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Islamfeindlichkeit
Vertretern und Organisationen des politischen Islam wird zuweilen allerdings vorgeworfen, Islamfeindlichkeit, Islamophobie oder antimuslimischer Rassismus als …
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Begriff und Abgrenzung
Islamfeindlichkeit bezeichnet eine grundsätzliche und pauschalisierende Feindseligkeit gegenüber dem Islam beziehungsweise Muslimen. Verwandte Begriffe sind Muslimfeindlichkeit, Islamophobie und antimuslimischer Rassismus; sie setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Umstritten ist, ob es sich um Rassismus oder um eine ähnliche Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit handelt, weil der Islam nicht an eine bestimmte Ethnie gebunden ist.
Chris Allen definiert Islamfeindlichkeit als Ideologie, die Islam und Muslime als negativ bewertetes „Anderes“ konstruiert und aus der eigenen Gruppe ausschließt. Muslime werden dabei anhand zugeschriebener oder tatsächlicher Merkmale des Islams eingeordnet, nicht nach ihrem eigenen Selbstbild. Die Feindseligkeit kann auch in alltäglichen Praktiken und Diskursen wirken, ohne ausdrücklich benannt zu werden. Sie soll negative Vorstellungen als scheinbar objektives „Wissen“ etablieren und soziale sowie politische Benachteiligung legitimieren.
Allen betrachtet Islamfeindlichkeit als dem Rassismus verwandt, aber nicht mit ihm identisch; häufig werde kulturell statt biologisch argumentiert. Robert Miles und Malcolm D. Brown betonen ebenfalls Unterschiede zwischen beiden Phänomenen. Étienne Balibar und David Theo Goldberg sehen Islamfeindlichkeit dagegen wie modernen Antisemitismus als Form von Rassismus. Olaf Farschid nennt unter anderem die Annahmen einer unüberbrückbaren kulturellen Verschiedenheit, einer grundsätzlichen Unvereinbarkeit von Islam und Demokratie, einer dem Islam wesentlichen Gewalt sowie einer heimlichen Islamisierungsstrategie als islamfeindliche Ideologien.
Der Ausdruck „Islamophobie“ gilt als problematisch, weil „Phobie“ eine krankhafte oder psychische Ursache nahelegt. Yasemin Shooman bevorzugt deshalb „antimuslimischer Rassismus“, um Muslime als Betroffene und Parallelen zu klassischen Rassismen hervorzuheben. Allen hält die etablierten Begriffe vorläufig für geeigneter, weil Angriffe sowohl indirekt über den Islam gegen Muslime als auch gegen den Islam als Ganzes erfolgen können. Eine klare Trennung ist zudem wichtig: Aufklärerisch-menschenrechtliche Islamkritik, die einzelne Bestandteile oder Auslegungen hinterfragt, ist nicht dasselbe wie fremdenfeindlich-hetzerische Muslimenfeindlichkeit. Zugleich kann der Begriff „Islamophobie“ nach Samuel Salzborn und Gilles Kepel als Kampfbegriff genutzt werden, um Kritik an demokratiefeindlichen islamistischen Positionen abzuwehren.
Wirkungsweise und Folgen
Die konkreten Inhalte der Islamfeindlichkeit können sich nach Zeit, Region und Politik ändern; ihr anti-islamischer und anti-muslimischer Kern bleibt bestehen. Äußere Zeichen wie Moscheen, Hidschābs, halāl-zertifizierte Lebensmittel oder der Koran erhalten dabei eine besondere Bedeutung. Sie dienen nicht nur dazu, Muslime zu erkennen, sondern werden mit negativen Vorstellungen über Islam und Muslime verbunden. Eine Moschee kann so als Symbol für alle zugeschriebenen negativen Eigenschaften wahrgenommen werden.
Nach Allen werden diese Zeichen in einer „konzeptuellen Landkarte“ eingeordnet: Negative Bedeutungen eines Zeichens werden auf dessen Träger übertragen. Der Hidschāb kann etwa dazu dienen, muslimische Frauen als unemanzipiert sowie Männer als frauenfeindlich und rückwärtsgewandt darzustellen. Muslime können generell als potenzielle Terroristen gelten und deshalb strengeren Sicherheitsvorkehrungen unterliegen. Entscheidend sind nach Allen vor allem die Deutungsmuster, welche solche Ungleichbehandlung rechtfertigen. Die betroffene Gruppe wird dadurch als wesensmäßig „andere“ Außengruppe dargestellt, während die Eigengruppe positiv aufgewertet wird.
Studien zufolge können wahrgenommene religiöse Diskriminierung und die Wahrnehmung einer islamophoben Gesellschaft dazu führen, dass Muslime in Europa sich stärker mit ihrer Religion und weniger mit dem jeweiligen Staat identifizieren. Zunehmende negative Haltungen können zudem die Gesundheit muslimischer Minderheiten beeinträchtigen. Einer Studie von 2012 zufolge genügt bereits die Wahrnehmung einer feindlichen Umgebung für negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit, auch ohne persönlich erlebte Diskriminierung. Nach dem Terroranschlag auf zwei Moscheen in Christchurch am 15. März 2019 erklärte die UN-Generalversammlung 2022 auf Initiative Pakistans den 15. März zum „International Day to Combat Islamophobia“.
