Zum Inhalt springen
L

Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).

Wie Deutschland Ausgrenzung als Inklusion verkauft | ZDF Magazin Royale

ZDF MAGAZIN ROYALE20:28 879.591 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 262 Zeilen
Herunterladen
  1. (Jan): Meine Damen und Herren und alle dazwischen und außerhalb, wir haben Ende des Jahres,
  2. das ist die letzte Ausgabe des "ZDF Magazin Royale" in diesem Jahr, 2024.
  3. Ey, war das nicht ein schönes Jahr? * Musik *
  4. (Jan): Wahnsinn, oder? War das nicht ein tolles Jahr? Wie die Zeit vergeht.
  5. Eigentlich wollten wir ja letzte Woche schon alles dicht machen, inklusive uns selber, aber dann ist uns aufgefallen:
  6. Fuck, wir haben ja was vergessen im "ZDF Magazin Royale". Ein super wichtiges Thema ist uns einfach durchgerutscht in diesem Jahr.
  7. Und auch in den elf Jahren vorher. Inklusion.
  8. Heute geht es im "ZDF Magazin Royale" um Inklusion, um die Situation von Menschen mit Behinderung in Deutschland.
  9. * Zitat * Logisch, jeder Mensch soll teilhaben können an allem.
  10. Das bedeutet Inklusion. Das müsste eigentlich sogar
  11. der hinterletzte Rostbratwurstzipfel verstanden haben. (Markus Söder): Für mich sind wir alle eins.
  12. Und für mich hat jeder die gleichen Chancen. Egal, mit welchem Handicap er startet
  13. oder vielleicht durch einen Unfall oder eine Krankheit bekommt. (Jan): Jeder hat die gleichen Chancen.
  14. Lieber christsozialer Markus, wirklich wahr? Stimmt es wirklich? Dann wollen wir doch mal schauen.
  15. Ganz Deutschland hat sich zur Inklusion verpflichtet. Hier, die UN- Behinderten-Rechtskonvention,
  16. die gilt seit 2009 in Deutschland. Menschen mit Behinderung dürfen nicht diskriminiert werden
  17. und sollen überall an allem gleichberechtigt teilnehmen können. Das sind keine Privilegien, das sind Menschenrechte.
  18. In den Bus einsteigen können, beim Fußball die gegnerische Mannschaft beleidigen,
  19. seinen Ehemann betrügen oder beim Klaasohm auf Borkum mitmachen. Auch Menschen mit Behinderung sollen ein Recht darauf haben,
  20. auf Borkum Frauen gegen ihren Willen mit Kuhhörnern zu verprügeln. Na klar, natürlich ganz normal.
  21. In Deutschland gibt es übrigens mehr Menschen mit Behinderung, als man so denkt.
  22. * Zitat * Ungefähr jede sechste Person.
  23. Jede sechste Person. Und die meisten kommen nicht mit einer Behinderung auf die Welt,
  24. sondern werden im Laufe ihres Lebens zu Menschen mit Behinderung. Durch Unfälle oder Erkrankungen
  25. wie Endometriose, Krebs, MECFS, Parkinson, Epilepsie, Migräne, Rheuma, Asthma, Depression und und und.
  26. (Person 1): Ich studiere in Düsseldorf und sitze im Rollstuhl. Und wenn ich mir dann in der Bibliothek
  27. selbstständig ein Buch aus dem Regal nehmen muss, dann geht das nicht. Ich muss ständig fremde Leute fragen,
  28. obwohl ich das gerne selbstständig machen würde. (Person 2): In einer Bäckerei, als ich Brot kaufen wollte,
  29. sagte die Verkäuferin zu mir: "Ja, Sie sind blind." Also wenn ich blind wäre, würde ich mir ja den Strick nehmen.
  30. (Person 3): Ich habe 'ne chronische Erkrankung und aufgrund dessen u.a.
