Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

5. Sinfonie (Beethoven)

Die Sinfonie ist auch unter dem (umstrittenen) Beinamen „Schicksalssinfonie“ bekannt und wurde am 22. Dezember 1808 im Theater an der Wien uraufgeführt.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Entstehung, Uraufführung und Quellen
  3. 3. Erster und zweiter Satz
  4. 4. Dritter und vierter Satz
  5. 5. Tempo, Besetzung und Wirkung

Überblick und Bedeutung

Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 67 entstand 1807/08 gleichzeitig mit der 6. Sinfonie. Sie ist Franz Joseph Maximilian von Lobkowitz und Andreas von Rasumowski gewidmet, wurde am 22. Dezember 1808 im Theater an der Wien uraufgeführt und dauert etwa 32 Minuten. Sie zählt zu den berühmtesten Werken der klassischen Musik.

Die oft verwendete Bezeichnung „Schicksalssinfonie“ ist umstritten. Besonders die romantische Rezeption verstand das Werk als Weg von Niederlage zu Triumph, Leid zu Erlösung und von c-Moll nach C-Dur: per aspera ad astra, „durch das Raue zu den Sternen“. Diese Deutung ist heute teilweise als pathetisch bewertet, doch die Sinfonie beeinflusste – neben der Eroica und der 9. Sinfonie – das sinfonische Schaffen des 19. Jahrhunderts maßgeblich.

Entstehung, Uraufführung und Quellen

Erste Skizzen stammen aus 1803 und 1804. Graf Franz von Oppersdorff hatte Beethoven 1806 zwei Sinfonien in Auftrag gegeben. Die 5. Sinfonie wurde von Frühjahr 1807 bis Anfang 1808 in Wien fertiggestellt. Obwohl sie zunächst Oppersdorff zugedacht war, verkaufte Beethoven sie wegen finanzieller Not an Fürst Lobkowitz und widmete sie außerdem Rasumowski; Oppersdorff erhielt stattdessen die Widmung der 4. Sinfonie. Das Autograph der vollständigen Partitur entstand im März 1808. Breitkopf & Härtel kaufte die 5. und 6. Sinfonie im Juni 1808 und veröffentlichte beide 1809.

Bei der Uraufführung leitete Beethoven ein vierstündiges Konzert von 18.30 bis 22.30 Uhr. Es enthielt außerdem das 4. Klavierkonzert, eine Arie, Teile der Messe in C-Dur und die Chorfantasie. Die 6. eröffnete den ersten, die 5. den zweiten Programmteil. Wegen bitterer Kälte, zu geringer Probenzeit, hoher spieltechnischer Anforderungen und Problemen zwischen Orchester und Dirigent überzeugte die Aufführung offenbar nicht vollständig.

Der Notentext stützt sich auf fünf Hauptquellen: Beethovens Autograph, Stimmen der Uraufführung, eine Kopistenhandschrift von Wenzel Schlemmer mit Beethovens Korrekturen, gedruckte Stimmen von 1809 und eine gedruckte Partitur von 1826. Handschriften und Drucke unterscheiden sich besonders bei Dynamik, Phrasierung und Artikulation. Der ursprünglich 611 Takte lange dritte Satz wurde stark gekürzt; sinnlos gewordene Wiederholungstakte blieben dennoch bis 1846 in Ausgaben stehen.

Erster und zweiter Satz

Der erste Satz, Allegro con brio, steht in c-Moll, im 2/4-Takt und hat 502 Takte. Er folgt der Sonatensatzform: Die Exposition wird wiederholt, Durchführung, Reprise und Coda nicht. Sein prägnantes Anfangsmotto besteht aus drei Achtelnoten und einem abschließenden Terzsprung g–es. Es wird häufig „Schicksalsmotiv“ genannt und prägt den Satz sowie weitere Sätze der Sinfonie. Zunächst bleibt die Tonart offen; erst ab Takt 7 schaffen Celli und Fagotte mit dem Ton C Klarheit. Das gesangliche Seitenthema steht in Es-Dur und kontrastiert mit dem energischen Hauptgedanken, wird aber in den Bässen ebenfalls vom Anfangsrhythmus begleitet. In der Reprise erscheint das Seitenthema in C-Dur. Eine große, erneut durchführungsartige Coda beendet den Satz kraftvoll in c-Moll.

