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Investors Overseas Services

Investors Overseas Services Limited, kurz IOS, war ein bedeutender Offshore-Finanzkonzern in den 1960er Jahren, der mit Aktienfonds, Immobilien und …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Geschäftsmodell
  2. 2. Gründung und Aufbau der Fonds
  3. 3. Expansion und Konflikte
  4. 4. Finanzkrise und Kontrollverlust
  5. 5. Insolvenz, Liquidation und Verluste

Überblick und Geschäftsmodell

Investors Overseas Services Limited (IOS) war ein bedeutender Offshore-Finanzkonzern der 1960er Jahre. Er vertrieb Aktienfonds, Immobilienanlagen und Versicherungen, kontrollierte auf seinem Höhepunkt etwa 2,5 Milliarden US-Dollar Anlagegelder und hatte weltweit schätzungsweise mehr als eine Million Anleger. Um 1970 geriet IOS in eine international beachtete Krise; 1973 meldete das Unternehmen Insolvenz an.

Das Geschäftsmodell beruhte vor allem auf einem Strukturvertrieb: Vertreter warben Kunden und weitere Verkäufer an und erhielten Provisionen aus deren Verkäufen. In Deutschland erreichte diese pyramidenförmige Organisation laut dem Ökonomen John Kenneth Galbraith sechs Ebenen. Der Stock-Option-Plan band erfolgreiche Mitarbeiter zusätzlich an IOS, indem sie abhängig von Rang und Verkaufserfolg Aktienoptionen erhielten.

IOS bestand aus einem schwer überschaubaren Netz von Tochtergesellschaften, Banken, Versicherungen und Investmentfonds in verschiedenen Steuerparadiesen. Dort galten häufig nur schwache Regeln für Rechnungslegung, unabhängige Kontrollen und Anlegerschutz. Geldsummen, Geldgeber und die Verwendung der Mittel wurden teilweise systematisch verschleiert. Deshalb konnten die Vorgänge und Geldflüsse auch später nicht vollständig rekonstruiert werden.

Hohe Gebühren, umfangreiche Provisionen und riskante oder zweckwidrige Investitionen belasteten die Fonds. Nach Galbraith floss nur ein Bruchteil der Investitionen in die vorgesehenen Wertpapiere, während ein großer Teil für Provisionen verwendet wurde. Robert Vescos spätere Eingriffe erschwerten die Aufklärung und Liquidation zusätzlich.

Gründung und Aufbau der Fonds

Bernard Cornfeld kam Anfang 1956 von New York nach Paris. Als erste Zielgruppe für den Verkauf amerikanischer Aktienfonds erkannte er die rund 800.000 nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa stationierten US-Soldaten. Mitarbeiter gewann er zunächst unter im Ausland lebenden US-Zivilpersonen. Anfangs verkaufte er Anteile des IPC-Fonds von Walter Benedick, bei dem er zuvor den Fondsverkauf und den Aufbau eines Strukturvertriebs kennengelernt hatte.

Nach einem Konflikt mit französischen Behörden wegen des mutmaßlich widerrechtlichen Verkaufs amerikanischer Fondszertifikate an französische Bürger zog Cornfeld im Herbst 1958 nach Genf. IOS sollte nun eigene Fonds verwalten. Der Ende 1959 hinzugekommene Wertpapierrechtsexperte Edward M. Cowett organisierte das Wachstum; Allen Cantor kontrollierte den Vertriebsapparat.

Am 9. April 1960 wurde IOS Ltd. mit Sitz in Panama formell eingetragen. Am 5. Januar 1961 folgte in Luxemburg der International Investment Trust (IIT), der erste eigene Fonds. Sein Anteilswert sank vom Ausgabekurs von 5 Dollar bis Oktober 1962 auf 3,53 US-Dollar. Spätere Verkaufsprospekte verschleierten diesen Rückgang, indem sie den Tiefstand als Ausgangswert für Vergleiche verwendeten. Ende 1969 war der IIT mit mehr als 700 Millionen Dollar Vermögen der größte IOS-Fonds; über die Hälfte seines Vermögens stammte von deutschen Anlegern.

1962 entstand mit dem in Ontario eingetragenen Fund of Funds (FOF) der erste Dachfonds der Investmentgeschichte. Ein Dachfonds investiert nicht unmittelbar in einzelne Wertpapiere, sondern in andere Fonds. Später wurden FOF-Gelder entgegen den Anlagebestimmungen für riskante Termingeschäfte, Immobilien und Rohstofferschließung eingesetzt. Ab 1967 investierte der FOF zudem in private Besitzerfonds, deren einziger Gesellschafter IOS war. Durch verschiedene Gebühren wurden bis zu 20 Prozent der Kundeneinzahlungen schon vor der eigentlichen Anlage einbehalten. Ende 1964 verwaltete der FOF 100 Millionen Dollar; 1969 waren es kurzzeitig 800 Millionen Dollar von mehr als 188.000 Anlegern.

