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Debatte um Inklusion: Regel- oder Förderschule? | BR24
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Transkriptautomatisch erstellt · 65 Zeilen
- [Musik] Es ist 16 Uhr. Willkommen zu BR24. Regel oder Förderschule. Diese Frage beschäftigt nicht nur Eltern mit
- einem behinderten Kind, sondern die gesamte Schulfamilie bis hin zur Politik. Eine aktuelle Studie des Forsaint Instituts, die heute
- veröffentlicht wurde, kommt zu dem Ergebnis: Inklusion an den Regelschulen ist zwar theoretisch gewollt, praktisch allerdings scheitert sie häufig. Dabei
- steht beispielsweise im bayerischen Gesetz über das Erziehungs und Unterrichtswesen. Inklusiver Unterricht ist Aufgabe aller
- Schulen. Derzeit ist es aber so, dass bundesweit mehr als 260.000 Schülerinnen und Schüler mit einer Behinderung an Regelschulen unterrichtet
- werden und etwa 340.000 an speziellen Förderschulen. Wir haben den Schulleiter einer solchen speziellen Förderschule gefragt, nämlich
- Klaus Koch vom sonderpädagogischen Förderzentrum in Batölz, wie bei ihm eigentlich die Situation ist. Sehr viele Eltern wollen ihre Kinder bei uns
- anmelden. Wir haben eigentlich oft Schwierigkeiten mit den vorhandenen Kapazitäten den Bedarf, der hier bei uns ist, zu
- decken. Die tiefere Antwort dahinter ist natürlich auch die, dass wir mit unserer Fachlichkeit für Kinder, die erheblichen
- Unterstützungsbedarf haben, eher Lösungen schaffen können mit etwas kleineren Klassen, aber auch mit eigenen Konzepten, die diesem großen
- Unterstützungsbedarf gerecht werden. Es gibt aber auch viele, die sagen, solche Förderschulen seien genau das Gegenteil von Inklusion. Sie finden den
- Unterricht an einer Regelschule deutlich besser, weil damit das Kind tatsächlich integriert würde. Hier haben wir die Meinung einer
- Mutter. Sie schreibt: "Unser Kind war an der Grundschule in einer Klasse mit Inklusionskind. Eine Lehrkraft und die Begleitperson haben harmonisch
- zusammengearbeitet. Das Inklusionskind haben wir als Bereicherung empfunden, auch weil deshalb die Klassenstärke reduziert war. Von der Schulbegleitung
- haben alle Kinder profitiert, weil sie die Lehrkraft entlastet hat. Wir würden dieses jederzeit wieder unterstützen. Die aktuelle Forsa Studie
- nun zeigt, dass auch bei Lehrkräften diese Meinung vorherrscht. Demnach ist die Zustimmung zur Unterricht an Regelschulen von
- Behinderten Kindern tatsächlich deutlich gewachsen. In 2014 war 2015 vor 10 Jahren lag sie noch bei 49% und im Lauf der letzten 10 Jahre
- sie ist deutlich gestiegen auf jetzt 61%. Und ich spreche jetzt mit Verina Bentele, der Präsidentin des Sozialverbandes VDK. Frau Bente, laut
- der aktuellen Forserumfrage befürworten 61% der Lehrkräfte Inklusion an Schulen, aber nur 26% halten diesen gemeinsamen Unterricht tatsächlich auch praktisch
- für sinnvoll. Zum einen, weil es an Lehrkräften fehlen, zum anderen, weil ohnehin die Klassen schon sehr groß sind. Was läuft denn da eigentlich
- schief bei uns an den Schulen? Ja, ich finde das sehr spannend, weil die Lehrerinnen und Lehrer haben das
- Problem benannt und erkannt. Wir haben zu große Klassen, wir haben zu wenig Fachpersonal an den Schulen und genau damit haben eigentlich die Lehrerinnen
- und Lehrer erklärt, woran die Inklusion zurzeit scheitert. Wir haben in den letzten Jahrzehnten immer wieder probiert irgendwie Menschen mit und ohne
- Behinderung gemeinsam lernen und dann später auch arbeiten zu lassen, aber es wurde nie am Schulsystem irgendwas geändert und ähm irgendwas verschoben
- hin zu beispielsweise kleineren Klassen, die auch für Kinder ohne Behinderung besser wären, hin zu einer zweiten Lehrkraft oder einer anderen
- Schulunterstützung in der Klasse. Also man muss einfach, wenn man Inklusion in der Bildung wirklich umfassend denkt, auch Bildung anders denken. Und das
- haben wir in Bayern und in Deutschland bisher leider versäumt. In der Umfrage kam auch raus, dass 41% der befragten Lehrkräfte sagen, ihre
- Schule sei gar nicht barrierefrei gebaut. Ist es tatsächlich die Realität in Deutschland im Jahr 2025?
- Also, was ganz spannend ist, wir wissen gar nicht ganz genau, was die Realität ist. Das ist eine Einschätzung in dem Fall der Lehrkräfte, der Schulen selbst.
- Aber ich finde schon spannend, dass in einem Teil der Daseinsvorsorge und dazu würde ich Bildung mal auf jeden Fall zählen, überhaupt nicht klar ist, wie es
- mit der Barrierefreiheit bestellt ist. Also, dass es dafür noch kein transparentes und einheitliches System gibt, um die Barrieren anzuzeigen oder
- die baulichen Gegebenheiten, finde ich schon interessant, weil in Viertel der Schulen gibt in eine Umfrage, die mir bekannt ist, auch an, dass sie
- barrierefrei sind, aber auch das hat noch niemand wirklich flächendeckend überprüft. Also ich wä hier erstmal dafür wirklich für volle Transparenz zu
- sorgen, damit nicht am Ende die Schulen die Aufnahme von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung ablehnen können wegen der Barrieren, die
- vorhanden sind, sondern dass erstmal klar ist, jede Bildungseinrichtung hat die Pflicht eben die Schülerinnen und Schüler auch aufzunehmen und zu schulen.
