Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Berufsfachschule für Musik
Eine Berufsfachschule für Musik oder Musikfachschule bietet eine berufliche Ausbildung zum Musiker auf Fachschulebene und qualifiziert für ein weiteres …
Inhalt5 Abschnitte
Aufgabe und Trägerschaft
Eine Berufsfachschule für Musik, auch Musikfachschule genannt, bietet eine berufliche Ausbildung zum Musiker auf Fachschulebene. Sie qualifiziert zugleich für ein weiteres Studium an Musikhochschulen und Konservatorien. Konzepte, Schwerpunkte und mögliche Abschlüsse unterscheiden sich je nach Schule. Träger können staatliche, kirchliche oder private Einrichtungen sein.
Ausbildung in Bayern
In Bayern bestehen seit 1977 Berufsfachschulen für Musik. Anlass waren der Aufschwung der Laienmusik und der wachsende Bedarf an qualifizierten Ensemble- und Chorleitern. Seit Jahrzehnten gibt es in jedem bayerischen Regierungsbezirk mindestens eine solche Schule.
Der Vollzeitunterricht umfasst 22 bis 32 Wochenstunden und dauert zwei Jahre. Der staatliche Abschluss lautet „Staatlich geprüfter Ensembleleiter/Chorleiter“; in der Popularmusik lautet er „Staatlich geprüfter Leiter der Popularmusik“. In der Fachrichtung Kirchenmusik endet die Ausbildung mit der kirchenmusikalischen C-Prüfung.
Absolventen können Chöre, Blasorchester, Kammerorchester und weitere Ensembles unterschiedlicher Stilrichtungen leiten. Weitere mögliche Tätigkeiten sind Arrangeur, Musiklehrer, Band-, Studio- oder Aushilfsmusiker sowie Komponist. Die Ausbildung bereitet unabhängig vom angestrebten Abschluss auch auf die Eignungsprüfung an einer Hochschule für Musik vor.
Aufbaujahre und Weiterqualifizierung
In einem dritten Schuljahr gibt es zwei Wege: Das pädagogische Aufbaujahr vermittelt eine Lehrbefähigung für Sing- und Musikschulen. Das künstlerische Aufbaujahr vertieft die künstlerische Ausbildung und verlangt den Nachweis der Befähigung zum wissenschaftlichen Arbeiten.
Absolventen der zweijährigen Berufsfachschule können sich außerdem am Staatsinstitut Ansbach zum Fachlehrer für Musik und Kommunikationstechnik oder für Musik und Sport fortbilden. Damit können sie an Grund-, Mittel-, Real- und Förderschulen unterrichten.
Fachrichtungen und bayerische Standorte
An bayerischen Berufsfachschulen für Musik werden die Fachrichtungen Klassik, Kirchenmusik, Rock / Pop / Jazz, Musical und Volksmusik angeboten.
Standorte sind Altötting mit der Max-Keller-Schule, Bad Königshofen, Dinkelsbühl, Kronach, Krumbach, Plattling, Regensburg und Sulzbach-Rosenberg. In München gibt es die Neue Jazzschool München e. V. sowie die Abraxas-Musical-Akademie, Berufsfachschule für Musical-Darsteller. In Nürnberg befinden sich die Berufsfachschule für Musik für Blinde, Sehbehinderte und Sehende sowie die Musication Berufsfachschule für Musik. Damit sind alle sieben bayerischen Bezirke abgedeckt.
Weitere Schulen und das Modell der UdSSR
Auch in anderen Bundesländern gibt es Berufsfachschulen für Musikberufe, etwa für Kirchenmusik, populäre Musik und Musiktheater; weitere Fachschulen bilden Musikinstrumentenbauer aus. Kirchenmusikalische Ausbildungsstätten in Schlüchtern, das Institut für Kirchenmusik Mainz und die Musikakademie St. Gallen bieten C- oder D-Examen an. Beispiele für Instrumentenbau sind die Oscar-Walcker-Schule in Ludwigsburg, die Instrumentenbauschule Mittenwald und die Berufs- und Berufsfachschule Vogtländischer Musikinstrumentenbau Klingenthal. Weitere genannte Musikfachschulen liegen unter anderem in Hannover, Hamburg, Bad Nenndorf, Frankfurt am Main, Leipzig und Zweibrücken.
In der Sowjetunion (UdSSR) und heute in vielen postsowjetischen Staaten, darunter Russland, gibt es Musikfachschulen als „музыкальные училища“, manchmal auch „музыкальные колледжи“. Es gab und gibt zwei Typen: Der erste bildet Musikpädagogen für Kindergärten und Mittelschulen aus. Der zweite ist eine Ausbildungsstufe zwischen einer siebenjährigen Musikschule für Kinder und Jugendliche und der Immatrikulation am Konservatorium. Beide Fachschulstudien dauern vier Jahre.
Eine besondere Musikstudienstufe auf Fachschulniveau ist weltweit eher unüblich. Wer Berufsmusiker werden will, entscheidet sich häufig bereits im Grundschulalter für ein Musikgymnasium. Nach dessen Abschluss ist Berufstätigkeit oder die direkte Zulassung zum Konservatorium beziehungsweise zur Hochschule für Musik möglich. In Russland gilt dies nach einer elfjährigen, früher zehnjährigen Sondermusikschule, etwa der Zentralen Musikschule Moskau, statt nach einer einfachen Kindermusikschule.