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Blockflöte

Die Blockflöte ist ein Holzblasinstrument, das zur Gruppe der Kernspaltflöten gehört. Zur Tonerzeugung enthält ihr Kopf einen Kern (genannt Block) aus Holz …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee, Familie und Notation
  2. 2. Aufbau und Klangerzeugung
  3. 3. Material und Sonderformen
  4. 4. Spieltechnik, Griffe und Stimmung
  5. 5. Historische Entwicklung und heutige Musik
  6. 6. Bedeutung für Lernen und Unterricht

Grundidee, Familie und Notation

Die Blockflöte ist ein Holzblasinstrument aus der Gruppe der Kernspaltflöten. Im Kopfstück sitzt ein Block aus Holz oder Kunststoff, der nur einen engen Windkanal, den Kernspalt, frei lässt. Dieser leitet die Atemluft zur Schneidenkante. Die häufigen kleineren Bauformen besitzen ein schnabelförmiges Mundstück und heißen daher auch Schnabelflöten. Die Blockflöte ist keine einzelne Instrumentengröße, sondern eine Familie für fast alle Tonlagen; ihre Instrumente sind meist in C oder F gestimmt.

Die heute gängigen Größen reichen von der sehr hohen Garkleinblockflöte bis zu tiefen Subbassformen. Besonders verbreitet sind Sopranino-, Sopran-, Alt-, Tenor- und Bassblockflöte. Moderne typische Tonumfänge sind beispielsweise c²–d⁴ bei der Sopranflöte, f¹–g³ bei der Altflöte, c¹–d³ bei der Tenorflöte und f⁰–g² bei der Bassflöte. Klammerangaben wie g⁴ oder c⁴ bezeichnen zusätzlich erreichbare hohe Töne. Historische Instrumente hatten meist einen Umfang von ungefähr zwei Oktaven; neu entwickelte harmonische Blockflöten erreichen etwas mehr als drei Oktaven. Die Bezeichnungen tiefer Instrumente werden nicht einheitlich verwendet.

Blockflöten werden nicht transponierend, also grundsätzlich so notiert, wie sie klingen. Von der Garklein- bis zur Tenorblockflöte verwendet man gewöhnlich den Violinschlüssel, ab der Bassblockflöte den Bassschlüssel. Historisch kamen weitere Schlüssel und gelegentlich transponierte Stimmen vor. Die Altblockflöte war im Barock das übliche Soloinstrument.

Aufbau und Klangerzeugung

Eine Blockflöte besteht in der Regel aus Kopfstück, Mittelstück und Fußstück. Kleinere Instrumente können zwei- oder einteilig sein. Die Teile werden über abgedichtete Zapfen zusammengesteckt. Bassflöten und größere Modelle besitzen häufig einen S-Bogen als Anblasvorrichtung; große Instrumente können außerdem ein abgewinkeltes Kopfstück haben.

Die zusammengesetzten Teile bilden eine unten offene Röhre. Ihre Bohrung ist je nach Typ annähernd zylindrisch oder umgekehrt konisch, verengt sich also zum Fuß hin. Der Block verschließt das obere Ende und formt den Windkanal. Der dort gebündelte Luftstrom, das Luftblatt, trifft auf die Schneidenkante des Labiums und schwingt abwechselnd nach innen und außen. Durch die Resonanz mit der Luftsäule im Instrument werden Schwingungsfrequenz und Tonhöhe bestimmt. Ein Ton entsteht schon durch einfaches Hineinblasen; differenzierte Klänge verlangen jedoch eine kontrollierte Atem- und Zungentechnik. Kondenswasser kann den Windkanal stören und eine sogenannte Tröpfchenheiserkeit verursachen.

Gewöhnlich gibt es sieben Grifflöcher auf der Vorderseite und ein Daumenloch auf der Rückseite, das zugleich zum Überblasen dient. Die unteren Löcher können als Doppellöcher ausgeführt sein. Große Instrumente benötigen wegen der weiten Abstände Klappen. Bei hochwertigen Flöten werden Tonlöcher teilweise nach innen erweitert, also unterschnitten, um Ansprache und Intonation zu verbessern.

Renaissance-Flöten haben meist eine relativ weite, annähernd zylindrische Bohrung. Ihr grundtöniger Klang verschmilzt gut im Ensemble. Barockflöten besitzen eine engere, zum Fuß hin verjüngte Bohrung. Dadurch werden Luftgeschwindigkeit und Druck am Kopf erhöht; der Klang ist heller, schärfer und obertonreicher und spricht über mehr als zwei Oktaven gut an. Bei sehr tiefen modernen Instrumenten werden auch quadratische, zum Fuß verjüngte Querschnitte verwendet.

