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Islam in Albanien

Der Islam in Albanien ist dort die Religion mit den meisten Anhängern. Sie gliedert sich in zwei Richtungen: Die Mehrheit der albanischen Muslime sind …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und heutige Struktur
  2. 2. Einrichtungen und religiöses Leben
  3. 3. Einführung und Ausbreitung unter osmanischer Herrschaft
  4. 4. Gründe und Verlauf der Islamisierung
  5. 5. Vom unabhängigen Staat bis zur Gegenwart
  6. 6. Interreligiöse Beziehungen

Bedeutung und heutige Struktur

Der Islam ist die Religion mit den meisten Anhängern in Albanien. Die albanischen Muslime gehören vor allem zwei Richtungen an: Die Mehrheit sind Sunniten, eine bedeutende Minderheit gehört nichtsunnitischen Sufiorden an, besonders den Bektaschi. Viele Albaner praktizieren ihren Glauben allerdings seit dem Religionsverbot von 1967 beziehungsweise 1968 nicht mehr.

Die Angaben zum heutigen Anteil der Muslime an der Gesamtbevölkerung sind widersprüchlich, weil weder die islamischen Gemeinschaften noch die albanischen Behörden eine Religions- oder Konfessionsstatistik führen. Verschiedene Schätzungen und Untersuchungen nennen 40 bis 45 Prozent, rund 60 Prozent oder sogar 70 bis 79,9 Prozent. Nach dem europäischen Teil der Türkei und dem Kosovo gilt Albanien damit als europäisches Land mit dem dritthöchsten muslimischen Bevölkerungsanteil.

Muslime leben in allen Teilen Albaniens. Im Zentrum, im Süden und im Nordosten bilden sie unter den Religionen fast überall die Mehrheit. Die Bektaschi sind besonders in der Landesmitte und im Süden verbreitet; Hochburgen liegen in den Regionen Bulqiza, Gramsh, Skrapar und Tepelena. Andere Sufiorden, etwa Mevlevi und Halveti, sind heute wegen des kommunistischen Religionsverbots kaum oder gar nicht mehr präsent.

Einrichtungen und religiöses Leben

2002 waren bei den staatlichen Behörden 17 islamische Vereinigungen registriert. Sie unterhielten unter anderem Moscheen und Koranschulen. Einige Vereinigungen werden von ausländischen Missionaren aus arabischen Ländern, der Türkei und dem Iran geführt. Es gibt außerdem allgemeinbildende Schulen in muslimischer Trägerschaft. Ihre Lehrpläne werden wie die Lehrpläne christlicher Schulen vom Bildungsministerium überprüft und zugelassen.

Im April 2011 wurde in Tirana die Bedër-Universität als erste islamische Universität Albaniens eröffnet; 2018 wurde sie zur Hochschule Bedër umfunktioniert. Die beiden muslimischen Feste, die Bajram genannt werden, sind ebenso wie das christliche Weihnachten staatliche Feiertage.

An der Spitze der sunnitischen Muslime beziehungsweise der Muslimischen Gemeinschaft standen unter anderem Selim Muça, von 2004 bis 2014 Vorsitzender des Rates der Muslime und Großmufti, danach Skënder Bruçaj. Seit 2019 ist Bujar Spahiu Vorsitzender der Muslimischen Gemeinschaft Albaniens. Die Bektaschi werden seit 2011 von Baba Edmond Brahimaj geleitet.

Einführung und Ausbreitung unter osmanischer Herrschaft

Die ersten Muslime kamen vermutlich im 9. Jahrhundert in das Gebiet des heutigen Albanien. Zu Beginn der osmanischen Herrschaft, im Süden zu Anfang und im Norden gegen Ende des 15. Jahrhunderts, waren zunächst vor allem türkische Einwanderer in den Städten Muslime. Zu ihnen gehörten Kaufleute, Handwerker und Soldaten. Außerdem lebten im Land verteilte Timarioten, die einen bedeutenden Teil der neuen grundbesitzenden Oberschicht bildeten.