Entwicklung bis ins 21. Jahrhundert
Ob gegenwärtige Islamfeindlichkeit unmittelbar an mittelalterliche Konflikte zwischen christlichem Europa und muslimischen Reichen oder an den Orientalismus des 19. und 20. Jahrhunderts anknüpft, ist umstritten. Konsens besteht jedoch darin, dass sie Motive aus Kreuzzügen, Türkenkriegen und Orientalismus übernahm: das Bild des Muslims als gewalttätig, übersexualisiert und unzivilisiert sowie einen angeblich unüberwindbaren Gegensatz zwischen Abendland und muslimischem Orient.
Gottschalk und Greenberg sehen die wichtigen Ausgangspunkte der modernen Form nicht erst in den Anschlägen vom 11. September 2001, sondern in den 1970er und 1980er Jahren. Ölkrisen ab 1973 und der israelisch-palästinensische Konflikt wurden zunächst vor allem national verstanden. Die iranische Revolution von 1979 und die Machtübernahme Ruhollah Chomeinis erschienen in westlichen Medien und im Regime selbst als Konflikt zwischen westlichen Werten und dem Islam. Dem Islam wurden dabei Rückständigkeit, Gewaltbereitschaft und Unaufgeklärtheit zugeschrieben. Die Fatwa Chomeinis von 1989 gegen Salman Rushdie nach dessen Buch Die satanischen Verse verstärkte diese Bilder; Muslime wurden in der öffentlichen Darstellung häufig gleichgesetzt und in die Nähe Chomeinis gerückt.
In Westeuropa wandelte sich zugleich die Einordnung von Minderheiten. Gruppen, die zuvor etwa als „Asians“ oder über Hautfarbe und „Blackness“ zusammengefasst wurden, definierten sich zunehmend auch religiös als Muslime, Hindus oder Sikhs. Proteste kleiner radikaler Gruppen wurden jedoch als Haltung „der Muslime“ gedeutet. Nach dem Ende des Ostblocks verstärkte sich die Vorstellung eines Gegensatzes zwischen westlicher und islamischer Kultur. Samuel P. Huntingtons Kampf der Kulturen teilte die Welt in monolithische, angeblich unvereinbare religiös-kulturelle Blöcke ein.
Nach dem 11. September 2001 wurden islamistischer Terrorismus, Islam und Muslime in öffentlichen Debatten häufig gleichgesetzt oder eng verbunden. Rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien machten Muslime zum neuen Feindbild; auch etablierte Politik und Medien diskutierten die Vereinbarkeit des Islams mit westlichen Gesellschaften. Muslimen wurden unter anderem Reaktionismus, Homophobie, Frauenfeindlichkeit und eine Nähe zum Terrorismus zugeschrieben. Neben solchen Diskursen kam es zu Moscheeschändungen, zum Mord an Marwa El-Sherbini und zu den Anschlägen Anders Behring Breiviks, der eine „Islamisierung Europas“ als Motiv angab. Betroffen waren auch Menschen, die nur für Muslime gehalten wurden, etwa Sikhs in Großbritannien.
Forschung und Vergleich mit Antisemitismus
Der Begriff „Islamophobie“ ist im französischen Sprachraum bis 1910 nachweisbar. Im heutigen sozialwissenschaftlichen Kontext verwendete ihn wahrscheinlich zuerst Ende der 1980er Jahre Tariq Modood; vermutlich stammte er aus britischen muslimischen Gemeinschaften der frühen 1980er Jahre. Der Runnymede Trust griff ihn 1994 auf. Der Bericht Islamophobia: A Challenge for Us All des Runnymede Trust und der Commission on British Muslims and Islamophobia von 1997 war die erste wissenschaftliche Publikation, die vorrangig Definition, Beschreibung und Einordnung behandelte. Seine wegbereitende Rolle ist unbestritten, obwohl die Definition einer „geschlossenen Weltsicht“ und fehlende theoretische sowie historische Grundlagen kritisiert wurden. Nach 2001 nahm die Forschung deutlich zu; 2010 veröffentlichte Chris Allen eine umfassendere Monografie zu Definition, Ideologie und Theorie.
Der Vergleich mit Antisemitismus ist umstritten. Kritiker wie Daniel Goldhagen, Matthias Küntzel und Clemens Heni warnen vor einer Gleichsetzung, welche qualitative Unterschiede und die Besonderheit des Holocaust verwische. Wolfgang Benz lehnt eine Gleichsetzung ab, vergleicht aber Methoden der Ausgrenzung: Antisemitische und islamophobe Vorurteile teilten die Einteilung in Gut und Böse sowie Ausgrenzung. Als Unterschied nennt er, dass es im späten 19. Jahrhundert um die Emanzipation der Juden, heute aber um die Integration von Muslimen gehe.
