Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

John Hick

Hinwendung zur pluralistischen Religionstheologie · Exklusivismus: allein das Christentum vermittelte Heil; · Inklusivismus: nicht nur das Christentum vermittelte …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Person und Bedeutung
  2. 2. Akademischer Weg und theologischer Wandel
  3. 3. Modelle der Religionstheologie
  4. 4. Das Wirkliche und die Vielfalt der Religionen
  5. 5. Heil, Offenbarung und Bewertung
  6. 6. Verifikation religiöser Aussagen

Person und Bedeutung

John Harwood Hick (* 20. Januar 1922 in Scarborough, Yorkshire; † 9. Februar 2012 in Birmingham) war ein britischer presbyterianischer Theologe und Religionsphilosoph. Er gilt als wichtiger Vertreter der pluralistischen Religionstheologie. Diese untersucht die Möglichkeit, dass unterschiedliche Religionen wahr und heilsvermittelnd sein können. Hick beschäftigte sich außerdem mit Glauben und Wissen, religiöser Erkenntnis, der Existenz und Erkennbarkeit Gottes, der Personalität Gottes und der Philosophie der Sprache.

Hick wuchs in einer anglikanischen Familie auf. Während eines zunächst begonnenen Jurastudiums las er Werke der westlichen Philosophie und wurde besonders von Immanuel Kant beeinflusst. Durch Kontakte zur evangelikalen Bewegung bekehrte er sich und übernahm anfangs deren Lehren, darunter die Verbalinspiration der Bibel und die Vorstellung von Jesus als menschgewordenem Sohn Gottes. 1941 wechselte er an der Universität Edinburgh zu Philosophie. Im Zweiten Weltkrieg verweigerte er den Waffendienst und arbeitete mit der Friends’ Ambulance Unit in Ägypten, Italien und Griechenland.

1948 schloss Hick sein Studium in Edinburgh ab. Von 1948 bis 1950 promovierte er am Oriel College in Oxford bei Henry Habberley Price über das Verhältnis von faith und belief: faith bezeichnet dabei die persönliche, existenzielle Glaubenshaltung, belief den gedanklich formulierten Glaubensinhalt. Aus der Dissertation entstand Faith and Knowledge (1957). Von 1950 bis 1953 studierte Hick reformierte Theologie am Westminster College in Cambridge. 1953 wurde er ordiniert und war zweieinhalb Jahre Pastor der Belford Presbyterian Church.

Akademischer Weg und theologischer Wandel

Hick lehrte von 1956 bis 1959 Philosophie an der Cornell University und erhielt 1959 den Stuart-Lehrstuhl für Christliche Philosophie am Princeton Theological Seminary. Dort geriet er erstmals in Konflikt mit Lehren der presbyterianischen Kirche. Während eines Forschungsaufenthalts in Cambridge arbeitete er an Evil and the God of Love. Auch die Begegnung mit dem Religionswissenschaftler Wilfred Cantwell Smith beeinflusste seine weitere Entwicklung.

1964 kehrte Hick nach Großbritannien zurück; ab 1966 hatte er den H. G. Wood-Lehrstuhl für Philosophie und Religion an der Universität Birmingham inne. Das Zusammenleben verschiedener Religionen in Birmingham wurde für seine Theologie entscheidend. Er besuchte jüdische, muslimische, hinduistische und Sikh-Gemeinden, arbeitete mit multireligiösen Gruppen gegen Rassismus und für Grundrechte und unternahm Studienreisen nach Indien, Punjab und Sri Lanka. Dadurch entfernte er sich schrittweise von seinem früheren evangelikalen Exklusivismus.

Ab 1978 lehrte er auch an der Claremont Graduate University bei Los Angeles, 1982 zog er vollständig nach Claremont. In den Gifford Lectures 1986 bis 1987 stellte er seine umfassende Deutung der Religionen vor. Der Austausch mit buddhistischen Philosophen wie Masao Abe führte dazu, dass er sich zunehmend von einer ausschließlich theistischen, also personalen Gottesvorstellung löste. Nach seiner Emeritierung 1992 kehrte er nach Birmingham zurück. 2011 eröffnete die Universität Birmingham das John Hick Centre for Philosophy of Religion und verlieh ihm die Ehrendoktorwürde. Hick starb 2012 kurz nach seinem 90. Geburtstag an den Folgen einer Lungenentzündung.

Modelle der Religionstheologie

Aus christlicher Sicht unterschied Hick drei Modelle des Verhältnisses der Religionen; die Begriffe wurden von seinem Schüler Alan Race ausgearbeitet:

  • Exklusivismus: Allein das Christentum vermittelt Heil.

  • Inklusivismus: Auch außerhalb des Christentums ist Heil möglich, doch das Christentum gilt aufgrund Jesu als überlegene religiöse Form.

  • Pluralismus: Nicht nur das Christentum, sondern auch andere Religionen können Heil vermitteln.

