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Fremdenfeindlichkeit
Fremdenfeindlichkeit kann zusammen mit Nationalismus, Rassismus oder Regionalismus auftreten. Aufgrund einer fremdenfeindlichen Einstellung kann es zu …
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Begriff und Erscheinungsformen
Fremdenfeindlichkeit, auch Xenophobie oder Fremdenhass, bezeichnet die Ablehnung von Menschen in einem Land oder einer Region, die einen anderen nationalen, ethnischen oder kulturellen Hintergrund haben. Zur Begründung werden soziale, religiöse, ökonomische, kulturelle oder sprachliche Unterschiede herangezogen. In diesen Unterschieden wird eine Bedrohung gesehen.
Fremdenfeindlichkeit kann mit Nationalismus, Rassismus oder Regionalismus verbunden sein. Sie zeigt sich in Haltungen, Einstellungen und konkreten Aktionen. Mögliche Folgen sind Ungleichbehandlung, Benachteiligung und Aggressivität gegenüber als fremd wahrgenommenen Menschen. Betroffen sind nicht nur Ausländer; deshalb wird der Begriff „Ausländerfeindlichkeit“ seltener verwendet.
Erklärungsansätze
Die Erklärungsmodelle setzen an unterschiedlichen Ebenen an:
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Das evolutionsbiologische Modell deutet Xenophobie als möglichen Überrest eines Schutzmechanismus aus früheren Lebensbedingungen. Gesellschaften, Stämme und Dörfer beanspruchten Territorien und Ressourcen, verteidigten sie gegen fremde Gruppen und erweiterten sie bei Ressourcenknappheit auf Kosten anderer. Aus diesem Konkurrenzkampf könne Misstrauen gegenüber Fremden entstanden sein. Andere Ansätze führen Xenophobie auf das Ekelempfinden zurück, das sich evolutionär zur Abwehr von Krankheitsrisiken entwickelt habe.
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Das psychologische Modell knüpft an das „Fremdeln“ von Kleinkindern an, also an eine latente Scheu oder Furcht vor Ungewohntem oder Fremdem. Diese Reaktion werde kulturell unterschiedlich sozial ausgeformt, in Deutschland beispielsweise mit dem Begriff „Schwarzer Mann“. Im späteren Leben könne sie vertieft, ideologisiert oder bekämpft werden. Wissenschaftliche Nachweise, dass sie völlig „abgelegt“ werden kann, existieren nicht. Menschen mit starker sozialer Dominanzorientierung (SDO) neigen eher zu Fremdenfeindlichkeit und fordern häufig eine weitgehende Assimilation von Zuwanderern. Krankhaft übersteigerte Xenophobie gilt in der klinischen Psychologie als Form einer Angststörung.
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Sozialpsychologische Modelle untersuchen fremdenfeindliches Verhalten unter Interaktions- und Gruppenaspekten. Feindseligkeit gegenüber „Fremden“ kann ein negativ geprägtes Fremdbild schaffen und dadurch ein überlegenes Selbstbild erzeugen. Im Mittelpunkt stehen kollektiv konstruierte, als homogen vorgestellte Identitäten, nicht einzelne Personen. An der Bildung solcher Bilder über „Fremde“ oder „Andere“ können wissenschaftliche, mediale, politische und weitere gesellschaftliche Akteure beteiligt sein.
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Nora Räthzel bezeichnete als „rebellierende Selbstunterwerfung“ ein Geschehen, bei dem sich Widerstand gegen soziale Ausgrenzung nicht gegen deren Verursacher richtet. Stattdessen wird ein unbeteiligter Dritter als Sündenbock ausgewählt und mit dem Bild des Fremden verbunden. Die Ersatzhandlung führe letztlich zur eigenen Unterwerfung unter die Zustände, die man eigentlich bekämpfen wolle.
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Sozioökonomische Modelle betonen die gesellschaftlichen Bedingungen. Nach Joseph Henrich, der an Adam Smith und Montesquieu sowie an ethnologische Studien anknüpft, nimmt Fremdenfeindlichkeit in dem Maß ab, in dem eine Gesellschaft von der Marktwirtschaft geprägt ist. In einer Marktwirtschaft kann es sich lohnen, mit Unbekannten gute Beziehungen aufzubauen, weil sie potenzielle Kunden oder Geschäftspartner sind. In einer Welt ohne Märkte überlebt dagegen vor allem, wer über persönliche Beziehungen verfügt. Außerdem können Interessen an der Bewahrung abstammungsbezogener Privilegien beim Zugang zu wohlfahrtsstaatlichen Leistungen ethnische Typisierungen und Kategorisierungen fördern.
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Nach Pierre Bourdieu kann zunehmende gesellschaftliche Komplexität Xenophobie verringern. Offen ist jedoch, ob langsamer oder schneller sozialer Wandel fremdenfeindliche Reaktionen begünstigt. Globalisierung führte in zahlreichen Ländern zu mehr fremdenfeindlicher Gewalt. Die Auflösung soziokultureller Milieus und traditioneller Bindungen kann Handlungsunsicherheit und Gewissheitssuche verstärken.
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Kulturalistische Modelle verstehen soziales Handeln als kulturell überformt. Kollektive Distanz und Feindseligkeit könnten demnach eine langfristig erworbene Grundstimmung oder Mentalität einer Gesellschaft sein. Behauptet wird etwa, dass „Stammesgesellschaften“ sowie ländliche Gesellschaften mit Grundbesitzerstrukturen und stark fixierten Regeln Neubürgern eher zurückhaltend oder ablehnend begegnen. Dagegen werden dieselben Gesellschaften teilweise als besonders gastfreundlich beschrieben. Für die Antike zeigen Aischylos’ Tragödie „Die Perser“ und Herodots „Historien“, dass Religion und vielfach Sprache die Abgrenzung zwischen Eigenem und Fremdem bestimmten. Wer außerhalb der eigenen Polis lebte, gehörte nicht zur Rechtsgemeinschaft und durfte getötet werden, wenn er kein Gastrecht besaß. In diesem Zusammenhang ist eine einfache Gleichsetzung von Xenophobie und Fremdenhass problematisch.
