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Ibn Ishāq

767 oder 768 in Bagdad) war ein muslimischer Geschichtsschreiber, der zum ersten Mal die Hadithe und Dokumente über das Leben des Propheten Mohammed in einem …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Überlieferung
  2. 2. Leben und wissenschaftlicher Auftrag
  3. 3. Aufbau des großen Geschichtswerks
  4. 4. Rezensionen und spätere Bearbeitungen

Bedeutung und Überlieferung

Muḥammad bin Isḥāq bin Yasār bin Ḫiyār, kurz Ibn Ishāq, war ein muslimischer Geschichtsschreiber, der Hadithe und Dokumente über das Leben des Propheten Mohammed erstmals in einem durchdacht aufgebauten Buch mit Kapiteleinteilung zusammenstellte. Sein Werk ist eine der wichtigsten Quellen für die frühe Geschichte des Islam und wurde zum Modell für spätere Prophetenbiographien.

Das Original ist nicht erhalten. Inhalt und Gestalt lassen sich nur aus Zitaten, paraphrasierten Auszügen, Schülerrezensionen und späteren Bearbeitungen erschließen. Die bekannteste Bearbeitung ist die Sīra des Ibn Hischām; sie verdrängte die ursprüngliche Fassung schließlich vollständig. Eine vollständige deutsche Übersetzung dieser Sīra liegt online vor.

Leben und wissenschaftlicher Auftrag

Ibn Ishāq wurde um 704 in Medina geboren und starb 767 oder 768 in Bagdad. Sein Großvater Yasār war einer der ersten Gefangenen von ʿAyn at-Tamr im Irak (633 bis 634) und wurde nach Mekka gesandt. Nach seiner Konversion zum Islam wurde Yasār freigelassen und erhielt als Maulā die nisba al-Muṭṭalibī. Seine drei Söhne waren als Überlieferer historischer Nachrichten bekannt.

Ibn Ishāq setzte diese Familientradition fort. Er sammelte Berichte und Legenden über die Propheten, die Erschaffung der Welt und die arabischen Stämme der vorislamischen Zeit. Besonders spezialisierte er sich auf die Maghāzī, also Berichte über die Feldzüge Mohammeds. Der umayyadische Gelehrte az-Zuhrī, der 741/42 starb, soll ihn auf diesem Gebiet als wichtigste Autorität bezeichnet haben.

Zunächst arbeitete Ibn Ishāq in Medina. 737 ging er nach Alexandria, um Hadithe zu studieren. Um 749 kehrte er in die Gelehrtenkreise Medinas zurück und traf dort den Traditionarier Sufyān b. ʿUyaina. 749/750 verließ er Medina jedoch wieder. Nach Brockelmann war nicht die Machtübernahme der Abbasiden der Grund, sondern die Ablehnung durch die öffentliche Meinung. Man warf Ibn Ishāq vor, Legenden und Gedichte über Mohammed erfunden zu haben. Mālik ibn Anas soll ihn außerdem schiitischer Neigungen und der Lehre von der menschlichen Willensfreiheit verdächtigt haben.

Zwischen 759 und 760 hielt sich Ibn Ishāq in der Dschazira auf. Danach ging er zu Kalif al-Mansur (reg. 754–775) nach al-Hira und ließ sich schließlich in Bagdad nieder. Im Auftrag des Kalifen verfasste er ein großes Geschichtswerk, das nach einem Bericht al-Chaṭīb al-Baġdādīs für den Kronprinzen und späteren Kalifen al-Mahdi bestimmt war.

Aufbau des großen Geschichtswerks

Der genaue Inhalt des für al-Manṣūr verfassten Werkes wird unterschiedlich überliefert. Muhammad ibn Saʿd berichtet im 9. Jahrhundert nur, Ibn Isḥāq habe für al-Manṣūr die Maghāzī niedergeschrieben. Al-Chaṭīb al-Baghdādī erklärt im 11. Jahrhundert dagegen, der Auftrag habe gelautet, ein Buch „von der Erschaffung Adams bis zum heutigen Tag“ zu verfassen. Als Titel wird al-Kitāb al-kabīr („Das große Buch“) genannt.

