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Inside-Outside-Improvisation
Die Inside-Outside-Improvisation ist eine Methode der musikalischen Improvisation insbesondere im Jazz, bei der konventionelle, harmonisch passende …
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Kernidee
Die Inside-Outside-Improvisation ist eine Methode der musikalischen Improvisation, besonders im Jazz. Dabei wechselt ein Spieler zwischen Tonfolgen, die harmonisch zur vorgegebenen Musik passen, und Tonfolgen, die kurzzeitig harmonisch unpassend wirken. „Inside“ bedeutet: Die Improvisation bleibt innerhalb der vorgegebenen Tonart, Tonalität oder Akkordstruktur. „Outside“ bedeutet: Der Spieler verlässt diese Vorgaben kurzzeitig und kehrt danach wieder zurück.
Wichtig ist diese Technik, weil sie Spannung erzeugt. Eine Improvisation kann dadurch weniger vorhersehbar und ausdrucksstärker werden. Auch im Free Jazz kommt sie vor. Dort können musikalische Gedanken mit klaren Stimmungsbildern entstehen, die gezielt aufgelöst und später wieder aufgenommen werden.
Changes und harmonische Vorgaben
Üblich ist die Improvisation über sogenannte Changes. Changes, genauer chord changes, sind die Akkordfolgen eines Jazz-Standards oder einer Komposition. Diese Akkordfolgen können durch verschiedene Tonarten gehen. Der Solist muss ihr Beziehungsgeflecht beachten.
Dadurch entstehen Regeln für die Tonauswahl. Der Improvisierende hat nicht völlig freies Tonmaterial, sondern wählt Töne und Skalen, die zu bestimmten Akkorden passen. Inside-Outside-Improvisation erweitert dieses System, indem die vorgegebenen Grenzen der Harmonik zeitweise überschritten werden.
Beispiel für ein harmonisches Gerüst
Ein Beispiel für eine Akkordfolge ist: A^{maj 7} – A^{♭}m^{7} – G^{7♭9} – Cm^{7}.
Diese Akkorde sind in ihrer Zuordnung zu Tonleitern, also Skalen, mehrdeutig. Der Improvisierende kann zwischen mehreren Skalen wählen und dadurch seine Tonauswahl gezielt steuern.
Bei A^{maj 7} sind zum Beispiel A Ionisch, A Lydisch oder A Lydisch ♯9 möglich. A Lydisch ♯9 entspricht harmonisch Moll auf der sechsten Stufe. Bei A^{♭}m^{7} kommen zum Beispiel A♭ Äolisch, A♭ Dorisch oder A♭ Phrygisch infrage. Bei G^{7♭9} sind zum Beispiel G Mixolydisch (♭9/♭13), G Alteriert oder G Halbton/Ganzton möglich. Bei Cm^{7} bestehen skalentechnisch wieder dieselben Möglichkeiten wie bei A^{♭}m^{7}, also C Äolisch, C Dorisch oder C Phrygisch.
Methoden der Erweiterung
Inside-Outside-Improvisation kann das vorhandene Tonrepertoire erweitern. Das Besondere ist, dass die natürlichen Grenzen der Harmonik überschritten werden.
Eine Möglichkeit ist, intuitiv die vorgegebenen Tonarten zu verlassen. Dann werden melodische Schwerpunkte auf akkordfremde Töne gelegt, bevor der Spieler wieder in die Ausgangs-Tonart zurückkehrt.
Eine zweite Möglichkeit sind sogenannte Ghost Changes. Das sind gedachte oder imaginäre Akkordwechsel, über die improvisiert wird, obwohl die Mitspieler tatsächlich die vorgegebenen Changes spielen.
Eine dritte Möglichkeit ist der Gebrauch symmetrischer Tonleitern, etwa der Halbton/Ganztonskala oder der Ganztonskala. Sie sind mehrdeutig und folgen nicht den konsequenten harmonischen Fortschreitungen diatonischer Tonleitern; deshalb können sie freier verwendet werden.
Eine vierte Möglichkeit ist das Spielen bitonaler Klangfolgen zu den gegebenen Akkorden. Bitonal bedeutet hier, dass zwei tonale Ebenen gleichzeitig oder gegeneinander wirken. Solche Klänge können mehr oder weniger gut zu den Akkorden passen.
Als Regel gilt: Je stärker der Schwerpunkt des Spiels von innen, also „In“, nach außen, also „Out“, verlagert wird, desto abstrakter erscheint die Musik.
Ghost Changes und Targeting
Ein Beispiel für Ghost Changes geht von vorgegebenen Changes aus: Am^{7}, B^{♭maj 7}, Hm^{7♭5}, E^{7♭9}, jeweils über 4 Takte. Imaginäre Ghostchanges könnten diese Struktur anders aufteilen: 3 Takte Am^{7} plus 1 Takt F^{7♯9}, 3 Takte B^{♭maj 7} plus 1 Takt C^{maj 7♯11}, 3 Takte Hm^{7♭5} plus 1 Takt F^{9♯11}, 3 Takte E^{7♭9} plus 1 Takt B^{♭13}. So entsteht eine zusätzliche gedachte harmonische Ebene über der tatsächlich gespielten Akkordfolge.
Targeting ist ebenfalls eine Improvisationsmethode des Jazz. Dabei werden Zieltöne einer Tonart chromatisch angesteuert oder umspielt. Chromatisch bedeutet, dass Töne in Halbtonschritten verwendet werden. Ein Beispiel: C-Dur wird durch den Melodieverlauf G♯–G♭–G–E♯–E♭–E–C♯–C♭–C „targetiert“. Diese Methode ist zum Beispiel bei Django Reinhardt zu hören.
Musikalische Wirkung und Beispiele
Die Inside-Outside-Improvisation dient dazu, Improvisationen interessant und spannungsreich zu gestalten. Sie bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Unschärfe und Genauigkeit. Dadurch kann der Spieler unterschiedliche Verläufe der Improvisation wählen.
Eine wichtige Voraussetzung ist innere Sicherheit. Sie sorgt dafür, dass die Töne oder Melodien beim Hörer nicht einfach als „falsch“ wirken, sondern als Ausgangspunkt für neue spannungsreiche Tonfolgen verstanden werden können.
Als Beispiele für Jazzkünstler, die Inside-Outside-Improvisation umsetzten, nennt der Artikel John Coltrane, Allan Holdsworth, Woody Shaw, Christof Lauer, Eric Dolphy, Joe Zawinul, Christopher Dell, Kenny Garrett und John Scofield.