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Klaviersonate

Eine Klaviersonate ist eine Solosonate für Klavier. Diese Form der Instrumentalkomposition bietet einen Rahmen für die Verarbeitung musikalischer, häufig …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und Form
  2. 2. Instrument und frühe Entwicklung
  3. 3. Klassik und Wiener Klassik
  4. 4. Formdiskussion und Romantik
  5. 5. Vom 20. Jahrhundert bis nach 1945

Grundbegriff und Form

Eine Klaviersonate ist eine Solosonate für Klavier, also eine Instrumentalkomposition für ein Tasteninstrument. Sie bietet einen Rahmen, in dem musikalische Gedanken, oft gegensätzliche Themen, vorgestellt, verändert und miteinander in Beziehung gesetzt werden. Meist besteht sie aus mehreren Sätzen, die jeweils eine eigene innere Form haben können. Über etwa 150 Jahre war sie eine zentrale Gattung der Klaviermusik; besonders wichtig wurden die Sonaten von Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven.

Der Begriff „Sonate“ bedeutet ursprünglich „Klingstück“. In der Musikgeschichte wurden sehr unterschiedliche Werke als Klaviersonaten bezeichnet, deshalb gibt es keine Definition, die für alle Zeiten gilt. Im engeren klassischen Sinn meint Sonate meist ein mehrsätziges Werk, dessen erster Satz in Sonatensatzform steht. Diese Sonatensatzform umfasst vereinfacht: Exposition, also die Vorstellung der Themen; Durchführung, also modulierende und variierende Verarbeitung; Reprise, also die Wiederkehr, meist in der Tonika; und eventuell eine Coda als Schlussabschnitt. Häufig gibt es in der Exposition eine tonale Teilung zwischen Tonika und Dominantbereich sowie Haupt- und Seitenthema.

Typisch für Haydn und besonders Mozart ist oft eine dreisätzige Folge schnell – langsam – schnell. Der erste Satz wirkt eher dramatisch, der zweite lyrisch oder kantabel, der letzte oft tänzerisch oder scherzend. Diese Regel ist aber nur ein vereinfachtes Modell. Schon seit dem späten Beethoven und spätestens in der Romantik wurde die klassische Form immer freier. Ab 1900 blieb häufig nur noch der Werktitel „Sonate“, auch wenn das Werk kaum noch mit der klassischen Sonatentradition verbunden war. Eine „Sonatine“ bezeichnete später meist eine kleinere, leichter spielbare Sonate mit keiner oder nur kurzer Durchführung.

Instrument und frühe Entwicklung

Der Begriff „Klavier“ meinte bis etwa zur Mitte des 18. Jahrhunderts nicht nur das heutige Klavier, sondern allgemein Tasteninstrumente wie Cembalo, Klavichord, Hammerklavier und auch Orgel. Die Entwicklung der Klaviersonate hängt daher stark mit der Entwicklung der Instrumente zusammen. Das Cembalo erlaubt keine Anschlagsdynamik, sondern vor allem Registerwechsel und Terrassendynamik. Das Klavichord ermöglicht dagegen feinere dynamische Abstufungen und sogar eine Art Vibrato, die „Bebung“, hat aber ein kleines Tonvolumen. Erst das von Bartolomeo Cristofori ab 1698 gebaute Hammerklavier machte die Klangvorstellungen möglich, die später mit Klaviermusik verbunden wurden.

Als früher Ausgangspunkt gilt, wenn man Tasteninstrumente allgemein meint, das Jahr 1605: Adriano Banchieri gab Orgelkompositionen den Titel Sonate bzw. Sonata. Die ersten erhaltenen Werke, die Klaviersonaten genannt wurden, stammen von Gian Pietro del Buono aus Palermo und sind Bearbeitungen des Ave Maris Stella aus dem Jahr 1645. Im Barock blieb der Begriff zunächst unscharf und konnte mit Bezeichnungen wie Toccata, Canzona oder Phantasia austauschbar sein.

Johann Kuhnaus Musicalische Vorstellungen einiger biblischer Historien, 1700 in Leipzig erschienen, gelten als Beginn der deutschen Klaviersonate. Domenico Scarlatti schrieb am spanischen Hof etwa 555 meist einsätzige Stücke, in denen barocke und klassische Formen, spanische Folklore, Virtuosität und Empfindsamkeit zusammentreffen. In ihnen werden Satzzyklus und Sonatensatzform teilweise schon vorbereitet. In Frankreich und Italien wurde „Sonate“ für reine Klavierwerke dagegen eher vermieden; dort hießen Klavierwerke oft Ordre oder Pièces de Clavecin, während „Sonate“ eher für Melodieinstrumente mit oder ohne Basso continuo verwendet wurde.