  31. 'ne starke Sehbehinderung. Wenn z.B. Ampelsignale
  32. oder Töne es nicht tun und ich dann nicht
  33. die Ampel erkennen kann, kann es im schlimmsten Fall sein,
  34. dass ich über 'ne rote Ampel laufe oder stundenlang an der
  35. Ampel stehe und nicht weiß ob ich über Grün oder Rot gehen kann
  36. und eventuell angefahren werde. (Person 4): Ich wollte zum Friseur
  37. vor ein Paar Tagen und musste dann erst mal
  38. 20 bis 30 Minuten recherchieren, um herauszufinden,
  39. welcher Friseur barrierefrei ist. Und hatte nicht die Entscheidung, zu welchem Friseur
  40. möchte ich gerne gehen, sondern zu welchem Friseur
  41. kann ich gehen, weil er ebenerdig zugänglich ist.
  42. (Person 5): Ich bin im Prinzip seit meiner Geburt auf den Rollstuhl angewiesen
  43. und wenn ich mit einer Begleitperson unterwegs bin, merke ich, dass ich
  44. nicht so Ernst genommen werde. Man spricht automatisch
  45. mit der Person hinter mir, ob das jetzt an der Kasse ist oder auch beim Arzt.
  46. (Jan): Ja, Menschen mit Behinderungen werden behindert in Deutschland,
  47. von unzähligen Barrieren, die Menschen ohne Behinderung
  48. gar nicht bemerken. Sie werden behindert von ihrer Umwelt.
  49. Bei Inklusion geht es darum, dass das nicht länger passiert. Aber jetzt kommt das Wort,
  50. das in jedem Satz, der zu schön ist, um Deutsch zu sein,
  51. immer kommt: Aber! Aber: Inklusion
  52. gibt es nicht in Deutschland. Das Wort sagen immer
  53. nur alle - "Inklusion". Aber was Deutschland für Inklusion hält,
  54. ist nichts anderes als Exklusion. Die Ausgrenzung und Behinderung
  55. von Menschen. Deutschland ist ein exklusives Land.
  56. * Zitate * Allgemeine Menschenrechte und UN-Behinderten-Rechtskonventionen,
  57. mein Arsch! Inklusion ...
  58. (Stimme aus dem Off): Exklusion ... ... geht schon ganz früh los
  59. in Deutschland, bei Kindern, z.B. in der Schule.
  60. Wir haben in Deutschland extra eigene Schulen für Menschen,
  61. die behindert werden. Und die machen das exakte Gegenteil von Inklusion.
  62. * Zitat * So denkt z.B. Sachsen-Anhalt:
  63. Sonderschulen, die inzwischen übrigens meistens "Förderschulen" heißen.
  64. Klingt ja auch viel schöner, nicht so nach Absondern oder
  65. Aussondern, sondern nach Fördern. Aber, das ist natürlich Quatsch.
  66. Förderschulen fördern v.a. eines. Die staatlich organisierte Ausgrenzung von Menschen,
  67. die es seit 2009 eigentlich in Deutschland nicht mehr geben dürfte.
  68. Aber: ... * Zitat *
  69. Deutschland macht einfach sein eigenes Ding. Wir halten uns nicht
  70. an Konventionen oder Versprechen. Deutschland hat einfach das Robert-Geiss-Mindset.
  71. (Carmen Geiss): Du bist der Mann, du musst, du hast, als du mich geheiratet hast, gesagt, du wirst immer für mich da sein.
  72. (Robert Geiss): War gelogen. (Jan): Ja, war gelogen.
  73. Haha, was willst du machen? Dabei gibt es bereits
  74. eine Lösung für echte Inklusion. Nämlich Schulen, in denen alle Kinder
  75. gemeinsam unterrichtet werden. Aber Bildung ist in Deutschland
  76. leider Ländersache. In Bremen klappt es schon ganz gut,
  77. da sind fast alle Schulen wirklich inklusiv. Aber in Baden-Württemberg
  78. gehen sogar im Verhältnis mehr Kinder auf Förderschulen
  79. als noch 2009. Es wird nicht besser, sondern
  80. schlechter in Baden-Württemberg. Aber ob Kinder in eine Förderschule
  81. gehen oder in eine inklusive Schule, das macht einen riesengroßen Unterschied.
