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Kosovo
Die Republik Kosovo, kurz der/das Kosovo (albanisch Kosovë/Kosova, serbisch Косово Kosovo), ist eine Republik in Südosteuropa auf dem westlichen Teil der …
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Staat, Lage und umstrittener Status
Die Republik Kosovo ist eine parlamentarische Republik in Südosteuropa auf dem westlichen Teil der Balkanhalbinsel. Sie hat 10.908 km² Fläche, etwa 1,8 Millionen Einwohner und ihre Hauptstadt sowie größte Stadt ist Pristina. Amtssprachen sind Albanisch und Serbisch, offizielle Währung ist der Euro, obwohl Kosovo nicht Mitglied der Europäischen Währungsunion ist. Die Unabhängigkeit wurde am 17. Februar 2008 von Serbien proklamiert; dieser Tag ist Nationalfeiertag.
Der Staat ist völkerrechtlich umstritten: Seine Institutionen betrachten Kosovo als souveränen Staat, Serbien betrachtet es weiterhin als Autonome Provinz Kosovo und Metochien. Nach dem Kosovokrieg stand das Gebiet aufgrund der UN-Resolution 1244 von 1999 unter UN-Verwaltung, während die Resolution zugleich die Souveränität und territoriale Unversehrtheit der damaligen Bundesrepublik Jugoslawien garantiert. Der Internationale Gerichtshof erklärte am 22. Juli 2010 in einem nicht bindenden Gutachten, die Unabhängigkeitserklärung verstoße nicht gegen das Völkerrecht; ob Kosovo dadurch wirksam unabhängig wurde, ließ er offen.
Die Angaben zur Anerkennung unterscheiden sich im Text: Eingangs werden 119 von 193 UN-Mitgliedstaaten genannt, später 117. 22 von 27 EU-Staaten erkennen Kosovo an; Spanien, Griechenland, Zypern, Rumänien und die Slowakei nicht. EULEX Kosovo unterstützt seit 2008 die rechtsstaatliche Entwicklung, KFOR unter NATO-Führung sichert das Land militärisch. Besonders angespannt ist Nordkosovo, das überwiegend von Serben bewohnt wird und von Pristina nur beschränkt kontrolliert wird.
Naturraum und Bevölkerung
Kosovo ist ein Binnenland und grenzt an Albanien, Montenegro, Serbien und Nordmazedonien. Das Amselfeld und Metochien sind von Gebirgen umgebene Ebenen beziehungsweise Senken. An den Grenzen liegen unter anderem Prokletije, Kopaonik und Šar Planina. Höchster Berg ist Rudoka mit 2658 m, gefolgt von Gjeravica mit 2656 m. 53 % der Fläche werden landwirtschaftlich genutzt, 42 % sind Wald und 5 % bebaut.
Der Weiße Drin ist mit etwa 113 km der längste und wichtigste Fluss des Kosovo. Der größte Stausee ist der Gazivodesee mit 11,9 km². Bodenschätze sind vor allem Blei, Zink, Nickel und Lignit; außerdem kommen unter anderem Silber, Gold, Kobalt, Aluminium, Eisen, Cadmium, Magnesit und Chrom vor.
Das Klima ist überwiegend kontinental. Im Amselfeld sind Winter im Mittel −10 °C kalt und Sommer im Mittel 20 °C warm; die Temperaturen können dort bis −26 °C beziehungsweise 37 °C reichen. Der Jahresniederschlag beträgt dort etwa 600 mm, in Metochien etwa 700 mm und in Gebirgsregionen 900 bis 1300 mm.
Bei der Volkszählung 2011 hatte Kosovo rund 1,8 Millionen Einwohner. Die Bevölkerung ist sehr jung: 2006 waren 33 % unter 16 Jahre alt und nur 6 % über 65 Jahre; 2017 lag das mittlere Alter bei 29,1 Jahren. Rund 420.000 Kosovaren leben und arbeiten im Ausland. Schätzungen von 2011 nennen 92,9 % Albaner, 1,7 % Bosniaken, 1,6 % Serben und 4 % andere Gruppen, darunter Türken, Goranen, Roma, Aschkali und Balkan-Ägypter. Da viele Serben, besonders im Norden, die Volkszählung boykottierten, sind diese Angaben eingeschränkt. Kosovo ist laut Verfassung säkular. 2011 gehörten 95,61 % der Bevölkerung dem Islam an; 2,21 % waren katholisch und 1,49 % orthodox, wobei der orthodoxe Anteil wegen des Boykotts wahrscheinlich höher liegt.
