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Indische Kultur
Indische Kultur umfasst die Vielzahl von Kulturen verschiedener Bevölkerungsgruppen und Religionen, die man in Indien findet. Indische Kultur, insbesondere …
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Vielfalt und Bedeutung
Indische Kultur umfasst die vielen Kulturen unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen und Religionen in Indien. Ihre Kunst, Architektur, Musik, ihr Tanz und Theater haben Traditionen, die mehrere tausend Jahre zurückreichen. Die große Vielfalt an Sprachen und Völkern führte zu zahlreichen regionalen Besonderheiten. Zugleich prägten historische Einflüsse, besonders der Islam und europäische Kolonialmächte, die Kultur.
Texte der indischen Religionen, Philosophie und Literatur zählen zur Weltliteratur; indische Bauwerke gehören zum Weltkulturerbe. International bekannt wurden außerdem Aspekte der Popkultur, vor allem der populäre indische Film und die indische Küche.
Bildende Kunst und Baukunst
Die Ursprünge der indischen Malerei reichen bis in die Steinzeit zurück. Höhlenmalereien in Bhimbetka in Madhya Pradesh sind dafür ein Beispiel. Zur frühen Kunst gehören auch Statuetten und Skulpturen der Induskultur sowie kunstvolle Siegessäulen aus dem Maurya-Reich.
Die Zeit des Gupta-Reichs ab 300 n. Chr. gilt als klassische indische Kunst. Beispiele sind hinduistische Gupta-Tempel wie der Dashavatara-Tempel und die Felsmalereien buddhistischer Höhlentempel in Ajanta. Die nachklassische Zeit ab 800 n. Chr. war politisch und kulturell zersplittert; aus ihr stammen bedeutende hinduistische Skulpturen wie Shiva Nataraja aus dem 11. oder 12. Jahrhundert. Ab dem 8. Jahrhundert veränderte islamischer Einfluss die Kunst. Besonders im Mogulreich entstanden ornamentale Plastik, monumentale Grabstätten wie das Taj Mahal und persisch beeinflusste Miniaturmalerei. Während der Kolonialzeit nahm westlicher Einfluss zu; einheimische Kunst verlor durch die Entmachtung ihrer fürstlichen Förderer an Unterstützung. Rabindranath Tagore (1871–1951) leitete eine Wende ein und wird als Vater der modernen indischen Kunst bezeichnet.
Die historische Architektur war bis in die frühe Neuzeit vor allem Sakralarchitektur, also religiöse Baukunst. Der Buddhismus prägte den Beginn monumentaler Bauten unter Ashoka im 3. Jahrhundert v. Chr. Mit dem Hinduismus entwickelte sich die hinduistische Tempelarchitektur, die im Mittelalter bis Südostasien ausstrahlte. Buddhistische Architektur wurde schon im Altertum in Ostasien und Tibet nachgeahmt. Im Mittelalter entstand aus nahöstlicher Baukunst sowie einheimischen, west- und zentralasiatischen Einflüssen eine eigenständige indo-islamische Architektur. Der Kolonialismus brachte ab dem 16. Jahrhundert europäische Vorstellungen; erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts bildete sich ein britisch-indischer Kolonialstil aus.
Tanz und Theater
Der klassische indische Tanz besitzt eine jahrtausendealte Tradition. Darstellungen von Tänzerinnen und Tänzern reichen bis zur Induskultur zurück, etwa das „Tanzende Mädchen“ aus Mohenjo-Daro. Die Posen des Bharatanatyam aus Tamil Nadu beschreibt bereits das Natyashastra, ein Lehrwerk der Tanz- und Schauspielkunst von Bharata, um 200 v. Chr. Tanz entstand im Tempelkult und sollte Götter verherrlichen; daneben gab es Tanz fahrender Sänger und Tänzer, der schon im Ramayana erwähnt wird.
Klassische regionale Stile sind Kathak, ein höfischer Tanz aus Nordindien, Odissi als ursprünglich religiöser Tempeltanz aus Orissa, Bharatanatyam aus Tamil Nadu und Manipuri aus Nordostindien. Kathakali aus Kerala ist ein Maskentanz. Neben diesen Traditionen ist Bollywood-Tanz populär: Er entstand durch die Filmindustrie und wird zu Filmmusik getanzt.
Auch das Theater ist eng mit Tanz und Götterverehrung verbunden. Das Natyashastra beschreibt um die Zeitenwende wichtige Posen für beide Kunstformen. Tempeltheater belegen unter anderem die Theaterhalle im Kailasa-Tempel von Ellora aus dem 8. Jahrhundert, Hallen am Ghantai-Tempel bei Khajuraho aus dem 11. Jahrhundert und der Vitthala-Tempel aus dem 14. Jahrhundert. Ein zweiter Ursprung liegt im Gauklertum mit Akrobatik und Tanz.
Das früheste überlieferte Sanskrit-Drama stammt von Ashvaghosha um 100 n. Chr. Wichtige Autoren sind außerdem Bhasa, Kalidasa und Bhavabhuti. Später verlor das klassische Drama an Bedeutung, weil Theater an muslimischen Höfen Nordindiens nicht gefördert wurde. Es überdauerte als Tempel- und Volkstheater. Im 19. Jahrhundert wandte sich das Theater sozialen Fragen zu und experimentierte mit indischen und westlichen Formen. Heute bestehen viele Traditionen fort, darunter das weitgehend unverändert überlieferte Sanskrittheater Kutiyattam, Ritualtheater wie Bhagavata Mela und Teyyam sowie regionale Puppen- und Schattenspiele, etwa Tholpavakuthu in Kerala.
