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Bangladesch

175,7 Millionen (2025)(8.) Bevölkerungsdichte, 1191 Einwohner pro km². Bevölkerungsentwicklung, +1,2 % (Schätzung für das Jahr 2025).

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Staat, Lage und Naturraum
  2. 2. Bevölkerung, Sprache, Religion und Versorgung
  3. 3. Von Ostpakistan zum heutigen Bangladesch
  4. 4. Politik, Außenbeziehungen und Menschenrechte
  5. 5. Wirtschaft, Arbeit und Infrastruktur
  6. 6. Kultur und Sport

Staat, Lage und Naturraum

Bangladesch ist eine parlamentarische Republik in Südasien. Es umfasst den östlichen Teil der historischen Region Bengalen, grenzt fast vollständig an Indien, im Südosten an Myanmar und im Süden an den Golf von Bengalen. Hauptstadt ist Dhaka, Amtssprache Bengalisch, Währung der Taka. Das Land ist seit dem 26. März 1971 unabhängig. Es hat eine Fläche von 147.570 km² und laut den Angaben für 2025 etwa 175,7 Millionen Einwohner. Damit gehört es zu den bevölkerungsreichsten Staaten und ist der am dichtesten besiedelte Flächenstaat der Erde. Der Index der menschlichen Entwicklung lag 2023 bei 0,685; dies entspricht einer mittleren menschlichen Entwicklung.

Rund 90 Prozent des Landes bestehen aus flachem Tiefland. Prägend ist das große Mündungsdelta von Brahmaputra, Ganges und Meghna mit Flussarmen, Sümpfen und Inseln. Dhaka liegt nur sechs Meter über dem Meeresspiegel. Eine Ausnahme bilden die Chittagong Hill Tracts im Südosten; dort liegt mit dem Mowdok Mual die höchste Erhebung des Landes auf 1045 m.

Nur 15 Prozent der Landesfläche sind bewaldet. Tropischer Regenwald wächst vor allem im südöstlichen Hügelland. Im Südwesten liegen die Sundarbans, mit ungefähr 10.000 km² die größten Mangrovenwälder der Erde. Etwa zwei Drittel der Sundarbans befinden sich in Bangladesch. Zur Tierwelt gehören ungefähr 750 Vogelarten, 250 Säugetierarten sowie 150 Reptilien- und Amphibienarten. Der Bengalische Tiger ist eines der Nationaltiere; die Angaben des Artikels zu seinem Bestand schwanken zwischen 200 bis 419 Tieren und einer weiteren Schätzung von 670 Tieren in den Sundarbans.

Das tropische Klima wird vom Südwest-Monsun bestimmt. Der Jahresniederschlag beträgt meist 1500 bis 2250 mm, im Osten 3000 bis 4000 mm; mehr als die Hälfte fällt von Juni bis August. Die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur liegt im Januar bei 25 °C und im April bei 35 °C. Unterschieden werden Monsunzeit, kühle und heiße Jahreszeit. Jährlich wird etwa ein Fünftel des Landes überschwemmt, bei extremen Fluten bis zu 35 Prozent. Zyklone, Sturmfluten, Erdrutsche und Erdbeben verursachen wiederholt Katastrophen. Besonders verheerend war der Bhola-Zyklon vom 12. November 1970 mit etwa 300.000 Todesopfern.

Der Klimawandel verschärft Hochwasser, Versalzung, Trockenheit und Ernteausfälle. Ohne Küstenschutz würden bei einem Meeresspiegelanstieg um einen Meter etwa 18 Prozent des Landes überflutet und rund 38 Millionen Menschen ihre Heimat verlieren. Bis 2050 könnten die Ernteerträge um bis zu 30 Prozent sinken. Zugleich vergrößerte abgelagertes Sediment zwischen 1977 und 2010 das Staatsgebiet netto um 139 km².

Bevölkerung, Sprache, Religion und Versorgung

Bangladeschs Bevölkerung ist jung und wächst langsamer als früher. 2022 betrug die durchschnittliche Kinderzahl je Frau 2,0. Das Medianalter lag 2021 bei 29,6 Jahren; 2025 waren 25,1 Prozent der Bevölkerung jünger als 15 und 7,8 Prozent älter als 64 Jahre. Eine UN-Prognose von 2017 erwartete bis 2050 mehr als 200 Millionen Einwohner und anschließend eine Stagnation. 2023 lebten 41 Prozent der Bevölkerung in Städten. Dhaka ist eine besonders schnell wachsende Megastadt; weitere große Städte sind Chittagong und Khulna.