Klassik und Wiener Klassik

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde die Klaviersonate zu einer besonders wichtigen Gattung. Nördlich der Alpen trugen Carl Philipp Emanuel Bach und Johann Christian Bach wesentlich zur Entwicklung bei. Mehrsätzigkeit wurde immer mehr zur Regel, oft mit einem langsamen Satz zwischen zwei schnellen Sätzen. Die Mannheimer Schule führte einen deutlicheren Themendualismus ein: Dem Hauptthema steht ein zweites, im besten Fall gleichberechtigtes Thema gegenüber. Auch die „Mannheimer Rakete“, ein rascher Crescendo-Lauf, entfernte sich von der barocken Terrassendynamik.

Den ersten großen Höhepunkt erreichte die Klaviersonate in der Wiener Klassik. Joseph Haydn schrieb 52 Sonaten, Mozart 18 und Beethoven 32. Haydns Sonaten waren ein Experimentierfeld. Bei ihm werden Sätze oft stärker durch Harmonik als durch scharfe thematische Gegensätze zusammengehalten. In späteren Sonaten gewinnen Themenbildung, Verarbeitung, harmonische Vielfalt und differenzierte Dynamik an Bedeutung.

Mozarts Sonaten zeigen sehr verschiedene Formen. Die Sonate Es-Dur KV 282 beginnt mit einem langsamen Satz; die Sonate D-Dur KV 576 ist stark vom Konzert beeinflusst; die Sonate A-Dur KV 331 beginnt mit einem Variationssatz und endet mit dem berühmten „Rondo alla turca“. Mozart verbindet kantable Melodik mit freier Formbehandlung. In späteren Werken treten stärkere Themenverarbeitung und Einflüsse barocker Formen wie Fuge oder Suite hinzu.

Beethovens 32 Sonaten gelten als Höhe- und Wendepunkt der Gattung. Eine verbreitete, aber umstrittene Einteilung unterscheidet frühe, mittlere und späte Sonaten: ungefähr op. 2 bis 22, op. 26 bis 90 und op. 101 bis 111. In der frühen Phase erfüllt Beethoven noch deutlich klassische Formen, entwickelt aber schon eigene Verfahren wie die „kontrastierende Ableitung“, bei der gegensätzliche Themen aus einem gemeinsamen Kern entstehen. In der mittleren Phase werden Form und Satzfolge freier; Beispiele sind die Mondschein-Sonate op. 27 Nr. 2, die Waldsteinsonate op. 53 und die Appassionata op. 57. In der späten Phase werden Konventionen stark aufgelöst: reduzierte Zweistimmigkeit, Rezitativ, extreme Virtuosität, Dissonanzen und Fugen treten nebeneinander.

Formdiskussion und Romantik

Schon die Werke des 18. Jahrhunderts zeigen, dass die Sonate keinem starren Schema folgte. Sonaten konnten einen oder mehrere Sätze haben, meist nicht mehr als vier. Es gab Monothematik, Themendualismus oder mehr als zwei Themen; Exposition, Durchführung, Reprise und Coda sind nicht immer klar vorhanden oder eindeutig voneinander zu trennen. Die klassisch-romantische Sonate wurde erst später, vor allem im 19. und 20. Jahrhundert, theoretisch aus bestimmten Werken, besonders aus Beethovens Sonaten, abstrahiert.

Theoretiker wie Sébastien de Brossard, Johann Mattheson, Johann Gottfried Walther und Heinrich Christoph Koch beschrieben die Sonate zunächst vor allem über Satzfolge und instrumentalen Gebrauch. Koch betonte eine zusammenhängende musikalische Gestaltung. Später wurde oft eine viersätzige Form als verbindlich dargestellt: erster Satz in Sonatenform, langsamer Satz, Menuett oder Scherzo, schnelles Finale, meist als Rondo. Adolf Bernhard Marx prägte 1847 ausdrücklich den Begriff „Sonatenform“ und betonte die Zweiteiligkeit der Exposition, den Themendualismus und thematische Arbeit. Zugleich blieb der Begriff umstritten, weil er keine Form bezeichnete, die ausschließlich der Sonate gehörte.