IOS gründete 1963 die Investors Bank in Luxemburg, übernahm 1964 die Overseas Development Bank in Genf und stieg in das Immobilien- und Versicherungsgeschäft ein.

Expansion und Konflikte

IOS weitete seine Tätigkeit auf Immobilien, Versicherungen, Emissionsgeschäfte und Rohstoffe aus. Die Immobiliengesellschaft Indevco verwirklichte unter anderem den 1970 fertiggestellten Hotel- und Appartementkomplex Playamar an der Costa del Sol. In England war IOS mit dem „Dover-Plan“, einer fondsgebundenen Lebensversicherung, erfolgreich. Der Rohstofffonds des FOF finanzierte unter Leitung John M. Kings auch Vorhaben seiner eigenen Firma King Resources.

Nach US-Militärangehörigen und im Ausland lebenden US-Bürgern gewann IOS wohlhabende Inländer als Kunden, die Geld unter Verstoß gegen Steuer- und Devisenbestimmungen ins Ausland bringen wollten. Von den bis 1967 angelegten rund 700 Millionen Dollar sollen bis zu 400 Millionen vor allem aus Südamerika und dem Nahen Osten auf illegalem Weg zu IOS gelangt sein. Wegen fortgesetzter Verstöße wurden 1965 und 1966 unter anderem Niederlassungen in Brasilien und Kolumbien geschlossen.

Die US-Börsenaufsicht SEC verlangte 1965 Unterlagen über amerikanische Kunden. Nach der Weigerung von IOS und einer gerichtlichen Niederlage untersagte ein Vergleich vom Mai 1967 dem Unternehmen jede Tätigkeit in den USA. IOS umging dies später teilweise über eine Londoner Firma. In der Schweiz führten Beschwerden über aggressive Verkaufsmethoden, mangelhafte Kundenaufklärung und die illegale Beschäftigung von Mitarbeitern dazu, dass IOS 1968 große Teile der Verwaltung von Genf nach Ferney-Voltaire in Frankreich verlegte.

Zur Verbesserung ihres Ansehens verpflichtete IOS Politiker, Diplomaten und Prominente, darunter James Roosevelt, Sir Eric Wyndham White und die früheren deutschen Minister Erich Mende und Victor-Emanuel Preusker. Diese Repräsentanten hatten jedoch kaum Einfluss auf die Entscheidungen.

Neue Hauptmärkte wurden Italien und besonders Deutschland. Fonditalia sammelte nach seiner Auflegung am 26. September 1967 fast 200 Millionen Dollar. In Deutschland verkaufte IOS ab 1968 neben Einmalanlagen zahlreiche Sparpläne an Kleinsparer. Anfang 1970 gab es dort fast 10.000 der weltweit geschätzten 16.000 Vertreter, mehr als 200 Agenturen und etwa 300.000 Anleger. Fast die Hälfte der IOS-Gewinne von 1969 wurde in Deutschland erzielt. Gründe waren die geringe Beachtung von Kleinanlegern durch traditionelle Banken, die Werbung mit dem „Peoples Capitalism“, schwache Anlegerschutzregeln und Erich Mendes intensive Werbetätigkeit.

Finanzkrise und Kontrollverlust

1969 erreichte IOS den Höhepunkt seiner Bedeutung. Im Oktober wurden elf Millionen Aktien der Muttergesellschaft zu je 10 US-Dollar öffentlich angeboten. Eine Hälfte stammte von Altaktionären, die andere aus einer Kapitalerhöhung. IOS erhielt dadurch mehr als 50 Millionen Dollar; Cornfeld hielt danach nur noch 16 Prozent der Aktien. Der Kurs lag zunächst zwischen 13 und 17 Dollar. Viele Mitarbeiter kauften auf Empfehlung der Führung Aktien mit geliehenem Geld.

Gleichzeitig häuften sich Fehlentwicklungen. Cornfeld hatte sich seit 1968 weitgehend aus der Leitung zurückgezogen, während Cowett faktisch führte. Insgesamt 217 Millionen Dollar des FOF flossen in Projekte von King Resources. Weitere Verluste entstanden durch den Kauf der unprofitablen Channing-Gruppe und Investitionen in Commonwealth United. Der schnell wachsende Vertrieb und die aufgeblähte Verwaltung verursachten hohe Kosten. Führende Mitarbeiter erhielten Kredite, die nur durch IOS-Aktien abgesichert waren. Cowett verwendete fast 25 Millionen Dollar, um nach dem Börsengang den Aktienkurs zu stützen.

