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Inklusivismus

Der Inklusivismus ist in der Religionstheologie eine Form der theologischen Beurteilung anderer Religionen beziehungsweise innerchristlich eine Form der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Abgrenzung
  2. 2. Kirchenverständnis und Dialog
  3. 3. Inklusivistische Bibelauslegung
  4. 4. Jesus und der universelle Christus
  5. 5. Vertreter und institutionelle Folgen

Grundidee und Abgrenzung

Inklusivismus bezeichnet in der Religionstheologie eine Form der theologischen Beurteilung anderer Religionen. Innerhalb des Christentums kann der Begriff außerdem die Beurteilung anderer Konfessionen bezeichnen.

Der Inklusivismus erkennt an, dass andere Religionen eine Heilsbedeutsamkeit besitzen können. Er geht jedoch davon aus, dass diese Bedeutung erst in der eigenen Religion ihre volle Entfaltung erreicht. Die eigene Position gilt als unüberbietbare Heilswahrheit und die eigene Religion deshalb als überlegen.

Damit unterscheidet sich der Inklusivismus von zwei anderen Positionen:

  • Der Exklusivismus betrachtet die eigene Religion als die einzige wahre oder heilbringende Religion.
  • Der Pluralismus erkennt zumindest einige andere Religionen als gleichwertig an.

Der Inklusivismus nimmt eine Zwischenstellung ein: Er spricht anderen Religionen nicht jede Bedeutung für das Heil ab, stellt sie aber auch nicht mit der eigenen Religion gleich.

Kirchenverständnis und Dialog

In der katholischen Kirche wird ein inklusivistisches Modell teilweise auch auf ökumenische Fragen angewendet, also auf das Verhältnis zwischen christlichen Konfessionen. Nach diesem Verständnis ist allein die katholische Kirche „Kirche“ im eigentlichen Sinn. Andere Konfessionen gelten als „kirchliche Gemeinschaften“, die an ihr lediglich Anteil haben. Auf dieses Verständnis verweist unter anderem das Dokument Dominus Iesus.

Eine mögliche Haltung im interreligiösen Dialog ist der mutuale Inklusivismus. Dabei behalten die beteiligten Religionen ihren jeweiligen Anspruch auf Überlegenheit und absolute Geltung uneingeschränkt bei. Diese Ansprüche stehen unharmonisiert nebeneinander: Es wird nicht versucht, sie miteinander zu vereinbaren oder auf eine gemeinsame, relativierte Wahrheit zurückzuführen. Das soll verhindern, dass die Innenperspektive einer Religion durch Relativierung verzerrt wird.

Inklusivistische Bibelauslegung

Einige christliche Theologen und Gläubige deuten verschiedene Bibelstellen inklusivistisch. Röm 2,14–15 wird so verstanden, dass Nichtchristen einen Teil der Weisheit Gottes von Natur aus in ihren Herzen tragen. Gen 20,9–11 und 1 Kor 5,1 gelten in diesem Zusammenhang als Beispiele dafür, dass Nichtchristen oder Nichtjuden aufgrund ihrer natürlichen Kenntnis des Gesetzes Gottes zumindest manchmal gottesgefälliger leben können als manche Christen oder Juden.

Nach einer inklusivistischen Lesart von Röm 1,19–20 kann Gott teilweise von allen Menschen erkannt werden – unabhängig von Religion, kulturellem Hintergrund sowie geografischem oder zeitlichem Standort. Dies könne auch die modernen Wissenschaften einschließen, da sie das Universum beziehungsweise die Schöpfung untersuchen. Eine ähnliche Aussage wird in Ps 19,2–4 gesehen. Apg 17,23.28.30 wird ebenfalls so gelesen, dass Nichtchristen und Nichtjuden, in der Bibel als „Heiden“ bezeichnet, Gott teilweise erkennen können.

Aus Kol 1,16 leiten inklusivistische Christen ab, dass das Universum aufgrund seines Geschaffenseins Anteil an Gott habe und damit auch Teil Gottes sei. Die Christus-Realität Gottes gelte dabei als ewige Grundstruktur des Universums. Der Zusammenhang zwischen Gen 2,7 und Gen 7,21–22 wird schließlich als Hinweis verstanden, dass jedes Lebewesen durch den Lebensatem Gottes einen großen Anteil Gottes in sich trage.

Jesus und der universelle Christus

Die inklusivistische Auslegung geht davon aus, dass Gott teilweise auch in anderen Religionen und in Disziplinen wie der Wissenschaft gefunden und erfahren werden kann. Zugleich betonen inklusivistische Christen meist die besondere Bedeutung Jesu: Für die tiefste und intimste Beziehung zu Gott sei es wesentlich, die Realität der Natur und Person Jesu zuzulassen.

Um ganzheitlich mit Gott in Beziehung zu stehen, müsse jedoch umgekehrt auch die inklusive und universelle Natur des seit Urzeiten existierenden Christus anerkannt werden. Die Beziehung zu Gott soll sich demnach nicht ausschließlich auf einen innerlich erlebten Jesus beschränken, der ohne Verbindung zum universellen Christus verstanden wird.

Vertreter und institutionelle Folgen

Die Bewegung Unitarian Universalism, die vor allem im englischsprachigen Raum beheimatet ist und als protestantische Glaubensrichtung verstanden wird, vertritt ausdrücklich eine inklusivistische Lehre. Auch die Römisch-Katholische Kirche weist in ihrer Bibelauslegung seit 1965 mit Nostra aetate deutlich inklusivistische Aspekte auf.

Eine inklusive oder inklusivistische Glaubenshaltung kann zur Gründung religiöser, geistlicher, spiritueller oder interdisziplinärer Körperschaften und Institutionen führen. Als Beispiele nennt der Artikel die Päpstliche Akademie der Wissenschaften, den Päpstlichen Rat für die Kultur und den Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog, der als Dikasterium für den Interreligiösen Dialog bezeichnet wird. In diesen Einrichtungen der katholischen Kirche werden Beziehungen zu anderen Wissenschafts- und Kulturbereichen sowie zu anderen Religionen aktiv gepflegt und gefördert.

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