  82. Und zwar für den Rest ihres Lebens. * Zitat *
  83. Ja, Förderschulen fördern v.a. Ausgrenzung. Die meisten Schüler*innen
  84. haben nach der Förderschule nicht mal einen Hauptschulabschluss.
  85. Aber Menschen, die behindert werden, die brauchen eh
  86. keinen Schulabschluss, oder? Die können nach der Förderschule in der Werkstatt arbeiten, na und?
  87. * Zitat * (Jan): Ja genau, Werkstätten.
  88. Da denkt man doch direkt an selbstgebastelte Karten,
  89. an Honigkerzen, an wunderschöne Echtholz-Butt-Plugs,
  90. die man auf dem Weihnachtsmarkt kaufen kann. Aber
  91. viele Werkstätten sind keine muckeligen Bastelstuben, sondern billige
  92. Produktionsstätten, die Millionen Euros umsetzen und für fette Konzerne
  93. Aufträge erfüllen. (Ausschnitt SWR): Und hier werden die Bordwerkzeuge
  94. für den Porsche Macan zusammengestellt.
  95. Monatslohn im Schnitt: rund 220 Euro. (Jan): What?
  96. Rund 220 Euro im Monat? Ja klar, natürlich.
  97. 220 Euro im Monat - rund. Porsches müssen ja günstig sein.
  98. Damit man sich den auch schon als junger High-Performer leisten kann,
  99. wenn man noch ganz oben in der Pyramide steht.
  100. (Christian Lindner): Bitte nicht weitersagen. Mit 19 habe ich
  101. meinen ersten Porsche gekauft. (Jan): Nee, keine Sorge,
  102. sagen wir niemandem weiter. Das wird niemand
  103. irgendwie jemals erfahren. Klar, der Mindestlohn in Deutschland
  104. liegt aktuell übrigens bei 2054 Euro im Monat.
  105. Aber der Mindestlohn gilt nicht in Werkstätten,
  106. also zumindest nicht für Menschen, die behindert werden.
  107. 220 Euro im Monat. 220 Euro.
  108. Da kommen zwar noch staatliche Zuschüsse drauf, aber ...
  109. Überraschung! Menschen, die behindert werden,
  110. sind in Deutschland besonders von Armut bedroht.
  111. * Er atmet tief ein. * Riechen Sie das auch? Dieser Duft? Was ist das?
  112. Das sind aber nicht irgendwie Zimt, Weihrauch und Myrrhe, oder?
  113. Was ist das? (Knossi): Riecht komisch.
  114. * Würgegeräusch * Du Drecksau! Mir hat wirklich
  115. einer Scheiße geschickt! * Würgegeräusch * Ja, Deutschland stinkt!
  116. 220 Euro im Monat. Ey Deutschland, du Drecksau!
  117. Werkstätten unterstützen nicht Menschen, die behindert werden,
  118. sondern Konzerne, die Billigstarbeitskräfte brauchen,
  119. um noch mehr Gewinn zu machen. * Zitat *
  120. Michael Wendler hatte Recht, all die Jahre!
  121. Und wir haben nicht auf ihn gehört. (Michael Wendler): Ich werfe der Bundesregierung bezüglich der ...
  122. (Jan): ... Umsetzung der Behindertenrechtskonvention
  123. der Vereinten Nationen ... (Michael Wendler): grobe und schwere Verstöße gegen die
  124. Verfassung und des Grundgesetzes vor (Jan): Ja, vollkommen richtig, Micha.
  125. Besser hätte ich es selber nicht sagen können.
  126. Deutschland verstößt gegen das Grundgesetz.
  127. Aber das interessiert keinen, niemanden.
  128. Weil es nur um Menschen geht, die behindert werden.
  129. Und die sieht oft sowieso keiner. Werden morgens im Dunkeln
  130. vom Fahrdienst im Wohnheim abgeholt, zur Werkstatt gebracht und abends
  131. im Dunkeln nach getaner Arbeit wieder zurück ins Wohnheim gefahren.
