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Instrumentation

Als Instrumentation (auch Instrumentierung) bezeichnet man die Verteilung der Stimmen einer musikalischen Komposition auf die einzelnen Instrumente.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Technik der Instrumentation
  3. 3. Von Renaissance bis Barock
  4. 4. Klassik und Romantik
  5. 5. Instrumentation in der Moderne
  6. 6. Instrumentationslehre

Grundidee und Bedeutung

Instrumentation, auch Instrumentierung genannt, bedeutet die Verteilung der Stimmen einer musikalischen Komposition auf einzelne Instrumente. Bei einem Orchesterwerk spricht man auch von Orchestration oder Orchestrierung. Die Theorie dazu heißt Instrumentationslehre.

Instrumentation ist nicht nur eine technische Nacharbeit, sondern ein wichtiger Teil der musikalischen Gestaltung. Schon bei einem Stück mit mehr als einem Instrument stellt sich die Frage, welches Instrument welche Stimme übernimmt: In einer Violinsonate kann zum Beispiel das Klavier die Hauptstimme spielen und die Violine begleiten, oder umgekehrt. Auch die Bearbeitung eines Werkes für eine andere Besetzung, etwa die Orchestrierung einer Klaviersonate, wird heute als Instrumentation bezeichnet. Ebenso kann mit dem Wort die Besetzung eines Werkes gemeint sein, zum Beispiel wenn gesagt wird, Gustav Mahlers Symphonien seien größer instrumentiert als jene von Mozart.

Für das Verständnis einer Komposition ist Instrumentation wichtig, weil sie Klangfarbe, Wirkung, Deutlichkeit und Ausdruck stark beeinflusst. Manche musikalischen Einfälle sind kaum von ihrer Instrumentation zu trennen, etwa das Cellothema am Anfang von Beethovens 3. Sinfonie oder der Hornruf in Richard Strauss’ Till Eulenspiegel.

Technik der Instrumentation

Bei der Instrumentation werden einzelne Stimmen bestimmten Instrumenten zugeordnet. Dabei kann die Klangvorstellung schon beim Komponieren feststehen. In anderen Fällen entsteht zuerst ein Particell, also eine verkürzte Partitur mit den wichtigsten Stimmen, das später ausgearbeitet und orchestriert wird. Diese Praxis wurde im 19. Jahrhundert mit wachsender Orchestergröße immer wichtiger. Richard Wagner brauchte für die Komposition seines Parsifal knapp zwei Jahre, die ausgefeilte Instrumentation des Particells nahm aber noch drei weitere Jahre in Anspruch.

Bei Filmmusik ist häufig Teamarbeit üblich: Der Komponist liefert ein Particell mit mehr oder weniger genauen Instrumentationswünschen, und ein Arrangeur hat die Aufgabe, es möglichst korrekt und wirkungsvoll zu orchestrieren.

Wer Instrumentation lernt, braucht genaue Kenntnisse der Instrumentenkunde, also Wissen über Tonumfang, Spielweise und klangliche Möglichkeiten der Instrumente. Ebenso wichtig ist ein gutes Gehör für einzelne Klangfarben und ihre Kombinationen. Als besonders gute Schulung gilt das genaue Studium von Partituren, deren Klangbild man gut kennt.

Gute Instrumentierer achten auch auf die Musikerinnen und Musiker. Bläser sollten zum Beispiel immer wieder Pausen bekommen, damit sie nicht zu schnell ermüden. Solistische Passagen sollten andererseits nicht nach zu langem Schweigen einsetzen, damit der Musiker gut eingespielt ist. Für den Wechsel zu Nebeninstrumenten muss ausreichend Zeit eingeplant werden.

Von Renaissance bis Barock

In der Renaissance wurden Kompositionen meist für die Instrumente geschrieben, die dem Komponisten vor Ort zur Verfügung standen. Musik aus dieser Zeit ist oft nicht als vollständig ausgeschriebene Partitur überliefert. Die Stücke waren meist für eine bestimmte Aufführung gedacht, häufig unter Mitwirkung des Komponisten. Weil allen Beteiligten die Besetzung klar war, wurde sie oft nicht ausdrücklich notiert. Daher ist die authentische Gestalt vieler Werke heute schwer rekonstruierbar.

