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Bektaschi

Die Bektaschi-Tarīqa (auch Bektashi; albanisch Bektashizma oder Bektashizmi, ist einer der größten und einflussreichsten islamisch-alevitischen Derwischorden …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Grundzüge
  2. 2. Entstehung, Ausbreitung und Verfolgung
  3. 3. Albanien und die neuere Entwicklung
  4. 4. Aufbau der Gemeinschaft
  5. 5. Gottesdienst, Tanz und Fest

Einordnung und Grundzüge

Die Bektaschi-Tarīqa, auch Bektashi genannt, ist einer der größten und einflussreichsten islamisch-alevitischen Derwischorden in Anatolien und auf dem Balkan. Eine Tarīqa ist ein religiöser Sufi-Orden beziehungsweise ein geistlicher Weg; ihre Niederlassungen heißen Tekken. Die Gemeinschaft verbindet islamische, alevitische und mystische Vorstellungen.

Traditionell gilt der Sufi und Mystiker Hadschi Bektasch (Hacı Bektaş Veli; † 1270) als Begründer. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass frühe Anhänger erst später einen nach ihm benannten Orden bildeten. Als eigentlicher Gründer gilt Balım Sultan. Hadschi Bektasch bleibt dennoch die zentrale Heiligengestalt des Ordens und wird auch von den Aleviten als wichtigster Heiliger nach ʿAlī ibn Abī Tālib verehrt.

Die Lehren der eher städtisch geprägten Bektaschi stehen dem eher ländlich geprägten Alevitentum sehr nahe. Deshalb werden beide Gemeinschaften häufig gemeinsam als Alevi/Bektaschi bezeichnet. Nach einer früher verbreiteten Auffassung konnte nur Alevite sein, wer in eine alevitische Familie hineingeboren wurde, während grundsätzlich jeder durch Beitritt Bektaschi werden konnte. Das Bektaschitentum kann daher als eine Art Sufi-Weg des Alevitentums verstanden werden.

Entstehung, Ausbreitung und Verfolgung

Der Orden entstand in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts im seldschukisch beherrschten Kleinasien. Seine Lehre und Gebetspraxis werden auf Hadschi Bektasch zurückgeführt, der als Yesevi-Derwisch aus Chorasan nach Anatolien gekommen sein soll. Sufi-Orden entwickelten sich im Osmanischen Reich zu einer Massenbewegung und waren eng mit den Handwerker- und Händlerzünften, den Akhi oder Futuwa, verbunden.

Historisch bestanden zwei Gruppen. Die „Çelebi“ bezeichneten sich als direkte leibliche Nachkommen von Hadschi Bektasch, als bel evladi. Die größere Gruppe der „Dede“ oder „Dedebaba“ ging dagegen davon aus, dass er keine körperlichen Nachkommen, sondern nur geistliche Schüler, die yol evladi, gehabt habe.

Das Bektaschitentum gewann besonders unter der anatolischen Landbevölkerung Anhänger. Ab dem 14. Jahrhundert verbreitete es sich auf dem Balkan, zunächst in Mazedonien und Kosovo, später auch in Rumänien und Ungarn. Zu den ersten Missionaren aus Anatolien zählten Sarı Saltık Baba, Hıdır Baba und Sersem Ali Dede.

Eine wichtige Verbindung bestand zu den Janitscharen, der Elitetruppe des Osmanischen Reiches. Orhan I. soll Hadschi Bektasch um die Segnung und Benennung der Truppe gebeten haben. Vom 16. Jahrhundert an lebten Bektaschi-Derwische in der Nähe von Janitscharengarnisonen und betreuten die Soldaten geistlich.

1826 ließ Sultan Mahmud II. die Janitscharen auflösen. Bei den Kämpfen wurden nach den im Artikel genannten, voneinander abweichenden Angaben 4000 bis 8000 Janitscharen getötet; Überlebende wurden vertrieben oder hingerichtet und ihr Besitz wurde eingezogen. Das Ereignis heißt Vaka-i Hayriye, „Das Wohltätige Ereignis“. Anschließend wurde auch der Bektaschi-Orden verboten. Sein Leiter Hamdullah Çelebi wurde zunächst zum Tode verurteilt und danach nach Amasya verbannt. Hunderte Tekken wurden geschlossen, teilweise dem sunnitischen Naqschbandi-Orden übergeben. Mehr als 4000 bis 7500 Bektaschi wurden nach den genannten Schätzungen hingerichtet, mindestens 550 Klöster zerstört. Offiziell wurde das Verbot mit „Häresie“ und „moralischer Abweichung“ begründet.

Albanien und die neuere Entwicklung

Nach dem Tod Mahmud II. erholte sich der Orden in Albanien schnell und erreichte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts seine größte Blüte. 15 Prozent der albanischen Bevölkerung bekannten sich damals zu den Bektaschi. Während der Balkankriege 1912/1913 zerstörten Griechen 80 Prozent der Tekken in Epirus und Südalbanien; davon erholte sich der Orden nur schwer.