Andere Autoren bestreiten stärkere Parallelen: Julius H. Schoeps verweist auf fehlende Entsprechungen zu Ritualmordlegenden oder der Theorie des Weltjudentums. Heribert Schiedel unterscheidet einen deduktiv vorgehenden Antisemitismus von einem induktiven antimuslimischen Rassismus, der von Einzelnen auf alle Muslime schließt. Volker Weiß betont, Antisemitismus biete ein dichteres Weltbild zur Abwehr der Aufklärung. Als weiteres Argument gegen den Vergleich wird genannt, dass von einigen Muslimen reale Gewalt und Terrorismus unter ausdrücklichem religiösem Bezug ausgehen. Mathias Brodkorb hält einen Vergleich dennoch für möglich, weil auch nationalsozialistischer Antisemitismus Erfahrungen unzulässig im Rahmen einer Sündenbocktheorie verallgemeinert habe.
Lage in Deutschland
Für Januar 2012 bis März 2014 nannte die Bundesregierung 78 antimuslimische Vorfälle in und um Moscheen. Seit 2017 erfassen Behörden islamfeindliche Straftaten gesondert. 2017 gab es etwa 1.000 Taten und 33 Verletzte; im selben Zeitraum wurden 127 Angriffe auf Christen und ihre Einrichtungen gezählt. 2019 wurden 871 Straftaten mit 33 Verletzten, 2020 901 mit 48 Verletzten registriert. Beim Anschlag in Hanau 2020 wurden mehrere Menschen aus islamfeindlichen Motiven getötet. Das Bundeskriminalamt verzeichnete 2023 1.454 Straftaten, 140 % mehr als im Vorjahr, und 2024 1.848.
Einstellungsstudien zeigen verbreitete Ablehnung, deren genaue Werte je nach Untersuchung unterschiedlich ausfallen. Zwischen 2003 und 2011 wollten laut Wilhelm Heitmeyer jeweils 20 bis 30 % Muslimen die Zuwanderung untersagen; 30 bis 40 % fühlten sich durch viele Muslime manchmal fremd im eigenen Land. 2011 meinten 46,1 %, es gebe zu viele Muslime, und 54,1 %, Muslime stellten zu viele Forderungen. Die Leipziger Mitte-Studie 2018 ermittelte, dass 44 % ein vollständiges oder teilweises Verbot muslimischer Zuwanderung befürworteten. Die Ablehnung lag in Ostdeutschland bei 50,7 %, im Westen bei 42,4 %; bei Personen ohne Abitur bei 48,4 %, mit Abitur bei 27,2 %.
Nach einer Bertelsmann-Erhebung von 2017 bis 2019 empfanden etwa 50 % den Islam als Bedrohung (Ost: 57 %, West: 50 %). Die Herausgeberin betonte, diese „Islamskepsis“ sei nicht unbedingt Islamfeindlichkeit. Keine muslimischen Nachbarn wollten 30 % im Osten und 16 % im Westen. ECRI stellte 2020 für 2014 bis 2019 einen hohen Grad an Islamophobie und einen zunehmend fremdenfeindlichen öffentlichen Diskurs fest. Als einflussreiche islamfeindliche Akteure oder Bewegungen werden unter anderem Politically Incorrect, HoGeSa und PEGIDA genannt.
Lage in Großbritannien
Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 nahmen antimuslimische Ressentiments in Großbritannien messbar zu. Lorraine P. Sheridan ermittelte 2006 einen Anstieg indirekter Diskriminierungserfahrungen um 82,6 % und offener Diskriminierung um 76,3 %; 35,6 % der Befragten zeigten Anzeichen psychischer Gesundheitsprobleme. Tahir Abbas beschrieb, dass staatliche Maßnahmen und Medienreaktionen britische Muslime in ein Loyalitätsdilemma drängten. Studien sahen den Anstieg nicht als isoliert an, sondern als Verschiebung bereits bestehender antiasiatischer und antiarabischer Diskriminierung seit den 1980er Jahren zu explizit antimuslimischem Rassismus.
Tell MAMA dokumentierte 2024 insgesamt 6.313 verifizierte Fälle antimuslimischen Hasses, 165 % mehr als 2022; bedrohliches Verhalten nahm gegenüber dem Vorjahr um 715 % zu. Als Gründe nannte die Organisation den Nahostkonflikt und die Ausschreitungen nach dem Southport-Anschlag. Am 30. Juli 2024 griffen mehrere Hundert Anhänger rechtsextremer Gruppen, darunter Mitglieder der English Defence League, die Moschee in Southport an, setzten ein Polizeifahrzeug in Brand und verletzten über 50 Beamte. Die Unruhen erfassten knapp 30 Städte in England und Nordirland; angegriffen wurden Moscheen, Bibliotheken und Asylunterkünfte. Bis Juli 2025 wurden 1.840 Personen festgenommen und 1.103 angeklagt. Das Home Office meldete für das Jahr bis März 2025 einen Anstieg religiöser Hassverbrechen gegen Muslime um 19 %.