Im Barock entwickelten sich typische Zuordnungen von Musikarten zu Instrumenten. Jagdmusik wurde etwa von Hörnern gespielt, Schäfermusik von Flöten und Schalmeien, also Oboen. In frühen italienischen Opern wie Claudio Monteverdis L’Orfeo finden sich nur vereinzelte Hinweise zur Instrumentation, doch bestimmte Klangfarben wurden offenbar bestimmten Handlungssphären zugeordnet.

Spätere Barockopern, etwa von Alessandro Scarlatti, zeigen genauere Partituren und eine abwechslungsreichere Orchesterbehandlung. Häufiger wurden Effekte wie Tremolo oder Pizzicato in den Streichinstrumenten eingesetzt, um bestimmte Affekte auszudrücken. In Frankreich führte Jean-Baptiste Lully zeitweise den fünfstimmigen Streichersatz mit obligaten Bläsern ein. In Deutschland experimentierten Opernkomponisten wie Reinhard Keiser mit ungewöhnlichen Bläserbesetzungen, zum Beispiel einer Arie mit fünf Fagotten als Begleitung.

Johann Sebastian Bach verwendete in seinen Orchesterwerken oft eine chörige Schreibweise: Streicher, Holzbläser sowie Trompeten und Pauken bilden Gruppen, die einander gegenübergestellt und im Tutti kombiniert werden. Einzelne Instrumente werden dabei, abgesehen von ausdrücklich solistischen Aufgaben, selten aus dem Gruppenklang herausgelöst. Typisch für das Hochbarock ist ein generalbaßgestützter, vierstimmiger Streichersatz, bei dem Oboen die Violinstimmen verstärken, Violonen die Bassstimme oktavieren, Fagotte klangliches Gegengewicht geben und ein Cembalo die Harmonien ausfüllt.

Klassik und Romantik

Die klassische Orchesterbesetzung wurde besonders durch die Mannheimer Schule geprägt. Der vierstimmige Streichersatz wurde durch paarweise eingesetzte Oboen und Hörner ergänzt, außerdem durch Flöten und selbstständig geführte Fagotte. Diese Fagotte verdoppelten also nicht mehr nur als Generalbassinstrument den Bass. In größeren Besetzungen kamen Trompeten und Pauken hinzu. Ab den 1770er Jahren verbreitete sich der Gebrauch von Klarinetten auch außerhalb von Paris, Mannheim und London, wo sie zuerst üblich waren.

Joseph Haydn nutzte Instrumentation oft als eigentlichen Träger musikalischer Wirkung. Der berühmte Paukenschlag in der gleichnamigen Symphonie überrascht auch deshalb, weil Pauken und Trompeten in einem klassischen langsamen Satz kaum verwendet wurden. Haydn berichtete, der kleine und dichte Betrieb in Schloss Esterházy habe ihm erlaubt, verschiedene musikalische Dinge auszuprobieren; dies lässt sich auch auf seine Instrumentationskunst beziehen, die besonders in den Londoner Symphonien sichtbar wird.

Wolfgang Amadeus Mozarts persönliche Art der Instrumentation, vor allem seine Behandlung der Blasinstrumente, macht einen großen Teil der Wirkung seiner Musik aus. Sie beeinflusste Ludwig van Beethoven und später auch Johannes Brahms, der etwa die Parallelführung der Holzbläser in Terzen übernahm. Als typische Technik der Wiener Klassik gilt außerdem das Wiener Unisono. In dieser Tradition entstanden auch Kammermusikwerke für gemischte Besetzungen, etwa Beethovens Septett und Franz Schuberts Oktett.

