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Exklusivismus
Er bezeichnet die Vorstellung, dass die eigene Religion die einzig wahre, richtige oder heilbringende sei und andere Religionen oder Glaubensrichtungen keinen …
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Grundidee des Exklusivismus
Exklusivismus ist ein Modell der Religionstheologie, also eine Art, andere Religionen theologisch zu beurteilen. Er bezeichnet die Auffassung, dass die eigene Religion allein wahr, richtig oder heilbringend ist. Anderen Religionen oder Glaubensrichtungen wird dabei jeder Anteil an Wahrheit oder zumindest an heilsentscheidenden Wahrheiten abgesprochen.
Davon wird ein „unentschiedener“ oder „offener Exklusivismus“ unterschieden. Nach dieser Position vermittelt allein die eigene Religion letztlich Heil und Wahrheit; andere Religionen haben dafür keine konstitutive Bedeutung, sind also nicht grundlegend für Heil und Wahrheit. Zugleich wird nicht endgültig entschieden und anderen Religionen nicht apodiktisch abgesprochen, dass sich in ihnen Heil oder Wahrheit finden könne. Die römisch-katholische Kirche dürfte diesem Schema zufolge seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil einen unentschiedenen Exklusivismus vertreten.
Katholische Position und interreligiöser Dialog
Als Beispiel für eine lange vorherrschende katholische Überzeugung gilt der Satz „Extra ecclesiam nulla salus“: „Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil.“ Diese Position wurde durch die Erklärung Nostra Aetate des Zweiten Vatikanischen Konzils relativiert. Sie vertritt gegenüber anderen Religionen eine inklusivistische Position: Die katholische Kirche lehnt nach ihr nichts ab, „was in diesen Religionen wahr und heilig ist“.
Das Konzil betrachtet Handlungs- und Lebensweisen, Vorschriften und Lehren anderer Religionen mit Wertschätzung, auch wenn sie in manchem von der katholischen Lehre abweichen. In ihnen könne sich „nicht selten ein Strahl jener Wahrheit“ zeigen, „die alle Menschen erleuchtet“. Gleichzeitig verkündet die Kirche weiterhin Christus als „den Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Johannes 14,6 EU). Die Fülle des religiösen Lebens und des Heils liege nach dieser Auffassung im Glauben an Jesus Christus, der alle Menschen durch sein Heilshandeln erlöst hat.
Dieser Inklusivismus war für die katholische Kirche ein großer Schritt und ermutigte zum interreligiösen Gespräch. Andersgläubige und Religionswissenschaftler sehen ihn jedoch mindestens skeptisch oder bezeichnen ihn als indirekten Exklusivismus: Andere Religionen würden heilsgeschichtlich vereinnahmt, während der Anspruch auf universale Gültigkeit bestehen bleibe. Ein solcher Anspruch, der laut Artikel fast allen Religionen eigen ist, erschwert den interreligiösen Dialog. In pluralistischen Religionstheologien wird daher diskutiert, ob die Betonung der Einzigartigkeit der eigenen Religion den Absolutheitsanspruch und Exklusivismus überwinden kann und ob eine missionierungsfreie universale Gültigkeit dennoch berechtigt sein kann.
Die Darstellung dieses Abschnitts behandelt ausschließlich katholische Positionen; zu Orthodoxie, Protestantismus und dem Neuen Testament werden im Artikel fehlende Informationen vermerkt.
Exklusivistische Strömungen im Islam
Im Islam wurden exklusivistische Auffassungen besonders im Zusammenhang mit der charidschitischen und wahhabitischen Lehre von Loyalität und Lossagung entwickelt. Die Wahhabiten teilten sich bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts in ein exklusivistisches und ein inklusivistisches Lager.
Die Exklusivisten betrachteten alle Nichtmuslime sowie Muslime, die ihrer Lehre nicht folgten, als Ungläubige und riefen zum Dschihad gegen sie auf. Die Inklusivisten hielten die anderen Muslime dagegen nur für Sünder; deshalb sei ein Kampf gegen sie nicht notwendig. Im 19. Jahrhundert setzten sich die Exklusivisten in diesem Konflikt durch.
Um die Jahrhundertwende entsandte man exklusivistische Gelehrte zu den Beduinen des Nadschd, um sie zum Dschihad anzufeuern. Daraus entstand die Bewegung der Ichwān. König Abd al-Aziz ibn Saud stützte sich auf sie bei der Expansion des saudischen Staates. Wegen ihres zunehmenden Radikalismus ging der Herrscher jedoch 1929 mit britischer Hilfe gegen sie vor. Als letzte Bastionen des exklusivistischen Wahhabitentums blieben die Ichwān von Buraida und Scheich Hamūd at-Tuwairiqī. In den 1970er Jahren wurden ihre Auffassungen in Saudi-Arabien zunehmend durch die Strömung des Islamischen Erwachens, aṣ-ṣaḥwa al-islāmīya, herausgefordert.