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Yasemin Shooman
Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören Rassismus, Islamfeindlichkeit, Antisemitismus, Medienanalyse, jüdisch-muslimische Beziehungen in Geschichte und Gegenwart …
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Person und Arbeitsschwerpunkte
Yasemin Shooman (* 1980) ist eine deutsche Historikerin. Ihre wichtigsten Arbeitsgebiete sind Rassismus, Islamfeindlichkeit, Antisemitismus, Medienanalyse, jüdisch-muslimische Beziehungen in Geschichte und Gegenwart sowie Erinnerungskulturen in der Migrationsgesellschaft.
Seit September 2022 leitete sie im Bundeskanzleramt das Referat „Bekämpfung von Rassismus und Unterstützung Betroffener“. Dieses gehört zum Arbeitsstab der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, die zugleich Beauftragte der Bundesregierung für Antirassismus ist. Von September 2019 bis August 2022 war Shooman Wissenschaftliche Geschäftsführerin des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM-Institut). Zuvor leitete sie seit der Gründung der Akademie des Jüdischen Museums Berlin im Jahr 2013 deren Programme.
Shooman war Mitglied des Rats für Migration, des Historischen Beirats des Regierenden Bürgermeisters von Berlin und des Wissenschaftlichen Beirats des Avicenna-Studienwerks. 2019 berief die Bundesregierung sie in die Fachkommission zu den Rahmenbedingungen der Integrationsfähigkeit.
Ausbildung und beruflicher Weg
Shooman wuchs nach eigenen Angaben in einer multireligiösen Familie dreisprachig auf. Ihr Großvater war im Konzentrationslager Majdanek interniert. An der Technischen Universität Berlin (TU Berlin) studierte sie Neuere Geschichte und Neuere Deutsche Philologie. Ihre Magisterarbeit behandelte die Zwangsgermanisierung polnischer Kinder im Zweiten Weltkrieg.
Ab 2002 arbeitete sie am Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) der TU Berlin. Dort organisierte sie unter anderem die Veranstaltungsreihe „Lebenszeugnisse“ mit Zeitzeugen. 2006/2007 war sie am Forschungsprojekt „Der Ort des Terrors – Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager“ beteiligt. 2008 organisierte sie eine Sommeruniversität gegen Antisemitismus. 2008/2009 leitete sie im Berliner Abgeordnetenhaus das Projektbüro „denk!mal 09“, ein Jugendforum gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.
Von 2009 bis 2013 promovierte Shooman bei Wolfgang Benz am ZfA. Ihre Dissertation untersuchte antimuslimische Diskurse in Deutschland und besonders das Zusammenspiel von Kultur, Religion, Ethnizität, Geschlecht und Klasse im antimuslimischen Rassismus. Die Promotion schloss sie 2013 ab; 2014 erschien die Arbeit als Buch.
Von Mai 2013 bis August 2019 leitete sie die Akademieprogramme des Jüdischen Museums Berlin. Sie verantwortete die Programme „Migration und Diversität“ sowie das Jüdisch-Islamische Forum. Die Akademie verstand sie als einen Ort für ein breites Publikum, der Wissen über Einwanderung und gesellschaftliche Vielfalt vermittelt. Anhand der Geschichte von Minderheiten sollte Migration als Normalfall und nicht als Störfall der Geschichte sichtbar werden.
Im September 2019 übernahm Shooman als Wissenschaftliche Geschäftsführerin die Leitung des Wissenschaftsbereichs des DeZIM-Instituts. Dort war sie maßgeblich am Aufbau des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors (NaDiRa) beteiligt.
Positionen zu Islamfeindlichkeit
Shooman untersucht Islamfeindlichkeit als gesellschaftliche Form der Ausgrenzung. Auf einer Fachtagung der Deutschen Islam-Konferenz analysierte sie 2012 Islamfeindlichkeit im Internet, besonders anhand der Website „Politically Incorrect“.
Bei einem Expertengespräch mit Bundespräsident Joachim Gauck im Januar 2015 bezeichnete sie Islamfeindlichkeit als „ein Phänomen der Mitte der Gesellschaft“. Diese habe in vielen Fällen die frühere Parole „Ausländer raus“ abgelöst. Nach ihrer Darstellung betrifft die Ausgrenzung nicht nur praktizierende Muslime, sondern auch Menschen, die wegen ihres Aussehens oder Namens als muslimisch eingeordnet werden.
Die Anti-Islam-Rhetorik der AfD und anderer Rechtspopulisten beschrieb Shooman als „Umwegkommunikation“. Damit meint sie, dass Ressentiments als Religionskritik dargestellt werden, um sie zu legitimieren und den Vorwurf des Rassismus abzuwehren. Ihre Forschung behandelt außerdem Stereotype über muslimische Frauen, die Rolle muslimischer Sprecherinnen in öffentlichen Debatten sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Islamfeindlichkeit und Antisemitismus.
Veröffentlichungen und öffentliche Vermittlung
Shoomans zentrale Monografie ist „… weil ihre Kultur so ist“ – Narrative des antimuslimischen Rassismus (Transcript Verlag, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-8376-2866-1). Gemeinsam mit Iman Attia und Alexander Häusler veröffentlichte sie 2014 „Antimuslimischer Rassismus am rechten Rand“. Mit Georg Ruhrmann und Peter Widmann gab sie 2016 den englischsprachigen Band „Media and Minorities. Questions on Representation from an International Perspective“ heraus.
Ihre Buchbeiträge und Fachartikel befassen sich vor allem mit antimuslimischem Rassismus, Islamfeindlichkeit im Internet, der Einordnung antimuslimischer Diskurse aus rassismustheoretischer Sicht und der Rassifizierung von Kultur und Religion. „Rassifizierung“ bezeichnet dabei die gesellschaftliche Einordnung von Menschen in vermeintlich feste Gruppen, denen gemeinsame Eigenschaften zugeschrieben werden. Weitere Themen sind Moscheebaukonflikte, Verschwörungstheorien, Darstellungen muslimischer Frauen, die Rezeption des Mordes an Marwa el-Sherbini sowie das Verhältnis von Antisemitismus, Rassismus und Islamfeindlichkeit.
Shooman vermittelte diese Themen auch in Vorträgen und Interviews. Dazu gehören ein Vortrag über Islamfeindlichkeit und Antisemitismus auf dem 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag im Juni 2011, ein Vortrag über antimuslimischen Rassismus im Kontext der Migrationsgesellschaft im Oktober 2015 sowie Interviews über die Beteiligung von Menschen mit Migrationsgeschichte in den Medien und über als Religionskritik getarnte Ressentiments.