Die sogenannte moderne Instrumentation wird meist in der Romantik verortet. Carl Maria von Weber erzielte im Freischütz mit ungewöhnlichen Registern und Kombinationen neue Klangeffekte. Da ähnliche Effekte schon vereinzelt in der Wiener Klassik vorkommen, ist eher von einer Entwicklung als von einer festen Geburtsstunde zu sprechen. Mit der Entwicklung der Instrumente, ihrer technischen Möglichkeiten und der wachsenden Orchestergröße nahm die Klangbildung stark zu. Seit Richard Wagner und Richard Strauss standen Komponisten Orchesterapparate mit über hundert Musikern und vielen Nebeninstrumenten zur Verfügung.

Instrumentation in der Moderne

Im 20. Jahrhundert entstanden Werke, in denen die Instrumentation selbst ganz im Vordergrund steht. Maurice Ravels Boléro lebt fast allein von der Abwechslung der Klangfarben. Ähnlich ist das dritte der Fünf Orchesterstücke von Arnold Schönberg aufgebaut: Ein Akkord wird in verschiedenen Kombinationen immer wieder wiederholt. Schönberg prägte dafür den Begriff Klangfarbenmelodie, also eine melodisch wirkende Abfolge von Klangfarben.

Gleichzeitig entwickelte sich die Orchestergröße nicht nur in Richtung immer größerer Besetzungen. Richard Strauss kehrte in Ariadne auf Naxos, Igor Strawinski in Histoire du soldat zu kleineren Besetzungen zurück, die dennoch orchestermäßig instrumentiert waren. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gibt es einerseits weiterhin Musik für konventionell besetzte Orchester und Kammermusikgattungen. Andererseits entstanden unzählige Werke für ganz bestimmte, sonst selten verwendete Besetzungen.

Instrumentationslehre

Die Instrumentationslehre entwickelte sich aus Instrumentenkunde und praktischer Erfahrung. Michael Praetorius gab im Syntagma musicum mit der genauen Aufzählung der Instrumente seiner Zeit und ihrer üblichen Verwendungsgebiete einen frühen Anstoß, bewusst über Klangfarben nachzudenken. Auch spätere pädagogische Werke zu einzelnen Instrumenten, etwa der Versuch einer gründlichen Violinschule oder der Versuch einer Anweisung die Flöte traversiere zu spielen, behandelten vor allem die Möglichkeiten einzelner Instrumente.

Als erstes Lehrwerk für Instrumentation nennt Ludwig K. Mayer eine Schrift von Valentin Roeser, die 1764 in Paris erschien: Essai de l’instruction à l’usage de ceux, qui composent pour la clarinette et le cor. Dieses Büchlein behandelt klangliche Kombinationsmöglichkeiten in der Bläserkammermusik und die Verwendung der damals relativ jungen Klarinette.

Die ausführliche theoretische Behandlung begann in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Hector Berlioz veröffentlichte 1844 seinen Grand Traité d’instrumentation et d’orchestration moderne, die Große Abhandlung über die moderne Instrumentation und Orchestration. Dieses erste große Schulwerk wurde 1904 von Richard Strauss überarbeitet. Es enthält vor allem Instrumentenkunde: Tonumfang, Klang und Charakter der Orchesterinstrumente und ihrer Register. Außerdem behandelt es Besetzungen, Spielerzahlen und dynamische Balance.

Nikolai Rimski-Korsakow ging 1913 in seinen Grundlagen der Instrumentation weiter, indem er auch Kombinationsmöglichkeiten verschiedener Instrumente und die effiziente Verteilung einzelner Stimmen in einem Orchesterakkord behandelte. Unter neueren Werken wird besonders Hans Kunitz’ dreizehnbändige Reihe Die Instrumentation genannt, erschienen bei Breitkopf & Härtel in Leipzig ab 1956. Sie beschreibt für alle Orchesterinstrumente Geschichte, Tonerzeugung, Klangcharakter, Klangkombinationen und spieltechnische Möglichkeiten mit vielen Beispielen, auch aus der Musik des 20. Jahrhunderts.

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