Das Land ist ethnisch und sprachlich vergleichsweise einheitlich. Rund 98 Prozent sprechen Bengalisch als Muttersprache. Die Sprache wurde durch die Bengalische Sprachbewegung und den Unabhängigkeitskampf zu einem wichtigen Teil der nationalen Identität. Englisch dient besonders in Mittel- und Oberschicht als Bildungs-, Verwaltungs- und Geschäftssprache, ist aber keine Amtssprache. Insgesamt werden 39 Sprachen gesprochen. Minderheiten sind unter anderem urdusprachige Bihari sowie Khasi, Garo und tibetobirmanischsprachige Gruppen.

Etwa 90 Prozent der Bevölkerung sind Muslime, überwiegend Sunniten. Der Islam ist Staatsreligion, obwohl zugleich der Säkularismus als Verfassungsprinzip gilt. 2011 waren 90,4 Prozent Muslime, 8,5 Prozent Hindus, 0,6 Prozent Buddhisten und 0,3 Prozent Christen. Formell besteht Religionsfreiheit, praktisch sind religiöse Minderheiten und besonders Konvertiten wiederholt Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt. Nach dem Machtwechsel 2024 meldete der Bangladesh Hindu Buddhist Christian Unity Council bis Februar 2026 deutlich mehr Angriffe auf Minderheiten als die Regierung; die Zahlen sind daher umstritten.

In der Bildung stieg die mittlere Schulbesuchsdauer der über 25-Jährigen von 2,8 Jahren 1990 auf 5,2 Jahre 2015. Die Einschulungsrate liegt bei etwa 95 Prozent, doch viele Kinder verlassen die Schule ohne Abschluss. Öffentliche Schulen sind kostenlos, die offizielle Schulpflicht dauert fünf Jahre. Auf fünf Jahre Grundschule folgen drei Jahre Mittelschule und weitere Stufen bis zur Higher-Secondary-Prüfung. Daneben bestehen Privatschulen und Tausende Madaris, also Koranschulen. 2015 waren 38,5 Prozent der Menschen über 15 Analphabeten.

Die Gesundheitslage hat sich verbessert: Die Sterblichkeit der unter Fünfjährigen lag 2022 bei 28,8 je 1000 Lebendgeburten, die Lebenserwartung bei 73,7 Jahren. 2019 waren 10 Prozent der Bevölkerung unterernährt, gegenüber 20,1 Prozent im Jahr 2000. 2014 hatten 84 Prozent Zugang zu Trinkwasser, aber nur 54 Prozent zu sanitären Einrichtungen.

Von Ostpakistan zum heutigen Bangladesch

Bis 1947 gehörte das Gebiet zu Britisch-Indien. Bei dessen Teilung wurde das mehrheitlich muslimische Ostbengalen als Ostpakistan Teil Pakistans, obwohl es vom westlichen Landesteil räumlich getrennt war. Sprache, Kultur, wirtschaftliche Benachteiligung und die geringe Vertretung der Bengalen in Militär und Verwaltung führten zu schweren Konflikten. Die Sprachbewegung erreichte 1956, dass Bengalisch neben Urdu Staatssprache wurde.

Bei den gesamtpakistanischen Wahlen 1970 gewann die ostpakistanische Awami-Liga unter Scheich Mujibur Rahman die Parlamentsmehrheit. Westpakistanische Führung und Armee verweigerten ihr jedoch die Regierungsbildung und gingen mit Massentötungen, Vergewaltigungen und Angriffen besonders auf Hindus gegen die Unabhängigkeitsbewegung vor. Mujibur Rahman proklamierte die Unabhängigkeit. Indien griff im Dezember 1971 militärisch ein; am 16. Dezember wurde Bangladesch endgültig unabhängig. Nach Darstellung der Regierung starben bis zu drei Millionen Menschen, und mehr als 20 Millionen flohen nach Indien. Pakistan erkannte Bangladesch im Februar 1974 an.

Die junge parlamentarische Demokratie geriet durch Hungersnöte und politische Konflikte in eine Krise. Mujibur Rahman errichtete ein Einparteiensystem und wurde am 15. August 1975 mit einem Großteil seiner Familie bei einem Militärputsch ermordet. General Ziaur Rahman führte später das Mehrparteiensystem wieder ein und gründete die Bangladesh Nationalist Party (BNP), wurde aber 1981 getötet. General Hossain Mohammad Ershad kam 1982 durch einen Staatsstreich an die Macht und regierte bis zum Volksaufstand von 1990.

Danach wechselten sich vor allem BNP-Regierungen unter Khaleda Zia und Awami-Liga-Regierungen unter Hasina Wajed ab. Die Wahl 2008 gewann die Awami-Liga deutlich. Die Wahlen von 2014, 2018 und 2024 galten laut Artikel nicht als frei und fair; Opposition, Regierung und islamistische Kräfte standen sich zunehmend unversöhnlich gegenüber.

