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Musical

Thematisch wird eine breite Fülle von tragischen wie auch humorvollen Stoffen behandelt, die zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten spielen.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Definition und Merkmale
  2. 2. Entstehung und klassische Zeit
  3. 3. Das Filmmusical
  4. 4. Rockmusical und moderne Entwicklungen
  5. 5. Kindermusical

Definition und Merkmale

Das Musical ist ein Genre des populären Musiktheaters. Es verbindet Gesang, Tanz, Schauspiel beziehungsweise Dialog und Musik innerhalb eines durchgehenden Handlungsrahmens. Als Gesamtkunstwerk ist es zugleich eine literarische und eine musiktheatralische Gattung. Die Stoffe reichen von tragischen bis zu humorvollen Geschichten, spielen in unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten und behandeln auch gesellschaftlich oder politisch sensible Themen. Viele Musicals beruhen auf literarischen Vorlagen, in neuerer Zeit auch auf Filmen.

Musikalisch verbindet das Genre Einflüsse aus Popmusik, Tanz- und Unterhaltungsmusik, Jazz, Swing, Soul und Rock ’n’ Roll. In seiner Entwicklung wirkten außerdem Drama, Komödie, Revue, Operette, Ballett, Varieté und Oper zusammen. Meist wechseln sich Dialoge und Gesangsnummern ab. Seit den 1970er Jahren gibt es jedoch auch durchkomponierte Musicals, in denen die Handlung weitgehend ohne gesprochene Dialoge durchgehend gesungen wird.

Eine genaue Abgrenzung ist schwierig, weil sich Stil und Bedeutung des Begriffs im Lauf der Zeit verändert haben. „Musical“ und „Musical Comedy“ werden häufig synonym verwendet. Ein überwiegend ernstes Werk wie Show Boat (1927) wird auch als Musical Play bezeichnet. Im Unterschied zur Revue besitzt das Musical normalerweise einen durchgehenden Handlungsstrang. Die Grenzen zwischen den Gattungen waren besonders bis etwa 1940 fließend.

Entstehung und klassische Zeit

Die Ursprünge des Musicals liegen im 19. Jahrhundert in London und New York. Mit dem Wachstum der Städte stieg die Nachfrage nach Unterhaltung. Auf den Bühnen dominierten Mischformen aus Sprech- und Musiktheater, die von der Opéra comique und der europäischen Operette beeinflusst waren. In den USA kamen unter anderem Minstrel Shows, Vaudeville und Burlesque hinzu.

Als erstes Musical überhaupt wird häufig The Black Crook genannt, das 1866 in New York produziert wurde. Eine europäische Balletttruppe wurde nach dem Brand der Academy of Music in ein Melodram von Charles Barras integriert; diese Verbindung wurde unerwartet erfolgreich. Um 1900 beherrschten Operetten wie The Geisha von Sidney Jones (1898) die Londoner und New Yorker Bühnen.

Seit ungefähr dem Ersten Weltkrieg wurde der Broadway zu einem kulturellen Schmelztiegel. Einflüsse aus Jazz und Swing, französischen Revuen, Music Halls, Vaudeville, Burlesque, der Pariser und Wiener Operette sowie Wild-West-Shows verbanden sich. Neben dem klassischen Operngesang wurde das Belting wichtig, eine kraftvolle Gesangstechnik. Aufwendige Bühnenmaschinerie, Effekte, Tanz und Kostüme prägten die großen Extravaganzas.

Eine eigenständige Gattung Musical lässt sich erst seit den 1920er Jahren erkennen, als die amerikanische Operette an Bedeutung verlor. Lady, Be Good (1924) von George Gershwin und besonders Show Boat (1927) von Jerome Kern gelten als wichtige Beispiele. In Show Boat ergaben sich die Songs aus der Handlung, statt sie nur zu unterbrechen; außerdem wurde Sozialkritik, etwa an der Diskriminierung der Afroamerikaner, einbezogen. Mit der Verbindung von Musik, Gesang und Tanz zu einer durchgehenden Handlung, dem sogenannten Book, entstand das Book-Musical.

Von Mitte der 1940er Jahre bis zum Aufkommen des Rockmusicals Ende der 1960er Jahre folgte das „Goldene Zeitalter“. Bedeutende Werke waren unter anderem Oklahoma! (1943), Carousel (1945), South Pacific (1949), The King and I (1951) und The Sound of Music (1959) von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein. West Side Story (1957) von Leonard Bernstein entfernte sich von Pathos und drolliger Komik und verlieh dem Genre eine neue Qualität. Auch Sweet Charity (1966), Cabaret (1966) und Chicago (1975) entwickelten das Musical musikalisch und inszenatorisch weiter.