  132. Abseits der Gesellschaft, ohne gleichberechtigte Möglichkeiten,
  133. am Leben teilzunehmen. Aus dem Auge, aus dem Sinn.
  134. Offiziell sollen Werkstätten Menschen, die behindert werden, auf den Arbeitsmarkt vorbereiten.
  135. Aber von der Werkstatt in den allgemeinen Arbeitsmarkt wechseln,
  136. das klappt nur bei 0,35 % aller Beschäftigten.
  137. Eine von 300. Einmal Werkstatt, immer Werkstatt.
  138. Wer will, der soll natürlich in Werkstätten arbeiten können.
  139. Aber es geht eben ums Wollen. (Lulzim Lushtaku): Menschen, die in einer Werkstatt
  140. beschäftigt sind, müssen fair bezahlt werden.
  141. Darum muss sich die nächste Bundesregierung sich kümmern.
  142. Wichtig ist auch, Menschen, die auf den allgemeinen Arbeitsmarkt
  143. wechseln, sollen die passende, richtige Unterstützung bekommen.
  144. Es gibt aber auch viele Menschen, die kommen gerne zur Werkstatt.
  145. Für diese Menschen ist es wichtig, dass die Werkstatt weiterhin
  146. ein guter Arbeitsort bleibt. (Jan): Viele Menschen wollen gerne
  147. in einer Werkstatt arbeiten. Aber vielleicht liegt das auch daran,
  148. weil der Deutsche Arbeitsmarkt nicht gemacht ist für Menschen,
  149. die behindert werden. Dabei gibt es sogar
  150. eine gesetzliche Quote. Arbeitgeber*innen mit mindestens 20
  151. Arbeitsplätzen müssten in Deutschland eigentlich fünf Prozent ihrer Stellen
  152. besetzen mit Menschen, die offiziell
  153. als schwerbehindert gelten. Aber das klappt nicht.
  154. * Zitat * 61 % tun es also nicht.
  155. Fast zwei Drittel der deutschen Unternehmen
  156. halten sich nicht ans Gesetz. Wir auch nicht.
  157. Auch wir, das "ZDF Magazin Royale", gehören zu den 61 %
  158. der deutschen Unternehmen, die die gesetzliche
  159. Beschäftigungspflicht nicht erfüllen. Aber gute Nachrichten für alle
  160. Gesetzesbrecher*innen da draußen: Im Gesetz ist der Gesetzesbruch direkt mit einkalkuliert.
  161. * Zitat * Ja, wer sich nicht an die gesetzliche Quote hält,
  162. der kann sich einfach freikaufen. Wie aus dem Gefängnis bei "Monopoly".
  163. Oder wie Prominente mit schmutzigen Geheimnissen
  164. mit der "Ein Herz für Kinder"-Gala von Bild und ZDF einmal im Jahr.
  165. Auch wir haben letztes Jahr die Beschäftigungsquote nicht erfüllt.
  166. Und auch wir haben uns freigekauft. Bei uns, beim "ZDF Magazin Royale",
  167. arbeitet keine Person mit bekannter Schwerbehinderung.
  168. Deshalb mussten wir letztes Jahr 13.680 Euro Strafe zahlen.
  169. Aber macht nix, weil ... * Zitat *
  170. Wer das Gesetz bricht, muss zwar zahlen, aber darf dann die Strafe
  171. von der Steuer absetzen. Vielen Dank, Deutschland.
  172. Inklusion. (Stimme aus dem Off): Exklusion.
  173. Und auch wir haben das gemacht. Die ganze Strafe, 13.680 Euro,
  174. einfach von der Steuer abgesetzt. * Würgegeräusch *
  175. Ja, stinkt. Ich will aber nicht die ganze Zeit
  176. mit dem Finger auf mich zeigen, sondern auch mal auf andere schauen.