Seit den frühen 1970er Jahren kritisierte Hick den alleinigen Wahrheits- und Heilsanspruch des Christentums. In seinem Vortrag The Copernican Revolution in Theology von 1972 entwarf er die Grundidee einer pluralistischen Religionstheologie. An die Stelle des Christentums als absoluten Mittelpunkt setzte er eine transzendente Wirklichkeit, auf die verschiedene Religionen bezogen sind. Die Claremont-Konferenz von 1986, deren Beiträge unter dem Titel The Myth of Christian Uniqueness veröffentlicht wurden, galt als wichtiger Paradigmenwechsel.

Hick betrachtete die großen nachaxialen Weltreligionen grundsätzlich als gleichrangig, unabhängig davon, ob sie die höchste Wirklichkeit personal oder nicht-personal auffassen. Dazu zählte er unter anderem Judentum, Christentum, Islam, Sikhismus, Zoroastrismus, Hinduismus, Jainismus, Buddhismus, Taoismus und Konfuzianismus. Ihre Bilder, Erzählungen und Symbole sind kulturell und geschichtlich verschieden. Entscheidend ist für Hick, ob eine Religion die erlösende Veränderung von Selbstzentriertheit zu Wirklichkeitszentriertheit fördert.

Das Wirkliche und die Vielfalt der Religionen

Im Zentrum von Hicks Theorie steht the Real, „das Wirkliche“ oder die „höchste Wirklichkeit“. Gemeint ist eine uneingeschränkte, absolute und transzendente Realität. Keine geschichtliche Religion erfasst sie vollständig. Religionen sind menschliche Antworten auf diese Wirklichkeit und gestalten ihre Erfahrungen mithilfe unterschiedlicher Sprachen, Kulturen, Begriffe und Vorstellungen.

Hick greift Immanuel Kants Unterscheidung zwischen dem „Ding an sich“ und seiner Erscheinung auf. Er unterscheidet entsprechend zwischen dem „Wirklichen an sich“ als Noumenon und dem Wirklichen, wie es in menschlicher Erfahrung erscheint, als Phainomenon. Das Noumenon ist der menschlichen Erkenntnis nicht unmittelbar zugänglich. Seine Erscheinungsformen können dagegen erfahren und als personaler Gott oder als nicht-personales Absolutes verstanden werden. Anders als Kant nimmt Hick echte Erfahrungen der göttlichen Wirklichkeit an. Seine pluralistische Theorie bleibt jedoch ausdrücklich eine Hypothese; ob das Wirkliche an sich personal oder nicht-personal ist, lässt er offen.

Überlieferte religiöse Überzeugungen strukturieren die jeweilige Erfahrung des Wirklichen. Wer zu ihm in eine Ich-Du-Beziehung tritt, erfährt es personal; in einer nicht-personalen Beziehung erscheint es als unpersönliches Absolutes. Hick vergleicht dies mit dem Welle-Teilchen-Dualismus: Beide Wahrnehmungsweisen können gültig sein. Deshalb müssen religiöse Aussagen, die aus verschiedenen kulturellen Perspektiven stammen, nicht immer als direkte logische Widersprüche verstanden werden.

Hick unterscheidet außerdem voraxiale oder archaische Religionen von nachaxialen Religionen. Voraxiale Religionen richten sich vor allem auf die Bewahrung der kosmischen und gesellschaftlichen Ordnung. Nachaxiale Religionen gehen davon aus, dass das gewöhnliche menschliche Dasein beschädigt, unbefriedigend oder mangelhaft ist, und streben nach Erlösung oder Befreiung. Religion ist dabei stets in einen raumzeitlichen und kulturellen Zusammenhang eingebettet. Aus der Vielfalt der Kulturen ergibt sich nach Hick notwendig auch eine Vielfalt der Religionen.

Heil, Offenbarung und Bewertung

Soteriologie ist die Lehre von Heil, Erlösung oder Befreiung. Für Hick bildet die „soteriologische Effektivität“ das entscheidende Kriterium zur Beurteilung einer Religion. Heil besteht in der Transformation des Menschen von Selbstzentriertheit zu Wirklichkeitszentriertheit: Der Mensch löst sich aus der ausschließlichen Orientierung auf das eigene Ich und richtet sein Leben auf das Wirkliche aus. Religionen sollen Kontexte schaffen, die diese Veränderung ermöglichen.

Personale Gottesvorstellungen und nicht-personale Vorstellungen des Absoluten können denselben Prozess auslösen. Götter, Gott oder verschiedene Absoluta gelten dabei als unterschiedliche Erscheinungs- und Gegenwärtigkeitsweisen derselben höchsten transzendenten Wirklichkeit. Hick vertritt einen „soteriologischen Universalismus“: Unabhängig von ihrer Religion können grundsätzlich alle Menschen an Erlösung oder Befreiung durch das Wirkliche teilhaben.

