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Paul Hacker

Inklusivismus. Bearbeiten. Hacker prägte im Laufe seines Schaffens immer deutlicher den Begriff „Inklusivismus“ als Bezeichnung einer universellen Eigenart …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Profil und Forschungsansatz
  2. 2. Leben und akademischer Weg
  3. 3. Textgeschichtliche Methode
  4. 4. Inklusivismus
  5. 5. Schriften und weitere Tätigkeit

Profil und Forschungsansatz

Paul Hacker (6. Januar 1913–18. März 1979) war ein deutscher Indologe, also ein Wissenschaftler, der Sprachen, Texte, Religionen und Kulturen Indiens erforschte. Im Mittelpunkt seiner Arbeit standen die Vedānta-Schriften, besonders die Advaita-Philosophie Śaṅkaras, sowie die Purāṇas und neohinduistische Werke. Advaita bezeichnet eine philosophische Lehre der Nicht-Zweiheit; die Purāṇas sind umfangreiche religiöse Sanskrittexte mit Mythen, Legenden und theologischen Lehren. Hacker untersuchte außerdem die Geschichte religiöser Ideen und die Philologie moderner indischer Sprachen, vor allem des Hindi.

Kennzeichnend war seine philologisch-textkritische Arbeitsweise: Er verglich Begriffe, Formulierungen und verschiedene Fassungen von Texten, um deren Bedeutung, Entstehung und Veränderungen zu bestimmen. Besondere Aufmerksamkeit widmete er indischen Fachbegriffen, für die es keine genaue Entsprechung in modernen westlichen Sprachen gibt, darunter Dharma, Śraddha und Vrata. Seine wichtigsten Beiträge waren die Weiterentwicklung einer Methode zur Untersuchung anonymer Literatur und die Prägung des Begriffs „Inklusivismus“.

Leben und akademischer Weg

Hacker wuchs in Seelscheid auf und begann mit 19 Jahren sein Studium. In Bonn, Heidelberg, Frankfurt und Berlin studierte er Slawistik, Indologie, Vergleichende Linguistik, Englisch und Französisch. 1940 promovierte er im Alter von 27 Jahren mit der Arbeit „Studien über den Realismus I. J. Turgenjews“. Von 1940 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs diente er in der Wehrmacht.

Eine Förderung ermöglichte ihm 1947 die Arbeit „Untersuchungen zur Geschichte des frühen Advaita“, mit der er sich habilitierte. Ab 1949 hielt er Vorlesungen in Bonn, ab 1950 in Münster. 1954 arbeitete er an einem Institut in Darbhanga, der Mithila University. Von 1955 bis 1963 war er erneut in Bonn tätig. Dort freundete er sich mit Joseph Ratzinger an und konvertierte zum Katholizismus. 1963 übernahm er in Münster den neu gegründeten Lehrstuhl für Indologie. 1971 war er Gastprofessor an der University of Pennsylvania, 1978 ging er in den Ruhestand. Er starb am 18. März 1979 in Münster.

Textgeschichtliche Methode

Hacker entwickelte die von Willibald Kirfel begründete textgeschichtliche Methode zur Untersuchung anonymer Literatur weiter. Ihr Ausgangspunkt ist, dass verschiedene Purāṇas teilweise gleichlautende Textstücke enthalten. Durch den Vergleich dieser Passagen lassen sich frühere und spätere Bestandteile unterscheiden. So kann nachvollzogen werden, wie sich Mythen, Kulte, Legenden und theologische Vorstellungen geschichtlich entwickelt haben. Nach Hacker bieten die Purāṇas dafür eine einzigartige, in anderen Hochkulturen fehlende Möglichkeit.

Ein wichtiges Beispiel ist seine Prahlāda-Abhandlung, die 1959 erschien. Hacker verglich darin 16 Versionen der Prahlāda-Legende, stellte Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus und rekonstruierte nach Kirfels Methode eine ursprüngliche Form der Erzählung. Das Werk erschien 1960 unter dem Titel „Prahlāda. Werden und Wandlungen einer Idealgestalt“ und behandelt sowohl die Entstehung der Legende als auch ihre späteren Haupt- und Nebenentwicklungen.

Inklusivismus

Mit „Inklusivismus“ bezeichnete Hacker eine nach seiner Auffassung allgemeine Eigenart indischen Denkens. Gemeint ist eine Form der religiösen oder weltanschaulichen Auseinandersetzung: Eine Gruppe erklärt eine zentrale Vorstellung einer fremden Gruppe für identisch mit einer eigenen zentralen Vorstellung. Dabei gilt das Fremde meist ausdrücklich oder unausgesprochen als dem Eigenen untergeordnet oder unterlegen. Ein Beweis für die behauptete Identität wird nicht geführt.

Hacker erkannte diese Denkweise unter anderem in den Upaniṣaden, der Bhagavadgītā, den Purāṇas und bei neohinduistischen Denkern. Anders als bei einer direkten Polemik werden wichtige Begriffe der anderen Weltanschauung anerkannt, zugleich aber in das eigene System eingeordnet. Hacker unterschied dieses Verfahren von späteren Auseinandersetzungen mit formal-logischen Mitteln. Er sah darin geistige Flexibilität und vermutete, dass es auf manche Zuhörer werbend gewirkt habe.

Nach Hacker besaßen die Inder selbst keinen Begriff für dieses Vorgehen und reflektierten es nicht als besondere Methode. Im westlichen Kulturkreis gebe es ebenfalls kein genaues Gegenstück; deshalb sei Inklusivismus fälschlich als Toleranz verstanden worden. Hacker bezeichnete ihn zudem als Mittel einer unterlegenen, noch schwachen oder sich erst entwickelnden Gruppe, um sich durchzusetzen und Geltung zu gewinnen. Die Möglichkeit, Inklusivismus als allgemein menschliche Form der Auseinandersetzung zu verstehen, wies er zurück und betrachtete ihn als auf Indien beschränkt. Seine Ausarbeitung des Begriffs blieb allerdings unvollendet.

Schriften und weitere Tätigkeit

Hackers indologische Forschungen wurden größtenteils in den 1978 von Lambert Schmithausen herausgegebenen „Kleinen Schriften“ gesammelt. Zu seinen selbstständigen Arbeiten gehören die Übersetzung und Erläuterung von Śaṅkaras „Upadeśasāhasrī“ (1949), „Untersuchungen über Texte des frühen Advaitavāda. 1. Die Schüler Śañkaras“ (1953), eine Studie über Hilfsverben im modernen Hindi (1958) sowie das zweibändige Prahlāda-Werk. Daneben veröffentlichte er 1966 die theologische Schrift „Das Ich im Glauben bei Martin Luther“.

Seine Aufsätze behandelten unter anderem Śaṅkaras Lehre und Terminologie, die Geschichte indischer Kosmologie und Erkenntnistheorie, religiöse Toleranz und Intoleranz im Hinduismus, den Dharma-Begriff im Neuhinduismus, die Avatāra-Lehre, hinduistische Schöpfungsvorstellungen, Methoden der philologischen Begriffsforschung und den religiösen Nationalismus Vivekānandas. Der Aufsatz „Inklusivismus“ erschien 1983 postum. Hacker hinterließ außerdem zahlreiche theologische Arbeiten, deren Bedeutung Joseph Ratzinger in seiner Autobiographie hervorhob. Er gehörte zu den Gründern der hochkirchlichen Bruderschaft St. Jakobus.

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