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Institute on Religion and Democracy
Das IRD stellte sich unter anderem gegen die lateinamerikanische Befreiungstheologie und unterstützte die Politik der Reagan-Regierung in Mittelamerika durch …
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Organisation und Ziele
Das Institute on Religion and Democracy (IRD) ist ein überkonfessioneller Zusammenschluss der religiösen Rechten in den Vereinigten Staaten. Seine Mitglieder stammen unter anderem aus der Presbyterianischen Kirche, der Evangelisch-methodistischen Kirche, der Episkopalkirche, weiteren evangelischen Kirchen, der Römisch-katholischen Kirche und orthodoxen Kirchen.
Das IRD unterstützt konservative Bewegungen innerhalb der sogenannten Mainline-Kirchen, also großer etablierter protestantischer Kirchen in den USA. Besonders versucht es, Entscheidungen in der Presbyterianischen Kirche, der Evangelisch-methodistischen Kirche und der Episkopalkirche zu beeinflussen. Nach Auffassung des Instituts verfolgen deren Leitungen politische Ziele, die weder durch die Bibel noch durch die christliche Tradition gerechtfertigt seien. Es nennt dabei unter anderem Feminismus, Umweltbewusstsein, Multikulturalismus, revolutionären Sozialismus und sexuelle Befreiung. Auch den Nationalen Kirchenrat und den Ökumenischen Rat der Kirchen hält das IRD für zu liberal. Ihnen stellt es konservative religiöse und politische Wertvorstellungen gegenüber.
Entstehung und politische Ausrichtung
Das IRD wurde 1981 von christlichen neokonservativen Intellektuellen wie Michael Novak, Richard John Neuhaus und Penn Kemble gegründet. Nach eigener Darstellung sollte die Stiftung die Ausbildung zur Demokratie fördern und als Finanzierungsorganisation der Coalition for a Democratic Majority dienen. Zugleich sollte sie ein Gegengewicht zu progressiven christlichen Organisationen wie dem Nationalen Kirchenrat und dem Ökumenischen Rat der Kirchen bilden.
In den 1980er-Jahren wandte sich das Institut gegen die lateinamerikanische Befreiungstheologie, die christlichen Glauben mit dem Einsatz gegen Armut und Unterdrückung verbindet. Mit einer aggressiven Medienkampagne unterstützte es die Mittelamerika-Politik der Regierung Ronald Reagans. Führenden Kirchenvertretern warf das IRD vor, marxistische Ziele zu verfolgen. Es selbst trat für einen höheren Militärhaushalt, eine interventionistische Außenpolitik und Einschränkungen der Rechte von Schwulen und Lesben ein. Auf seiner Website bezeichnete das Institut diese Politik als „Erneuerung der demokratischen Gesellschaft“ im In- und Ausland.
Nach dem Ende des Kalten Krieges verlagerte das IRD seinen Schwerpunkt auf die Einflussnahme innerhalb amerikanischer Kirchengremien und Kirchenleitungen. Von 2001 bis 2004 führte es das Projekt „Reforming America's Churches“ durch. Dabei warb es um Spenden, mit denen auf die demokratische Selbstverwaltung von Kirchen eingewirkt werden sollte, selbst wenn die Spender diesen Kirchen möglicherweise nicht angehörten.
Leitung, Mitglieder und Finanzierung
Nach eigenen Angaben hat das Institute on Religion and Democracy etwa 2500 Mitglieder. Im Jahr 2020 stand es unter der Leitung des Vorsitzenden Dr. Paul Marshall.
Das Institut finanziert seine Arbeit durch verschiedene Stiftungen und weitere Einkünfte. 1982 betrug sein Haushalt ungefähr 350.000 US-Dollar. Davon kamen rund 200.000 US-Dollar aus den Scaife Family Charitable Trusts beziehungsweise Scaife Foundations des konservativen US-Amerikaners Richard Mellon Scaife. Weitere Mittel stammen von der Familie Coors und aus deren Brauereivermögen.
Kritik und Konflikte
Christliche und nichtchristliche Kritiker beschreiben die Politik des IRD als nationalistisch, homophob, sexistisch und rassistisch. Ana Maria Ezcurra schreibt in ihrem Buch „The Neo-conservative Offensive“, zu den Zielen des Instituts gehörten der Abbau der Legitimation bestehender Kirchenleitungen und die Auslösung von Spaltungen, sogenannten Schismen, innerhalb kirchlicher Gremien. Manche Beobachter sehen im Verhalten des eng mit dem IRD verbundenen American Anglican Council eine Bestätigung dieser Einschätzung.
Peter Steinfels, Redakteur der unabhängigen römisch-katholischen Zeitschrift „Commonweal“, warf dem Institut Doppelzüngigkeit vor. Seiner Ansicht nach verfolge es unter Berufung auf ein allgemeines Christentum seine eigene politische Agenda. Außerdem habe das IRD ein „Arsenal vager und beschädigender Behauptungen“ geschaffen, mit denen ein breites Spektrum der Kirchenführung verleumdet werden könne.
Das IRD stellte sich gegen den African National Congress. Den Einsatz des Weltkirchenrats gegen die Apartheid deutete es als weiteres Zeichen einer linken Orientierung führender Kirchen und ökumenischer Organisationen. Baptistischen Missionsvereinen, die medizinische Projekte in Nicaragua betrieben, warf es eine Zusammenarbeit mit den Sandinisten vor. Laut Artikel erschwerte dies deren Arbeit erheblich, weil die Einrichtungen dadurch zu Zielscheiben der Contras wurden.
Daniel Webster vom anglikanischen Magazin „Witness“ macht das Institute on Religion and Democracy zudem für eine drohende Spaltung der Anglikanischen Kirche verantwortlich. Diese Aussagen sind Vorwürfe von Kritikern; der Artikel stellt sie nicht als unstrittige Tatsachen dar.