Nach dieser Überlieferung bestand das Werk aus drei Teilen:

  • Das Kitāb al-Mubtadaʾ („Buch des Anfangs“) behandelte die Zeit von der Weltschöpfung bis zum Auftreten Mohammeds.
  • Das Kitāb al-Mabʿath („Buch der Entsendung“ des Propheten) behandelte Mohammeds mekkanische Periode.
  • Das Kitāb al-Maghāzī („Buch der Feldzüge“) behandelte die medinensische Periode und die Feldzüge Mohammeds.

Einige Autoren nennen zusätzlich ein viertes Buch, das Kitāb al-Chulafāʾ („Buch der Kalifen“), über die Kalifenzeit bis al-Manṣūr. Die moderne Forschung erklärt den Widerspruch zwischen den Angaben ibn Saʿds und al-Chaṭīb al-Baghdādīs meist damit, dass Kitāb al-Maghāzī auch als Bezeichnung für das gesamte Sammelwerk verwendet wurde. Einige moderne westliche Autoren nennen das Gesamtwerk Sīra; in der klassischen arabischen Literatur ist dieser Titel jedoch nicht bezeugt.

Ibn Isḥāq ordnete überlieferte Berichte seiner Lehrer und eigene Sammlungen zu einer chronologischen Darstellung. Die Prophetenbiographie wurde mit Kapitelüberschriften gegliedert. Dabei stellte er Mohammeds Geschichte und die Entstehung des Islam in den größeren Zusammenhang der göttlichen Offenbarung seit Beginn der Welt. Das Kitāb al-Mubtadaʾ ist nur durch Zitate und Paraphrasen, etwa bei at-Tabarī, bekannt. G. D. Newby versuchte, es daraus zu rekonstruieren; besonders ausführlich und kunstvoll soll darin die Geschichte Abrahams behandelt worden sein.

Rezensionen und spätere Bearbeitungen

Die Prophetenbiographie Ibn Isḥāqs ist vor allem durch Rezensionen und Bearbeitungen seiner Schüler und späterer Gelehrter bekannt.

Die Rezension des Schülers Yūnus ibn Bukair (gest. 815) ist auf 300, allerdings unvollständigen, Manuskriptseiten erhalten und wurde 1976 von M. Hamidullah herausgegeben. Sie beginnt mit Mohammeds Genealogie und endet mit der islamischen Legende von seiner Himmelfahrt. Yūnus ibn Bukair ergänzte den Text mit zahlreichen Nachrichten aus weiteren Quellen, die Ibn Ishāq selbst nicht verwendet hatte. Dadurch entstand ein eigenständiges Werk, das später unter dem Titel Ziyādāt al-Maghāzī („Ergänzungen zum Buch der Feldzüge“) mehrfach zitiert wurde, unter anderem von Ibn ʿAsākir und Ibn Hadschar al-ʿAsqalānī.

Von einer weiteren Rezension nach Muḥammad ibn Salama († 807) ist nur ein kurzes Fragment erhalten. Es umfasst wenige Seiten und enthält eine Episode über den Feldzug nach Dhu Amarr, die in den sonst einschlägigen Überlieferungen zu Mohammeds Feldzügen nicht erhalten ist.

Die wichtigste spätere Bearbeitung stammt von ʿAbdalmalik ibn Hischām (gest. 834). In der zweiten Generation nach Ibn Ishāq überarbeitete er das Werk unter dem Titel Sirat Muhammad Rasulillah („Biographie Mohammeds des Gesandten Gottes“). Ibn Hischām fügte Kommentare hinzu, kürzte den Text und ließ manche Gedichte weg. Seine Fassung verdrängte nach einigen Jahrhunderten das Original, das im 13. Jahrhundert nicht mehr als eigenständiges Buch greifbar war.

Eine weitere, im frühen 14. Jahrhundert bekannte Bearbeitung verfasste Ibn Sayyid an-Nās (1273–1334) in Kairo unter dem Titel ʿUyūn al-aṯar fī funūn al-maġāzī wa-š-šamāʾil wa-s-siyar („Die besten Nachrichten auf dem Fachgebiet der Feldzüge, der Eigenschaften des Propheten und seiner Lebensweise“). Er zitierte neben Ibn Ishāq weitere Autoritäten der Maghāzī-Literatur des 8. Jahrhunderts, deren Werke heute nicht mehr vorliegen. Das zweibändige Werk wurde im Orient mehrfach gedruckt, zuletzt 1974 in Beirut.

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