Anteil italienischer Migranten unter den Landkreisen und kreisfreien Städten.
Integration, Benachteiligung und kultureller Einfluss
Italiener in Deutschland beteiligen sich am politischen Leben auf nationaler und regionaler Ebene. Sie prägten die bildende Kunst in Deutschland von Romanik und Gotik bis zu zeitgenössischer Mode und Design. Seit Ende der 1950er Jahre beeinflussten sie außerdem Gastronomie und Esskultur; viele italienische Gerichte gehören inzwischen zum deutschen Alltag. Beispiele für Übernahmen in der Volkskultur sind das Bensheimer Passionsspiel und die Via Crucis in Saarlouis.
Italienische Gastarbeiter waren in den 1950er und 1960er Jahren häufig Diskriminierung ausgesetzt. Vor der Einreise wurden sie in italienischen Emigrationszentren auf Arbeitsfähigkeit geprüft und mussten teils entwürdigende Prozeduren durchlaufen. In Deutschland lebten Arbeiter oft isoliert in engen Baracken; teilweise teilten vier Personen ein Zimmer von 13 Quadratmetern. Vor manchen Gaststätten standen Schilder mit der Aufschrift „Zutritt für Hunde und Italiener verboten“.
Verglichen mit anderen großen Einwanderergruppen nahmen relativ wenige Italiener die deutsche Staatsbürgerschaft an. Einer Studie der Wochenzeitung Die Zeit zufolge schneiden Schüler italienischer Abstammung an deutschen Schulen schlechter ab als Schüler anderer großer Einwanderergruppen: Etwa 48 % besuchen die Hauptschule, 8,6 % die Sonderschule. Als mögliche Probleme nennt der Artikel geringe Kontakte zu Deutschen und eine oft wenig beachtete Bildungsbenachteiligung.
Wirtschaftlich sind Menschen mit italienischem Migrationshintergrund dagegen vergleichsweise gut integriert. Bildungsdefizite können sie im Erwerbsleben häufig ausgleichen; bei einigen Arbeitsmarktindikatoren erreichen sie fast die Werte der Einheimischen. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt sogar unter derjenigen autochthoner Deutscher. Der Anteil der von öffentlichen Leistungen Abhängigen sank von über elf Prozent in der ersten auf unter acht Prozent in der zweiten Generation.