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Inklusion (Soziologie)
Soziale Inklusion beschreibt das politische Postulat bzw. den sozialen Prozess. · Zu dem Thema in der Bildung siehe Inklusive Pädagogik.
Inhalt5 Abschnitte
Grundidee der Inklusion
Inklusion bezeichnet in der Soziologie den Einschluss oder die Einbeziehung von Menschen in die Gesellschaft. Der Begriff ist komplementär zu Exklusion, also zum Ausschluss. Je nach theoretischem Zusammenhang wird Inklusion unterschiedlich verstanden: In der soziologischen Systemtheorie meint sie die Teilhabe an einzelnen gesellschaftlichen Bereichen; in der Ungleichheitsforschung ist sie meist ein normatives Ziel vollständiger gesellschaftlicher Teilhabe.
Inklusion in der Systemtheorie
Talcott Parsons führte den Begriff in die soziologische Theorie ein. Für ihn bedeutet Inklusion innerhalb der evolutionären Gesellschaftsentwicklung, dass bisher ausgeschlossene Akteure in Subsysteme einbezogen werden.
Niklas Luhmann entwickelte den Begriff weiter. Er beschreibt die moderne Gesellschaft als funktional differenziert: Sie besteht aus voneinander abgegrenzten Funktionssystemen wie Wirtschaft, Politik, Recht, Wissenschaft, Erziehung, Kunst und Religion. Menschen können nicht als Teile in diese Systeme integriert werden. Sie müssen vielmehr gleichzeitig an mehreren Systemen partizipieren, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen.
Inklusion ist bei Luhmann die Teilhabe an den Leistungen eines Funktionssystems. Grund- und Menschenrechte sichern sowohl die relative Eigenständigkeit der Systeme als auch die strukturelle Einbeziehung tendenziell aller Menschen. Beispiele sind Wahlrecht, Berufsfreiheit, Recht auf Eheschließung und Religionsfreiheit. Eine vollständige Inklusion in alle Teilsysteme der Gesellschaft ist jedoch nicht möglich: Teilhabe in einem Bereich wird jeweils erst durch Exklusion aus anderen Funktionssystemen möglich.
Exklusion und Kritik am Systemansatz
Luhmann beobachtete in Favelas eine sehr weit gehende Exklusion aus allen Teilsystemen. Rudolf Stichweh vermutet dagegen, dass daraus keine stabil abgegrenzten Exklusionsbereiche entstehen, wie Luhmann annahm. Solche Orte könnten vielmehr Zentren sein, in denen immer neue und häufig deviante, also von Normen abweichende, Formen der Inklusion hervorgebracht werden. Dies unterlaufe die funktionale Differenzierung.
Sascha Weber betont die politische Sprengkraft des Systemansatzes. Funktional differenzierte Gesellschaften entwickelten Subsysteme zur Lösung bestimmter Probleme. So sei ein differenziertes Subsystem der Behindertenhilfe entstanden. Dieses führe jedoch weder funktional äquivalent noch zum Ziel einer inklusiven Gesellschaft hin.
Inklusion als Antwort auf soziale Ungleichheit
Als Reaktion auf beobachtete Exklusionstendenzen entwickelten Soziologen und später Sozialarbeitswissenschaftler normative Konzepte sozialer Inklusion. Sie verwenden den Begriff anders als Parsons und Luhmann: Gemeint ist eine vollständige gesellschaftliche Teilhabe.
Rudolf Stichweh ordnet diese Auffassung der französischen Sozialtheorie seit Émile Durkheim zu. Dort kann Inklusion als Gelingen gesellschaftlicher Solidarität verstanden werden. Bei Michel Foucault haben sowohl Exklusion als auch Inklusion disziplinarischen Charakter. Auch Pierre Bourdieus Ungleichheitstheorie beruht auf dem Gegensatzpaar Inklusion und Exklusion. Eine weitere Quelle ist Thomas H. Marshall mit seinem wohlfahrtsstaatlichen Konzept von citizenship.
Martin Kronauer grenzt Inklusion von Integration ab. Integration setzt eine vorgegebene Gesellschaft voraus, in die Menschen integriert werden können und sollen. Inklusion verlangt dagegen zunächst, gesellschaftliche Verhältnisse zu überwinden, die Menschen ausschließen.
Inklusion in den UN-Nachhaltigkeitszielen
Die Vereinten Nationen verabschiedeten 2015 die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung. Mehrere Ziele nennen Inklusion ausdrücklich. Ziel 4 lautet: „Ensure inclusive and quality education for all and promote lifelong learning“ („Gewährleistung einer inklusiven und hochwertigen Bildung für alle und Förderung lebenslangen Lernens“). Ziel 11 fordert: „Make cities inclusive, safe, resilient and sustainable“ („Städte inklusiv, sicher, belastbar und nachhaltig machen“). Ziel 16 lautet: „Promote just, peaceful and inclusive societies“ („Förderung gerechter, friedlicher und inklusiver Gesellschaften“).
Lernvideos zu Inklusion (Soziologie)
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