Für diese eingewanderten Muslime wurden bedeutende Moscheen errichtet, darunter die Königsmoscheen von Elbasan und Berat, die Mirahor-Moschee in Korça und die Fatih-Moschee in Durrës. Teilweise wurden auch Kirchen in Moscheen umgewandelt. Die osmanische Sakral- und Stadtarchitektur prägte bereits Anfang des 16. Jahrhunderts das Bild fast aller albanischen Städte. Ein Beispiel ist die Et’hem-Bey-Moschee in Tirana. Die Bleimoschee in Shkodra wurde am Ende des 18. Jahrhunderts erbaut; obwohl sie 1948 unter Kulturdenkmalschutz gestellt wurde, riss man ihr Minarett ab.

Gründe und Verlauf der Islamisierung

Die Islamisierung großer Teile der Bevölkerung setzte zu Beginn des 16. Jahrhunderts ein und verlief im Süden früher und umfassender als im Norden. Mehrere gesellschaftliche und wirtschaftliche Faktoren begünstigten den Übertritt zum Islam:

  • Das osmanische Celeb-System förderte die Viehzucht und kam halbnomadischen Wanderhirten entgegen. Als Muslim konnte man an diesem System am besten teilhaben.
  • Adelige traten zum Islam über, um als Timarioten und Spahis weiterhin zur grundbesitzenden Oberschicht zu gehören.
  • Die wirtschaftlich aufblühenden Städte, unter anderem Elbasan, Berat und Delvina, zogen Menschen vom Land an. Diese übernahmen häufig den Glauben und die Kultur der islamischen Oberschicht.
  • Muslime mussten keine Kopfsteuer zahlen. Um dieser Steuer zu entgehen, wechselten besonders im 17. Jahrhundert häufig ganze Dörfer zum Islam.
  • Viele Männer aus dem armen Land suchten ihr Glück im osmanischen Militär und nahmen dort den neuen Glauben an.

Die historische Forschung nimmt außerdem an, dass die Kirchenbindung der Albaner zur Zeit der türkischen Eroberung schwächer war als bei anderen Balkanvölkern. Das Land war zwischen Ost- und Westkirche geteilt, und die Kirchen hatten in den rivalisierenden Fürstentümern nur wenige Institutionen, wenig Besitz und dadurch geringen Einfluss auf die Bevölkerung.

Die Islamisierung verlief nicht immer vollständig. Manche Konvertierte waren Kryptochristen, die ihre frühere Religion heimlich weiter praktizierten. Teilweise konvertierte zunächst nur das Familienoberhaupt, während die übrigen Angehörigen Christen blieben. Außerdem entstanden Formen eines islamisch-christlichen Synkretismus, also einer Verbindung religiöser Bräuche. Im Norden bitten beispielsweise auch muslimische Bauern um den katholischen Viehsegen für ihre Herden.

Ende des 16. Jahrhunderts war die große Mehrheit der Stadtbewohner muslimisch, während in den Dörfern noch 80 Prozent Christen waren. Im 17. Jahrhundert nahm der Druck zur Konversion zu. Politisch gerieten die Osmanen gegenüber christlichen Mächten stärker in die Defensive; wirtschaftlich führte der Verfall des Timarsystems zu einer verschärften Ausbeutung, besonders der christlichen Bauern. Seit dem 17. Jahrhundert ist Albanien mehrheitlich muslimisch.

Vom unabhängigen Staat bis zur Gegenwart

Als Albanien 1912 unabhängig wurde, waren die Muslime die größte religiöse Gruppierung und maßgeblich an der Staatsgründung beteiligt. Die muslimische Oberschicht wanderte anders als in christlich dominierten Balkanstaaten nicht in die Türkei ab; auch die muslimischen Institutionen blieben bestehen. König Ahmet Zogu, der von 1925 bis 1939 regierte, war Muslim, praktizierte seinen Glauben aber zumindest nicht öffentlich. Er bemühte sich um einen Ausgleich zwischen den Religionen und heiratete eine katholische Gräfin aus Ungarn.