Der zweite Satz, Andante con moto, steht in As-Dur, im 3/8-Takt und umfasst 247 Takte. Er ist ein Doppelvariationensatz, also ein Satz, in dem zwei Themen mehrfach frei verändert werden. Thema und drei Variationen bilden vier Abschnitte; die zweite Variation erfüllt die Rolle einer Durchführung, die dritte die einer Reprise mit Coda. Die Notenwerte werden mit jeder Variation kleiner. Das erste, sangliche Thema erklingt zunächst in Bratschen und Celli. Ein zweites, marschartiges Thema bringen Klarinetten und Fagotte; es moduliert von As-Dur überraschend nach C-Dur und erscheint dort im Fortissimo. Die letzte Variation beginnt unerwartet in as-Moll, kehrt aber nach As-Dur zurück und führt in die Coda.

Dritter und vierter Satz

Der dritte Satz, Allegro, steht in c-Moll, im 3/4-Takt und hat 373 Takte. Es ist ein Scherzo, das bei Beethoven an die Stelle des traditionellen Menuetts tritt. Seine Endform lautet: Scherzo – Trio – verkürzte Scherzo-Reprise mit Überleitung zum Finale. Das Scherzo beginnt sehr leise mit einer aufsteigenden Bassmelodie. Darauf folgt ein fanfarenartiges Fortissimo-Thema der Hörner und des Tutti, dessen Viertonmotiv an das Motto des ersten Satzes erinnert. Das Trio steht in C-Dur und ist ein stürmisches Fugato: Ein Thema wird nacheinander in verschiedenen Stimmen eingesetzt. Die verkürzte Reprise bleibt gespenstisch leise; Legato wird durch Pizzicato oder kurze Noten ersetzt. Eine lange Steigerung wechselt allmählich von c-Moll nach C-Dur. Das Finale setzt attacca ein, also ohne formale Trennung.

Der vierte Satz, Allegro, steht in C-Dur, im 4/4-Takt und hat 444 Takte. Auch er ist eine Sonatensatzform. Die Exposition umfasst 85 Takte, die Durchführung 66, die Reprise 88 und die besonders gewichtige Coda 205 Takte. Das jubilierende Marschthema eröffnet im Fortissimo. Piccoloflöte, Kontrafagott und drei Posaunen erweitern nur hier die Klanghöhe und -tiefe des Orchesters. Die Durchführung verarbeitet vor allem das Triolenmotiv des Seitenthemas und greift in Takt 153 überraschend die Überleitung des Scherzos samt Takt- und Tempowechsel wieder auf. Die ausgedehnte Coda unternimmt mehrere Anläufe zum Abschluss, steigert sich schließlich zu einem Presto und beendet das Werk nach vielfachen Kadenzen V–I mit vehementem Nachdruck in C-Dur. Die Schlussfermate steht unisono und wirkt dadurch quasi tongeschlechtsneutral.

Tempo, Besetzung und Wirkung

1817 ergänzte Beethoven die Tempobezeichnungen durch Metronomangaben: im ersten Satz Halbe = 108; im zweiten Satz Achtel = 92, bei più moto Achtel = 116; im dritten Satz punktierte Halbe = 96; im Finale Halbe = 84, bei Tempo I punktierte Halbe = 96 und im Presto Ganze = 112. Viele Dirigenten wählen langsamere Tempi. Eine Forschungsannahme besagt, Beethoven könnte sein Metronom um 12 Schläge zu hoch abgelesen haben; dies wird diskutiert und nicht als gesichert dargestellt.

