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Instrumentalunterricht

Instrumentalunterricht ist Unterricht, bei dem Fertigkeitem zum Spielen eines Musikinstruments und darüber hinaus meist auch weitere musikalische …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und Bedeutung
  2. 2. Anbieter und Zugänge
  3. 3. Schule und berufliche Ausbildung
  4. 4. Lernerfolg
  5. 5. Wirkungen auf die Persönlichkeit
  6. 6. Ergänzende Kursformen

Grundbegriff und Bedeutung

Instrumentalunterricht ist Unterricht, bei dem Fertigkeiten zum Spielen eines Musikinstruments vermittelt werden. Meist gehören dazu auch weitere musikalische Kompetenzen und Kenntnisse, zum Beispiel musikalisches Hören, gemeinsames Musizieren oder Wissen über Musik. Der Artikel beschreibt vor allem die Situation in Deutschland.

Instrumentalunterricht kann unterschiedliche Ziele haben: Er kann ein Freizeitangebot für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sein, eine Ergänzung zum schulischen Musikunterricht oder Teil einer beruflichen Ausbildung zur Musikerin, zum Musiker oder zur Instrumentalpädagogin beziehungsweise zum Instrumentalpädagogen. Je nach Anbieter unterscheidet sich deshalb, ob der Unterricht frei zugänglich ist oder ob eine Zulassungsprüfung nötig ist.

Historisch wird im Artikel besonders die Verbreitung des Instrumentalunterrichts in der bürgerlichen Gesellschaft genannt. Am Beispiel des Klaviers wird beschrieben, dass Klavierunterricht und häusliches Klavierspiel im 19. Jahrhundert ein prägender Teil eines bildungsorientierten bürgerlichen Lebensstils wurden. Der Artikel weist zugleich selbst darauf hin, dass diese Darstellung überarbeitungsbedürftig ist und nur einen Teilaspekt des Klavierunterrichts im bildungsbürgerlichen Milieu behandelt.

Anbieter und Zugänge

Instrumentalunterricht wird von verschiedenen Anbietern erteilt: Privatlehrern, Musikschulen, allgemeinbildenden Schulen, Volkshochschulen und gelegentlich auch vom Instrumentaleinzelhandel. Diese Angebote stehen meistens allen Interessierten ohne Zugangsbeschränkung offen. Anders ist es bei Musikfachschulen, also Berufsfachschulen für Musik, und Musikhochschulen: Dort dient der Unterricht der beruflichen Qualifizierung und setzt in der Regel eine Zulassungsprüfung voraus. Für besonders begabte Schülerinnen und Schüler, die kostenpflichtigen Unterricht erhalten, gibt es in vielen Ländern Stipendien unterschiedlicher Institutionen.

Bei privaten Instrumentallehrern können große Kompetenzunterschiede bestehen, weil Berufsbezeichnungen wie Musiklehrer, Instrumentallehrer, Klavierlehrer oder Gitarrenlehrer ohne Zusatz eines anerkannten Ausbildungsabschlusses nicht geschützt sind. Es gibt Privatlehrer mit instrumentalpädagogischem Studienabschluss, Musikstudierende und ausgebildete Berufsmusiker, aber auch musikalische Laien, die als Autodidakten Unterricht anbieten. Besonders bei Instrumenten der populären Musik wie Gitarre oder Keyboard wird dies im Artikel erwähnt.

Öffentliche und private Musikschulen sind als Ergänzung zum schulischen Musikunterricht gedacht. Sie vermitteln musikalische Kompetenzen, die über den normalen Musikunterricht hinausgehen, und bieten neben Instrumental- und Gesangsunterricht häufig auch musikalische Früherziehung und Erwachsenenbildung an. In Deutschland gibt es rund 950 öffentliche Musikschulen, die im Verband deutscher Musikschulen organisiert sind. Sie beschäftigen bevorzugt Lehrkräfte mit anerkanntem Fachabschluss, auch wenn dies wegen Personalbedarf in Ballungsräumen oder Fachkräftemangel in ländlichen Gebieten nicht immer gelingt. Um günstigere Tarife anbieten zu können, findet an Musikschulen oft Gruppenunterricht statt.