Das Filmmusical

Das Filmmusical wurde durch die Erfindung des Tonfilms möglich. Als wichtiger Ausgangspunkt gilt The Jazz Singer mit Al Jolson aus dem Jahr 1927; ein früher Vertreter war The Broadway Melody (1929). Zunächst ergänzten Musik, Gesang und Tanz die Handlung, später wurden sie zu einem integralen und handlungstragenden Bestandteil.

Der Film eröffnete dem Musical neue Möglichkeiten: realistische Landschaften ersetzten das reine Illusionstheater, schnelle Szenenwechsel waren ohne Umbaupausen möglich und Nahaufnahmen erzeugten eine größere Nähe zu den Darstellern. Anfang der 1930er Jahre ermöglichten neue Aufnahmetechniken sogenannte Overhead shots. Besonders Busby Berkeley machte damit aufwendige Choreografien berühmt, in denen Hunderte Tänzerinnen menschliche Ornamente bildeten. Ein frühes Filmmusical mit deutlich erkennbarem Book-Musical-Charakter war Show Boat (1936), das 1951 als Mississippi-Melodie in Farbe neu verfilmt wurde.

Die 1930er und 1940er Jahre brachten zahlreiche Musicalstars hervor. Zu den prägenden Darstellern und Tänzern gehörten Fred Astaire, Ginger Rogers, Eleanor Powell, Judy Garland, Gene Kelly, Donald O’Connor, Jane Powell und Debbie Reynolds. MGM, insbesondere die Produktionen von Arthur Freed, wurde zu einem Synonym für das Genre. Wichtige Filme waren Der Zauberer von Oz (1939), Ein Amerikaner in Paris (1951) und Singin’ in the Rain (1952). Walt Disney verwendete die Musicalform ab Schneewittchen und die sieben Zwerge (1937) auch für Zeichentrickfilme.

Zwischen Broadway und Hollywood bestand ein reger Ideenaustausch. Bühnen-Erfolge wurden verfilmt, und Filme dienten später als Vorlage für Bühnenmusicals. In den 1960er Jahren endete die klassische Blütezeit des üppig ausgestatteten Filmmusicals allmählich. Zugleich entstanden ernstere und sozialkritischere Filme wie West Side Story (1961), My Fair Lady (1964), The Sound of Music (1965), Funny Girl (1968) und Oliver (1968). Bob Fosse prägte mit Sweet Charity (1969) und Cabaret (1972) eine moderne Inszenierungsform.

Verfilmungen konnten sich deutlich von ihren Bühnenvorlagen entfernen und Handlung, Ablauf oder Musik verändern. Umgekehrt wurden auch originäre Filmmusicals wie Mary Poppins (1964) später zu Bühnenmusicals. Seit Beginn der 2000er Jahre ist erneut eine Renaissance des Film-Musicals zu beobachten, unter anderem mit Chicago (2002), Das Phantom der Oper (2004), Mamma Mia! (2008), Les Misérables (2012), Into the Woods (2014), Die Schöne und das Biest (2017), West Side Story (2021) und La La Land (2016), das keine Bühnenvorlage hatte.

Rockmusical und moderne Entwicklungen

Ende der 1960er Jahre beeinflussten Underground-Kultur, die 68er-Bewegung und gesellschaftliche Umbrüche das Musical. Hair (1968) thematisierte die Lage Jugendlicher und den kritisch betrachteten Vietnamkrieg. Mit Mitspielszenen wurde die Grenze zwischen Publikum und Darstellern durchlässiger. Rockmusik verdrängte teilweise sinfonische und jazzelemen­tare Merkmale; das Orchester wurde durch elektroakustische Instrumente wie die E-Gitarre ergänzt oder ersetzt. Hair und Oh! Calcutta! (1969) setzten teilweise an die Stelle einer geschlossenen Handlung ein provokatives, der Revue angenähertes Konzept. The Rocky Horror Show von Richard O’Brien (1973) parodierte die unfreiwillige Komik zweitklassiger Science-Fiction- und Horrorfilme. Die Verfilmung The Rocky Horror Picture Show (1975) wurde ein weltweiter Kultfilm.

Nach der experimentellen Phase wandte sich das Musical in den 1970er und 1980er Jahren wieder stärker den Formen der Goldenen Ära zu. Grease feierte 1972 Premiere und verband den Musikstil der 1950er Jahre mit einer Liebesgeschichte an einer amerikanischen Highschool. A Chorus Line (1975) machte die Auditions und persönlichen Geschichten der Bewerber selbst zum Thema; mit fast 15 Jahren Laufzeit und über 6.000 Vorstellungen war es damals das am längsten laufende Broadway-Musical. 42nd Street (1980) erinnerte musikalisch und inszenatorisch an die Klassiker.