Am 7. Juli 2024 begann eine landesweite studentische Protestwelle gegen eine Quotenregelung für staatliche Stellen. Trotz einer Gerichtsentscheidung gegen Teile der Regelung entwickelten sich daraus Proteste gegen die autoritäre Regierung. Bis Anfang August starben mehr als 300 Menschen, die meisten durch Polizeischüsse, und über 10.000 wurden festgenommen. Hasina Wajed trat am 5. August zurück und verließ das Land. Muhammad Yunus wurde am 8. August 2024 Regierungschef einer Übergangsregierung. Bei der Wahl im Februar 2026 gewann die BNP; die Awami-Liga war nicht zugelassen.

Politik, Außenbeziehungen und Menschenrechte

Nach der Verfassung von 1972 ist Bangladesch eine Republik mit dem Einkammerparlament Jatiya Sangsad. Von dessen 350 Mitgliedern werden 300 in Einzelwahlkreisen nach einfachem Mehrheitswahlrecht direkt gewählt. Weitere 50 Sitze sind Frauen vorbehalten und werden entsprechend den Parteistärken indirekt vergeben. Die Wahlperiode dauert fünf Jahre, das allgemeine Wahlrecht gilt ab 18 Jahren. Der Premierminister führt die Regierung; der vom Parlament für fünf Jahre gewählte Präsident hat überwiegend zeremonielle Aufgaben. Eine einmalige Wiederwahl ist möglich.

Das Mehrheitswahlrecht begünstigt große Parteien und kann geringe Stimmenunterschiede in sehr große Sitzmehrheiten verwandeln. So erhielt die BNP 2001 mit 40,97 Prozent der Stimmen fast zwei Drittel der Mandate, während die Awami-Liga 40,13 Prozent erreichte. Seit 1990 prägten BNP und Awami-Liga lange ein faktisches Zweiparteiensystem. 2026 setzte sich die BNP unter Tarique Rahman gegen die islamistische Jamaat-e-Islami und die mit ihr verbündete National Citizen Party durch.

Internationale Indizes bewerteten Bangladesch 2024 als Hybridregime und „teilweise frei“. Der Demokratieindex lag bei 4,44 von 10, der Korruptionswahrnehmungsindex 2025 bei 24 von 100. In der Rangliste der Pressefreiheit stand das Land 2026 mit 33,1 Punkten auf Rang 152 von 180. Genannt werden Gewalt und Einschüchterung gegen Journalisten, Einschränkungen des Internets, politisch motiviertes Verschwindenlassen, mangelnder Minderheitenschutz und schwere Verletzungen von Arbeitnehmerrechten. Besonders verbreitet sind Kinderehen: Nach einer UNICEF-Studie werden 29 Prozent der Mädchen vor dem 15. Geburtstag verheiratet, 2 Prozent vor dem elften.

Die Außenpolitik setzt auf Ausgleich und Zusammenarbeit mit regionalen, islamischen und westlichen Staaten. Indien ist wegen gemeinsamer Flüsse, der fast vollständigen Umschließung Bangladeschs und Fragen zu Migration, Wasser, Schmuggel und Grenzen besonders wichtig. Der Grenzvertrag vom 7. Mai 2015 regelte den Austausch von 111 indischen und 52 bangladeschischen Enklaven. China ist ein wichtiger Infrastrukturpartner und bedeutendster Lieferant von Militärgütern. Enge Beziehungen bestehen außerdem zu den Golfstaaten, Großbritannien und den USA. Bangladesch ist Gründungsmitglied der SAARC.

Die Streitkräfte umfassen etwa 450.000 Soldaten. Bangladesch beteiligt sich stark an Friedensmissionen der Vereinten Nationen; im August 2015 stellte es mit 9432 eingesetzten Angehörigen von Militär und Polizei das größte Kontingent.

Wirtschaft, Arbeit und Infrastruktur

Bangladesch verzeichnete über längere Zeit starkes Wirtschaftswachstum. Von 2005 bis 2014 betrug es durchschnittlich etwa 5,6 Prozent jährlich, 2016 und 2017 mehr als 7 Prozent. Seit 2015 stuft die Weltbank das Land als Land mit mittlerem Einkommen im unteren Bereich ein. 2024 betrug das nominale Bruttoinlandsprodukt 450 Milliarden US-Dollar, kaufkraftbereinigt 1,7 Billionen US-Dollar; pro Kopf waren es 2619 beziehungsweise 9747 US-Dollar. Das reale Wachstum sank 2024 auf 4,2 Prozent, die Inflation betrug 9,7 Prozent.