Daneben gibt es kommerzielle Musikschulen mit besonderen Unternehmens- und Unterrichtskonzepten, etwa Modern Music School oder Yamaha Music School. Sie arbeiten häufig als Franchising-Konzepte und streben durch Ausstattung, Lehrpläne, Unterrichtsmaterialien und Fortbildungen einheitliche Qualitätsstandards an. Bei Suzuki-Lehrern, Suzuki-Musikschulen oder Suzuki-Vereinen geht es zusätzlich um ein weltanschauliches Gesamtkonzept, die international verbreitete Suzuki-Methode, bei der das Spielen in der Gruppe ein Kernelement ist.

Schule und berufliche Ausbildung

An allgemeinbildenden Schulen im deutschsprachigen Raum wird Instrumentalunterricht bis heute nur vereinzelt angeboten, meist an Gymnasien. Als Gründe nennt der Artikel fehlenden gesellschaftlichen und bildungspolitischen Willen, Musik gegenüber als nützlicher empfundenen Haupt- und Kernfächern wie Deutsch und Mathematik aufzuwerten, sowie eine ungeeignete Ausbildung der Lehrkräfte. Leo Kestenberg hatte sich in Preußen bereits in den 1920er Jahren dafür eingesetzt, jedes Kind an der Schule ein Instrument erlernen zu lassen.

Eine wichtige Initiative war „Jedem Kind ein Instrument“, die im Schuljahr 2007/2008 startete. Ihr Ziel war, jedem Grundschulkind des Ruhrgebiets die Möglichkeit zu geben, ein Musikinstrument eigener Wahl zu lernen. Weitere Initiativen zur musikalischen Förderung im Grundschulbereich entstanden auch außerhalb Nordrhein-Westfalens, etwa an der Schloßparkschule in Völklingen-Geislautern. Regelmäßig gibt es Instrumentalunterricht an musischen Gymnasien und Musikinternaten.

Das in Deutschland seit dem 20. Jahrhundert verbreitete Klassenmusizieren mit Blockflöten oder Orff-Instrumenten dient vor allem der Gehörbildung und der Erfahrung gemeinsamen Musizierens. Es zielt nicht auf technisch anspruchsvolles Spiel. Deshalb kann es als Instrumentalpropädeutik gelten, also als Vorbereitung auf Instrumentalunterricht, aber nicht als Instrumentalunterricht im engeren Sinne.

Musikfachschulen und Musikhochschulen unterscheiden sich deutlich von anderen Anbietern, weil sie künftige Berufsmusiker und Instrumentalpädagogen ausbilden. Musikfachschulen oder Berufsfachschulen setzen mindestens einen Hauptschulabschluss voraus. Konservatorien und Musikhochschulen richten sich im Regelfall an Bewerber mit allgemeiner Hochschulzugangsberechtigung. Für ein Instrumentalstudium ist meist mehrjähriger vorheriger Unterricht mit intensivem Üben nötig, weil eine Aufnahmeprüfung die künstlerische Befähigung nachweisen soll. Der Unterricht umfasst meist klassische Solo-, Ensemble- und Orchesterinstrumente, kann aber je nach Institut auch Schwerpunkte wie historische Instrumente, volkstümliche Instrumente oder Instrumente der Popmusik haben. In der Ausbildung gibt es ein Hauptfach und oft ein zweites Pflichtinstrument; mangelhafte Leistungen im Hauptfach können in der Abschlussprüfung nicht durch andere Fächer ausgeglichen werden.

Lernerfolg

Der Lernerfolg im Instrumentalunterricht hängt von mehreren Faktoren ab. Eine wichtige Rolle spielen die Eltern. Sie verbinden Instrumentalunterricht heute oft mit sogenannten Transfereffekten, also der Hoffnung, dass musikalisches Lernen auch Motivation, Konzentration, Fleiß und Selbstdisziplin stärkt. Studien zeigen laut Artikel, dass die musikalische Entwicklung eines Kindes eng damit zusammenhängt, wie stark sich die Eltern für den Unterricht engagieren. Kinder, die am Anfang ermutigt und emotional unterstützt werden, brechen die Ausbildung seltener ab als Kinder mit wenig Unterstützung im Elternhaus.

