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Anführungszeichen
Regeln · Überschriften, Werktitel (etwa von Büchern und Theaterstücken), Namen von Zeitungen und dergleichen: · Sprichwörter, Äußerungen und dergleichen, zu denen …
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Funktion und grundlegende Verwendung
Anführungszeichen sind Satzzeichen am Anfang und Ende einer direkten Rede, eines wörtlichen Zitats oder eines zitierten Titels beziehungsweise Namens eines Werkes. Sie kennzeichnen also Text, der wörtlich wiedergegeben oder als besondere sprachliche Einheit behandelt wird.
Sie können außerdem eine modalisierende Funktion haben: Sie heben Wörter, Wortgruppen oder Textteile hervor, zu denen man Stellung nimmt, über die man spricht oder von deren Gebrauch man sich etwa ironisch oder durch eine andere Bedeutung distanzieren möchte. Auch Unterführungszeichen können sie ersetzen, wenn wiederholte Wörter vermieden werden sollen.
Im Deutschen regeln besonders § 89 und § 94 des überarbeiteten amtlichen Regelwerks der deutschen Rechtschreibung von 2006 die Verwendung. Anführungszeichen stehen bei:
- direkter Rede und wörtlich wiedergegebenen Textstellen, zum Beispiel: „Immer muss ich arbeiten!“, seufzte sie.
- Überschriften, Werktiteln und Zeitungsnamen, etwa: Sie las den Artikel „Chance für eine diplomatische Lösung“ in der „Wochenpost“.
- Sprichwörtern oder Äußerungen, die kommentiert werden: Das Sprichwort „Eile mit Weile“ hört man oft. Solche Textteile werden nicht mit Komma abgegrenzt.
- Wörtern und Wortgruppen, über die eine Aussage gemacht wird, etwa: Die Präposition „ohne“ verlangt den Akkusativ.
- ironisch, übertragen oder distanzierend gemeinten Ausdrücken, etwa: Und du willst ein „treuer Freund“ sein? Sie sprang diesmal „nur“ 6,60 Meter.
Anführungszeichen und Satzzeichen
Die Stellung anderer Satzzeichen hängt davon ab, zu welchem Satz sie gehören.
- Frage- und Ausrufezeichen stehen vor dem schließenden Anführungszeichen, wenn sie zum angeführten Text gehören: Sie fragte: „Wie geht es dir?“
- Folgt auf direkte Rede ein Begleitsatz oder wird dieser weitergeführt, steht das Komma nach dem schließenden Zeichen: „Sie fahren sofort nach Hause!“, befahl er.
- Punkt, Frage- oder Ausrufezeichen stehen nach dem schließenden Zeichen, wenn sie zum Begleitsatz gehören: Ich habe die „Buddenbrooks“ gelesen und den „Zauberberg“.
- Können sowohl Zitat als auch Begleitsatz mit Frage- oder Ausrufezeichen enden, erscheinen beide Zeichen: Gefällt dir der Roman „Quo vadis?“?
- Vor dem Komma zwischen angeführtem Text und Begleitsatz fällt der Schlusspunkt des angeführten Satzes weg: „Gehen wir doch ins Kino“, schlug sie vor.
- Ein eingeschobener Begleitsatz wird durch Kommata eingeschlossen: „Morgen früh“, versprach er, „komme ich zurück“.