Legitimierende Modelle können Rassismus und Diskriminierung als angeblich zwingende Folgen biologischer oder ökonomischer Gegebenheiten darstellen. Ob menschliche Xenophobie auf biologische Determinanten, sozialisiertes Verhalten oder Entscheidungen innerhalb eines begrenzten Handlungsspielraums zurückgeht, ist umstritten. Was als fremd wahrgenommen und abgelehnt wird, hängt nachweislich vor allem von historisch-kulturellen Faktoren ab. Die These, Fremdenfeindlichkeit nehme bei steigender Arbeitslosigkeit zu, wird durch zahlreiche empirische Studien gestützt und gilt als wissenschaftlich verifiziert im Sinne intersubjektiver Überprüfbarkeit.
Irenäus Eibl-Eibesfeldt deutet die Abwehr des Fremden und die historisch unterschiedliche Abgrenzung von Gruppen als anthropologisches Erfordernis zur Aufrechterhaltung einer stabilisierenden Gruppennorm. Normen machten Verhalten vorhersehbar, schafften Ordnung und vermittelten Sicherheit. Sie prägten Sprache, Brauchtum, Kleidung, Körperschmuck und andere Alltagsbereiche. Gemeinsam ist den legitimierenden Modellen, dass sie die geschichtliche und gesellschaftliche Konstruktion von Selbst- und Fremdbildern nicht untersuchen, sondern als quasi natürliche Gegebenheiten hinnehmen.
Folgen und Verbreitung
Erfahrungen rassistischer Ausgrenzung, auch Alltagsrassismus genannt, können zur Entstehung psychischer Erkrankungen beitragen. Soziale Unterstützung und Solidarisierung können dem entgegenwirken. Eine EU-Studie kam zu dem Schluss, dass Ausgrenzung und Diskriminierung zur Entstehung von Gewalt beitragen. Laut einer Studie von 1994 stellt Rassismus in Deutschland die Hauptursache psychosomatischer Krankheiten bei Migranten, Flüchtlingen und ihren Kindern dar.
In der European Values Study wurde in 257 Regionen der Anteil der lokalen Bevölkerung ermittelt, der keine Immigranten oder ausländischen Arbeitskräfte als Nachbarn haben wollte. Im deutschen Regierungsbezirk Oberpfalz in Bayern lag dieser Anteil bei 51 % und damit EU-weit an dritter Stelle. Im österreichischen Bundesland Kärnten war er mit 55 % am höchsten; der EU-Durchschnitt betrug 15,4 %.
Die „Mitte“-Studie von 2015 untersuchte die Zustimmung zu ausländerfeindlichen und antisemitischen Aussagen in deutschen Bundesländern. Ausländerfeindlichen Aussagen stimmten in Bayern 33,1 % zu. Unter den westdeutschen Bundesländern, deren Durchschnitt bei 20 % lag, war dies die höchste Zustimmungsrate und bundesweit die zweithöchste. Den höchsten Wert erreichte Sachsen-Anhalt mit 42,2 %. Antisemitischen Aussagen stimmten in Bayern 12,6 % zu; das war der höchste Wert aller Bundesländer. Der Bundesdurchschnitt lag bei 8,4 %.
Begriffskritik und gesellschaftlicher Kontext
Die Verwendung des Begriffs „Fremdenfeindlichkeit“ wurde 2013 auf einem Workshop des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge von der Arbeitsgruppe „Rassismus“ kritisiert. „Fremdheit“ und „Fremdsein“ seien beliebig und willkürlich bestimmt. Der Begriff enthalte ein Moment der Ausgrenzung, weil er nahelege, die betroffenen Personen gehörten nicht zur Gesellschaft. Nicht eine Eigenschaft oder Herkunft des Opfers verursache eine Tat, sondern die Einstellung des Täters. Da der Begriff in den Medien häufig bei rassistisch motivierten Straftaten verwendet werde, handle es sich meist genauer um Rassismus. Die Zuschreibung von Fremdheit kann auch als Othering bezeichnet werden.
Christoph Butterwegge kritisiert, der Begriff könne den Eindruck erwecken, eine Abneigung gegenüber „den Anderen“ sei angeboren. Dadurch werde der sozialpsychologische Etikettierungs- und Stigmatisierungsprozess übersehen und eine quasi kausale, naturgegebene Erklärung für Gewalt und Ausgrenzung nahegelegt.
Peter Maxwill bemängelte 2018 bei Spiegel Online die unscharfe Verwendung von „Ausländerfeindlichkeit“ und „Fremdenfeindlichkeit“ im medialen Diskurs. Anfeindungen richteten sich vor allem gegen Menschen aus dem Nahen Osten, gegen Afrikaner und Roma, nicht jedoch beispielsweise gegen Franzosen oder Polen, obwohl auch sie Ausländer seien. Daher sei „Rassismus“ häufig die genauere Bezeichnung, weil die Staatsangehörigkeit der Betroffenen für die Täter meist keine entscheidende Rolle spiele.
Ein Kennzeichen der Propaganda im Ersten Weltkrieg war, dass die Bevölkerung der kriegsbeteiligten Länder mit fremdenfeindlichen Vorurteilen und patriotischen Symbolen zum Kriegsdienst motiviert wurde.