Besonders wichtig ist das Üben. Unter Musikpädagogen gilt als weitgehend unbestritten, dass die Effizienz des Unterrichts stark von Sorgfalt, Menge und Regelmäßigkeit des Übens abhängt. Die meisten Instrumente verlangen ungewohnte und zunehmend schwierige motorische Aufgaben, die oft gleichzeitig koordiniert werden müssen. Damit Fortschritte schnell und als befriedigend erlebt werden, müssen diese Bewegungen durch kontinuierliches Training verinnerlicht und automatisiert werden. Qualitativ besonders herausragende Musiker haben beim Erreichen des 20. Lebensjahres oft bereits mehr als 10.000 Stunden mit dem Üben ihres Instruments verbracht.

Auch die Lehrperson ist wichtig. Nach Manfred Spitzer sind im Anfängerunterricht Ausbildung und Methode des Lehrers noch keine starken Bestimmungsfaktoren für den Erfolg. Entscheidender ist, ob der erste Lehrer persönliche Wärme vermittelt und ob Schüler und Lehrer einander mögen und respektieren. Ein vertrauensvolles Bündnis erhöht die Wahrscheinlichkeit guter Fortschritte. Später wird wichtiger, dass der Schüler zwischen persönlichen und professionellen Qualitäten des Lehrers unterscheiden kann.

Lehrwerke können den Unterricht beeinflussen, aber ihr Einfluss hängt von vielen Faktoren ab. In der Instrumentalpädagogik überwiegt das Prinzip der Methodenvielfalt. Werke, die als „Methoden“ oder „Schulen“ erscheinen, sind meist Lehrbücher für ein bestimmtes Instrument und spiegeln die Unterrichtskonzepte ihrer Autoren wider. Eine systematische Auflistung der zu erwerbenden Fertigkeiten und des zu erarbeitenden Repertoires heißt Syllabus.

Wirkungen auf die Persönlichkeit

Der Artikel behandelt auch die Frage, ob Instrumentalunterricht die Persönlichkeitsentwicklung beeinflusst. Der Musikpädagoge Hans Günther Bastian veröffentlichte im Jahr 2000 unter dem Titel „Musik(erziehung) und ihre Wirkung“ Ergebnisse einer Langzeitstudie, die er von 1992 bis 1998 an mehreren Grundschulen in Berlin durchgeführt hatte. Er kam zu der Überzeugung, dass erweiterte schulische Musikerziehung, die das Erlernen eines Instruments einschließt, bei Kindern Intelligenz, besonders räumliches Vorstellungsvermögen, geistige Aufnahmefähigkeit, Friedfertigkeit und Selbstwertgefühl steigern könne. Dies solle unabhängig vom Bildungsniveau des Elternhauses gelten.

Bastian erklärte die angenommene Intelligenzsteigerung als Transfereffekt: Beim intensiven Umgang mit dem komplexen Medium Musik würden kognitive Funktionen trainiert, die für den IQ wichtig seien. Die erhöhte soziale Kompetenz musizierender Kinder führte er auf Trainingseffekte des gemeinsamen Musikspiels zurück. Ähnliche Thesen hatte Howard Gardner in den 1980er Jahren im Rahmen seiner Theorie der multiplen Intelligenzen formuliert. In der Schweiz hatte Maria Spychiger bereits in den 1970er Jahren ähnliche Schulversuche durchgeführt.

Die Befunde wurden in bildungsorientierten deutschen Zeitungen wie der FAZ und Die Zeit stark aufgegriffen, auch vor dem Hintergrund von Ausfallquoten im schulischen Musikunterricht und Kürzungen von Subventionen für gemeinnützige Musikschulen. Bastian sah sich später veranlasst, die Bedeutung der Transfereffekte zu relativieren. Der Artikel nennt als Grund unter anderem, dass seine Studie wegen ihrer Anfälligkeit für Presseübertreibungen auch von Wissenschaftlerkollegen kritisiert wurde.

Ergänzende Kursformen

Neben regelmäßigem Unterricht gibt es Musikworkshops, Wochenendveranstaltungen und Ferienkurse. Sie werden von sehr unterschiedlichen institutionellen oder privaten Anbietern organisiert und dauern häufig ein bis zwei Wochen.

Die Angebote reichen vom privat organisierten, für alle Interessierten offenen Schnupperkurs eines lokal tätigen Musiklehrers bis zu Kursen für besonders qualifizierte Teilnehmende im Rahmen internationaler Musikfestivals. Es gibt Kurse zur Förderung musikalischer Spitzenleistungen, aber auch viele niedrigschwellige Angebote für Laien. Beispiele sind Bandworkshops für Jugendliche oder Seminare für Liebhaber regionaler Volksmusik.

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