Material und Sonderformen

Der Korpus wird überwiegend aus hartem Holz hergestellt. Verwendet werden unter anderem Ahorn, Birne, Pflaume, Buchsbaum, Olive, Palisander, Cocobolo, Königsholz, Ebenholz und Grenadill. Nicht allein die Härte, sondern vor allem Dichte und Oberflächenbeschaffenheit beeinflussen den Klang. Der Block besteht wegen seiner Feuchtigkeitsbeständigkeit fast immer aus dem Holz der Virginia-Zeder (Juniperus virginiana), die botanisch zu den Wacholdergewächsen gehört. Für große Bassflöten kann maßstabiles Sperrholz sinnvoll sein.

Seit dem 18. Jahrhundert sind auch Instrumente aus Elfenbein bekannt. Seit dem 20. Jahrhundert werden Kunststoffe wie Bakelit, ABS oder Colo verwendet. Kunststoffflöten sind preisgünstig und pflegeleicht und werden deshalb häufig in der musikalischen Früherziehung eingesetzt. Professionelle Spieler bevorzugen aus Klanggründen meist handgefertigte Holzinstrumente. Schulblockflöten streben gewöhnlich eine gleichschwebende Intonation an; historische, besonders Renaissance-Instrumente werden auch mitteltönig intoniert.

Eine barocke Sonderform ist die Echoflöte oder fiauto d’echo. Sie verbindet zwei parallele Flöten gleicher Tonlage, aber unterschiedlicher Lautstärke. Damit lässt sich die für Barockmusik typische Terrassendynamik trotz des geringen dynamischen Umfangs einer einzelnen Blockflöte ausführen. Die Flöten können in einen gemeinsamen Korpus gebohrt oder nachträglich miteinander verbunden sein. Das einzige erhaltene Werk, das ausdrücklich Echoflöten in f¹-Altlage verlangt, ist Johann Sebastian Bachs 4. Brandenburgisches Konzert; die Eignung bestimmter historischer Bauformen für dieses anspruchsvolle Werk wird bezweifelt.

Spieltechnik, Griffe und Stimmung

Bis zur Tenorgröße wird die Blockflöte ungefähr im Winkel von 45° zum Körper gehalten. Die Lippen umschließen den Schnabel sanft. Unterlippe und rechter Daumen bilden die wichtigsten Haltepunkte; eine Daumenstütze kann schwere Instrumente stabilisieren. Instrumente ab der Bassgröße werden an einem Tragegurt gehalten oder auf den Boden gestellt.

Die Vorderlöcher bedienen drei Finger der linken und vier Finger der rechten Hand; der linke Daumen verschließt das rückseitige Überblasloch. Sind alle Löcher geschlossen, erklingt der Grundton. Weitere Töne entstehen durch verschiedene Kombinationen offener und geschlossener Löcher. Bei Gabelgriffen folgen unter einem offenen Loch wieder geschlossene Löcher. Für die tiefsten Halbtöne muss ein unteres Loch halb geschlossen werden. Ab dem dritten Ton der zweiten Oktave wird auch das Daumenloch nur teilweise bedeckt: Durch dieses Überblasen kippt der Ton zur Oktave oder Duodezime der Grundfrequenz.

Töne werden gewöhnlich mit der Zunge artikuliert. Im Anfängerunterricht beginnt man oft mit der Silbe „dü“. Historische Schulen nennen unter anderem „le re“, „te re“, „te che“, „de“, „diri“ und „tiri“ sowie die Flatterzunge. Zusammen mit unterschiedlichen Atem- und Zungentechniken ermöglicht dies zahlreiche Klangvarianten; auch Vibrato ist ein historisch belegtes Ausdrucksmittel.

Bei fortgeschrittenen und professionellen Spielern ist die sogenannte barocke Griffweise üblich. Der Name ist missverständlich: Sie entspricht nicht genau der historischen Barockgriffweise, sondern wurde von Arnold Dolmetsch eingeführt. Bereits die vierte Stufe der Grundskala benötigt einen Gabelgriff. Ob dies den Einstieg und bestimmte schnelle Tonfolgen erschwert, ist unter Pädagogen umstritten.

Peter Harlan entwickelte im 20. Jahrhundert die deutsche Griffweise, bei der die Grundtonleiter ohne Gabelgriff gespielt werden kann. Außerhalb der Grundtonleiter entstehen jedoch Intonationsprobleme, und viele Gabelgriffe bleiben nötig. Daher wird sie fast nur bei Einsteigerinstrumenten verwendet; hochwertige Instrumente besitzen die barocke Griffweise.

Durch geringes Herausziehen des Mittelstücks lässt sich die Flöte tiefer stimmen. Ein Instrumentenbauer kann sie durch Bearbeitung des Zapfens um einige Cent erhöhen. Stärkere Veränderung verursacht innere Intonationsprobleme. Auch höherer Blasdruck hebt die Tonhöhe und kann beim Zusammenspiel zur Abstimmung von Akkorden genutzt werden.