Gleichzeitig setzte sich das durchkomponierte Musical durch. Zu den international erfolgreichen Werken Andrew Lloyd Webbers gehören Evita (1978), Cats (1980), Starlight Express (1984), Das Phantom der Oper (1986) und Sunset Boulevard (1993). Claude-Michel Schönberg und Alain Boublil schufen Les Misérables, das 1980 in Frankreich und nach einer Überarbeitung 1985 in London Premiere hatte, sowie Miss Saigon (1989). Die aufwendigen Produktionen führten zu hohen Investitionen und langen Laufzeiten. Bei Lizenzproduktionen wurden Musik, Besetzung, Bühnenbild, Kostüme, Beleuchtung und szenische Umsetzung häufig sehr genau vorgegeben. Daneben etablierte sich Stephen Sondheim mit anspruchsvollen, oft weniger eingängigen Musicals wie Company (1970), Sweeney Todd (1979) und Into the Woods (1987).

In Deutschland löste dieser Erfolg ab den 1990er Jahren einen Musical-Boom aus. Es entstanden En-suite-Produktionen, also meist lange laufende Produktionen an einem festen Theater. Neue Spielstätten wurden unter anderem in Hamburg, Stuttgart, Düsseldorf, Niedernhausen, Köln, Duisburg, Essen, Berlin, Bremen und Oberhausen eröffnet. Das 1988 errichtete Starlight Express Theater in Bochum war sogar auf ein einziges Musical ausgerichtet; die Darsteller agieren dort auf Skatern und nutzen Brücken sowie Bahnen zwischen den Zuschauern. Nach einer Konsolidierungsphase wurden einige Theater anderweitig genutzt. Eine spätere Ausnahme war das 2014 eröffnete Theater an der Elbe in Hamburg.

Seit der Wende zum 21. Jahrhundert verbreitete sich das Jukebox- oder Compilation-Musical. Es verwendet bekannte Titel eines Interpreten oder einer Stilrichtung, teilweise angepasst und in einen neuen Handlungszusammenhang gestellt. Der Durchbruch gelang Mamma Mia! (1999) mit der Musik von ABBA. Weitere Beispiele sind Jersey Boys (2005), Priscilla, Queen of the Desert (2006) und Ich war noch niemals in New York (2007) mit Musik von Udo Jürgens. Außerdem werden zunehmend Filme als Vorlage für Bühnenmusicals genutzt, etwa The Producers (2001), Hairspray (2002), Billy Elliot (2005), Sister Act (2006), Kinky Boots (2012) und Wicked (2003), das auf einer literarischen Vorlage basiert. Revivals älterer Musicals passen meist nur die Ausstattung an; gelegentlich werden Buch oder Musik überarbeitet.

Kindermusical

Der Begriff „Kindermusical“ entstand Anfang der 1970er Jahre im professionellen Kinder- und Jugendtheater und bezeichnete zunächst Stücke für ein jugendliches Publikum, die von professionellen Theatern aufgeführt wurden. Im Lauf der 1970er Jahre kamen Stücke hinzu, die für die Aufführung durch Kinder und Jugendliche bestimmt waren; Ende des Jahrzehnts war der Begriff etabliert.

Kindermusicals für junge Mitwirkende enthalten häufig weniger Tanz und konzentrieren sich stärker auf Sprechszenen und Gesang. Bei jüngeren Kindern dominiert der einstimmige Chor, bei älteren Kindern und Jugendlichen kommen Soloparts hinzu. Mehrstimmiger Gesang und komplizierte Arrangements sind selten. Typisch ist eine große, flexible Zahl an Rollen, damit alle Kinder teilnehmen können. Rollen mit wenig Text oder stumme Rollen ermöglichen auch schüchternen Kindern den Zugang zu Theater und Musik.

Zu den Musicals für Kinder und Jugendliche zählen die Ritter-Rost-Serie von Jörg Hilbert und Felix Janosa, Werke von Veronika te Reh und Wolfgang König sowie Stücke von Mechthild von Schoenebeck(-Reiß). Musicals von Peter Schindler werden häufig von Kinder- und Jugendchören in Theatern und Schulen aufgeführt. Daneben gibt es professionelle Produktionen, die meist auf Kinderbüchern oder Kinderfilmen beruhen, etwa Pippi Langstrumpf, Das Sams, Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, Tabaluga, Yakari – Freunde fürs Leben sowie Pettersson und Findus.

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