  177. Wie machen das andere, größere, bei Politikern noch
  178. beliebtere Unternehmen als unseres mit der gesetzlichen
  179. Beschäftigungs-Pflicht für schwerbehinderte Menschen?
  180. Z.B. Porsche, wie sieht's aus bei Porsche?
  181. Haben die sich 2023 an die gesetzliche Beschäftigungs-Pflicht gehalten?
  182. * Zitat * Genau.
  183. Warum sollte Porsche auch Menschen, die behindert werden,
  184. bei vollem Lohn anstellen? Schließlich gibt's ja
  185. das deutsche Werkstätten-System. Und das ist doch viel billiger.
  186. * Zitat * Porsche stellt nicht genug Menschen an, die behindert werden,
  187. sondern lässt lieber Menschen, die behindert werden,
  188. in Werkstätten für sich arbeiten. Für z.B. 220 Euro im Monat - mega!
  189. Porsche nennt das "finanzielle Unterstützung von Einrichtungen"
  190. und spendet natürlich auch gerne mal was.
  191. Aber das ist trotzdem nichts anderes als good old Ausbeutung.
  192. Porsche hält sich nicht an die Beschäftigungspflicht
  193. und ist damit nicht alleine. Mindestens 16 der im DAX notierten
  194. fettesten deutschen Konzerne erfüllen nicht die
  195. gesetzliche Beschäftigungspflicht. Fröhliche Weihnachten - hahaha.
  196. 00:21:35:17 00:21:37:12 01:20 (Jan): Inklusion. (Stimme aus dem Off): Exklusion.
  197. (Jan): Aber es gibt ja zum Glück nicht nur ...
  198. * himmlische Musik * ... denen natürlich Menschen egal
  199. sind, solange der DAX Rekorde bricht. Es gibt ja auch noch
  200. den öffentlichen Sektor, den Staat, der immer wieder
  201. mit gutem Beispiel vorangeht. Ey Staat, sag doch mal hallo, komm!
  202. * schwungvolle Popmusik * * Musik läuft aus Lautsprecher weiter. *
  203. Skibidi! Zusammen mit unseren Kolleg*innen
  204. vom inklusiven Magazin "andererseits" haben wir in den
  205. Bundesländern nachgefragt: Wie steht der Staat als Arbeitgeber
  206. zu Menschen, die behindert werden? Wie sieht es da aus
  207. mit 'ner Anstellung? Und naja, auch mehrere
  208. deutsche Bundesländer erfüllen die gesetzliche Beschäftigungspflicht nicht.
  209. Rheinland-Pfalz z.B. hätte im letzten Jahr deshalb
  210. um ein Haar rund 288.000 Euro Strafe bezahlen müssen.
  211. Aber * Zitat *
  212. Weil * Zitat *
  213. Rheinland -Pfalz, der Porsche Macan unter den deutschen Bundesländern.
  214. Statt ausreichend Menschen, die behindert werden, anzustellen,
  215. hat Rheinland-Pfalz einfach ganz viele Aufträge an Werkstätten erteilt
  216. und musste darum keine Strafe zahlen. Der Staat, der selbst
  217. die UN-Behindertenrechts-Konvention unterschrieben hat,
  218. dribbelt sein eigenes System aus. (Detlef Steves): Hör mal, jetzt mal ganz ehrlich.
  219. Habt ihr an 'nem Reifen geleckt, der 200 km gebrannt hat?
  220. (Jan): Nein, das ist ... Das ist einfach
  221. (Jan): Inklusion ... (Stimme aus dem Off): Exklusion ... in Deutschland. Dank 'nem netten Trick
  222. 0 Euro abdrücken, statt 288.000 Euro Strafe zahlen.
  223. ähnlich geile Deals hat Rheinland-Pfalz
  224. auch schon 2021, 2019, 2016 und 2015 abgezogen. (Jan): Inklusion. (Stimme aus dem Off): Exklusion.
  225. Der Staat interessiert sich einfach nicht besonders dafür.
  226. übrigens, schönes, aktuelles, sehr pikantes Beispiel: Wahllokale.
  227. * Zitat * 71 % der deutschen Wahllokale waren 2017 barrierefrei,
  228. sagt die Bundeswahlleiterin. (Olaf Scholz): Wir leben in einem tollen Land.