Wichtige Hemmnisse sind politische Instabilität, schlechte Infrastruktur, ineffiziente Verwaltung, Korruption und Vetternwirtschaft. Stärken sind die junge Bevölkerung, niedrige Löhne, die Textilindustrie und eine entstehende IT-Branche. 2016 arbeiteten 42,7 Prozent der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft, obwohl diese nur 14,8 Prozent des BIP erzeugte. Hauptprodukte sind Reis und Jute; hinzu kommen Weizen, Mais, Gemüse, Zuckerrohr, Holz und Tee. Die Industrie produziert vor allem Textilien, Lederwaren, Juteprodukte, Keramik und Arzneimittel. Bangladesch wurde zum zweitgrößten Textilproduzenten der Welt.

2016/17 exportierte das Land Waren für 38,50 Milliarden US-Dollar; Textilien stellten 87 Prozent. Die Importe beliefen sich auf 60,4 Milliarden US-Dollar. Die Europäische Union ist der wichtigste Wirtschaftspartner, und etwa 60 Prozent der Textilexporte gehen in die EU. Wichtig sind außerdem die Überweisungen der Millionen im Ausland arbeitenden Bangladescher; im Fiskaljahr 2024 betrugen sie 23,912 Milliarden US-Dollar.

Die Armut sank laut Weltbank von 48,9 Prozent im Jahr 2000 auf 24,3 Prozent 2018, die extreme Armut von 33,7 auf 12,9 Prozent. Die offizielle Arbeitslosigkeit lag 2017 bei ungefähr 4 Prozent, doch informelle Arbeit und Unterbeschäftigung sind weit verbreitet; Schätzungen nennen bis zu 40 Prozent Unterbeschäftigung. Der Mindestlohn lag 2023 bei monatlich 8000 Taka, etwa 68 Euro.

Straßen und Schienen sind unzureichend ausgebaut und werden durch Monsunfluten beschädigt. Das Straßennetz umfasst 21.269 km, davon waren nur etwa 5 Prozent befestigt. Das Eisenbahnnetz war 2015 2885 km lang. Unterschiedliche Spurweiten verursachen logistische Probleme; Dreischienengleise und langfristig die indische Breitspur sollen Abhilfe schaffen. Es gibt internationale Flughäfen in Dhaka, Chittagong und Sylhet sowie die Seehäfen Chittagong und Mongla. Die Padma-Brücke ist die größte Brücke des Landes und die längste Südasiens.

Kultur und Sport

Die Kultur wird stark durch die bengalische Sprache, die Unabhängigkeitsgeschichte und den Islam geprägt. Wichtige Feiertage sind der Tag der Märtyrer am 21. Februar zur Erinnerung an die Sprachbewegung von 1952, der bengalische Neujahrstag am 14. April, der Unabhängigkeitstag am 26. März und der Tag des Sieges am 16. Dezember. Islamische Feste wie Eid ul-Adha und Eid-ul-Fitr richten sich nach dem Mondkalender und verschieben sich jährlich gegenüber dem gregorianischen Kalender.

Typisch für die Küche sind Reis oder Fladenbrot mit Gemüse, Huhn, Rind, Fisch oder Meeresfrüchten. Bekannte Speisen sind Fischcurry, Dhakai Biryani und Pithas; verbreitet sind außerdem milchbasierte Süßspeisen, Tee und Lassi. Mahlzeiten werden meist mit den Händen gegessen.

Die bengalische Literatur ist ungefähr 1000 Jahre alt. Zu ihren bedeutenden Vertretern gehören Rabindranath Thakur und Kazi Nazrul Islam. Die moderne Musik wurde besonders durch zwei Richtungen geprägt: eine von Thakur angeregte Verbindung östlicher und westlicher Elemente sowie die von Nazrul Islam vertretene Schule. Die Filmindustrie hat ihr Zentrum in Dhaka und produziert vor allem Unterhaltungsfilme mit Tanz- und Gesangseinlagen; ausländische Produktionen sind in der Bevölkerung allerdings beliebter.

Nationalsport ist Kabaddi, populärster Sport Cricket. Bangladesch nahm erstmals 1999 an einer Cricket-Weltmeisterschaft teil und erreichte 2015 das Viertelfinale. 2020 gewann es die U19-Cricket-Weltmeisterschaft und damit seinen ersten Titel bei einem Turnier des International Cricket Council. Fußball ist die zweitwichtigste Sportart; die Nationalmannschaft gewann 2003 die Südasienmeisterschaft. Seit 1984 nimmt Bangladesch an Olympischen Sommerspielen teil, hat aber bislang keine olympische Medaille gewonnen.

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