Trotz hoher laufender Einnahmen und des Börsengangs entstand Ende 1969 eine Liquiditätskrise, also ein Mangel an sofort verfügbaren Zahlungsmitteln. Anfang März 1970 teilte Finanzvorstand Melvin Lechner mit, dass statt eines erwarteten Gewinns von 0,50 US-Dollar je Aktie nur 0,21 US-Dollar ausgewiesen werden könnten. Tatsächlich arbeitete IOS bereits in der zweiten Hälfte von 1969 mit Verlust.

Nach Bekanntwerden der Lage fiel die Aktie bis Juni 1970 zeitweise unter 2 Dollar. Kreditfinanzierte Aktien mussten häufig zwangsverkauft werden. Cornfeld wurde Anfang Mai entmachtet und am 30. Juni nicht erneut in den Verwaltungsrat gewählt; auch Cowett und weitere Führungskräfte verließen das Unternehmen.

Bis Ende 1970 halbierten sich sowohl die Zahl der Angestellten als auch die der Vertreter. Durch Kursverluste und Rückgaben von Fondsanteilen sanken die verwalteten Mittel auf 1,4 Milliarden Dollar; allein im ersten Halbjahr entstand ein Verlust von 25 Millionen Dollar. Ein Übernahmeangebot der Bank Rothschild über 1 Dollar je Aktie wurde zugunsten eines Angebots John M. Kings über 4 Dollar abgelehnt. King konnte seine Zusage jedoch nicht erfüllen. IOS nahm deshalb Robert Vescos Unterstützung an und schloss am 3. September 1970 eine Kreditvereinbarung mit dessen International Control Corporation.

Insolvenz, Liquidation und Verluste

Vesco sicherte seine Kontrolle im Januar 1971 durch den Kauf von Cornfelds Aktien zu je 0,80 US-Dollar über die eigens gegründete Briefkastengesellschaft Linkink. Anschließend besetzte er Führungspositionen mit eigenen Mitarbeitern und plante, IOS-Gelder über Briefkastengesellschaften und Banken auf den Bahamas in eine neue Offshore-Firma namens ABC zu leiten.

Ende 1972 klagte die SEC Vesco und sechs weitere Personen wegen der mutmaßlichen Veruntreuung von 224 Millionen Dollar an. Andere Berichte nannten bis zu 500 Millionen Dollar; dies gilt als unwahrscheinlich, weil die Fonds im September 1971 nur noch 480 Millionen Dollar verwalteten. Die SEC verringerte ihre konkreten Vorwürfe später auf 100 Millionen Dollar. Ein erheblicher Teil der Gelder wurde im Insolvenzverfahren sichergestellt. Beim größten Einzelfall, einer Überweisung von 60 Millionen Dollar aus dem FOF auf eine Bank der Bahamas, blieb der Verbleib von knapp 20 Millionen Dollar ungeklärt. Vesco floh nach Costa Rica.

IOS meldete 1973 Insolvenz an. Die Anleger verloren entgegen einem verbreiteten Mythos nicht sämtliches Geld: Beim FOF wurden 95 Prozent der registrierten Anleger erreicht und erhielten Liquidationszahlungen. Dessen Liquidation endete am 16. Januar 2006; ausgezahlt wurden 15,75 US-Dollar je Aktie beziehungsweise insgesamt 162,6 Millionen Dollar. IIT-Anleger hatten bis 1986 je Aktie 7,50 Dollar erhalten, Anleger des Venturefonds 9 Dollar. Die Liquidation von Investment Properties International endete im Dezember 1999 nach Auszahlungen von insgesamt 172 Millionen Dollar oder 16,49 Dollar je Aktie. Der von der Insolvenz nicht betroffene Investors-Fonds bestand unter wechselnder Verwaltung bis zum 30. Juni 2005 fort.

Dennoch erfüllten die meisten Fonds wegen riskanter Anlagen und hoher Gebühren die Erwartungen kaum. Der IIT erzielte von 1960 bis 1969 nur 4 Millionen US-Dollar Gewinn für die Anleger, während IOS 11 Millionen Dollar Gebühren erhielt. Der Wert des im März 1969 in Deutschland erfolgreichen Venturefonds sank einschließlich Gebühren sowie Aufwertungs- und Kursverlusten bis Mitte 1970 um fast 40 Prozent. Im August 1970 wurden drei Fünftel des FOF-Vermögens in eine neue Gesellschaft übertragen; als Ausgleich erhielten Anleger Aktien der Natural Resources Property Corp. Dadurch fiel der Wert eines FOF-Anteils von 18,44 auf 7,44 Dollar, entsprechend einem Verlust von 75 Prozent gegenüber dem Ausgabekurs von 1963.

Noch 2006 lagen nicht abgerufene Liquidationsgelder bei Treuhändern: 7 Millionen Dollar aus Investment Property International und etwa 4,4 Millionen Dollar aus dem Fund of Funds.

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