- Steht die direkte Rede nach dem Begleitsatz, folgt hinter dem schließenden Anführungszeichen kein zusätzlicher Punkt: Er stellte fest: „Das muss jeder selbst entscheiden.“
Wissenschaftliche und typografische Formen
In den Philologien, also Sprach- und Literaturwissenschaften, werden unterschiedliche Funktionen bewusst getrennt. Zitate aus wissenschaftlicher Literatur oder Belletristik stehen in doppelten Anführungszeichen; ein Zitat innerhalb eines Zitats steht in einfachen. Wörter, Syntagmen (Wortgruppen) und Sätze, die sprachwissenschaftlich untersucht werden, setzt man dagegen kursiv, nicht in Anführungszeichen. Bedeutungsangaben bei besonders fremdsprachigen Ausdrücken stehen in einfachen Anführungszeichen, zum Beispiel smoke ‚Rauch‘ und fog ‚Nebel‘. In Literaturangaben stehen meist nur Titel von Aufsätzen in Anführungszeichen; Titel selbstständiger Werke werden kursiv und ohne Anführungszeichen gesetzt. In der Biologie werden Zuchtformen und Sorten englisch ausgezeichnet: Chamaecyparis pisifera ‘Squarrosa’.
Im Schreibmaschinensatz gibt es oft nur das gerade Zeichen ", das sowohl öffnende als auch schließende Anführungszeichen ersetzt. Es dient außerdem als Ersatz für Zoll, Sekunden oder Bogensekunden. Das gerade einfache Zeichen ' kann zugleich Apostroph sowie Ersatz für Fuß-, Minuten- und Bogenminutenzeichen sein. Typografisch richtige Zeichen unterscheiden deshalb öffnende und schließende Form.
In Deutschland und Österreich sind „…“ (deutsche Anführungszeichen, als Merkhilfe 99–66) und »…« (französische Anführungszeichen mit nach innen gerichteten Spitzen, Guillemets) gleichwertig. Für Zitate innerhalb eines Zitats werden meist die einfachen Formen ‚…‘ oder ›…‹ verwendet. Das amtliche Regelwerk legt keine dieser beiden doppelten Formen fest. Im Buchdruck überwiegen Guillemets, in Zeitungen meist deutsche Anführungszeichen.
Bei drei Verschachtelungsebenen kann man wieder die Zeichen der ersten Ebene verwenden oder eine dritte Sorte wählen. Im Deutschen können sich etwa „… »… ›…“ …‹ …« …“ verschachteln.
Schweiz und andere Sprachkonventionen
In der Schweiz und in Liechtenstein sind häufiger französische Guillemets mit nach außen gerichteten Spitzen üblich: «…» und ‹…›. Im Schweizer Schriftsatz ist der Abstand zum eingeschlossenen Text deutlich kleiner als im französischen Schriftsatz. In amtlichen Texten des Schweizer Bundes sind Guillemets vorgeschrieben; deutsche Anführungszeichen sind dort nicht zulässig. Die Schweizer Schulschrift verwendet normalerweise dennoch „…“.
Die Formen unterscheiden sich international. Viele Sprachen verwenden primär doppelte und innerhalb davon einfache Anführungszeichen. Im britischen Englisch stehen oft einfache Anführungszeichen primär und doppelte sekundär: ‘…’ und “…”; im amerikanischen Englisch ist es meist umgekehrt: “…”, ‘…’. Französisch verwendet « … » und ‹ … › mit einem Abstand von ¼ em, auf dem PC als geschütztes Leerzeichen. Chinesisch in Taiwan und Japan verwenden 「…」 sowie 『…』.
Ein Vergleich zeigt die deutsche, österreichische und schweizerische Praxis: „Hast du Grass’ ‚Blechtrommel‘ gelesen?“, »Hast du Grass’ ›Blechtrommel‹ gelesen?« und «Hast du Grass’ ‹Blechtrommel› gelesen?» sind jeweils passende Formen in ihren genannten typografischen Konventionen.
Darstellung, Eingabe und typische Fehler am Computer
Praktisch alle heutigen Computerschriftarten für lateinische Schriften enthalten typografische Anführungszeichen. Wichtig ist dennoch die Schriftwahl: Bei einigen Schriften sind gebogene Zeichen durch geneigte gerade Formen ersetzt; diese oberen Zeichen passen meist nicht zum Deutschen. Wenn die Schriftart nicht kontrolliert werden kann, etwa in E-Mails, empfiehlt der Artikel Guillemets. Courier New, Verdana und Tahoma stellen schließende Anführungszeichen teils falsch dar und eignen sich daher nicht für die korrekte Darstellung deutscher Texte.