In den 1920er Jahren wurde der Koran erstmals ins Albanische übersetzt. Ilo Mitkë Qafëzezis Übersetzung erschien 1921 und folgte französischen und englischen Vorlagen. Die Übersetzung des Religionsgelehrten Ibrahim Dalliu aus Tirana orientierte sich am arabischen Originaltext und erschien 1929. Nachdem 1925 unter Atatürk alle Derwisch-Orden in der Türkei geschlossen worden waren, wurde das Weltzentrum der Bektaschi nach Tirana verlegt. Nach der Aufhebung des albanischen Religionsverbots 1990 wurde es dort wieder eingerichtet. Die Missionstätigkeit der Ahmadiyya aus Nordindien blieb in der Zwischenkriegszeit trotz ihrer europäischen Zielsetzung mit bescheidenem Erfolg.

Unter der kommunistischen Herrschaft wurden im August 1945 die islamischen Stiftungen, die Vakuf, enteignet. Sie hatten zuvor den Unterhalt von Moscheen und Medresen ermöglicht. Die muslimische Geistlichkeit wurde wie die christliche verfolgt. Mit dem Religionsverbot von 1967 wurden alle Moscheen geschlossen, Minarette abgerissen und Gebäude als Lagerhäuser genutzt oder zerstört. Nur wenige historisch bedeutende Moscheen blieben als Museen erhalten. Viele muslimische Geistliche wurden zur Zwangsarbeit verurteilt; Dutzende starben in Gefängnissen.

Das Regime stellte Ende der 1980er Jahre in einer geheim gehaltenen Umfrage fest, dass 95 Prozent der nach 1960 geborenen jungen Generation noch wussten, welchem religiösen Bekenntnis die eigene Familie angehört hatte. Das religiös-kulturelle Gedächtnis war somit trotz der Verfolgung nicht ausgelöscht.

Nach dem Ende des kommunistischen Regimes begann die Renaissance des Islams. Hafiz Sabri Koçi leitete im November 1990 in der Moschee von Shkodra das erste öffentliche Gebet seit 1967 und wurde bald darauf Vorsitzender des Rates der Muslime. Der religiöse Wiederaufbau wurde wesentlich durch ausländische Spenden und Missionare unterstützt. Wahhabiten aus Saudi-Arabien und Mullahs aus dem Iran engagierten sich stark, konnten mit ihrer als streng empfundenen Form des Islams aber keinen entscheidenden Einfluss gewinnen. In den letzten Jahren engagierte sich besonders die Türkei. Dadurch wird teilweise von einer Spaltung zwischen arabisch beeinflussten und türkisch beeinflussten Muslimen gesprochen. Eine Liga albanischer Imame distanzierte sich von der eher türkisch orientierten Muslimischen Gemeinschaft.

Interreligiöse Beziehungen

Sunniten und Bektaschi zeichnen sich in Albanien durch große Toleranz gegenüber Andersgläubigen aus. Die gemeinsame Erfahrung der Verfolgung unter Enver Hoxha fördert bis heute den gegenseitigen Respekt zwischen Muslimen und katholischen sowie orthodoxen Christen. Interreligiöse Ehen sind in Albanien keine Seltenheit, während sie in anderen Balkanländern mit muslimischem Bevölkerungsanteil sowie bei den Albanern im Kosovo und in Nordmazedonien kaum vorkommen.

Spannungen zwischen den Religionsgemeinschaften sind selten. 2003 wurde Kastriot Myftari wegen der Stiftung religiösen Unfriedens festgenommen. In seinem Buch „Islamizmi Kombëtar Shqiptar“ hatte er den Islam als unalbanisch bezeichnet und zum Übertritt zum Katholizismus aufgerufen.

2006 löste ein Aufsatz von Ismail Kadare über die kulturelle Identität der Albaner große öffentliche Aufmerksamkeit aus. Kadare vertrat darin die Auffassung, die Albaner seien eine westliche Nation mit einer geistig-kulturellen Grundlage im Christentum. Den Islam bezeichnete er als eine während der osmanischen Herrschaft aufgedrängte Religion mit überwiegend negativen Folgen für die Albaner.

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