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Arbeitsmigration
Arbeitsmigration oder Erwerbsmigration ist die Wanderung (lat. migratio) von Menschen zum Zweck der Arbeitsaufnahme.
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Was ist Arbeitsmigration?
Arbeitsmigration oder Erwerbsmigration ist die Wanderung von Menschen zum Zweck der Arbeitsaufnahme. Sie verläuft schwerpunktmäßig von wirtschaftlich schwächeren in wirtschaftlich weiter entwickelte Länder. Die Abwanderung gut ausgebildeter Fachkräfte nennt man Brain Drain (Talentabwanderung). Sie ist abzugrenzen von Migration aus politischen Gründen und aus persönlichen Gründen wie Heiratsmigration, Familiennachzug, Bildungsmigration oder Auswanderung aus Abenteuerlust.
Ursachen
Wesentliche Ursache ist eine Fehlallokation auf dem Faktormarkt: Fehlende Arbeitsplätze oder Unterbeschäftigung in einem Land oder einer Region führen dazu, dass Menschen in Regionen mit höherer Nachfrage nach Arbeitskräften abwandern. Lohngefälle und bessere Arbeitsbedingungen in anderen Ländern ziehen Arbeitskräfte an. Kulturelle und persönliche Umstände können die Migration fördern (z. B. kulturelle Migrationserwartungen) oder bremsen (z. B. Erwartung, bei der Familie zu bleiben oder das Hab und Gut zu verwalten).
Volkswirtschaftliche Wirkung: Rücküberweisungen
Volkswirtschaftlich sind Rücküberweisungen von Migranten (Remittances) für Staaten mit Leistungsbilanzdefiziten und ohne starke Finanzmärkte wichtig, um die Übertragungsbilanz zu stärken und Devisen für Einfuhren zu erhalten; ohne sie drohte eine Währungskrise. Für viele Staaten machen sie einen wichtigen Teil des Bruttoinlandsprodukts aus (Werte 2023): Tadschikistan 39,1 %, Libanon 30,7 %, Nicaragua 26,8 %, Nepal 26,5 %, Honduras 25,7 %, El Salvador 24,1 %, Gambia 23,3 %, Haiti 19,7 %, Jamaika 18,9 %, Guatemala 19,6 %, Liberia 18,2 %, Südsudan 15,6 %, Georgien 13,8 %; in Europa: Republik Moldau 11,8 %, Montenegro 10,9 %, Bosnien und Herzegowina 10,4 %, Albanien 9,0 %, Serbien 7,7 %, Kroatien 7,4 %, Ukraine 8,5 %, Rumänien 2,8 %, Bulgarien 2,4 %, Ungarn 2,2 %, Griechenland 0,2 %.
Wirkung auf Herkunftsländer
Die Arbeitsmärkte des Herkunftslandes werden entlastet; das geringere Arbeitskräfteangebot kann zu steigenden Löhnen führen (Lohnkonvergenz). Der Verlust von Fachkräften kann Regierungen dazu bewegen, bessere Arbeits- und Lebensbedingungen zu schaffen. Aus- und Rückwanderung können zum Wissenstransfer beitragen. Andererseits kann ein Arbeitskräftemangel im Inland die wirtschaftliche Entwicklung behindern, das Steuersubstrat wird geschwächt, und Investitionen in Bildung können verloren gehen.
Gesellschaftliche Folgen
- Durch starke Abwanderung junger Menschen können Landstriche überaltern; wenn überwiegend ein Geschlecht auswandert, verschärft das die demographische Lage zusätzlich. Familien werden oft jahrelang zerrissen, die psychosozialen Folgen können beträchtlich sein. Rückkehrende Gastarbeiter fällt es manchmal schwer, sich wieder einzufinden; sie sind zerrissen zwischen alter und neuer Heimat und werden oft von den Daheimgebliebenen abgelehnt.
Begriffe: Fremdarbeiter, Gastarbeiter, ausländischer Arbeitnehmer, Arbeitsemigrant
- Begriff „Fremdarbeiter“: Bezeichnung für Kriegsgefangene und ausländische Zivilisten in der Zeit des Nationalsozialismus, die im Deutschen Reich Zwangsarbeit leisten mussten. Er wurde durch „Gastarbeiter“ ersetzt, das seit 1969 (Bericht der Bundesanstalt für Arbeit „Ausländische Arbeitnehmer 1969“) zunehmend durch „ausländische Arbeitnehmer“ abgelöst wurde. Für dauerhaft Bleibende bürgerte sich „Arbeitsemigranten“ ein; dieser Begriff kommt dem wirtschaftlich-sozialen Hintergrund am nächsten.