In der Romantik wurde die Sonate zu einer Gattung mit besonderem Anspruch. Die Werke wurden größer, die Forderung nach Originalität wuchs, und die Zahl der Sonaten nahm ab. Das Menuett wurde seltener und häufig durch ein Scherzo ersetzt. Franz Schubert hatte mit dem Erbe Beethovens zu ringen; seine musikalischen Gedanken sind oft liedhaft und eignen sich weniger zur strengen Verarbeitung. Späte Sonaten Schuberts öffnen die Form durch weite harmonische Bögen und wirken wie lyrische musikalische Erzählungen.

Die Grenze zwischen Sonate und Fantasie wurde immer durchlässiger. Beethovens op. 27 trägt den Untertitel Sonata quasi una Fantasia. Schuberts Wanderer-Fantasie verschmilzt Sonaten- und Fantasieform. Auch Mendelssohn, Schumann und Liszt arbeiteten mit freieren Formen. Brahms hielt stärker an überlieferten Formen fest, verband sie aber mit entwickelnder Variation. Schumann und Chopin stehen für eine romantische Haltung, in der poetische Ideen, chromatisch erweiterte Harmonik, Ornamentik und freie Form wichtiger wurden als das klassische Schema.

Vom 20. Jahrhundert bis nach 1945

Im 20. Jahrhundert wurde die Klaviersonate von drei Entwicklungen geprägt: erstens von der Aufgabe der Tonalität zugunsten freier Tonalität, Atonalität, Zwölfton- und Reihentechnik; zweitens von der Bewahrung oder Neugestaltung von Tonalität, etwa in Bitonalität, eigenen Tonalitätskonzepten oder neoklassizistischen Rückgriffen; drittens von der Aufgabe, bewussten Weiterführung oder Reaktivierung überlieferter Formen.

Alexander Skrjabin zeigt diesen Wandel besonders deutlich. Seine zehn Klaviersonaten führen von spätromantischen, an Chopin, Liszt und Wagner erinnernden Werken über extreme Alterationsharmonik bis zu frei- und atonalen Werken. In den frühen Sonaten halten Thementransformation und funktionsharmonische Reste noch zusammen. Später werden spezielle Intervalle, Quartenakkorde und Klangzentren wichtiger als klassische Themenbildung. Ab der 5. Sonate ist Einsätzigkeit erreicht; in den Sonaten 6 bis 10 wird die traditionelle Sonatenform weitgehend durch Klang- und Rhythmusstrukturen ersetzt.

In Atonalität und Zwölftonmusik verlor die Sonate ihre klassische formbildende Grundlage, weil diese eng mit Tonalität, Tonika, Dominante und Modulation verbunden war. Trotzdem setzten sich Komponisten wie Arnold Schönberg, Ernst Krenek, Hanns Eisler und Charles Ives mit dem Sonatenproblem auseinander. Ives verband klassische Formen, Standardkadenzen, Beethoven-Zitate, Ragtime, Choräle, Polytonalität, Atonalität und Cluster.

Andere Komponisten hielten an erweiterter Tonalität oder neoklassizistischen Formen fest, etwa Strawinsky, Hindemith, Prokofjew und Bartók. Prokofjews Sonaten 3 und 5 vermeiden romantischen Ausdruck und orientieren sich am klassischen Vorbild. Hindemith verbindet eigene Tonalitätsauffassung mit formalen Kriterien der Sonate. Bartók versucht in seiner Sonate von 1926, die Sonatenform über rhythmische Elemente zu erfüllen.

Nach 1945 verlor die Klaviersonate durch serielle Kompositionstechniken weiter an Bedeutung. Bei Werken wie Pierre Boulez’ drei atonalen Sonaten oder John Cages Sonatas and Interludes ist fraglich, ob der klassische Sonatenbegriff noch passt. Hans Werner Henze hielt aber fest, dass trotz Aufgabe der Funktionsharmonik Spannungen, Polaritäten und typische Gestaltungsfaktoren weiterbestehen können. In der zeitgenössischen Musik bleibt die Klaviersonate selten, wird aber weiterhin neu gedeutet, etwa bei Karlheinz Stockhausen, Wolfgang Rihm oder in Eduard Pütz’ Jazz Sonata for Piano von 1998.

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