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Indirekte Rede
Die indirekte Rede ist ein Mittel zur distanzierten, berichtenden Wiedergabe von Äußerungen. Die Wiedergabe der Äußerung kann wortgenau oder verkürzt sein …
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Grundidee und Formen
Die indirekte Rede gibt Äußerungen berichtend und mit Abstand wieder. Sie kann den ursprünglichen Wortlaut genau übernehmen, ihn verkürzen oder Teile in anderer Reihenfolge wiedergeben. Anders als direkte Rede steht sie nicht in Anführungszeichen. Sie erscheint entweder als Nebensatz, häufig mit dem einleitenden Subjunktor „dass“, oder als Hauptsatz im Konjunktiv I oder II.
Neben der indirekten Rede gibt es direkte Rede und erlebte Rede. Direkte Rede gibt eine Äußerung ohne Modusänderung wieder, zum Beispiel: Sie sagt: „Ich komme morgen aus Berlin.“
Merkmale im Deutschen
Direkte und indirekte Rede unterscheiden sich in mehreren Punkten:
- Direkte Rede hat Anführungszeichen: Er sagte: „Sie hat kein Geld.“ Indirekte Rede hat keine: Er sagte, sie habe kein Geld.
- Bei direkter Rede steht keine Konjunktion. Indirekte Rede kann ebenfalls ohne Konjunktion stehen oder mit „dass“ gebildet werden: Er sagte, dass sie kein Geld habe.
- Mündlich folgt nach dem einleitenden Satz bei direkter Rede meist eine kurze Sprechpause; bei indirekter Rede nicht.
- Direkte Rede steht im Indikativ oder im ursprünglichen Modus. Indirekte Rede verwendet häufig Konjunktiv.
- Pronomen und andere Angaben werden an die Perspektive des Erzählers, die Origo, angepasst. Aus „Ich kann dir kein Geld mehr leihen“ wird etwa: Er sagte, er könne mir/dir/ihm/ihr kein Geld mehr leihen.
- Ein einleitender Matrixsatz mit einem Zitatverb wie „sagen“, „meinen“ oder „antworten“ ist bei direkter Rede nötig. Bei indirekter Rede kann er wegfallen, wenn der Sprecher bekannt ist: Er könne mir kein Geld mehr leihen.
- Frage- und Ausrufezeichen entfallen. Eine direkte Frage wie Er fragte: „Kannst Du mir Geld leihen?“ lautet indirekt: Er fragte, ob ich ihm Geld leihen könne.
Modus und Zeitformen
Indirekte Rede kann im Indikativ oder Konjunktiv stehen. Ein indikativischer „dass“-Satz wird verwendet, wenn der Verbindlichkeitsanspruch der ursprünglichen Äußerung übernommen wird. Der Konjunktiv I lässt offen, wie verbindlich die berichtete Aussage ist. Sind Konjunktiv I und Indikativ formgleich, wird ersatzweise Konjunktiv II gebraucht.
Konjunktiv II kann auch Zweifel an der Aussage oder die Annahme ihrer Unrichtigkeit ausdrücken. Diese Regel ist jedoch umstritten: Untersuchungen zufolge wird ein solcher Unterschied in Zeitungstexten heute nicht angewendet und von Lesern nicht wahrgenommen. Ob der Berichtende sich vom Inhalt distanziert, ergibt sich praktisch nur aus dem Kontext.
Nach „gemäß“, „zufolge“, „nach“ oder „laut“ steht das Verb nach der Duden-Redaktion in der Regel im Indikativ. Leitet ein Satz eine längere, aus mehreren Sätzen bestehende indirekte Redewiedergabe ein, steht darin durchgängig Konjunktiv, auch in formal selbständigen Sätzen.
Das Tempus bezieht sich auf den Zeitpunkt der Aussage, nicht darauf, ob die berichtete Situation inzwischen vergangen ist. Daher heißt es: Als ich sie das letzte Mal sah, sagte sie mir, sie sei schwanger. Ebenso: Er sagte mir, er habe all sein Geld verloren und könne mir deshalb nichts geben. Oder: Er erzählte mir, er werde nach Amerika auswandern, aber jetzt ist er wieder zurück in Europa.
Typische Umformungen sind: „Ich bin aus Berlin gekommen.“ → Er sagte, er sei aus Berlin gekommen. „Ich werde aus Berlin kommen.“ → Er sagte, er werde aus Berlin kommen; umgangssprachlich auch: er würde aus Berlin kommen. Für „Ich werde mitkommen“ sind möglich: Du sagtest doch, du werdest mitkommen, du kämest mit oder umgangssprachlich: dass du mitkommen würdest. Das Passiv lautet: „Ich bin mitgenommen worden.“ → Du sagtest, du seiest mitgenommen worden.
Eine Modusänderung im „dass“-Satz ist nicht zwingend: „Der Wimbledon-Finalist behauptete, dass ihn der Stuhlschiedsrichter betrogen habe/hat.“ Umgangssprachlich wird auch sonst oft Indikativ verwendet: Er sagte, er stammt aus Berlin, statt des Konjunktivs „er stamme“.
Andere Sprachen und Literatur
Dass das Deutsche besonders den Konjunktiv zur Kennzeichnung indirekter Rede nutzt, bedeutet nicht, dass dies in anderen Sprachen ebenso ist. Im Englischen, Spanischen, Französischen und Dänischen wird vor allem das Tempus des Zitatsatzes verändert; Pronomen werden ebenfalls angepasst. Ein englisches Beispiel lautet: He told me that he had lost all his money and could not give me anything.
Im Litauischen wird indirekte Rede mit infiniten Verbformen wie Partizipien ausgedrückt; dies heißt Modus relativus. Im Lateinischen steht der Accusativus cum infinitivo (AcI); Fragen, Imperative und Nebensätze werden in den Konjunktiv gesetzt. In vielen Sprachen ist der Unterschied zwischen direkter und indirekter Rede stilistisch weniger deutlich und weniger streng; im Japanischen kann der Sprecher Pronomen oder Modus frei ändern. Manche Sprachen besitzen logophorische Pronomen für den Sprecher innerhalb der indirekten Rede. Im Deutschen steht dafür gewöhnlich ein Personalpronomen der dritten Person, etwa: „Er sagte, dass niemand ihn gesehen habe“.
Im Roman Die Vermessung der Welt von Daniel Kehlmann sind die Dialoge durchgehend in indirekter Rede geschrieben.
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