Historische Entwicklung und heutige Musik

Kernspaltflöten mit Tonlöchern sind seit prähistorischer Zeit bekannt. Die senkrecht gehaltene Flöte gelangte aus Afrika durch die Mauren und aus Asien durch Slawen nach Europa. Zweihändig gespielte Formen sind dort seit dem 11. Jahrhundert belegt. Wann daraus die heutige Blockflöte entstand, lässt sich nicht genau bestimmen.

Aus dem Spätmittelalter stammen die ersten erhaltenen Instrumente des heutigen Typs. Sie waren einteilig, zylindrisch gebohrt und klangen mild, weich und obertonarm. Meist begleiteten sie Gesang. Sie besaßen sieben Vorderlöcher und zwei alternative Kleinfingerlöcher für beide möglichen Handhaltungen; das unbenutzte Loch wurde mit Wachs verschlossen. Seltene Funde stammen unter anderem aus Dordrecht, Tartu und Göttingen.

In der Renaissance bildeten Blockflöten verschiedener Größen sogenannte Consorts, also zusammengehörige Ensembles. Sie spielten Tänze und Vokalmusik, ersetzten oder verdoppelten Singstimmen und verzierten Stücke improvisatorisch. Im Barock führte die Trennung von Vokal- und Instrumentalmusik zu höheren Ansprüchen an Virtuosität und Klang. Die dreiteilige, umgekehrt konische Bauweise erzeugte einen klareren, helleren und obertonreicheren Ton. Vor allem die Altblockflöte wurde Soloinstrument in Sonaten und Konzerten. Bedeutende Beispiele sind Jacob van Eycks „Der Fluyten Lust-hof“ von 1648 bis 1654, Antonio Vivaldis Konzerte, Johann Sebastian Bachs Brandenburgische Konzerte Nr. 2 und 4 sowie Werke von Georg Philipp Telemann und Georg Friedrich Händel. Bei Vivaldis „flautino“-Konzerten ist umstritten, ob das Instrument den Grundton f² oder d² hatte.

Im 18. Jahrhundert verdrängte die lautere Querflöte die Blockflöte, weil sie sich in größer werdenden Orchestern besser durchsetzte. Bis etwa 1750 meinte „Flauto“ gewöhnlich die Blockflöte; danach bezeichnete „Flöte“ üblicherweise die Querflöte. In Klassik und Romantik war die Blockflöte kein gewöhnliches Instrument mehr.

Seit den 1920er Jahren wurde sie durch historische Aufführungspraxis, Arnold Dolmetsch, Peter Harlan und die Jugendbewegung wiederbelebt. Im 20. und 21. Jahrhundert entstand umfangreiche neue Literatur. Die Blockflöte wird außerdem gelegentlich in Pop, Rock, Jazz, Folk und Filmmusik eingesetzt. Ihr Kopfstück kann allein als Rhythmus- und Effektinstrument dienen: Abwechselndes Verschließen der unteren Öffnung erzeugt laute, schrille Klänge und kann Vogelgesang nachahmen.

Bedeutung für Lernen und Unterricht

Nach der Wiederbelebung im frühen 20. Jahrhundert wurde die Blockflöte wegen ihres niedrigen Preises, ihrer leichten Transportierbarkeit und der industriellen Massenproduktion zu einem verbreiteten Einstiegsinstrument. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sie sich in allgemeinbildenden Schulen und Musikschulen stark durch. Im 20. Jahrhundert wurde sie für viele Kinder zum ersten Instrument; in heutigen Erwachsenenensembles überwiegen dagegen deutlich die Spielerinnen.

Kinder können Grundtechniken, besonders auf der Sopranblockflöte, bereits im Vorschulalter erlernen, weil weder ein komplizierter Ansatz noch anfangs eine sehr schwierige Grifftechnik nötig ist. Erste Erfolge sind schnell möglich. Trotzdem ist es für kleine Kinder anspruchsvoll, Finger, Zunge und Atem zu koordinieren und einen gleichmäßigen schönen Klang zu erzeugen. Mit zunehmendem Niveau werden Griff- und Blastechnik komplex. Als einfacher Einstieg kann deshalb nur das Kopfstück gespielt werden.

Für die musikalische Früherziehung gibt es vereinfachte Lernflöten. Bei einer siebenlöchrigen Sopranflöte können etwa das zweite und sechste Loch verschlossen werden. Dadurch entfallen die 3. und 7. Stufe, und es entsteht eine pentatonische, also fünftönig aufgebaute Grundlage für spielerische Improvisation. Sopranflöten in D bieten beispielsweise die Töne d², e², g², a², h², d³ und e³. Werden zusätzlich das oberste Loch und das Daumenloch verschlossen, bleiben d², e², g², a² und h², die mit vier Fingern gespielt werden.

Weitere Bauformen verteilen fünf benötigte Grifflöcher unterschiedlich. Hopf-Kindergartenflöten besitzen den Tonraum g² bis e³; durch Klammergriffe sind zusätzlich b², cis³ und dis³ möglich. Besonders einfache Intervallflöten haben nur ein Griffloch und erzeugen zwei Töne, etwa d²–a², d²–g² oder e²–h².

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