Geschichtliche Entwicklung und Konflikt
In der Antike lebten im Gebiet des späteren Kosovo Illyrer. Nach römischen Eroberungen kam die Region unter römische Herrschaft; wichtige Siedlungen waren Theranda bei Prizren und Ulpiana bei Pristina. Nach der Reichsteilung unter Theodosius I. gehörte das Gebiet zum Byzantinischen Reich.
Im 7. Jahrhundert siedelten sich Slawen an. Im Mittelalter wurde Kosovo im Reich der serbischen Nemanjiden wegen seiner Bodenschätze und Handelswege zu einem politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Mittelpunkt. Nach mehreren Kämpfen, darunter der Schlacht auf dem Amselfeld, eroberten die Osmanen die Region um 1454. Kosovo blieb für etwa vier Jahrhunderte Teil des Osmanischen Reiches. Bevölkerungsverschiebungen führten im 19. Jahrhundert schließlich auch im Osten zu einer albanischen Mehrheit.
1912 wurde der heutige Kosovo nach dem Ersten Balkankrieg größtenteils Serbien zugeschlagen und gehörte ab 1918 zu Jugoslawien. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er eine autonome Region und später autonome Provinz innerhalb der Sozialistischen Republik Serbien. Die Verfassung von 1974 erweiterte seine Autonomierechte erheblich. Slobodan Milošević schränkte diese Rechte 1989 stark ein. Viele Kosovo-Albaner boykottierten staatliche Einrichtungen und errichteten parallele Strukturen für Bildung und medizinische Versorgung.
Ab etwa 1996 kämpfte die UÇK gegen serbische Streitkräfte. Der Kosovokrieg begann am 24. März 1999 mit NATO-Bombardierungen strategischer Ziele in Jugoslawien und endete im Juni 1999 mit der Einrichtung einer UN-Übergangsverwaltung. Danach kam es zu Gewalt gegen Serben und andere Minderheiten: Nach UN-Angaben waren im August 1999 bereits 170.000 von 200.000 Serben geflohen. Bei den Ausschreitungen im März 2004 wurden 19 Menschen getötet, mehr als 1000 verletzt und über 4000 vertrieben. 2023 wurde bei einem Angriff eines serbischen Kommandotrupps in Banjska ein kosovarischer Polizist getötet; drei Angreifer starben beim anschließenden Schusswechsel.
Politisches System, Verwaltung und Bildung
Das Parlament hat 120 Sitze und wird alle vier Jahre direkt gewählt. 100 Sitze sind frei wählbar, 20 sind für Serben, Roma, Aschkali, Balkan-Ägypter, Bosniaken, Türken und Goranen reserviert. Damit soll der Minderheitenschutz im Wahlsystem gewährleistet werden. Die Regierung wird vom Premierminister geführt: Er wird auf Vorschlag des Präsidenten vom Parlament gewählt, ebenso muss das Parlament die Regierung bestätigen. Mindestens zwei Minister müssen Minderheiten angehören; bei mehr als zwölf Kabinettsmitgliedern sind es drei.
Der Präsident wird für fünf Jahre vom Parlament gewählt. Er vertritt den Staat, schlägt den Premierminister vor, kann Gesetze einmal zurückweisen, schreibt Wahlen aus und ist Oberbefehlshaber der Sicherheitskräfte. Seit 2017 ist Lëvizja Vetëvendosje! die stärkste Partei; bei der Parlamentswahl 2021 erreichte sie die absolute Mehrheit.
Kosovo besteht aus der nationalen Ebene und 38 Gemeinden; Bezirke sind keine eigenständige Verwaltungsebene. Die größten Städte nach der Volkszählung 2011 sind Pristina mit 161.751 städtischen Einwohnern, Prizren mit 94.517 und Gjilan mit 54.239.
Grundschulunterricht ist kostenlos und obligatorisch und kann je nach Gemeinde auf Albanisch, Serbisch, Bosnisch, Türkisch oder Kroatisch stattfinden. Schwierigkeiten des Bildungssystems sind fehlende Mittel, mangelnde technische und professionelle Ausstattung sowie große Klassen. Im PISA-Ranking 2015 lag Kosovo unter 72 Ländern in Mathematik auf Platz 70, in Naturwissenschaften auf Platz 70 und im Lesen auf Platz 71. Analphabetismus betrifft besonders ältere Frauen in ländlichen Gebieten.