Browserdarstellung hängt von Browser, Schriftarten und Dokumentenkodierung ab. ISO 8859-1 enthält die doppelten französischen Anführungszeichen; inzwischen sind auch deutsche Anführungszeichen bei Beachtung der Hinweise zur Webtypografie unproblematisch. Ältere Browser können Fehler zeigen; Netscape 4 stellt beispielsweise manche deutschen Schlusszeichen falsch dar und ersetzt französische halbe Zeichen durch Kleiner- und Größerzeichen.
Textverarbeitungen wie Microsoft Word und LibreOffice/OpenOffice.org ersetzen Schreibmaschinenzeichen bei der Eingabe automatisch durch typografische Zeichen und orientieren sich an der Dokumentsprache. Falsch gesetzte Leerzeichen können dabei falsche Zeichen erzeugen. Word behandelte einfache Anführungszeichen grundsätzlich falsch oder ignorierte sie; bei „Deutsch (Schweiz)“ verwendete es bis Version 2013 deutsche Zeichen, seit Word 2016 Schweizer Zeichen. Suchen-und-Ersetzen-Makros können Zeichenarten in ganzen oder markierten Dokumenten austauschen, besonders bei gemischtsprachigen Texten.
Unicode erlaubt die eindeutige Kodierung: „ ist U+201E, “ U+201C, ‚ U+201A, ‘ U+2018, » U+00BB, « U+00AB, › U+203A und ‹ U+2039. Unter Windows ist etwa „ mit Alt + 0132 und “ mit Alt + 0147 über den Nummernblock eingebbar. Unter Gnome wird bei gedrücktem Strg + Shift zunächst u und danach der hexadezimale Unicode eingegeben. macOS bietet Tastaturübersicht, Zeichenpalette und automatische „intelligente Anführungszeichen“.
Häufige Fehler entstehen, weil typografische Zeichen nicht in ASCII enthalten sind und geraden Zeichen ähneln. So sind ,, keine deutschen öffnenden Anführungszeichen „, '' keine schließenden deutschen Anführungszeichen “ und < beziehungsweise > keine einfachen Guillemets ‹ beziehungsweise ›. Auch Apostroph, Gravis und Akut-Akzent sind keine austauschbaren Anführungszeichen.
Handgeste, Programmierung und Suche
Im englischsprachigen Raum werden Anführungszeichen beim Sprechen oft als Handgeste gezeigt: Eine oder beide Hände werden gehoben, Zeige- und Mittelfinger zweimal angewinkelt und wieder gestreckt. Dieses air quote, auf Deutsch Luftzitat oder Luftanführungszeichen, kann Euphemismus, Ironie oder Sarkasmus ausdrücken.
In vielen IT-Systemen, besonders Programmiersprachen und Schnittstellen, trennen gerade einfache oder doppelte Anführungszeichen Zeichenketten von Schlüsselwörtern oder Bezeichnern. Java verwendet beispielsweise System.out.println("Bitte geben Sie die Postleitzahl ein");. In SQL steht ein Textwert in einfachen Anführungszeichen: INSERT INTO Vorlesung (VorlNr, Titel, PersNr) VALUES (1000, 'Softwareentwicklung', 12);
Bei Suchmaschinen und der Suche auf Webseiten bestimmen Anführungszeichen oft einen besonderen Suchmodus. Die Wikipedia-Suche nach Klaus Peter Müller ohne Anführungszeichen findet Seiten, auf denen die drei Begriffe irgendwo enthalten sind. Die Suche nach "Klaus Peter Müller" findet dagegen nur Seiten, auf denen die Begriffe genau in dieser Reihenfolge hintereinander stehen.