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Begleitung (Musik)
Die Begleitung (früher auch oft Akkompagnement von französisch accompagnement) ist jenes musikalische Material, das zusätzlich zu einer Melodiestimme …
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Begriff und Bedeutung
Begleitung, früher auch Akkompagnement, ist musikalisches Material, das zusätzlich zu einer Melodiestimme erklingt und diese harmonisch und rhythmisch stützt. Sie kann sehr einfach sein, etwa aus Akkorden zu einem Volkslied, oder sehr differenziert, etwa als Orchestersatz einer Opernarie.
Oft erhält eine Melodie ihren Sinn oder Ausdruck erst durch die Begleitung. Das erste Thema des langsamen Satzes aus Beethovens 7. Sinfonie besteht überwiegend aus der Wiederholung des Tones e; die darunterliegenden Akkorde geben ihm Bedeutung. Auch Gegenstimmen und Harmonien können den Klang eines Songs wesentlich prägen. Musik ohne Stimmen mit Begleitcharakter gibt es vor allem als rein einstimmige Musik oder als absolute Polyphonie, also Mehrstimmigkeit mit ausschließlich gleichberechtigten Stimmen, beispielsweise in der Renaissance-Motette.
Einfache Liedbegleitung
Eine einfache Liedbegleitung verzichtet rhythmisch und melodisch auf Verzierungen und künstlerische Ausgestaltung. Sie wird häufig auf Gitarre oder Klavier gespielt und oft nicht vollständig ausnotiert: Akkordsymbole oder Rhythmusnotation genügen. Sie ist typisch für Laienmusik und spontane Situationen, kommt aber auch in „ernster Musik“ vor, zum Beispiel beim Gitarrenspiel am Lagerfeuer, bei der Klavierbegleitung eines Laienchors oder bei Schülervorträgen.
Diatonische Melodien in Dur-Moll-Tonalität lassen sich im Allgemeinen mit drei Hauptfunktionen begleiten: Tonika (I. Stufe), Subdominante (IV. Stufe) und Dominante (V. Stufe). Die Dreiklangstöne dieser Akkorde decken jeden möglichen Melodieton ab; zugleich festigen die Funktionen ein harmonisches Zentrum und die Tonart. Bei Volks- und Kinderliedern wird die Begleitung deshalb oft spontan erfunden und variiert. Sie richtet sich nach Fähigkeiten und musiktheoretischen Kenntnissen der begleitenden Person, Instrumenten wie Gitarre, Klavier, Keyboard, E-Bass oder Ukulele sowie der jeweiligen Musiziersituation.
Entwicklung von der Mehrstimmigkeit bis zur Klassik
Frühe Begleitformen waren vermutlich rhythmische Bewegungen zu gesungenen Melodien, zunächst am Körper und später auf Schlaginstrumenten. In Antike und anderen Kulturen bestand instrumentale Liedbegleitung grundsätzlich häufig im Mitspielen und gegebenenfalls Verzieren der Melodie. Zusätzliche Begleitstimmen im heutigen Sinn wurden erst mit der Mehrstimmigkeit möglich. Antiphon, Responsorium und Kanon unterscheiden noch nicht zwischen Haupt- und Nebenstimme. Im Organum, besonders in seiner provenzalischen Ausprägung, tritt die Oberstimme durch melismatische Verzierungen hervor; andere Stimmen können ihr untergeordnet sein. Die strenge Renaissance-Mehrstimmigkeit kennt jedoch meist keine klare Trennung von Melodie und Begleitung. Mit der barocken Monodie wird sie wieder möglich.
In der Barockmusik begleitete der Basso continuo oder Generalbass Soloinstrumente in Sonaten und monodischen Arien und bildete im Orchester eine harmonische Grundlage. Im italienischen Solokonzerttyp Vivaldis wird das Soloinstrument in seinen Passagen nur vom Continuo begleitet; Ritornelle spielen das ganze Orchester. Johann Sebastian Bach verwendet einerseits Ostinati, also wiederholte kurze Motive, über denen lange Melodien weiterlaufen. Andererseits gestaltet er polyphone Begleitungen, in denen mehrere Hauptstimmen abwechselnd Begleit- und Solofunktionen übernehmen, etwa in Arien mit obligaten Soloinstrumenten.
Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts verlor der Generalbass an Bedeutung; in Orchester-, Kirchenmusik und Oper hielt er sich mit Cembalo oder Fortepiano noch bis um 1800. Komponisten notierten und instrumentierten Begleitungen zunehmend genau. Dieses obligate Akkompagnement schränkte sowohl die freie Besetzung als auch improvisierte Ausführung und Verzierung ein. Typisch sind bei Mozart ^{4}/_{4}-Takt-Begleitungen: Auf dem ersten und dritten Schlag spielen Celli und Bässe den Grundton, die folgenden drei Achtelnoten füllen Violinen und Bratschen mit Akkordtönen. Auch der Alberti-Bass verbindet besonders in Klaviermusik Harmonie und rhythmische Struktur.
Ausdruck in Lied, Oper und Tanzmusik
Begleitung kann Text, Stimmung und unausgesprochene Gefühle verdeutlichen. Bereits in Claudio Monteverdis frühen Opern verstärken chromatische Durchgänge, fanfarenartige Akkorde und Tremoli den emotionalen Gehalt; sie können in der Barockoper Trauer, Triumph oder Angst ausdrücken. In Mozarts Così fan tutte eröffnet die Begleitung neben dem Libretto-Text eine weitere Gefühlsebene, die den gesungenen Behauptungen der Figuren widersprechen kann.
Im Lied entwickelte Franz Schubert die psychologische Begleitung weiter. Eine Klaviereinleitung kann die Stimmung eines Gedichts vorbereiten, wie in Der Lindenbaum; ein Nachspiel kann textliche Spannungen auflösen, wie in Frühlingstraum aus der Winterreise. Robert Schumann, Johannes Brahms und Hugo Wolf führen diese Tradition fort. Richard Wagner und Richard Strauss nutzten Leitmotive im Opernorchester: Sie können Figuren, Handlungsmotive oder abwesende Personen in Erinnerung rufen. Im Rosenkavalier erklingt beim Schlussgesang der Marschallin über die „Männern, so ganz im Allgemeinen“ Octavians Leitmotiv.
Bei Tänzen und Unterhaltungsmusik kann die Begleitung zum wichtigsten Erkennungsmerkmal werden. Der Wiener Walzer hat eine tiefe Note zu Taktbeginn und zwei höhere Nachschläge, das „Hum-pa-pa“-Muster. Bei der Polka wechseln tiefe Grundtöne und hohe Nachschläge achtelweise. Rock ’n’ Roll ist unter anderem an zerlegten Septakkorden im gezupften Kontrabass und Swing-Offbeats der Harmonieinstrumente erkennbar; Reggae an kurzen abgestoppten Gitarren-Nachschlägen, Funk an virtuosen E-Bass-Läufen. Im Rap ist die typische Begleitung ein rein rhythmisches Muster. Im Jazz übernimmt meist die Rhythmusgruppe aus Schlagzeug, Kontrabass, Klavier oder anderen Instrumenten die Begleitung, wobei ihre Musiker auch solistisch hervortreten können.
Aufgabe der Begleitenden
Begleitende stehen trotz ihrer unersetzlichen Funktion meist weniger im Mittelpunkt als Solisten. Nach Johann Joachim Quantz darf eine Begleitstimme nichts hinzufügen, das die Melodie verdunkeln könnte, weil sonst Verwirrung in der Melodie entstehe. Leopold Mozart betont, dass ein guter Orchestergeiger Einsicht in Musik, Setzkunst und unterschiedliche Charaktere brauche.
Heute liegt viel Verantwortung beim Dirigenten. Beim Begleiten von Solisten und beim Leiten einer Oper muss eine eigene Interpretation möglich sein, ohne Sängerinnen und Sängern ihre Freiheit zu nehmen. Auch klassische Liedbegleitung verlangt beides: anspruchsvolle Klavierpartien zu bewältigen und zugleich hinter dem Gesang zurückzutreten. Dafür sind passendes Tempo und eine für das Singen angenehme Lautstärke entscheidend.
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