Musik und Literatur
Die klassische indische Musik hat zwei Hauptrichtungen: Hindustani-Musik ist die klassische Musik Nordindiens, karnatische Musik der vorherrschende klassische Stil Südindiens. Neben den ethnischen Gruppen des Subkontinents beeinflussten persische, arabische und englische Musik die indische Musik. Zur Hindustani-Musik gehören unter anderem Ravi Shankar als Sitar-Spieler sowie Amjad Ali Khan, Bismillah Khan und Zakir Hussain. Kishori Amonkar gehörte zur Jaipur-Gharana und sang im Khyal- und Thumri-Stil.
Die gegenwärtige populäre Musik wird von Filmmusik dominiert: Etwa 60 Prozent der in Indien verkauften Musik ist Filmmusik. Film- und Popmusik werden stark von Soul, Rock und Hip-Hop beeinflusst. Filmi und Bhangra wurden auch unter Auslandsindern, etwa in Großbritannien sowie Süd- und Ostasien, populär. Asha Bhosle und Lata Mangeshkar sind in jeweils rund tausend Filmen zu hören.
Frühe literarische Traditionen wurden meist zunächst mündlich überliefert. Sakrale Werke sind die Veden sowie die Epen Mahabharata und Ramayana. Als bedeutendster Autor klassischer Sanskrit-Literatur gilt Kalidasa, vermutlich Dichter am Hof König Vikramadityas (380–413 n. Chr.). Weitere wichtige Texte sind Dramen Bhavabhutis, die Romanze Panchatantra, das Gedicht Gota-Gavinda sowie Texte in Pali und Tamil. Die Sangam-Literatur aus Tamil Nadu zeigt einige der ältesten weltlichen Traditionen Indiens. Im Mittelalter waren arabische und persische Dichtung an islamischen Höfen, die Bhakti-Literatur und ab dem 15. Jahrhundert die Urdu-Lyrik wichtig. Seit dem 19. Jahrhundert gewann unter westlichem Einfluss der Roman an Bedeutung. Heute wird in Regionalsprachen und auf Englisch geschrieben; Rabindranath Thakur ist Nationaldichter und bisher der einzige indische Nobelpreisträger für Literatur.
Film als Massenkultur
Bollywood ist die umgangssprachliche Bezeichnung für die beliebte Hindi-Filmindustrie in Mumbai. Zusammen mit Filmzentren in Bengali, Kannada, Malayalam, Tamil und Telugu bildet sie die gesamtindische Filmindustrie. Diese gehört, gemessen an produzierten Filmen und möglicherweise auch verkauften Eintrittskarten, gemeinsam mit dem US-amerikanischen Film zur größten Filmindustrie der Welt.
Bollywood-Filme sind normalerweise Musicals: Nur wenige enthalten nicht mindestens eine Szene mit Tanz und Lied. Das Publikum erwartet Lieder und Tänze, Liebesgeschichten, Komödien und Draufgänger in einer fortlaufenden fantastischen Komposition. Solche Filme heißen nach der indischen Gewürzmischung „Masala“ auch Masala-Filme. Ihre Handlung ist oft melodramatisch und verwendet wiederkehrende Elemente, etwa Über-Kreuz-Liebesbeziehungen, verärgerte Eltern, korrupte Politiker, Entführer, lange verschollene Verwandte, getrennte Geschwister, dramatische Glückswechsel und passende Zufälle.
Feste, Kleidung und Sport
Das Jahr in Indien ist von vielen Festen geprägt. Anlässe sind historische Ereignisse, religiöse Traditionen und Jahreszeiten, etwa Frühlingsbeginn oder Erntebeginn. Nationale Feiertage erinnern an den Unabhängigkeitstag am 15. August, den Tag der Republikgründung am 26. Januar und Gandhi Jayanti am 2. Oktober.
Zu wichtigen hinduistischen Festen zählen Diwali, Dashahara im September/Oktober, Durga Puja in Bengalen und Holi. Dashahara ist regional unterschiedlich begründet und wird in Nordindien etwa mit dem Ramayana verbunden. Holi markiert das Ende des Winters und wird mit Feuern sowie gefärbtem Wasser und Puder gefeiert. Beim Kanwar Mela nehmen zehntausende Anhänger Shivas ein Bad im Ganges. Weitere religiöse Feste sind Id-al-Adha im Februar und Milad-ul-Nabi, Guru Parab am ersten Vollmond nach Diwali, Karfreitag, Weihnachten am 25. Dezember, Buddha Jayanti im Mai und der Geburtstag Mahaviras. Hinzu kommen Film-, Musik- und Tanzfestivals sowie Sportereignisse wie das Nehru Trophy Boat Race und die Delhi Horse Show.
Traditionelle Männerkleidung umfasst Dhoti, Lungi und Kurta; Frauen tragen unter anderem Sari, Salwar Kamiz und Choli. Salwar Kamiz besteht aus Hose, Tunika und Dupatta. Turban, Odhni oder Dupatta sind traditionelle Kopfbedeckungen. Westliche Kleidung wie Hemden und Jeans wird ebenfalls getragen, auch kombiniert mit traditionellen Stücken.
Cricket ist mit Abstand die beliebteste Sportart. Weitere beliebte Sportarten sind Fußball, Pferderennen und Tennis; Polo und Hockey verloren an Popularität. In Indien wurden Spiele und Sportarten wie Schach erfunden. Kalarippayat ist ein alter Kampfsport, dem ein starker Einfluss auf das jüngere Shaolin Kung Fu zugeschrieben wird. Indisches Yoga hat in westlichen Abwandlungen weltweit viele Anhänger.