In Anlehnung an Wilfred Cantwell Smith unterscheidet Hick faith, belief und tradition. Faith meint die persönliche Haltung und existentielle Ausrichtung auf das Göttliche. Beliefs sind als wahr angenommene, häufig kanonisierte oder dogmatische Glaubensinhalte. Tradition bezeichnet die geschichtlich-gesellschaftliche Gestalt einer Religion. Weil faith bei Smith nach Hicks Ansicht zu stark theistisch geprägt ist, ersetzt Hick den Begriff durch die „Transformation von der Selbstzentriertheit zur Wirklichkeitszentriertheit“.

Offenbarung bedeutet für Hick nicht hauptsächlich die Mitteilung bestimmter Wahrheiten. Sie ist ein erleuchtendes, das menschliche Bewusstsein veränderndes Wirken des Wirklichen, das zu einer ganzheitlichen Hingabe führt. Hick vertritt daher einen Offenbarungspluralismus: Die christliche Offenbarung besitzt gegenüber anderen nachaxialen Religionen keine grundsätzlich normative oder höchste Stellung. Der Wert einer Offenbarung zeigt sich nicht an einer Rangfolge von Lehrsätzen, sondern an ihrer Fähigkeit, Heil und Veränderung zu bewirken. Damit lehnt Hick die exklusivistische Behauptung ab, Heil sei ausschließlich durch Jesus Christus möglich.

Verifikation religiöser Aussagen

Mit der „eschatologischen Verifikation“ beschreibt Hick, wie religiöse Aussagen möglicherweise im Jenseits bestätigt werden können. Verifikation bedeutet hier keinen logischen Beweis, sondern das Ausräumen vernünftiger Zweifel durch Erfahrung. Eine Aussage kann verifizierbar sein, ohne falsifizierbar, also endgültig widerlegbar, zu sein.

Hick erläutert dies mit der Dezimaldarstellung der Zahl π. Die Behauptung, dass darin drei aufeinanderfolgende 7 vorkommen, könnte durch das Auffinden einer solchen Folge verifiziert werden. Sie lässt sich aber nicht endgültig falsifizieren, weil die Dezimaldarstellung unendlich weitergeht und daher niemals vollständig geprüft werden kann.

Entsprechend könnte die Behauptung vom Fortleben der Seele nach dem Tod dadurch verifiziert werden, dass ein Mensch stirbt und sein eigenes Weiterbestehen erlebt. Auch die christliche Vorstellung von Gottes Herrschaft könnte bestätigt werden, wenn der Mensch die im Neuen Testament symbolisch beschriebene Herrschaft Christi im Reich Gottes erfährt. Solche Aussagen sind während des irdischen Lebens jedoch nicht falsifizierbar, weil die dafür maßgeblichen Erfahrungen jenseits des gegenwärtigen Erfahrungsbereichs liegen.

Weiterlesen

Vereinigtes Königreich Das Vereinigte Königreich ist eine Union aus vier Landesteilen, die auf Englisch meist als countries (Länder) oder nations (Nationen) bezeichnet werden: England … Church of England Die Church of England (englisch für Kirche von England) ist die Mutterkirche der Anglikanischen Gemeinschaft, sodass sich ihre Geschichte weitestgehend mit … Aberdeen Traditionelle Grafschaft, Aberdeenshire ; Einwohner, 224.190 (Stand: Juni 2022) ; Fläche, 186 km² (71,82 mi²) ; Bevölkerungsdichte: 1205 Einw. je km². Immanuel Kant Hier wird der kategorische Imperativ als grundlegendes Prinzip der Ethik entwickelt und die Idee der Freiheit, die in der ersten Kritik für die theoretische … Verbalinspiration Verbalinspiration bezeichnet eine Ausformung der Inspirationslehre, nach der die Bibel bis in den Wortlaut hinein von Gott inspiriert sei. Bibel Die christliche Bibel ist das am häufigsten gedruckte und publizierte und in die meisten Sprachen übersetzte schriftliche Werk der Welt. Schöpfung Schöpfungsmythen in den Religionen · Alter Orient · Antikes Griechenland · Zoroastrismus · Judentum · Christentum · Islam · Hinduismus · Buddhismus. Sündenfall Die Geschichte wird teils als tatsächlich passiertes Ereignis, meist jedoch als symbolisch zu deutender Mythos verstanden, welcher den Zustand dieser „ … Jesus Christus Der Glaube an Jesu Auferstehung beruht nach dem NT auf Erscheinungen des auferstandenen Jesus gegenüber einigen seiner ersten Nachfolger, aber auch … Zweiter Weltkrieg Als Zweiter Weltkrieg (1. September 1939 – 2. September 1945) wird der zweite global geführte Krieg sämtlicher Großmächte im 20. Jahrhundert bezeichnet. Quäkertum Das Quäkertum ist eine religiöse Gemeinschaft mit christlichen Wurzeln im England der 1650er Jahre. Als Gründer gilt George Fox, aber auch Margaret Fell, … Ordination In fast allen Kirchen werden durch die Ordination Gläubige (in römisch-katholischen, orthodoxen und vielen Freikirchen nur Männer) zum geistlichen Amt gesegnet, …