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Debatte um Inklusion: Regel- oder Förderschule? | BR24

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  1. [Musik] Es ist 16 Uhr. Willkommen zu BR24. Regel oder Förderschule. Diese Frage beschäftigt nicht nur Eltern mit
  2. einem behinderten Kind, sondern die gesamte Schulfamilie bis hin zur Politik. Eine aktuelle Studie des Forsaint Instituts, die heute
  3. veröffentlicht wurde, kommt zu dem Ergebnis: Inklusion an den Regelschulen ist zwar theoretisch gewollt, praktisch allerdings scheitert sie häufig. Dabei
  4. steht beispielsweise im bayerischen Gesetz über das Erziehungs und Unterrichtswesen. Inklusiver Unterricht ist Aufgabe aller
  5. Schulen. Derzeit ist es aber so, dass bundesweit mehr als 260.000 Schülerinnen und Schüler mit einer Behinderung an Regelschulen unterrichtet
  6. werden und etwa 340.000 an speziellen Förderschulen. Wir haben den Schulleiter einer solchen speziellen Förderschule gefragt, nämlich
  7. Klaus Koch vom sonderpädagogischen Förderzentrum in Batölz, wie bei ihm eigentlich die Situation ist. Sehr viele Eltern wollen ihre Kinder bei uns
  8. anmelden. Wir haben eigentlich oft Schwierigkeiten mit den vorhandenen Kapazitäten den Bedarf, der hier bei uns ist, zu
  9. decken. Die tiefere Antwort dahinter ist natürlich auch die, dass wir mit unserer Fachlichkeit für Kinder, die erheblichen
  10. Unterstützungsbedarf haben, eher Lösungen schaffen können mit etwas kleineren Klassen, aber auch mit eigenen Konzepten, die diesem großen
  11. Unterstützungsbedarf gerecht werden. Es gibt aber auch viele, die sagen, solche Förderschulen seien genau das Gegenteil von Inklusion. Sie finden den
  12. Unterricht an einer Regelschule deutlich besser, weil damit das Kind tatsächlich integriert würde. Hier haben wir die Meinung einer
  13. Mutter. Sie schreibt: "Unser Kind war an der Grundschule in einer Klasse mit Inklusionskind. Eine Lehrkraft und die Begleitperson haben harmonisch
  14. zusammengearbeitet. Das Inklusionskind haben wir als Bereicherung empfunden, auch weil deshalb die Klassenstärke reduziert war. Von der Schulbegleitung
  15. haben alle Kinder profitiert, weil sie die Lehrkraft entlastet hat. Wir würden dieses jederzeit wieder unterstützen. Die aktuelle Forsa Studie
  16. nun zeigt, dass auch bei Lehrkräften diese Meinung vorherrscht. Demnach ist die Zustimmung zur Unterricht an Regelschulen von
  17. Behinderten Kindern tatsächlich deutlich gewachsen. In 2014 war 2015 vor 10 Jahren lag sie noch bei 49% und im Lauf der letzten 10 Jahre
  18. sie ist deutlich gestiegen auf jetzt 61%. Und ich spreche jetzt mit Verina Bentele, der Präsidentin des Sozialverbandes VDK. Frau Bente, laut
  19. der aktuellen Forserumfrage befürworten 61% der Lehrkräfte Inklusion an Schulen, aber nur 26% halten diesen gemeinsamen Unterricht tatsächlich auch praktisch
  20. für sinnvoll. Zum einen, weil es an Lehrkräften fehlen, zum anderen, weil ohnehin die Klassen schon sehr groß sind. Was läuft denn da eigentlich
  21. schief bei uns an den Schulen? Ja, ich finde das sehr spannend, weil die Lehrerinnen und Lehrer haben das
  22. Problem benannt und erkannt. Wir haben zu große Klassen, wir haben zu wenig Fachpersonal an den Schulen und genau damit haben eigentlich die Lehrerinnen
  23. und Lehrer erklärt, woran die Inklusion zurzeit scheitert. Wir haben in den letzten Jahrzehnten immer wieder probiert irgendwie Menschen mit und ohne
  24. Behinderung gemeinsam lernen und dann später auch arbeiten zu lassen, aber es wurde nie am Schulsystem irgendwas geändert und ähm irgendwas verschoben
  25. hin zu beispielsweise kleineren Klassen, die auch für Kinder ohne Behinderung besser wären, hin zu einer zweiten Lehrkraft oder einer anderen
  26. Schulunterstützung in der Klasse. Also man muss einfach, wenn man Inklusion in der Bildung wirklich umfassend denkt, auch Bildung anders denken. Und das
  27. haben wir in Bayern und in Deutschland bisher leider versäumt. In der Umfrage kam auch raus, dass 41% der befragten Lehrkräfte sagen, ihre
  28. Schule sei gar nicht barrierefrei gebaut. Ist es tatsächlich die Realität in Deutschland im Jahr 2025?
  29. Also, was ganz spannend ist, wir wissen gar nicht ganz genau, was die Realität ist. Das ist eine Einschätzung in dem Fall der Lehrkräfte, der Schulen selbst.
  30. Aber ich finde schon spannend, dass in einem Teil der Daseinsvorsorge und dazu würde ich Bildung mal auf jeden Fall zählen, überhaupt nicht klar ist, wie es
  31. mit der Barrierefreiheit bestellt ist. Also, dass es dafür noch kein transparentes und einheitliches System gibt, um die Barrieren anzuzeigen oder
  32. die baulichen Gegebenheiten, finde ich schon interessant, weil in Viertel der Schulen gibt in eine Umfrage, die mir bekannt ist, auch an, dass sie
  33. barrierefrei sind, aber auch das hat noch niemand wirklich flächendeckend überprüft. Also ich wä hier erstmal dafür wirklich für volle Transparenz zu
  34. sorgen, damit nicht am Ende die Schulen die Aufnahme von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung ablehnen können wegen der Barrieren, die
  35. vorhanden sind, sondern dass erstmal klar ist, jede Bildungseinrichtung hat die Pflicht eben die Schülerinnen und Schüler auch aufzunehmen und zu schulen.