Bis Kemal Atatürk 1925 alle Derwischorden in der Türkei verbot, lag das Zentrum der Bektaschi in Anatolien. Seit 1931 befindet es sich in Tirana, und die meisten Bektaschi sind seitdem Albaner. Mitte der 1940er Jahre gab es in Albanien ungefähr 280 Babas und einfache Derwische. In den 1960er Jahren bestanden noch fünfzig Tekken mit etwa achtzig Derwischen.

1967 erklärte sich Albanien zum ersten atheistischen Staat der Welt. Die meisten heiligen Stätten der Bektaschi wurden zerstört und viele Mitglieder inhaftiert. Bis zum Ende der kommunistischen Diktatur überlebten nur fünf Babas und ein Derwisch; lediglich sechs Tekken waren noch als Kultgebäude erkennbar. Nach der Aufhebung des Religionsverbots 1990 wurde das internationale Zentrum in Tirana wieder eingerichtet. In Vlora entstand 2005/2006 ein großes Bildungszentrum.

Ausgewanderte Bektaschi führten die Tradition bereits vor dem Zweiten Weltkrieg in den USA fort. Baba Rexheb richtete 1954 in Detroit eine amerikanische Tekke ein.

2024 kündigte der albanische Ministerpräsident Edi Rama an, innerhalb Tiranas einen „Souveränen Staat des Bektaschi-Ordens“ zu schaffen. Der geplante Zwergstaat soll das Bektaschi-Weltzentrum umfassen. Der Vorschlag steht jedoch im Widerspruch zur albanischen Verfassung.

Aufbau der Gemeinschaft

Die Bektaschi betreiben Tekken, also Konvente, in denen Derwische wirken. An der Spitze der Ordenshierarchie steht der Groß-Dede oder Dedebaba; „Dede“ bedeutet „Großvater“. Darunter folgt der Halifebaba, danach der Baba, der als Prediger und Seelsorger tätig ist. Die mittlere Stufe bildet der Derwisch. Sowohl ein Baba als auch ein Derwisch kann verheiratet sein oder zölibatär, also ehelos, leben. Am unteren Ende der Hierarchie steht das gewöhnliche initiierte Mitglied, Talib oder Muhibb, „Liebender“, genannt.

Nach dem Tod des Dedebaba Reshat Bardhi am 2. April 2011 wurde im Sommer 2011 Baba Edmond Brahimaj zu seinem Nachfolger bestimmt.

In Albanien trennten sich die Bektaschi 1946 von der Muslimischen Gemeinschaft Albaniens, die Sunniten und andere Sufiorden vertrat. Sie bilden dort eine staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft neben den christlichen Kirchen und dem sunnitischen Islam. In der Türkei wurden sie nach dem Verbot in den 1920er Jahren nicht wieder offiziell zugelassen, von den Behörden jedoch mehr oder weniger geduldet. Seit dem Tod des langjährigen Dedebaba Bedri Noyan im Jahr 1997 ist die türkische Gemeinschaft in zwei Gruppen mit jeweils eigenem Dedebaba gespalten.

Gottesdienst, Tanz und Fest

Die religiöse Praxis weicht von der islamischen Orthodoxie ab. Das Gebet ist nicht an festgelegte Tageszeiten gebunden. Es konzentriert sich auf bestimmte Abendstunden, in denen die Arbeit ruht und die Gläubigen sich innerlich für die Cem-Zeremonie öffnen.

Am Cem nehmen Frauen und Männer, Junge und Alte sowie Arme und Reiche gemeinsam und ohne Unterschied teil. Gesang, Musik, die Rezitation von Hymnen und Heldensagen sowie die Begleitung durch das Saz, ein Saiteninstrument, sollen eine mystische Stimmung des „Eins-Seins“ erzeugen. Diese Einheit wird mit „El ele ve el hakka“ bezeichnet. Die Teilnehmenden strecken gemeinsam ihre Hände dem Schöpfer, Hak-Tanri-Allah, entgegen.

Zum Cem gehört der Semah, der rituelle Tanz der Aleviten und Bektaschi. Er gilt als körperlicher und geistiger Ausdruck der ewigen Wiederkehr aller Schöpfungen. Frauen und Männer drehen sich dabei gemeinsam im Kreis. Sie stehen für Gegensätze, die einander entgegenstehen und zugleich voneinander abhängig sind. Ihre Bewegung versinnbildlicht den Umlauf der Planeten um die Sonne.

Das höchste jährliche Fest der Bektaschi dauert im August fünf Tage. Es findet am Berg Tomorr bei Berat in Südalbanien statt, wo die Gläubigen die Türbe, also das Grabheiligtum, des Abbas Ali besuchen.

Eine im Artikel wiedergegebene Anekdote beschreibt die Lebenshaltung des Ordens: Auf die Frage eines Kalifen, was die Bektaschi mit den vielen Weintrauben ihrer Weinberge machten, erklärt ein Derwisch, sie äßen die reifen Trauben. Was sie nicht essen könnten, werde gepresst und in Holzfässern gelagert; was danach geschehe, sei allein Allahs Wille.

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