- Das ist immerhin mit der UN behinderten Rechtskonvention in Deutschland so unterschrieben. Was ist denn Ihre persönliche Meinung?
- Finden Sie Förderschulen besser, wo Menschen Kinder mit Behinderung für sich lernen? oder finden Sie die Inklusion an den Regelschulen für sinnvoller?
- Es gibt sicher auch Kinder und Jugendliche, für die ist eine Förderschule ein Ort, an dem sie gerne und gut lernen und deswegen muss diese
- Alternative vorhanden sein. Aber klar ist, wir haben auf der einen Seite natürlichen Rechtsanspruch auf inklusive Bildung und wir haben auch einen
- gesellschaftlichen Anspruch und das ist eigentlich für mich die Messlatte. Der gesellschaftliche Anspruch muss eigentlich schon sein, dass alle
- gemeinsam lernen, weil wir wollen ja auch später gemeinsam leben, arbeiten, Familienründen im Sportvere für einen Sport machen. Wir wollen gemeinsam leben
- als Gesellschaft. Deswegen zu sagen, in der Bildung passt uns jetzt noch nicht, aber später drücken wir dann alle mit 20 Burb auf den Knopf und ab dann haben wir
- Inklusion. Ich glaube da dran nicht. Also von daher sehe ich es schon so, dass wir jetzt wirklich mal dringend und schleunigst unser Bildungssystem in
- Frage stellen müssen und uns fragen müssen, wie es eigentlich sein kann, dass Kinder mit Behinderungen und auch Kinder und Jugendliche aus Familien, wo
- sie eben nicht sehr gut gefördert werden, immer noch so viele Herausforderungen haben in diesem Bildungssystem ist für mich jetzt
- wirklich ein vor allem deutlicher Handlungsauftrag. Mhm. Irgendwann werden ja aus Schülerinnen und Schülerarbeitnehmer und
- außerdem ist es ja so, dass 97%, also fast alle Menschen mit Behinderung, mit Schwerbehinderung tatsächlich diese erst im Laufe ihres Lebens erwerben, also als
- Kinder noch gar nicht betroffen sind. Deswegen wollen wir jetzt mal auf den Arbeitsmarkt blicken. Wie sieht es denn da ihrer Meinung nach mit der Inklusion
- aus? Wir haben am Arbeitsmarkt immer noch riesige Herausforderungen im Punkto Inklusion. Vor allem deswegen, weil
- viele Unternehmen immer noch keine Menschen mit Behinderungen beschäftigen, weil sie immer noch zu viele Barrieren im Unternehmen haben, vielleicht auch
- nicht barrierefreie Dienstleistung und Produkte anbieten und deswegen eben Menschen mit Behinderungen immer noch deutlich mehr von Arbeitslosigkeit
- betroffen sind und das, obwohl sie im Schnitt sogar sehr gut qualifiziert sind und für mich ähm ist das ganz klar auch wiederum großer Zusammenhang mit der
- Bildungspolitik, weil wenn sich Menschen mit und ohne Behinderung schon im Kindesalter gut kennenlernen, sind die Vorbehalte im Kopf. weniger und das ist
- dann natürlich auch für die fast 97% der Menschen hilfreich, die im Laufe ihres Lebens eine Behinderung bekommen und dann eben auch ein Arbeitsstelle
- vielleicht suchen oder in der Arbeitsstelle bleiben wollen. Was brauchen denn Arbeitgeber an Unterstützung oder vielleicht auch an
- Informationen, damit diese Inklusion am Arbeitsmarkt besser gelingt, damit sie ihre Unternehmen, ihre Betriebe öffnen für diese Menschen?
- Also ganz wichtig ist, dass betriebliche Ausbildungen auch für Menschen mit Behinderung deutlich mehr geöffnet werden, weil das zeigen schon auch
- Studien. Wenn beispielsweise jemand im Job ist und dann eine Behinderung bekommt, sind viele Arbeitgeber gewillt und auch die Kolleginnen und Kollegen
- die Person weiter im Unternehmen zu halten, wenn man sich eben schon kennt. Für viele Unternehmen ist aber das Thema Handicappen sehr fremdes und deswegen
- gibt's große Berührungsängste und gibt's eben auch große Vorurteile zum Thema die Menschen sind weniger leistungsfähig, haben vielleicht viel Bedarf und geben
- wenig dem Unternehmen. Und um das zu durchbrechen, ist ganz dringend und wichtig, dass es mehr Praktika gibt, mehr Ausbildungen im Betrieb, aber eben
- auch wirklich noch mehr Unterstützung für die Menschen mit Behinderungen, um eben im Unternehmen schnell Fußfassen zu können. Es gibt schon ganz viele
- Ansprechstellen und Beratungsmöglichkeiten für die Arbeitgeber, sei es von der Bundesagentur für Arbeit oder in
- unabhängige Ansprechstelle für Arbeitgeber. Also, es gibt schon sehr viel Beratung. Das alleine kann es eigentlich nicht mehr sein.
- Vielen Dank, Frau Bentille, für das Gespräch. [Musik]