  36. Das ist immerhin mit der UN behinderten Rechtskonvention in Deutschland so unterschrieben. Was ist denn Ihre persönliche Meinung?
  37. Finden Sie Förderschulen besser, wo Menschen Kinder mit Behinderung für sich lernen? oder finden Sie die Inklusion an den Regelschulen für sinnvoller?
  38. Es gibt sicher auch Kinder und Jugendliche, für die ist eine Förderschule ein Ort, an dem sie gerne und gut lernen und deswegen muss diese
  39. Alternative vorhanden sein. Aber klar ist, wir haben auf der einen Seite natürlichen Rechtsanspruch auf inklusive Bildung und wir haben auch einen
  40. gesellschaftlichen Anspruch und das ist eigentlich für mich die Messlatte. Der gesellschaftliche Anspruch muss eigentlich schon sein, dass alle
  41. gemeinsam lernen, weil wir wollen ja auch später gemeinsam leben, arbeiten, Familienründen im Sportvere für einen Sport machen. Wir wollen gemeinsam leben
  42. als Gesellschaft. Deswegen zu sagen, in der Bildung passt uns jetzt noch nicht, aber später drücken wir dann alle mit 20 Burb auf den Knopf und ab dann haben wir
  43. Inklusion. Ich glaube da dran nicht. Also von daher sehe ich es schon so, dass wir jetzt wirklich mal dringend und schleunigst unser Bildungssystem in
  44. Frage stellen müssen und uns fragen müssen, wie es eigentlich sein kann, dass Kinder mit Behinderungen und auch Kinder und Jugendliche aus Familien, wo
  45. sie eben nicht sehr gut gefördert werden, immer noch so viele Herausforderungen haben in diesem Bildungssystem ist für mich jetzt
  46. wirklich ein vor allem deutlicher Handlungsauftrag. Mhm. Irgendwann werden ja aus Schülerinnen und Schülerarbeitnehmer und
  47. außerdem ist es ja so, dass 97%, also fast alle Menschen mit Behinderung, mit Schwerbehinderung tatsächlich diese erst im Laufe ihres Lebens erwerben, also als
  48. Kinder noch gar nicht betroffen sind. Deswegen wollen wir jetzt mal auf den Arbeitsmarkt blicken. Wie sieht es denn da ihrer Meinung nach mit der Inklusion
  49. aus? Wir haben am Arbeitsmarkt immer noch riesige Herausforderungen im Punkto Inklusion. Vor allem deswegen, weil
  50. viele Unternehmen immer noch keine Menschen mit Behinderungen beschäftigen, weil sie immer noch zu viele Barrieren im Unternehmen haben, vielleicht auch
  51. nicht barrierefreie Dienstleistung und Produkte anbieten und deswegen eben Menschen mit Behinderungen immer noch deutlich mehr von Arbeitslosigkeit
  52. betroffen sind und das, obwohl sie im Schnitt sogar sehr gut qualifiziert sind und für mich ähm ist das ganz klar auch wiederum großer Zusammenhang mit der
  53. Bildungspolitik, weil wenn sich Menschen mit und ohne Behinderung schon im Kindesalter gut kennenlernen, sind die Vorbehalte im Kopf. weniger und das ist
  54. dann natürlich auch für die fast 97% der Menschen hilfreich, die im Laufe ihres Lebens eine Behinderung bekommen und dann eben auch ein Arbeitsstelle
  55. vielleicht suchen oder in der Arbeitsstelle bleiben wollen. Was brauchen denn Arbeitgeber an Unterstützung oder vielleicht auch an
  56. Informationen, damit diese Inklusion am Arbeitsmarkt besser gelingt, damit sie ihre Unternehmen, ihre Betriebe öffnen für diese Menschen?
  57. Also ganz wichtig ist, dass betriebliche Ausbildungen auch für Menschen mit Behinderung deutlich mehr geöffnet werden, weil das zeigen schon auch
  58. Studien. Wenn beispielsweise jemand im Job ist und dann eine Behinderung bekommt, sind viele Arbeitgeber gewillt und auch die Kolleginnen und Kollegen
  59. die Person weiter im Unternehmen zu halten, wenn man sich eben schon kennt. Für viele Unternehmen ist aber das Thema Handicappen sehr fremdes und deswegen
  60. gibt's große Berührungsängste und gibt's eben auch große Vorurteile zum Thema die Menschen sind weniger leistungsfähig, haben vielleicht viel Bedarf und geben
  61. wenig dem Unternehmen. Und um das zu durchbrechen, ist ganz dringend und wichtig, dass es mehr Praktika gibt, mehr Ausbildungen im Betrieb, aber eben
  62. auch wirklich noch mehr Unterstützung für die Menschen mit Behinderungen, um eben im Unternehmen schnell Fußfassen zu können. Es gibt schon ganz viele
  63. Ansprechstellen und Beratungsmöglichkeiten für die Arbeitgeber, sei es von der Bundesagentur für Arbeit oder in
  64. unabhängige Ansprechstelle für Arbeitgeber. Also, es gibt schon sehr viel Beratung. Das alleine kann es eigentlich nicht mehr sein.
  65. Vielen Dank, Frau Bentille, für das Gespräch. [Musik]

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