Die Besetzung umfasst unter anderem 1 Piccoloflöte, 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten in B und C, 2 Fagotte, 1 Kontrafagott, 2 Hörner in Es und C, 2 Trompeten in C, 3 Posaunen, Pauken und Streicher. Piccoloflöte, Kontrafagott und Posaunen werden ausschließlich im vierten Satz verwendet.

Die Uraufführung wurde zunächst reserviert bis ablehnend aufgenommen. Nach dem Druck von 1809 nahm die Verbreitung stark zu. E. T. A. Hoffmanns Analyse von 1810 wurde für die romantische Deutung wichtig. Im 20. Jahrhundert trat neben solchen Deutungen eine sachlich-analytische Betrachtung, besonders durch Heinrich Schenker. Das Anfangsmotiv wurde vielfach zitiert und bearbeitet; die spätere Verbindung des BBC-„V“ im Morsealphabet ···— mit diesem Motiv war ursprünglich nicht beabsichtigt. 2011 waren 150 Einspielungen bekannt. Die erste entstand 1913 mit den Berliner Philharmonikern unter Arthur Nikisch. Romantische Interpretationen nutzen teils bis zu 40 Minuten, während der an Arturo Toscanini orientierte Ansatz mit schnellen Metronomtempi und Wiederholungen etwa 33 Minuten erreicht.

Weiterlesen

Porträt Ein Porträt oder Portrait (von französisch portrait), gleichbedeutend mit Bildnis, ist ein Gemälde, eine Fotografie, eine Plastik oder eine andere Darstellung … Ludwig van Beethoven Er führte die Wiener Klassik zu ihrer höchsten Entwicklung und bereitete der Musik der Romantik den Weg. ... Heute gilt Beethoven als der Vollender der Wiener … 6. Sinfonie (Beethoven) ... Musik komponieren wollte, sondern Musik, die Empfindungen über das Landleben ausdrückt. ... Faktisch handelt es sich dabei um eine Terzverwandtschaft … Sinfonie Die Sinfonie oder Symphonie (von griechisch σύμφωνος sýmphōnos ‚zusammenklingend', ‚harmonisch') ist eine zentrale Gattung der Instrumentalmusik. C-Moll c-Moll ist eine Tonart des Tongeschlechts Moll, die auf dem Grundton c aufbaut. Die Tonart c-Moll wird in der Notenschrift mit drei ♭ (b, es, … C-Dur C-Dur ist eine Tonart des Tongeschlechts Dur, die auf dem Grundton c aufbaut. Die Tonart C-Dur wird in der Notenschrift ohne Vorzeichen geschrieben. 4. Sinfonie (Beethoven) Ludwig van Beethovens 4. Sinfonie in B-Dur Op. 60 erfreute sich zu Lebzeiten des Komponisten großer Beliebtheit, wohingegen sie heute zu seinen … Musik zu Goethes Trauerspiel Egmont Die Musik zu Goethes Trauerspiel Egmont ist das op. 84 von Ludwig van Beethoven. Es handelt sich um die weitaus bekannteste und am meisten verwendete … 7. Sinfonie (Beethoven) Ludwig van Beethovens 7. Sinfonie in A-Dur op. 92 entstand in den Jahren 1811 bis 1812. Die autografe Partitur ist datiert auf den 13. Mai 1812. Partitur Heute hat die Partitur zentrale Bedeutung für das Komponieren, Überliefern und Aufführen mehrstimmiger Musik. In der Zeit vor 1600 waren noch andere … Dynamik (Musik) Häufig sind musikalische Akzente in Form von speziellen Zeichen; hierbei am geläufigsten sind > für marcato („akzentuiert“, „betont“) und ^ für martellato … Phrasierung Phrasierung bezeichnet die Gestaltung der Töne innerhalb einer musikalischen Phrase hinsichtlich Lautstärke, Rhythmik, Artikulation und Pausensetzung.