Wirtschaft, Energie und Verkehr
Kosovo war innerhalb Jugoslawiens die ärmste Region und wird im Artikel weiterhin als zweitärmstes Land Europas bezeichnet. Die Wirtschaft beruht vor allem auf kleinbäuerlichen Betrieben, Handel, Bauwirtschaft und Dienstleistungen. Dienstleistungen stellten 2009 mit 64,5 % den größten Anteil am Bruttoinlandsprodukt. Die Industrie, insbesondere Bergbau, Chemie, Elektro-, Textil-, Baustoff- und Holzindustrie, war mit 22,6 % am BIP beteiligt. In der Landwirtschaft arbeiten viele Erwerbstätige, sie erbrachte aber nur 12,9 % des BIP. Angebaut werden unter anderem Weizen, Mais, Sonnenblumen, Beeren, Raps, Zuckerrüben und Trauben.
Der Außenhandel ist dauerhaft defizitär. 2012 standen Exporten von 1,2 Milliarden US-Dollar Importe von 3,6 Milliarden US-Dollar gegenüber; das Defizit betrug 2,4 Milliarden US-Dollar, fast 45 % des BIP. Finanztransfers von im Ausland lebenden Kosovaren und Hilfsgelder sind besonders wichtig, wodurch die Wirtschaft stark von Auslandskapitalzuflüssen abhängt. Armut und Arbeitslosigkeit sind zentrale Probleme. Die Arbeitslosenquote wird für 2023 mit 11,5 % angegeben; frühere Werte waren wesentlich höher, etwa 45 % 2014. Für 2009 nennt die Weltbank 34 % der Bevölkerung unter der Armutsgrenze von 1,37 Euro täglich und 12 % unter extremer Armut von 0,93 Euro täglich.
Die Stromversorgung stützte sich vor den ersten Windparks zu 97 % auf die Braunkohlekraftwerke Kosova A und Kosova B in Obiliq. Es gibt zwei fertiggestellte Windparks mit zusammen 135 MW: Kitka mit 32,4 MW und Bajgora mit 102,6 MW. Vier Wasserkraftwerke haben Kapazitäten zwischen 6,2 und 9,8 MW. Ende 2022 nutzte Kosovo als erstes Land des westlichen Balkans Solarenergie für Fernwärme.
Das Schienennetz ist 333 km lang, nicht elektrifiziert und in schlechtem Zustand. Trainkos betreibt die Strecken Peja–Pristina und Han i Elezit–Fushë Kosova mit Verbindung nach Skopje. Die Autobahn R 6 verbindet Pristina über 60 km mit Skopje. Der Flughafen Pristina Adem Jashari ist der zivile Flughafen; 2012 fertigte er 1,5 Millionen Passagiere ab.
Kultur, Medien und Sport
Die staatliche Flagge wird seit der Unabhängigkeitserklärung 2008 verwendet. Nationalhymne ist seit dem 15. Juni 2008 die textlose Komposition Evropa von Mendi Mengjiqi. Die Kultur verbindet traditionelle und moderne Einflüsse. In der Musik gehören Këngë, Volkslieder, und Këngët e Epërme, epische Lieder, zur Tradition; sie werden häufig mit Çifteli oder Lahuta begleitet. Typische Gerichte sind Flija, ein geschichteter Pfannkuchen mit Fleisch und Sahne, und Tavë Kosi, ein Auflauf aus Lammfleisch und Joghurt.
Fernsehen ist das wichtigste Nachrichtenmedium; über 80 % der Kosovaren beziehen daraus Nachrichten. Neben dem staatlichen RTK bestehen private Sender wie RTV 21 und KTV. 2018 nutzten 89,4 % der Einwohner das Internet. In der Rangliste von Reporter ohne Grenzen lag Kosovo 2024 auf Platz 75 von 180 Staaten. Der Artikel nennt Einschüchterung und Einflussversuche gegenüber Journalisten sowie Druck bei Berichten über Korruption oder Kriegsverbrechen als Probleme.
Kosovo wurde im Dezember 2014 Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees und nahm 2016 erstmals an Olympischen Sommerspielen teil. Die erfolgreichste Einzelsportart ist Judo: Majlinda Kelmendi gewann 2016 die erste olympische Medaille Kosovos, eine Goldmedaille; bei den Spielen 2020 gewannen Distria Krasniqi und Nora Gjakova weitere Goldmedaillen. Der Fußballverband wurde 2016 Mitglied von UEFA und FIFA. Die Männernationalmannschaft gewann in der UEFA Nations League 2018/19 ihre Gruppe D3 und erreichte dadurch die Playoffs zur Europameisterschaft, schied dort aber gegen Nordmazedonien aus.