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Ganztonleiter
Ganztonleiter. hexatonische Tonleiter, die aus einer gleichstufigen Teilung der Oktave in sechs Ganzton-Intervalle hervorgeht. Artikel · Diskussion.
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Grundprinzip
Die Ganztonleiter ist eine hexatonische, also sechstönige Tonleiter. Sie entsteht dadurch, dass die Oktave gleichstufig (äquidistant) in sechs Ganzton-Intervalle geteilt wird. Jeder Schritt der Tonleiter ist deshalb klanglich eine große Sekunde. Wird der Oktavton in der Notation mit demselben Tonbuchstaben wie der Startton geschrieben, kann ein solcher Schritt auch als enharmonisch verminderte Terz notiert werden.
Im absoluten Tonvorrat von 12 Tönen gibt es nur zwei Ganztonleitern: eine Ausgangs-Ganztonleiter und dieselbe Leiter um einen Halbton nach oben oder unten transponiert. Die beiden Varianten ergänzen sich somit aus den zwölf Tönen.
Klangliche Besonderheiten
Für an diatonische Tonleitern wie Dur und Moll gewöhnte Ohren klingt die Ganztonleiter vergleichsweise fremd. Ihr fehlen Halbtonschritte; daher können die Tonbeziehungen nicht durch gelegentliche Leittöne gegliedert werden. Ein Leiton ist ein Ton, der durch seinen Halbtonabstand besonders stark zu einem anderen Ton hinführt.
Dadurch besitzt die Ganztonleiter keinen erkennbaren Grundton und wirkt „schwebend“. Sie kann auf jedem ihrer Töne als Grundton gebildet werden, ohne dass sich daraus verschiedene Modi ergeben. Sie ist weder tonal noch atonal; eine tonale Funktion erhält sie erst im komponierten Kontext.
Der Tritonus kann auf jeder Tonstufe leitereigen gebildet werden und ist insgesamt dreimal enthalten. Der Tritonusgehalt beträgt also 3. Dies ist ein charakteristisches Intervall der Ganztonleiter und macht sie verhältnismäßig schwer singbar. Dreiklänge in Terzschichtung sind ausschließlich übermäßige Dreiklänge, weil alle Terzen infolge der Ganztonschritte groß sind.
Die zwei Tonvorräte
Die Ganztonleiter auf C lautet: C – D – E – Fis – Gis – Ais – C. Jeder aufeinanderfolgende Ton liegt einen Ganzton höher.
Die um einen Halbton nach unten transponierte Ganztonleiter auf H lautet: H – Des – Es – F – G – A – H. Auch hier bestehen alle Schritte aus Ganzton-Intervallen.
Verwendung in Musik
Nach Franz Liszt nutzten Michail Iwanowitsch Glinka in der Oper Ruslan und Ljudmila und Rimski-Korsakow die besondere Wirkung der Ganztonleiter früh zur Darstellung magischer Gestalten. Bei Glinka erscheint sie als Leitmotiv des Tschernomors; Rimski-Korsakow verwendete sie in Opern und in Scheherazade. Später griffen Komponisten des Impressionismus darauf zurück, zum Beispiel Debussy in Préludes Voiles und Ravel.
Olivier Messiaens erster Modus seines Systems der begrenzt transponierbaren Skalen ist die Ganztonleiter. Messiaen betonte jedoch ausdrücklich, dass er die Ganztonleiter nicht erfunden habe.
Im Jazz ist sie als eigenständige Skala über Dominantseptakkorde mit tiefalterierter Quinte oder hochalterierter Quarte wichtig; diese nennt man dann Bluestonleiter. Besonders „zelebriert“ wurde sie von Thelonious Monk. In der Popmusik kommt sie eher selten vor. Ein Beispiel ist die Introduktion, der dritte und vierte Takt, von Stevie Wonders You are the Sunshine of my Life.