  229. Auf jeden Fall. Aber, als wir nachgefragt haben,
  230. "Frau Bundeswahlleiterin, was genau meinen Sie
  231. eigentlich mit barrierefrei?" "Keine Barrieren für niemanden?"
  232. * Zitat * Nicht 71 % aller Wahllokale
  233. sind barrierefrei, sondern 71 % aller Wahllokale behaupten, sie seien barrierefrei.
  234. Ich habe verstanden, so wie die SPD behauptet, sie mache sozialdemokratische Politik.
  235. Aha, im Konjunktiv. Wenn Wahllokale wirklich barrierefrei wären,
  236. dann hätten sie barrierefreie Parkplätze, damit Menschen, die einen Rollstuhl benutzen,
  237. zum Wahllokal kommen. Ein taktiles Leitsystem,
  238. damit sich Menschen mit 'ner Sehbehinderung zurechtfinden. Breite Flure, auf denen zwei Rollstuhlfahrer:innen
  239. aneinander vorbeifahren könnten. Eine rollstuhlgerechte Toilette,
  240. am besten mit Personenlift, der wird sehr oft vergessen. Ein Warnsystem, das auch blinkt, damit gehörlose Menschen mitbekommen,
  241. dass ihr Leben in Gefahr ist. Es gäbe Gebärdensprachen-Dolmetscher*innen,
  242. die gehörlosen Personen sagen könnten, wie die Wahl abläuft und in welche Kabine sie müssen.
  243. Das und noch vieles, vieles, vieles mehr bräuchte es, um wirklich barrierefreie Wahllokale zu haben.
  244. Aber, ey, ich meine Wahllokale, die sind in Deutschland ja total oft in Schulen untergebracht.
  245. Wie sollen die denn barrierefrei sein? Und genau das ist das Problem, genau das ist das Problem!
  246. Wahl ist nur alle vier Jahre, beziehungsweise wenn die FDP es will, aber Schule ist jeden Tag!
  247. Wenn wir barrierefreie Schulen hätten, dann hätten wir auch barriere- freie Wahllokale in Deutschland.
  248. (Olaf Scholz): * Niesen * Tschuldigung. Nicht angenommen, nicht angenommen.
  249. Im Wahllokal seine Stimme abgeben zu können, ist kein Privileg. Wählen ist das Mindeste, um an der Gesellschaft teilnehmen zu können.
  250. Demokratische Mitbestimmung: Jeder Mensch hat das Recht, an der Wahl teilzunehmen.
  251. Und damit einen Anspruch auf ein barrierefreies Wahllokal, oder? * Zitat *
  252. Alright, Hashtag der Woche: Das Motto gilt übrigens auch für Briefwahl-Unterlagen,
  253. die sind auch nicht barrierefrei, weil sie oft nicht in leichter und verständlicher Sprache verfasst sind.
  254. Darauf wären aber nach Schätzungen rund zehn Millionen Menschen in Deutschland angewiesen.
  255. Naja, naja, Inklusion ... (Stimme aus dem Off): Exklusion ... eben, (Jan): Hashtag "so gut es geht jedenfalls".
  256. Das muss reichen für Deutschland im Jahr 2024, 2025. Das ist unser deutscher Anspruch: So gut es geht jedenfalls.
  257. Wie schlecht es um Inklusion in Deutschland steht, haben wir mit unseren Kolleg*innen von "andererseits"
  258. für Sie zusammengestellt. Auf einer fantastischen Website:
  259. Die Seite ist, anders als deutsche Briefwahl-Unterlagen, in Leichter und Einfacher Sprache.
  260. Da können Sie unsere ganze Recherche, noch viel mehr, als wir hier in die Sendung gepackt bekommen haben,
  261. über die Feiertage schön reinschmökern. Auch viele neue Erkenntnisse, die auch nicht in der Show waren.
  262. Alles auf der Website, andererseits.org/inklusion. * Jubel und Applaus *

Zum Nachlesen